Mitsouko Eau de Parfum

Mitsouko (Eau de Parfum) von Guerlain
Flakondesign Baccarat
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Platz 37 in Parfums für Damen
8.0 / 10 760 Bewertungen
Mitsouko (Eau de Parfum) ist ein beliebtes Parfum von Guerlain für Damen. Das Erscheinungsjahr ist unbekannt. Der Duft ist chypreartig-würzig. Die Haltbarkeit ist überdurchschnittlich. Es wird von LVMH vermarktet.
Aussprache
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Duftrichtung

Chypre
Würzig
Blumig
Holzig
Fruchtig

Duftpyramide

Kopfnote Kopfnote
BergamotteBergamotte JasminJasmin RoseRose ZitrusfrüchteZitrusfrüchte
Herznote Herznote
PfirsichPfirsich Ylang-YlangYlang-Ylang FliederFlieder
Basisnote Basisnote
EichenmoosEichenmoos GewürzeGewürze AmbraAmbra VetiverVetiver ZimtZimt

Parfümeur

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Bewertungen
Duft
8.0760 Bewertungen
Haltbarkeit
8.4552 Bewertungen
Sillage
7.7542 Bewertungen
Flakon
8.7527 Bewertungen
Preis-Leistungs-Verhältnis
7.6131 Bewertungen
Eingetragen von Kankuro, letzte Aktualisierung am 14.04.2024.

Rezensionen

64 ausführliche Duftbeschreibungen
9
Flakon
8
Sillage
9
Haltbarkeit
8.5
Duft
IrisNobile

23 Rezensionen
IrisNobile
IrisNobile
Top Rezension 53  
Im späten Frühjahr 1956 - - Mitsouko (kleine Geschichte aus der Familie)
sie hatte Geburtstag -, .... wurde 21 - .... endlich volljährig! ....
Ein sonniger, noch etwas kühler Tag - - in ihrem kleinen Dachzimmer bündelte sich an der Decke über ihrem Bett das frühe Sonnenlicht, das durch die offenen Gardinen herein kam und seine Reflexe herumtanzen ließ. Noch schläfrig beobachtete sie die spielenden Lichter -, freute sich auf den Tag.
Aus der Küche kam das Klappern von Geschirr, und im Radio ließ Rudi Schuricke wieder einmal bei Capri die Sonne im Meer versinken - .... jetzt war sie vollends wach! ...
Mutter deckte wohl wie immer sehr liebevoll den Frühstückstisch. - Sie schlüpfte schnell in den Morgenmantel -, mein Gott, wie schön! -, es war Wochenende -, Zeit für "Z e i t" und alle erdenklichen Vorhaben mit den Freunden. - Würde Martin wohl heute an sie denken oder würde er vielleicht sogar vorbeikommen?
Sie kannte ihn erst kurz, aber es hatte sie heftig erwischt .....
Entspannt trat sie auf den kleinen, von festen Backsteinen umfassten Balkon, der vom 5. Stock aus einen wunderbaren Überblick über die morgendliche Szenerie bot -, über die niedriger liegenden Häuser, über den Festplatz am Ende der Straße, auf dem die Aufbauten des Frühlingsfestes noch fest verschlossen und verlassen da lagen - ... hier und da bellte ein Hund der Schausteller .... Die tiefe Sonne drängte sich mit Macht durch die schmalen Schneisen zwischen den Häusern und bildete goldene Lichtstreifen. - Im Eckhaus gegenüber goß die Nachbarin schon ihre Balkonkästen -, entdeckte sie und winkte.
All das grüßte heute das Geburtstagskind! ... Beseelt von diesen einfachen, vertrauten Eindrücken trat sie wieder in ihr Zimmer. - Es folgte der Ruf der Mutter ....."Gerdi ... frühstücken!!" Man war zwar jetzt ´volljährig´, aber noch lange nicht erwachsen -, jedenfalls in den Augen der Eltern.
Sie blieb im Morgenmantel und ging durch den langen schmalen Flur zur Küche ... , wie jedes Wochenende, wenn die kleine Familie ganz nonchalant frühstückte.
Zum Ehrentag ihrer Tochter hatte Mutter Sekt besorgt und kreierte mit angesagtem Eierlikör und Fassbrause einen Cocktail namens Kikeriki, nicht ohne sich selbst vorher noch flugs ein pures Schlückchen Eierlikör im ziselierten Gläschen zu gönnen und ihrer Tochter einen Toast auszusprechen. Das konnte man sich schließlich wieder leisten, nach den entbehrungsreichen Jahren.
Und die peu à peu prosperierende Wirtschaft machte es vom Familieneinkommen her möglich, auch - vermeintlich unnötigen - Luxus zu genießen - - Man hatte Arbeit -, das war wichtig.

