Manchmal entstehen Duftgeschichten nicht im Parfumladen, nicht durch gezielte Suche und auch nicht durch Zufallstests im Fachgeschäft, sondern in den Tiefen eines Forums.
Ich bin dort auf einen Beitrag gestoßen, in dem jemand einen Duft nach erneutem Test als viel zu süß, zu „quietschig“ und insgesamt zu überfordernd empfand. Mit dem klaren Fazit, dass er im Zweifel sogar im Müll landen würde.
Für viele wäre das vermutlich ein Warnsignal gewesen. Für mich war es eher eine Einladung.
Denn genau diese Art von überzeichneter Süße, dieses schrillfröhliche Duftprofil, entspricht exakt meinem Beuteschema.
Ich habe entsprechend kommentiert, dass genau das für mich spannend klingt.
Daraufhin entspann sich eine kleine, durchaus amüsante Forumsdynamik: Eine weitere Person zeigte ebenfalls Interesse und formulierte scherzhaft, sie würde sich „mit mir um die Probe kloppen“.
Und wie es der Zufall so will, meldete sich der ursprüngliche Verfasser mit der Information, dass tatsächlich noch zwei Abfüllungen des Duftes vorhanden seien.
Ich habe ihn daraufhin direkt kontaktiert und gefragt, was er dafür haben möchte. Seine einzige Bedingung war überraschend schlicht: Er würde mir den Duft kostenlos zusenden. Im Gegenzug solle ich lediglich eine ehrliche Rezension verfassen.
Und genau das tue ich hiermit:
Schon beim ersten Aufsprühen zeigt sich ein deutlich süßer und leicht fruchtiger Charakter. Der Duft wirkt präsent, aber nicht überladen.
Im Auftakt steht eine Kombination aus Beeren, Mandarine und weiteren fruchtigen Noten im Vordergrund.
Die Mandarine ist dabei nur sehr kurz wahrnehmbar und verschwindet schnell aus dem Duftbild, sodass die süße Fruchtigkeit insgesamt klar dominiert.
Nach kurzer Zeit wird der Duft weicher und runder. Vanille und cremige Akkorde treten stärker hervor und verbinden sich mit floralen Noten wie Orangenblüte und weißen Blüten. Dadurch entsteht ein süß geprägter, aber insgesamt gut ausbalancierter Duftverlauf.
Im weiteren Verlauf bleibt der Duft relativ konstant. Er entwickelt sich innerhalb seiner süß-fruchtigen Richtung weiter, ohne große Veränderungen. Die floralen und cremigen Noten sorgen für etwas Struktur und nehmen der Süße ihre Schärfe.
Im Drydown wird der Duft ruhiger und wärmer. Vanille und Moschus bilden eine weiche Basis, die die Süße trägt, aber nicht überlagert.
Insgesamt ist der Duft süß und leicht cremig geprägt, allerdings für mich kein klassischer Gourmand. Die Vanille sorgt zwar für eine gewisse gourmandige Anmutung, insgesamt bleibt er aber eher im süß-fruchtigen und blumigem Bereich. Er ist gut tragbar und eignet sich aus meiner Sicht besonders für Frühling und Sommer.