Login

Konto erstellen Passwort vergessen?
Käufe über Links auf unserer Website, etwa dem eBay Partner Network, können uns Provision einbringen.

L'Heure Bleue 2026

Version von 2026
6.7 / 10 225 Bewertungen
Ein neues Parfum von Guerlain für Damen, erschienen im Jahr 2026. Der Duft ist pudrig-frisch. Die Haltbarkeit ist überdurchschnittlich. Es wird von LVMH vermarktet.
Aussprache Vergleich
Ähnliche Düfte
Käufe über Links auf unserer Website, etwa dem eBay Partner Network, können uns Provision einbringen.

Duftrichtung

Pudrig
Frisch
Aquatisch
Blumig
Süß

Duftpyramide

Kopfnote Kopfnote
ozonische Notenozonische Noten NeroliNeroli BirneBirne
Herznote Herznote
IrisIris IrisbutterIrisbutter JasminJasmin
Basisnote Basisnote
MoschusMoschus AmbroxanAmbroxan VanilleVanille

Parfümeur

Bewertungen
Duft
6.7225 Bewertungen
Haltbarkeit
8.2190 Bewertungen
Sillage
7.7189 Bewertungen
Flakon
8.4173 Bewertungen
Preis-Leistung
6.6128 Bewertungen
Eingetragen von Sveti · letzte Aktualisierung am 07.09.2026.
Quellenbasiert & geprüft

Duftet ähnlich

Womit der Duft vergleichbar ist
For Her Pure Musc Blanc von Narciso Rodriguez
For Her Pure Musc Blanc
Aqua Allegoria Forte Bosca Vanilla von Guerlain
Aqua Allegoria Forte Bosca Vanilla

Rezensionen

17 ausführliche Duftbeschreibungen
8Duft 8Haltbarkeit 8Sillage
Vea91

45 Rezensionen
Vea91
Vea91
Top Rezension 41  
Die Blaue Stunde 2026 - Kontroverse des Monats
So, nach einer Weile der Ungewissheit und nervenzermürbenden Spannung halte nun auch ich sie in der Hand - die berüchtigte Probe und einen kleinen Flakon zu der neuen Blauen Stunde - die warum auch immer nun genauso wie der originale Duft heisst, wobei das Original jetzt neu getauft wurde mit der Ergänzug 1912.

Sei es drum, in die Namensdebatte steige ich jetzt nicht ein, sondern mir geht es in erster Linie um den Duft. Ich liebe die L'Heure Bleue 1912 Eau de Parfum, den EdP sowieso aber der EdT von 2017 ist meine allerliebste Version. Für mich ist der Duft zeitlos aber leider ein wenig zu Retro, daher geniesse ich ihn immer wieder, jedoch so richtig tragen kann ich ihn nicht. Umso mehr freute ich mich deswegen als der neue Duft gelaunched wurde.

Nach dem Auspacken kam er daher gleich auf die Haut und sein Vetter ebenso. Das erste was ich tatsächlich dachte war - huch, der riecht aber wirklich wie Waschmittel, diesen Duft kenne ich und hatte sogar früher, er gehörte zu meinen liebsten und sein Name war Brit Rhythm for Her Eau de Toilette, ich erinnere mich an diese Reinheit mit Waschmittel Flair und ozonigen Frische, die durch Moschus, Bluemen und Lavendel kam. Seine Schwester Brit Rhythm for Her Floral Eau de Toilette hatte sogar Ozon und genau diesen Effekt besitzt auch der L'Heure Bleue (2026). Was hier tatsächlich nicht enthalten ist, ist der Geist der Blauen Stunde. In Vergleich zu meiner Version des EdT fehlt hier absolut die wichtigste Zutat - die Melancholie. Für dieses Gefühl muss man zaubern können und die neue Blaue Stunde kann das leider nicht. Was aber die kann ist, schön rein riechen, sauber, Waschmittelassoziationen, ein kühler Morgen, süßlich durch die Vanille und minimal pudrig durch die Iris, aber zu keiner Zeit vanillig oder irislastig. Eher einer Art umhüllende Aura der Sauberkeit. Rieche ich hier Überdosierung an Ambrox? - nein. Rieche ich hier einen Verlauf - ebenso nicht. Finde ich ihn spektakulär? - nein, aber durchaus nett. Natürlich kennen wir uns recht flüchtig, seit erst ein paar Stunden, daher ist meine Rezision nun wirklich sehr subjektiv und oberflächlich, aber da ich Waschmitteldüfte generell mag gefällt er mir schon mal. Leider wird er nicht allen gefallen, das sehe ich jetzt schon.