Luxus, wie auch das, was sie jetzt mit überraschtem Gesicht wahrnahm .... , ihr Geschenk! ... Ihr großer Wunsch ... , "Mitsouko" ... , das Parfum ihrer Tante, das es ihr so angetan hatte. - Mutter hatte sich finanziell wohl schwer ins Zeug gelegt, wobei bei ihr selbst allerdings gleichbleibend ein Flakon 4711 auf dem Nachttisch stand -, er wurde gebraucht -, nicht nur als Duft, nein -, oft als Ersthelfer-Riechfläschen bei schlechtem Allgemeinbefinden, und zum Betupfen der Stirn bei Kopfschmerzen war es ebenfalls ein probates Mittel. - ... Nichts für Gerda! .... Sie präferierte den geheimnisvollen Duft der attraktiven, witzigen, doch etwas exaltierten Lieblingstante, die ein außergewöhnliches und prickelndes Leben führte. - Und jetzt sollte s i e ihn bekommen! -
Während mittlerweile Catharina Valente ganz Paris von der Liebe träumen ließ, forderte Mutter mit Bestimmtheit - - - mach auf !! ....
Es gab kein Halten mehr -, Gerdi öffnete ungeduldig das bewusst unverpackte Parfum .... , entnahm den kleinen begehrten Flakon, der in seiner Form zwischen Gradlinigkeit und Verspieltheit gestaltet wurde, beeinflusst vom Art Nouveau und Art Deco -, öffnete die Kappe und besprühte Handgelenk und Haar ....
Ein Duft, der - wie ihre Mutter wiederholt einwarf - , doch eigentlich nicht für ein "junges Mädchen" gedacht ist! ...

Sie verneinte das heftig und sank hingebungsvoll unter den Schleier dieses Duftes, der sie zwar zu Beginn ob der Intensität des Eichenmooses leicht erschreckte .... , die Tante roch doch ganz anders! .... Sich dann aber mit seiner genialen Rezeptur zu entfalten begann ...
Und sie schwelgte -, .... war nicht mehr in dieser Küche ... , nachdem sich der Duftschleier mit seinen feinen Gewürznoten um sie herum schlang, den zarten Pfirsich und die fruchtigen, mit einem Hauch von Zimt überstäubten Ingredienzen in sein Gewebe hüllte, hier und da eine der ausgesuchten Blüten durchschimmern ließ und zu einem grün-würzpudrigen Zauber wurde .....
Diese extravagante, auch etwas androgyn anmutende Aura, mit der anfänglich feinen weichen Edelseifennote -, ... der Duft, dessen grüne Seele umrahmt wird von verführerisch warmwürzig-fruchtiger Blumigkeit -, betört sie und entspricht genau ihrem Stil .....

Es klingelte an der Tür ..... - - "G e r d i" ! ..... Martin ist gekommen! ...... Mutters Ruf holte sie schroff aus der einen in die andere Glückseligkeit - -
(sie wurden ein Paar - vllt. war Mitsouko ja beteiligt :)
Und sie war es auch, die mir Mitsouko nahe brachte ..... diese sinnliche, stilvolle alte Parfumkreation, die schon viele Generationen bezauberte und ihre Magie wohl nie verlieren wird ....

