Envy for Men (Eau de Toilette) von Gucci

Envy for Men 1998 Eau de Toilette

MaxFavier
15.09.2010 - 10:22 Uhr
19
Top Rezension
8
Duft
10
Haltbarkeit
10
Sillage
2.5
Flakon

Kleiner grüner Kobold

Auf Gucci Envy stieß ich vormittags in der verlorenen Zeit zwischen zwei Seminaren. Eigentlich wollte ich in der Parfümerie nur ein bisschen Zeit totschlagen; schlussendlich zog ich mit einem breiten Grinsen meinerseits eine grüne Parfümwolke hinter mir durch die Fußgängerzone. Nach einem weiteren vergeblichen Versuch den männlichen Chanels -Egoiste und Allure- etwas Positives abzugewinnen, blinkte mich in der Parfümerie der giftgrüne Flacon von Gucci an. Ein Sprühstoß auf den Blotter: Envy ist unverschämt. Im Kern eine wüste Mischung aus billigem herbalem Drogerie-Parfum, Vanilletunke und darübergestreutem Ingwerstaub ist das Ergebnis doch irgendwie so großartig extravagant, dass mich das Kopfnotenkino glatt umhaut. Eine süßliche Mischung aus Gewürzen die ich nicht auseinanderriechen kann, sehr schön gemacht, aber bestimmt nichts für jedermann. Leider ist der Drydown dann eher eine Enttäuschung, ein altväterlich grünes Parfüm mit Vanille – das hätte man besser und hochwertiger hinbekommen können. Während der Anfang noch jugendlich ist, tendiert die Basis schon stark in die Ü-50 Richtung.
Envy ist kein dezentes Parfum, vielmehr ein würzig-grün-krawalliges „Hoppla, hier komme ich“ in süßer Vanillesauce. Understatement findet man hier sicher nicht. Envy will laut, aufdringlich und markant sein. Die Haltbarkeit auf meiner Haut ist übrigens, wie bei den meisten Guccis, großartig. 8 Stunden ist überhaupt kein Problem, das Zeug riecht man sogar noch am nächsten Tag.
Für wen ist Envy geeignet? Wohl für keinen und jeden, einen speziellen Typen oder Anlass kann ich kaum festlegen. Vielleicht am besten geeignet für über 50-jährige, etwas rüpelig-sendungsbewusste Anwälte a la Rolf Bossi. Aber grundsätzlich muss man wohl sagen: wer so riechen will, der will einfach so riechen – richtig passen wird es nirgendwo.
Nachdem ich Envy dann auch auf meine Haut gelassen hatte, musste ich den Unitag in meiner Parfümwolke absolvieren – weil ich mich etwas geniert habe, habe ich mich im nächsten Seminar erst mal weit weg von jeder menschlichen Gesellschaft niedergelassen. Ich ging davon aus, dass Envy mal wieder so ein Parfüm ist, das ich mag – während es der Rest meiner Altersgruppe für eine entsetzliche Zumutung hält. Als sich dann doch eine sehr nette Kommilitonin (mit der ich sonst nichts zu tun hatte) neben mich setzte, rückte die immer näher an mich ran, statt von mir weg - körperkontaktnah. Ob die jetzt wirklich den Odeur von Envy mochte, oder einfach ihren kuscheligen Tag hatte – keine Ahnung. Jedenfalls wurde sie von Envy nicht so verjagt wie ich das erwartet hatte.
Ich habe mir dann nach einem zweiten Test 50ml von dem Zeug gegönnt. Die Flasche steht jetzt seit fast einem Jahr hier, aber ich habe mich noch nicht entscheiden können, ob ich das giftgrüne Sprühwerk furchtbar oder fantastisch finde. Auch wenn ich es selten trage, zum Verkaufen konnte ich mich bisher nicht durchringen. Wenn ich mal nach extrovertiertem Rentner in Ingwer-Vanillesuppe riechen möchte, weiß ich jedenfalls wohin ich greifen muss.
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