Nun ein paar Worte zu dem ganzen Debakel von alt, neu, Namensänderungen und bereits existierenden Statements, die nicht widersprüchlicher sein könnten. Was mir durch den Kopf geht ist der Vergleich mit Disney. Als bei Disney die alten Cartoon Klassiker neu aufgesetzt wurden und Live Action Verfilmungen folgten, gab es viel Shit Storm. Zu unspektakulär, nicht wie die alten, vergesslich usw. Doch was passierte, ist das die kleinen Kinder nach wie vor in die Kinos gingen, sie schauten es an, sie fanden es toll. Sogar ich als eine alte Socke schaute die Cinderella an sowie Aladin und fand die gar nicht mal so schlecht. Was passierte ist, nähmlich, dass Disney relevant blieb, seine Kassen füllte und weiter produzierte. Warum ich das erzähle? Weil genau das mit Guerlain passiert. Die neue Generation weiss nicht was Blaue Stunde ist. Die alten Klassiker stehen trotz des Relaunches und 75 ml Präsentation verstaubt in bestimmten Drogerien ganz unten im Regal rum (die Verkaufszahlen sind mir nicht bekannt aber ich sehe diese Düfte oft reduziert). Ich denke der neue Duft kommt nicht an das alte ran, aber zumindest wissen jetzt Leute das es so einen Namen/Duft gibt. Das empfinde ich als L'Heure Bleue 1912 Eau de Parfum Fan sehr positiv und das freut mich.

Ich für meinen Teil finde den neuen L'Heure Bleue (2026) gar nicht mal so schlecht, er ist wahrscheinlich auf den asiatischen Markt ausgelegt, dort wo der großer Umsatz ist und ein starker Wunsch nach Ozon und sauberen Luft in den versmoggten Großstädten. Ich nehme ihn nicht als DIE Blaue Stunde wahr, aber als vielleicht Blauer Morgen? Frische Luft, Sonne geht auf, man startet frisch und leicht gepudert in den Tag. Da ich schon Aqua Allegoria Forte Bosca Vanilla toll fand und eine Flasche davon hatte plus vor kurzem den Musc Outreblanc Eau de Parfum getestet habe, verstehe ich woher die Beine wachsen bei Frau Jelk. Also alles in einem schöner Duft in schöner Flasche, der zwar nicht an das Original reicht aber seine Daseinsberechtigung hat. Wer weiss, vielleicht schauen in 20 Jahren die Parfumas/os in die Datenbank rein und für sie wird der neue L'Heure Bleue (2026) sogar Melancholie auslösen?... Bis dahin werde ich ihn weiter testen, tragen und schauen, wohin uns die Reise führt.

Nachtrag: hab vorhin entdeckt das der Flakon nachfüllbar ist, also das ebenso schon mal sehr positiv

Aktualisiert am 28.08.2026 - 11:55 Uhr
29 Antworten
7.5Duft 10Haltbarkeit 9Sillage
Chanelle