Absolut unisex tragbar und - wie viele Parfums der damaligen Machart - nicht so leicht von der "Haut" zu weisen! :)

21 Antworten
10
Duft
Naaase

109 Rezensionen
Naaase
Naaase
Top Rezension 32  
Der Tanz der Leidenschaft
Der Tanz der Leidenschaft

Kaum ein Parfumstammhaus löst bei seinen Anhängern derlei Emotionen aus wie "Guerlain". Das mag daran liegen, dass Parfums selbst so stark mit Gefühlen aufgeladen sind. Als Jacques Guerlain 1919 »Mitsouko« entwirft, hat er die von Claude Farrère (eigentlich Frédéric Charles Bargone * 27. April 1876 in Lyon, Département Rhône; † 21. Juni 1957 in Paris) in dem Roman "La Bataille" beschriebene Liebesgeschichte vor Augen: Zerrissen zwischen Mann (japanischer Admiral) und heimlichem Liebhaber (englischer Offizier) sieht die Dame "Mitsouko" ("Kind des Lichts") im Jahre 1905 den Krieg zwischen Japan und Russland ausbrechen. Es ist die Geschichte einer unmöglichen Leidenschaft: Mitsouko, eine wunderschöne Japanerin und Ehefrau des Admiral Togos, liebt heimlich einen britischen Offizier . Würdevoll wartet Mitsouko den Ausgang des Kampfes ab und verbietet sich dabei ihre Gefühle für den Briten. Der Flakon ist identisch zu dem von "L´Heure Bleue". Man sagt, die beiden Flakons eröffnen und beenden die Zeitspanne zwischen dem Anfang und dem Ende des Krieges. Jacques Guerlain hatte die unglaubliche Idee, einen Chypre-Duft mit einer fruchtigen Pfirsichnote zu kombinieren und verlieh dem Duft somit einen modernen Anklang. Der von Georges Chevalier kreierte Flakon erscheint mit dem für den Jugendstil charakteristischen, anmutigen Schnörkel. Bei dem avantgardistischen Verschluss in Form eines ausgehöhlten Herzens handelte es sich zu der damaligen Zeit um eine technische Meisterleistung. Er wurde als Duft für Damen lanciert.

In einem Artikel vom 11.04.2013 bei "Spiegel Online" wurde der bekannte Parfum-Kritiker Luca Turin gefragt, welches Damen-Parfum auch Männer tragen könnten. Ohne zu zögern nannte er "Chanel No 5". Wenngleich er auch einräumen musste, dass man es (als Mann) "in einem anderen Zusammenhang", nämlich "als sehr gutes Männerparfum" tragen müsse. Um dann hinzuzufügen: "Auch wenn ich nicht viele Männer kenne, die den Mut hätten, das zu tun."
Generell ist die Frage "Damen-Düfte auch für das starke Geschlecht" eine der spannendsten Fragen im Zusammenhang mit Parfums überhaupt. So wurde in diesem Forum am 29.05.2014 von "Leimbacher" (vielen Dank dafür !) eine rege Diskussion über dieses Thema angestoßen. Dabei wurde eine stattliche Anzahl von Damendüften in diesem Zusammenhang genannt. Im einzelnen ist dies zweifellos eine Frage des persönlichen Geschmacks. Doch eignet sich "Mitsouko" auch für uns Männer ? Ist es denn nicht bereits auf den ersten Blick ein Widerspruch in sich: Ein Damenduft, inspiriert von einer wunderschönen japanischen Dame. Und das ausgerechnet für uns Männer ? Doch bei näherer Betrachtung scheint gerade "Mitsouko" im besonderen Maße für das "starke Geschlecht" geeignet zu sein: Denn, wie wir nämlich bereits erfahren haben ist "Mitsouko's" Grundidee ein "Chypre-Duft". Gerade diese Art von Düften ist es doch, die im Allgemeinen für "typisch männliche" Parfums steht. Dieser "Chypre-Duft" wurde nun von Jaques Guerlain mit einer fruchtigen Pfirsichnote kombiniert. Klingt interessant. Auch für uns Männer ?

