Mandarinen-Zitronen-Limonade beim grünen Sommerpicknick
Tangerina startet sofort zitrisch, aber nicht mit dieser extrem harten, aggressiv grünen Zitrusnote, die mir bei manchen Düften schnell zu viel werden kann.
Hier wirkt die Zitrusfrische leichter und saftiger.
Ich rieche hauptsächlich Mandarine und Zitrone, teilweise mit einer leicht grapefruitartigen Helligkeit. Nach und nach kommt auch etwas Grün dazu.
Darunter nehme ich einen ganz kleinen würzigen Akzent wahr. Er ist nicht stark genug, dass ich Tangerina als würzigen Duft bezeichnen würde. Aber da ist eine leichte Schärfe, die der Zitrusfrische etwas mehr Charakter gibt.
Bei meinem ersten Eindruck fand ich die Zitrusnote zwar leicht interessant, gleichzeitig erschien mir der Duft aber etwas zu flach.
Die Zitrusnote stand sehr deutlich im Vordergrund, während die anderen Facetten kaum eine eigene Rolle übernommen haben.
Deshalb dachte ich zunächst:
Ein bisschen langweilig.
Aber Tangerina zeigt für mich sehr schön, warum es sich lohnt, einem Parfum Zeit zu geben.
Als ich später noch einmal daran gerochen habe, hat sich meine Meinung etwas verändert.
Ja, Tangerina bleibt relativ linear.
Ja, der Duft konzentriert sich weiterhin sehr stark auf eine dominante Zitrusrichtung.
Aber ich habe etwas Entscheidendes gemerkt:
Die Zitrusnote selbst ist wirklich schön.
Und wenn schon eine Note einen Duft so deutlich dominiert, dann sollte diese Note wenigstens gut gemacht sein.
Genau das ist hier der Fall.
Diese Mandarinen-Zitronen-Frische gefällt mir mit der Zeit immer besser. Sie ist lebendig und erfrischend, ohne unangenehm scharf oder extrem grün zu werden.
Am Anfang habe ich mich vor allem darauf konzentriert, dass mir etwas Entwicklung fehlt.
Später konnte ich aber viel mehr die Qualität und Schönheit dieser Zitrusnote genießen.
Mein Bild bleibt deshalb ein entspanntes Sommerpicknick mitten im Grünen.
Die Sonne scheint.
Um mich herum ist eine schöne grüne Landschaft.
Und auf dem Tisch steht eine große kalte Karaffe mit Mandarinen-Zitronen-Limonade.
Saftig.
Hell.
Erfrischend.
Entspannt.
Einfach angenehm.
Tangerina ist für mich weiterhin kein besonders komplexer Duft.
Balance bedeutet für mich nicht, dass jede einzelne Note gleich laut sein muss. Eine Note darf die Hauptrolle übernehmen, während die anderen im Hintergrund unterstützen.
Idealerweise entsteht aus diesen unterschiedlichen Rollen aber trotzdem eine richtige Melodie.
Das schafft Tangerina für mich nicht vollständig.
Es ist eher eine einfache Zitrusmelodie, bei der ein Instrument deutlich lauter spielt als alle anderen.
Aber nachdem ich den Duft länger getestet habe, empfinde ich diese Einfachheit nicht mehr ausschließlich als Schwäche.
Manchmal darf eine schöne Zitrusnote einfach eine schöne Zitrusnote sein.
Und genau das macht Tangerina gut.
Meine Zweifel bei der Haltbarkeit bleiben allerdings bestehen. Für außergewöhnliche Performance würde ich diesen Duft nach meinem bisherigen Test nicht auswählen, wobei sich die Haltbarkeit auf der Haut natürlich anders verhalten kann als auf einem Teststreifen.
Würde ich Tangerina kaufen?
Nein.
Aber nicht, weil ich ihn schlecht finde.
Im Gegenteil: Ich mag ihn nach der weiteren Entwicklung deutlich mehr als am Anfang.
Es gibt für mich allerdings zu viele Zitrusdüfte, als dass eine schöne Zitrusnote allein für einen Kauf ausreicht.
Für einen Platz in meiner Sammlung möchte ich entweder etwas Eigenständigeres, mehr Entwicklung oder einen Duft, der bei mir emotional noch etwas stärker auslöst.
Das erreicht Tangerina nicht ganz.
Fazit: 7/10 — KEIN KAUF
Tangerina ist ein guter Duft.
Er bleibt simpel und relativ linear, aber die Zitrusnote selbst ist so schön, dass ich diese Einfachheit inzwischen durchaus schätzen kann.