753 Rezensionen
Chanelle
Chanelle
Top Rezension 38  
Wake up call
L'Heure bleue 2026 landete vor ca. 1 Woche als 15 ml Taschenspray in meinem Briefkasten, zusammen mit passender Karte, frisch aus Brüssel. Ich war sehr erfreut über die nette, unerwartete Geste und freute mich auf den Test, auch wenn ich mal wieder gänzlich dagegen war, daß man einem von mir überaus verehrten Klassiker (am liebsten als Extrait!) seinen Namen gestohlen hat, was natürlich für Guerlain Gründe hat, aber auch für Verwirrung sorgen wird. Der neue LHB wird schon von imho nicht ganz neutralen Influenzern gefeiert und von alten, treuen Guerlain-Liebhabern nicht sonderlich wohlwollend kommentiert.
Ich versuche, neutral zu bleiben, aber es fällt mir schwer...
Die wirklich azurblaue Färbung und die moderne Aufmachung zeigt schon, wo es langgeht: LHB 2026 hat nichts mit "Oma-LHB" zu tun, dem erotisch-warmen, ladyliken Erfolgs-Parfum, dem viele namhafte, allerdings auch nicht ganz jugendliche Damen und auch nicht wenige Herren aus Funk, Film und Fernsehen treu ergeben sind.
LHB 2026 ist ein Wake up call in vielerlei Hinsicht:
Der 1. Sprüher war für mich schon so überraschend, daß ich ein wenig geschockt war: So clean, frisch, atemberaubend wie ein kalter, minziger Windstoß. Ich dachte für eine Sekunde an Procter + Gamble, keine Ahnung, warum...
Dieser Eindruck hielt sich eine ganze Weile, bis der Duft anfing, weicher, femininer zu werden, süße, blumige Noten kamen zum Vorschein, eine leichte Irispudrigkeit war zu erkennen. Gottseidank, aber sie reicht nicht aus, um an den "Holy Grail" Iris Ganache zu erinnern, von dem viele hofften, das das vorliegende Werk eine Art Nachfolger sein könnte.
Die frisch-süße Pudrigkeit hat eine erstaunlich lange Lebensdauer, was sicher für Viele ein Pluspunkt sein könnte, wie auch die sehr präsente vanillige Note.
Ob ich mir ein Fläschchen davon gönne, steht für mich noch nicht fest, denn wenn - nur die 1,5 Liter Version für 4900 Euro (limitiert)!
Klotzen, nicht kleckern, wie der Duft! ...(Spaß!)
Aktualisiert am 25.08.2026 - 06:02 Uhr
33 Antworten
7Duft 10Haltbarkeit 9Sillage
Gold

260 Rezensionen
Gold
Gold
Top Rezension 39  
Was ist die Blaue Stunde heute?

Guerlain braucht neue Kunden. Natürlich. Und Guerlain muss mit der Zeit gehen. Auch dagegen ist zunächst einmal nichts einzuwenden. Ein traditionsreiches Haus kann schließlich nicht ausschließlich für Menschen produzieren, die noch wissen, wie Mitsouko vor der IFRA roch und in welcher Konzentration man L’Heure Bleue am besten 1987 hätte kaufen sollen.

Also: keine Nostalgie meinerseits. Jedenfalls nicht um jeden Preis.
Ich habe den Klassiker L’Heure Bleue noch nicht einmal besonders geliebt. Aber ich habe ihn respektiert. Wegen seiner eigentümlichen melancholischen Tiefe, seiner gedämpften Stimmung, dieses schwer zu definierenden Gefühls zwischen Tag und Nacht. L’Heure Bleue war für mich nie einfach nur schön. Der Duft hatte etwas Verstörendes, Entrücktes, beinahe Trauriges. Und genau das machte ihn interessant.
Aber was assoziiert man heute mit L’Heure Bleue?
Keine Ahnung.
Vielleicht liegt genau darin das Problem und gleichzeitig die Legitimation für Guerlain, etwas völlig Neues daraus zu machen.