Die Kopfnote macht der Einstufung als Chypre bereits alle Ehre: Begrüßt werden wir von erfrischenden Zitrusfrüchten. Gerade die deutlich wahrnehmbare Bergamotte stellt sich uns als reifes und natürliches Exemplar vor: Fruchtig, erfrischend, jedoch keinesfalls unangenehm säuerlich. Doch diese erfrischenden Zitrusfrüchte werden bereits in diesem frühen Stadium der Duftentwicklung begleitet von floralen Elementen: Ein Hauch von Jasmin. Eine Brise von der Rose. Aber alles ganz fein. Ganz zurückhaltend. Unsere Blümchen umschmeicheln lediglich die reife und natürliche Bergamotte. Nie übernehmen sie die Führung. Sie sind sich ihrer Rolle bewusst. Unterstützung erhält dann die "Fleurop-Abteilung" im weiteren Verlauf durch ein paar Flieder-Noten. Aber auch trotz dieser Verstärkung bleiben die Blümchen nach wie vor im Hintergrund. Denn die Bühne gehört jemand anderem: Ein strahlender Pfirsich ist zu vernehmen. Hell und kräftig wie der Abendstern an einem wolkenlosen nächtlichen Firmament blickt er uns entgegen. Eine klare und natürliche Frucht. Mit einer leichten -jedoch sehr angenehmen- Cremigkeit. Eine reife Frucht. Jedoch in ihrer Statur zierlich und stolz. Charmant und wunderschön - wie eben unsere "Mitsouko", ein Kind des Lichts.
Doch, dieses "Kind des Lichts" bleibt nicht alleine. Denn bereits früh gesellt sich erdiges Eichenmoos dazu. Es ist tiefgründig und geheimnisvoll. Duftet nach Wiese, Wald und Abenteuer. Nach der großen weiten Welt. Es ist würzig und weich zugleich. Es ist männlich. Und es nimmt unseren femininen Pfirsich an dessen zierlicher Hand. Fordert ihn zum Tanze auf. Dreht sich mit ihm und blickt ihm dabei fordernd in seine leuchtenden Augen. In die Augen des Lichts. Will ihn führen. Doch das lässt unser strahlend-selbstbewusster Pfirsich nicht zu. Denn auch dieser hat beschlossen, mit seinem Gegenüber unter der sommerlich-strahlenden Sonne Japans zu spielen: Blickt es an. Neckt es. Doch stets mit einem schelmischen Lächeln auf den Lippen. Denn es ist ein Spiel. Ein zärtliches, ein leidenschaftliches, ja fast schon ein erotisches Spiel zwischen dem feminin-strahlenden Pfirsich und dem maskulin-würzigen Eichenmoos. Sie lieben sich, sie necken sich. Mal gewinnt in diesem Spiel der Leidenschaft der weibliche, mal der männliche Part die Oberhand. Doch stets lauert liebevoll Und charmant der Gegenpart, um schon im nächsten Augenblick erneut die spielerische Oberhand zu bekommen. Ein olfaktorischer Reigen von atemberaubender Lust und feuriger Leidenschaft.
Wärmendes Ambra und erdig-würziges Vétiver sorgen in der Basis für eine neue Kulisse für unseren Tanz. Dieser findet nunmehr bei hereinbrechender Dämmerung statt. Indes nicht minder leidenschaftlich. Nicht minder lustvoll. Nur eben ruhiger und zärtlicher. Der feminine Pfirsich und das maskuline Eichenmoos wirken nunmehr aufeinander eingespielt. Haben ihre Kräfte bereits ausreichend im Tanze gemessen. Ihre Stärken und die des anderen erprobt. Blicken sich nach wie vor zärtlich in die Augen. Um dann nach mehreren Stunden liebevoll und erschöpft ineinander zu verschmelzen.

Ein Tanz, ein Reigen voller Lust. Und voller Leidenschaft. Ein Meisterwerk. Ein Meilenstein der Parfümgeschichte. Gerade auch für uns Männer.
9 Antworten
8
Flakon
8
Sillage
10
Haltbarkeit
10
Duft
BelAmi