Die neue Version ist jedenfalls sehr deutlich im Heute angekommen. Sie ist laut. Sie ist stark. Sie besitzt jene enorme Präsenz, die viele aktuelle Düfte offenbar haben müssen, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Auch das kann ich nachvollziehen. Wer eine neue, jüngere Kundschaft erreichen will, kann nicht zwingend mit den ästhetischen Codes von 1912 arbeiten.
Nur leider riecht das Ergebnis auf meiner Haut zunächst vor allem nach einem sehr hochwertigen Weichspüler.
Wirklich hochwertig, wohlgemerkt.
Kein billiger, schriller Sauberduft. Alles wirkt ausgesprochen glatt, voluminös und technisch perfekt. Aber über weite Strecken nehme ich vor allem diese moderne, synthetisch aufgepumpte Sauberkeit wahr. Sie legt sich wie eine helle, weiche Decke über den Duft und lässt wenig Luft an das, was darunter durchaus vorhanden ist.
Denn im Fond wird es interessanter.
Dort nehme ich tatsächlich deutlich Irisbutter wahr: weich, dicht, leicht erdig und mit jener luxuriösen Textur, die ich von Guerlain auch erwarte. Man ahnt plötzlich, dass unter der modernen Konstruktion ein wesentlich raffinierterer Duft steckt. Nur kommt diese Iris für meinen Geschmack nicht wirklich zum Atmen. Sie wird immer wieder von der synthetischen Lautstärke überdeckt.
Und das finde ich schade.
Dabei ist das neue L’Heure Bleue keineswegs ein schlechter Duft. Ich finde ihn nicht einmal unangenehm. Es ist definitiv keiner dieser Düfte, bei denen ich nach zehn Minuten zum Waschbecken laufe und verzweifelt schrubbe. Ich kann ihn problemlos auf meiner Haut ertragen und durchaus anerkennen, dass er gut gemacht ist.
Nur tragen möchte ich ihn nicht.
Vielleicht ist das sogar der interessanteste Punkt: Als Frau über 50 gehöre ich vermutlich genau zu jener Kundschaft, die Guerlain mit dieser Neuerfindung gar nicht unbedingt erreichen muss. Ich kenne die Geschichte des Hauses, kenne die alten Duftsprachen und habe entsprechend andere Referenzen im Kopf. Eine jüngere Kundin riecht hier möglicherweise überhaupt keinen Verlust. Sie riecht einen starken, luxuriösen, modernen Irisduft mit großer Ausstrahlung.
Und vielleicht verliebt sie sich in dieses Parfum.
Das wäre dann durchaus ein Erfolg.

Für mich jedoch bleibt von der blauen Stunde ausgerechnet das auf der Strecke, was sie einmal so faszinierend machte: die Zwischentöne. Das Unentschiedene. Die Melancholie. Jenes seltsame Schweben zwischen Licht und Dunkelheit.
Die neue L’Heure Bleue strahlt dagegen mit voller Beleuchtung.
Technisch beeindruckend vielleicht.

Aber eine blaue Stunde braucht Schatten.
44 Antworten
8Duft 9Haltbarkeit 8Sillage
Salander

18 Rezensionen
Salander
Salander
Top Rezension 39  
Kindern erzählt man Geschichten, um einzuschlafen, Erwachsenen, um aufzuwachen
Kennt ihr das, wenn man auf Parfumo eine Rezension schreibt und beim Veröffentlichen plötzlich zögert? Man hat an Sätzen gefeilt, Wörter verschoben, Synonyme nachgeschlagen, Absätze gestrichen und wieder zurückgeholt. Man wollte nur kurz etwas über ein Parfum schreiben und dann merkt man, dass man längst viel mehr von sich selbst preisgegeben hat, als beabsichtigt war. Der Text besteht nicht nur aus Eindrücken eines Duftes, sondern auch aus dem eigenen Geschmack, der eigenen Sehnsucht und aus der eigenen Enttäuschung. Trotzdem klickt man irgendwann auf „Veröffentlichen“. Dann geht der Text hinaus in die Welt, und plötzlich gehören die Gedanken, die eben noch nur die eigenen waren, auch den anderen.

Vielleicht beginnt jede Veröffentlichung mit genau diesem kleinen Kontrollverlust. Ist es ein Blog, ein Gedicht, ein Buch, ein Parfum? Irgendwann ist alles gesagt, geschrieben, gedruckt oder abgefüllt. Dann geht die eigene Idee in die Welt hinaus und von diesem Augenblick an entscheiden andere, was sie darin sehen.