25 Rezensionen
BelAmi
BelAmi
Top Rezension 49  
Einmal Mitsouko, immer Mitsouko.
Mitsouko begleitet mich schon fast ein Jahrzehnt. In einer Parfümerie aufgesprüht, weil schon das Schnuppern am Flakon so wunderbar war. Mit dem Duft am Handgelenk einen Theaterabend verbracht – immer wieder feine Duftwolken – fruchtig-holzig-melancholisch-tiefgründig und doch voller Wärme. Für meine Nase kein bisschen altmodisch. Seit diesem Abend begleitete mich Mitsouko. Rund um die Uhr, wobei ein Sprüher für gute 10 Stunden ausreichen. Er brachte mir die allerschönste Duftkomplimente ein. Es war einer der wenigen Düfte, die ich auch in der Schwangerschaft tragen konnte. Einen Spritzer unter den Pulli ist genug. Mitsouko arbeitet sich durch die Kleidung hindurch. Im Sommer trug ich das Eau de Toilette, an kühleren und kalten Tagen das Eau de Parfum. Dann stieß ich auf Parfumo. Seit dem verliebte ich mich unzählige Male in alle möglichen Düfte. Sie kamen und gingen. Nur wenige blieben. Und noch weniger schafften es in meine private Kategorie „Herzensdüfte“. Im Laufe der letzten Jahre wechselten alle meine Flakons. Bis auf einen einzigen. Mitsouko blieb. Schon lange trug ich ihn nicht mehr. Doch ihn wegzugeben, nein, es war immer vollkommen klar, dass es falsch wäre. Andere Düfte gab ich weg und dachte, sollte mich doch noch mal danach verlangen, wird er neu angeschafft – das betrifft sicher eine handvoll Düft in meiner Sammlung. Bei Mitsouko stellte sich diese Frage nie. Wenn ich hier in meiner Stadt am Guerlain-Counter vorbeikam und auf Duftreise mit neuen Düften ging, kam immer mal wieder die Sprache auf Mitsouko. Dann sagte die Beraterin sehr gelassen und als ob es das normalste der Welt wäre (sie ist sicher schon über 20 Jahre für Guerlain tätig) „einmal Mitsouko, immer Mitsouko. Wer ihn einmal liebt, wird nie aufhören, ihn zu mögen." Und das erzählt sie mir, einer Parfuma!

Kürzlich, es ist ja eine sehr besondere Zeit, fiel mir mein Flakon Mitsouko wieder in die Hände. Ein Sprüher auf das Handgelenkt und seitdem mag ich mich trotz der Frühlingssonne nicht mehr von ihm lösen. Inzwischen hat er, wenn ich es richtig verfolgt habe, 1-2 Reformulierungen hinter sich. Und mein Parfumaherz war sehr neugierig auf die neue Version. Heute traf sie ein. Gespannt packte ich ihn aus. Ein weißer statt goldfarbener Karton. Der Flakon unverändert. Und der Duft. Eindeutig Mitsouko. Im Auftakt etwas herber, maskuliner als mein anderer Flakoninhalt. Etwas transparenter, weniger dicht, weniger fruchtig. Nach 2-3 Stunden erkenne ich kaum einen Unterschied und er hält genau so lange. Auch diese Version arbeitet sich durch die Kleidung hindurch und verströmt seine melancholische Wärme. Was bin ich froh, dass es diesen wunderbaren Duft gibt. Und hätte ich Geld, viel Geld, hätte ich wahnsinnig gerne einen dieser wunderschönen, wenn auch hoffnungslos unpraktischen Bienenflakons. Oder eine große Flasche des Extraits. Wie sagte die Beraterin von Guerlain so schön „wer Mitsouko einmal liebt, wird ihn immer lieben“.
16 Antworten
10
Flakon
9
Sillage
9
Haltbarkeit
10
Duft
Setterliebe

13 Rezensionen
Setterliebe
Setterliebe
Top Rezension 53  
Offenbarung
Vollkommene Schönheit
durch Schatten und Licht
durchbohrst meine Seele
ins Tränenmeer fließt.

Verschwommen in Ferne
Dein Strahlen zu sehn
Hast lang mich getragen
dahin möcht ich gehn.