Guerlain wollte bei L’Heure Bleue 2026 allerdings nichts dem Zufall überlassen. Monatelang wurden Geschichten erzählt. Influencer bekamen geheimnisvolle Päckchen, Irisfelder blühten und glühten über unsere Bildschirme, der Name wurde gehütet wie ein Staatsgeheimnis. Guerlain ließ Hinweise fallen und inszenierte die Enthüllung mit vornehmen Dramatik.

Irgendwann fiel der Name L’Heure Bleue und damit der Name eines Duftes, der weit über 100 Jahre alt ist, längst eine Ikone. Guerlain hat ihn nicht reformuliert, sondern das unmögliche gewagt und ihn neu gedacht.

Warum tut man so etwas? Ist es Mut? Ist es ein Sakrileg? Ist es einfach nur gezieltes Marketing? Denn Kindern erzählt man Geschichten, damit sie einschlafen. Erwachsenen erzählt man sie, damit sie aufwachen. Und Guerlain wusste, welche Geschichte man uns erzählen musste. Sinngemäß war es einmal ein Irisfeld, eine geheime Formel, drei Jahre Entwicklungszeit, eine unglaublich talentierte Parfümeurin und die Wiederkehr einer Legende. Dann kam endlich, heiß ersehnt, der erste Sprühstoß.

L’Heure Bleue 2026 beginnt hell, luftig und ambivalent. Ich finde ihn beinahe schwerelos und gleichzeitig erdrückend. Nichts daran ist schlecht gemacht, ganz im Gegenteil. Die Komposition ist weich, modern und erstaunlich souverän, alles gleitet ineinander. Woran ich aber fast sofort dachte, war nicht L’Heure Bleue 1912, sondern Tilia. Eigentlich nicht an Tilia selbst, eher an ihre kleine, liebe Schwester. Sie ist noch gepflegter aber auch leiser, gefälliger. Eine, die nicht dazwischenredet und trotzdem dieselben Gesichtszüge trägt. Auch hier liegt unter der floralen Schönheit dieses schwer zu greifende Molekulare. Ein sauberer, diffuser Schleier, der den Duft lauter macht und wahrscheinlich auch zeitgemäßer. Bei Tilia wurde mir genau das irgendwann zu viel. Die Schönheit blieb, aber sie stand zu nah vor mir. L’Heure Bleue 2026 hält vielleicht etwas mehr Abstand und ist transparenter, höflicher aber Nähe entsteht deshalb noch lange nicht.

Ich verstehe diesen Duft und sehe, was er kann. Ich erkenne sogar seine Qualität und als Molekülduft ist er charmant gemacht. Vielleicht liegt genau darin mein Problem, dass ich ihn erkenne , aber ich erkenne weder seine ursprüngliche Lieblichkeit noch mich in ihm.

Vielleicht wäre unsere Reaktion eine andere, stünde Marc-Antoine Barrois auf dem Flakon. Dann würden wir über seine visionäre Ideen, über Transparenz sprechen, über florale Abstraktion und über die neue "Haute Couture der Moleküle". Bei Guerlain erwarten wir jedoch nicht nur Können, sondern Erinnerung, Seele, Haut, Wärme. Wir erwarten, dass ein Duft nicht bloß einen imaginären Raum erzeugt, sondern darin bereits jemand auf uns wartet.

Delphine Jelk hatte ohnehin eine Aufgabe, um die man sie nicht beneiden kann. Hält sie sich an das Original, braucht niemand die Neuinterpretation. Entfernt sie sich davon, lautet der Vorwurf, L’Heure Bleue sei nicht mehr L’Heure Bleue. Macht sie den Duft modern, wird er beliebig, lässt sie ihn historisch, riecht er nach gestern. Eine nicht zu lösende Gleichung.