Wieder einmal möchte ich Euch ein kleines Stück mitnehmen, in längst vergangene Zeiten.
-Damals war ich ein junges Mädchen.
Eines Tages begann ich ein Praktikum in einem Altersheim, in dem die Zeit stillzustehen schien.
Die holzigen knarrenden Böden entführten mich in eine Welt, die ich bis dahin nicht kannte.
Es gab einen Grafen, vor dem wir uns ehrfürchtig verbeugten und dessen Zimmer durfte nur von auserwählten Personal betreten werden.
Hier wohnten auch der alte Hutmacher, der fröhlich seine zwei Stöcke wirbelte und eine Souffleuse, deren Lippenstift und Rouge immer ein wenig schief aufgetragen war.
-Und dann lernte ich Fräulein S. kennen. Eine bezaubernde alte Dame mit glänzendem,schneeweißen, langem Haar,welches immer etwas würzig roch.
Sie strahlte eine unglaubliche Ruhe aus, wenn sie an ihrem Tisch vor ihrer alten Nähmaschine saß.
Noch immer schmückte sie die alte Kapelle mit Rosen, Jasmin und Flieder. Manchmal machte sie schöne Moosgestecke.
Jede freie Sekunde verbrachte ich mit ihr. Manchmal saßen wir einfach nur Händchen haltend da und schwiegen. Zwischen uns entstand eine enge Bindung und sie nannte mich immer "Mein liebes Kind".
So verging eine ganze Zeit.
Eines Tages hatte ich Spätdienst. Auf unserer Station herrschte große Unruhe und die älteren Schwestern versuchten mich davon abzuhalten zu Fräulein S. zu gehen.
Sie lag im Koma und es war klar, dass sie sterben würde.
Aber niemand konnte mich zurückhalten.
Stundenlang saß ich weinend an ihrem Sterbebett. Ich konnte nicht verstehen, dass mein Lieblingsmensch sterben würde.Ich betete die ganze Zeit und fühlte mich einsam und verloren.
Irgendwann legte ich meinen Kopf auf ihr Bett.
Dann geschah etwas, was mein Leben für immer veränderte.
Eine sanfte Hand streichelte meinen Kopf. Fräulein S. war noch einmal wach geworden.
Sie flüsterte leise:" Mein liebes Kind, lass mich zum Schloss über die goldene Brücke gehen."
Meinen ganzen Körper durchlief ein warmer Schauer.
Strahlend leuchtete die Sonne ins Zimmer. Mich überkam ein Glücksgefühl, wie ich es nie zuvor kannte
Ich wusste, dass sie an einen Ort ging, an dem sie glücklich war.
Ich selbst war erfüllt von Liebe und Zuversicht.
Dieses Erlebnis hat mein ganzes Leben begleitet.

Mitsouko ist für mich der Duft dieser Zeit. Er erinnert mich an die Gerüche im Altenheim.
Gleichzeitig hat er eine unglaubliche Tiefe. Das Wechselspiel aus Glück und Melancholie macht ihn für mich so vollkommen.
65 Antworten
10
Flakon
10
Sillage
10
Haltbarkeit
10
Duft
Furo

25 Rezensionen
Furo
Furo
Top Rezension 45  
Die Entschleunigung der Zeit
Das ist mein erster Kommentar. Ich schreibe hier über meinen Signaturduft, der mich schon sehr lange begleitet, also könnte er etwas subjektiv ausfallen.

Hmm, was ist Mitsouko? Eigentlich ein altes Parfum, das die Zeiten überstanden hat. Über die Inkredenzien wurde ja nun schon viel geschrieben, die erspare ich mir ein wenig. Mitsouko ist nämlich mehr als das, es ist eine Lebenseinstellung, und kommt emanzipierter daher als viele neue Kreationen. Es spielt mit einer Androgynität, die beispiellos ist. Frauen begannen zu arbeiten, trugen das Haar kurz, forderten das Wahlrecht, lernten Autofahren.

Ich gehöre zu den älteren Semestern, mit einer gewissen Lebenserfahrung, Mitsouko funktioniert ähnlich, im Zeitenwandel. Sogar eine Stunden-und Tagesuhr ist es, so wandelbar. Morgens nach dem Aufsprühen sagen einige müde Blumen "guten morgen" da sind wir! Kurz darauf meldet sich ein Hauch von frischem Kräuter-Brot und Pfirsich, das duftet zum Frühstück herrlich warm und macht Appetit auf mehr.

Nun kann eigentlich der Start ins Leben beginnen, mit etwas Brot, Kräutern, einigen erwachten Blüten, die sich inzwischen mit Gewürznelke und Zimt besteuben. Das ganze duftet ungemein anregend und vital.

Diese Düfte bleiben lange und sehr prägnant, bis....man kurz an die frische Luft geht. In der Kühle zieht sich das ganze Duftkonzert einen warmen Mantel aus Bergamotte und Eichenmoos über, und das, je mehr man beginnt auszukühlen. Also wieder rein ins warme, dann passiert etwas! Ein großer Walfisch haucht seinen Atem über mich, hüllt mich ein in eine feine Puderwolke, die überwältigend ist. Der Zimt, die Gewürze und Blüten beginnen zu leben und verströmen ihre Lebendigkeit aufs neue, das Brot ist freilich schon längst gegessen. In diese Puderwolke schleicht sich je nach Temperatur ganz leise und fast unbemerkt ein kleiner Marder, zu dem die Zibet-Schleichkatze auch gehört, ein, sitzt auf der Schulter und sonnt sich im duftigem Puder. Wer nun meint den Duft voll einziehen zu müssen, wird enttäuscht sein, das kleine Tier ist husch und weg. Mitsouko muß man atmen, es ist ein Aurenduft. Wer seine Nase ans Handgelenk presst und tief nach Luft schnappt, wird weder den schönen Wal noch die kleine Schleichkatze antreffen. Das Geheimnis ist einfach nur atmen. Wer nur atmet und die Luft leise und ruhig durch die Nase zieht, wird einen wunderschönen alten Garten entdecken mit seltenen aromatisch scharfen Gewürzen, die narkotisch duften, alten Gehölzblumen, einem Wal mit warmem Atem und einer kleinen Schleichkatze drinnen, die über das Eichenmoos wieselt.

Mitsouko ist für mich ein Filter gegen die laute schnelllebige Welt von heute. Es ist der Äther durch den ich kommuniziere, und die Zeit mit mir. Dieser Zugang zu Mitsouko wird sich nicht jedem erschließen, das macht es so einmalig.

Wie gesagt es ist meine Signatur, und spiegelt meine Lebenseinstellung wieder. Mitsouko ist ein Anästhetikum im positivem Sinne, ein Schutzschild gegen eine uniforme Gesellschaft. Damals wie heute ein Stückchen Anarchie für Dickköpfe und Individualisten.
17 Antworten
Weitere Rezensionen

Statements

104 kurze Meinungen zum Parfum
FriesinFriesin vor 3 Jahren
8
Haltbarkeit
9.5
Duft
Lady und Luder
seriös und verspielt
Klaren Blickes gehst du mit Chypre-Schritten voran.
Bergamotten, Pfirsiche und Nelken säumen deinen Weg.
33 Antworten
AzuraAzura vor 3 Jahren
10
Flakon
8
Sillage
8
Haltbarkeit
10
Duft
Traurige Augen
Haben soviel gesehn
Seele aus Moos,
So fliederzart,
Hat den Abgrund geschaut
Doch tief drin
Zimtet die Hoffnung
Pfirsichhell
26 Antworten
MrtangiersMrtangiers vor 22 Tagen
8
Sillage
8
Haltbarkeit
8.5
Duft
Auf dem Pariser Opernball
im Pfirsichsonnenlicht
verdeckt von moosgrünen Vorhängen
tanzt sich die Gesellschaft in die Chypre-Ekstase*
42 Antworten
FrauKirscheFrauKirsche vor 2 Jahren
7
Sillage
8
Haltbarkeit
9
Duft
Über Blumenwiesen schwebend
auf einem Seifenteppich
durch warmen Zitruswind
betten wir uns auf Moos
malen mit Gewürzen
auf Pfirsichhaut...
28 Antworten
Edda32Edda32 vor 3 Jahren
Weiß gepuderte Hände halten ein zartes Bouquet
Pfirsichblüten benetzt von Tau, ihr Regen
Fällt samtweich in nebelgrüne Märchenflechten
18 Antworten
Weitere Statements

Diagramm

So ordnet die Community den Duft ein.
Torten Radar

Diskussionen zu Mitsouko (Eau de Parfum)

Undine in Damen-Parfum
Nachlese:Ich hatte immer Probleme mit Mitsouko. Zu muffig, zu brotteigartig, zu schwülstig kam es mir irgendwie vor. Vintageversionen hatten eine...
Mausebeer in Parfum allgemein
ups, bemerkenswert...Bemerkenswert finde ich auf der letzten Seite auch den letzten Artikel. DEN Duft kenne ich noch gar nicht. :lol: :PLG...

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