Parfum ist keine Mathematik und man kann Schönheit konstruieren aber keine Liebe. Man kann eine Iris-Note drei Jahre lang entwickeln und trotzdem nicht bestimmen, was sie in einem fremden Menschen auslöst. Für mich ist deshalb L’Heure Bleue 2026 weder Triumph noch Verrat. Sie ist eine kluge, elegante und mutige Neuinterpretation. Ein Duft, dessen Qualität ich nicht bestreiten möchte. Eine wohlduftende Flüssigkeit in einem hübschen Flakon, die Guerlains Geschichte nicht kopiert, sondern in die Sprache der Gegenwart übersetzt.

Ich wollte diesen Duft so sehr fühlen. Ich wollte in diese blaue Stunde treten, das Licht langsam schwinden sehen und für einen Moment die Zeit und den Raum um mich herum vergessen. Stattdessen stehe ich davor, wie vor einer beeindruckenden Installation im Museum. Ich sehe die Idee, bewundere die Ausführung und gehe schließlich weiter.

Vielleicht ist das die ehrlichste Form von Respekt. Einen angenehmen, handwerklich sehr gut gemachten Duft nicht kleiner zu machen, nur weil er einen selbst nicht erreicht.

Guerlain hat uns eine großartige Geschichte erzählt. Von Irisfeldern, Geheimnissen und einer Legende, die nach mehr als hundert Jahren noch einmal erwacht. Das Marketing war kein Beiwerk, sondern der erste Akkord des Parfums. Ich bin davon aufgewacht, nur verliebt habe ich mich nicht.

Nachtrag: Ich trage L’Heure Bleue 2026 nun den dritten Tag und vielleicht war mein Urteil doch ein wenig zu schnell. Mit jedem Tragen nehme ich die synthetischen Elemente weniger wahr. Der molekulare Schleier tritt langsam zurück, dafür zeigen sich immer mehr die feinen Züge, die tatsächlich an L’Heure Bleue erinnern. Vielleicht braucht dieser Duft länger als einen ersten Sprühstoß, um seine Geschichte zu erzählen und vielleicht ist sie noch lange nicht zu Ende.
Aktualisiert am 04.09.2026 - 12:43 Uhr
14 Antworten
Passionez

6 Rezensionen
Passionez
Passionez
Top Rezension 27  
L’Heure Bleue 2026…eine (für) KI generierte Kreation?

Als ich vor ein paar Wochen den Duft zum 1.Mal Probe gerochen habe, hatte ich grosse Mühe meine Nase vor der netten Guerlain Verkäuferin nicht zu rümpfen…und eine neutrale Miene zu bewahren.

Mein 1. Eindruck war nicht positiv. Ehrlich gesagt war ich innerlich sogar schockiert. Was mir da auf dem hingehaltenen Duftkärtchen entgegen « geweht » kam, roch nach chemischem Allerlei. Ozongeschwängerte Luft, klebrige Süsse und etwas Puder. Ich wollte schon fragen ob der kleine Flakon vielleicht gekippt sei? Getraut habe ich mich allerdings nicht.

Ein Tag vor dem offiziellem Launch, habe ich ihn in einer anderen Guerlain Boutique wieder auf einem Duftkärtchen getestet. Mein Empfinden war zwar nicht das Gleiche (unser Geruchsempfinden variiert täglich durch innere und äussere Faktoren), aber positiv gestimmt war ich dem Parfum immer noch nicht.

Diesmal roch ich frische, leicht nasse Luft, eine alte, cremige Seife und etwas vintage Kompaktpuder. Andere Duftassoziationen folgten auch gleich. Der Duft kam mir irgendwie bekannt vor. Etwas später hat es dann auch innerlich Klick gemacht. L’heure Bleue 2026 erinnert mich an Heliotrope Blanc von L.T. Piver. Die gleiche cremige, leicht angestaubte Seife, die moderate Süsse und die saubere, aldehyd-lastige Moschusfrische. Auch an Guerlain’s eigenen Duft, Musc Outreblanc habe ich gedacht. Und Insolence poppte plötzlich in meinem Kopf auf.
Wegen der pudrigen Veilchennote aber auch weil ich den Duft, als er lanciert wurde, wirklich nicht leiden konnte. Es hat Jahre gebraucht, bis ich ihn endlich schätzen lernte. Puder war damals einfach nicht « mein Ding ». Fruchtig-süsses erst recht nicht!
Angélique Noire und L’instant waren damals meine Lieblingsdüfte.

Mein Duftempfinden hat sich in den vergangen 20 Jahren zwar verändert, aber diese « Clean Girl » Düfte die so viel Erfolg haben, sind immer noch nicht mein « Cup-of-Tea ». Denn so würde ich den neuen L’Heure Bleue auch eher einordnen. Ein vintage angehauchter, aber auch moderner Roboter Clean Girl Duft.

Ich habe ihn auch ein 3.Mal getestet. Diesmal habe ich den mutigen Schritt zur Haut gewagt. Ja, ich spreche wirklich von Wagnis weil die ersten Eindrücke mich eher abgeschreckt haben und die Haltbarkeit auf dem Kärtchen so lang war (24h), dass ich absolut keinen Duft der mir nicht gefällt, so lange an meinem Körper haften lassen wollte!

Diesmal war ich etwas milder gestimmt. Lag das teilweise an der ästhetischen Präsentation die mich beeindruckte? Ja, ich gebe es gerne zu, so sehr mir Duftwerbung eigentlich egal ist, bin ich wie jeder Mensch ein visuelles Wesen und die tollen Schaufenster, mit den grossen Federn in verschiedenen blau, grünen und gelben Farbschattierungen, sowie den delikaten Iriszeichnungen haben es mir angetan! Und wenn ich ganz ehrlich bin, wollte ich den Duft auch trotz allem mögen.

Auch wenn ich die Namensgebung nicht befürworte, und, selbst ohne an die legendäre duftende Blaue Stunde von 1912 zu denken, den Namen auch nicht passend finde. Denn ich sehe das Parfum trotz Werbekampagne, Schaufensterdeko und Namen, eher in weiss!

Weiss wie ein Waschpulver einer amerikanischen Hausfrau aus den 60er Jahren, weiss wie Leinen die im Winter auf einer Wäscheleine draussen im klirrend-kalten, eisigen Wind (mit Mühe) trocknen, weiss-rosa wie die früheren Kompaktpuder unserer Grossmütter die diese schönen, kleinen Döschen auf ihrem Schminktisch aufbewahrten… und weiss wie die (ver)blendenden Zähne die die Zahnpasta Konzerne uns für echt verkaufen wollen…

Denn die neue Blaue Stunde ist eine Mirage für mich. Ein Zauber der uns viel verspricht aber auf Dauer nicht viel hält….trotz der phänomenalen Haltbarkeit seiner synthetischen Moleküle.

Auf meiner Haut war die Lebensspanne deutlich kürzer als auf dem Kärtchen. Zum Glück galt dies auch für die ozonischen Noten. Die den ganzen Duftverlauf zwar präsent waren, aber längst nicht so erstickend (welch Ironie für einen Luftakkord Duft!).

Spektakulär empfand ich ihn auch nicht. Ziemlich linear, ziemlich einfach, sehr wenig Duftentwicklung…trotz seines Aliencharakters. Denn bizarr finde ich ihn immer noch. Auf meinem Handgelenk ist er cremiger und weicher geworden, etwas gefälliger auch. Aber dennoch bleibt etwas stechendes. Das stechende dass ich in so vielen heutigen « Duftkreationen » rieche. Diese überall wuchernde Bombensynthetik die unsere Umwelt erschlägt. Wenn auch hier etwas salonfähiger gestylt.

Schliesslich ist L’Heure Bleue 2026 trotz seifig-pudrigem Vintagecharakters, eindeutig ein kontemporärer Duft! Teilweise hat er etwas Retro-futuristisches. Und ich glaube, dass es das ist was mir auch nicht gefällt. Ich finde ihn zu konzeptuell. Tragbar ja, aber ohne wirklich diese positiven Gefühle in mir auszulösen die ich mir wünsche wenn ich einen Duft trage. Er verschmilzt nicht mit meiner Haut, er liegt auf ihr. Es fehlt ihm Leben und Authentizität. Er riecht als wäre er für eine humanoïde AI-Figur konzipiert worden. Hat Guerlain den Duft teils mit den heutigen Techniken, mit Hilfe von KI und Algorythmen produziert?

Ein abschliessendes Fazit kann ich leider nicht geben. Ich möchte den Duft noch weiterhin testen. Wirklich mögen werde ich ihn wahrscheinlich nie. Ob ich einen Flakon für meine Sammlung kaufen werde, steht auch noch nicht fest. Als Zeuge für heutige Parfumkunst bzw. - Herstellung vielleicht? Oder des Zeitgeistes… Denn die Blaue Stunde spricht nicht nur von der Zeit kurz vor der Dämmerung, sie steht metaphorisch auch für den gesellschaftlichen Umbruch…wie damals als der ursprüngliche Duft L’Heure Bleue von Jacques Guerlain kreiert wurde. In diesem Sinne, finde ich die heutige Interpretation auch etwas beängstigend. Nicht nur olfaktorisch gesehen, sondern auch wegen dessen was sie über unsere heutige Gesellschaft aussagt. Viel Performance, wenig Seele…um es kurz zu fassen.
16 Antworten
Weitere Rezensionen

Statements

74 kurze Meinungen zum Parfum
49
64
Blaue Stunde 2026: Kühle Blüten, trockenpudrig, durch kaltblauen Frischehauch in Sauberkeit erstarrt. Steril, statisch, aber überraschend...
64 Antworten
vor 13 Tagen
32
23
KN: Kurz geeiste Birne, dann ozonisch
HN: Iris kommt dazu, nicht besonders pudrig
BS: Vanille+Ambroxan
Nach 24 Std.: Orangenblüte
23 Antworten
30
43
Hinter Wänden aus Desinfektionsmittel
Reiniger
und der Waschmittelabteilung im Supermarkt
verbirgt sich eine elegante und wertige Puderiris
43 Antworten
24
11
Synthetische Kühle trifft auf fast sterile Pudrigkeit. Nicht unschön, sogar faszinierend, aber auch etwas befremdlich. Extrem präsent.
11 Antworten
vor 9 Tagen
22
4
Der ozonische Wind entstaubt die Irisblüten und lässt sie pudrig-süß zurück. Eine ungourmandige Vanille erdet das Spektakel. Super schön!
4 Antworten
Weitere Statements

Diagramm

So ordnet die Community den Duft ein.
Torten Radar

Bilder

7 Parfumfotos der Community
Weitere Bilder

Beliebt von Guerlain

L'Homme Idéal (Eau de Parfum) von Guerlain Angélique Noire von Guerlain Cuir Béluga (Eau de Parfum) von Guerlain Spiritueuse Double Vanille von Guerlain Mon Guerlain (Eau de Parfum) von Guerlain L'Instant de Guerlain pour Homme (Eau de Parfum) von Guerlain Tonka Impériale von Guerlain Shalimar (Eau de Parfum) von Guerlain L'Instant Magic (Eau de Parfum) von Guerlain L'Homme Idéal Extrême von Guerlain Mon Guerlain (Eau de Parfum Intense) von Guerlain Vetiver (Eau de Toilette) von Guerlain Habit Rouge (Eau de Toilette) von Guerlain Aqua Allegoria Mandarine Basilic von Guerlain Santal Royal (Eau de Parfum) von Guerlain L'Heure Bleue 1912 / L'Heure Bleue (Eau de Parfum) von Guerlain L'Instant de Guerlain pour Homme (Eau de Toilette) von Guerlain Bois d'Arménie von Guerlain Néroli Outrenoir (Eau de Parfum) von Guerlain Vanille Planifolia Extrait 21 von Guerlain Héritage (Eau de Toilette) von Guerlain