Login

Käufe über Links auf unserer Website, etwa dem eBay Partner Network, können uns Provision einbringen.

Barynia 1985 Eau de Parfum

8.9 / 10 31 Bewertungen
Ein beliebtes Parfum von Helena Rubinstein für Damen, erschienen im Jahr 1985. Der Duft ist blumig-würzig. Die Haltbarkeit ist überdurchschnittlich. Die Produktion wurde offenbar eingestellt.
Vergleich
Ähnliche Düfte
Käufe über Links auf unserer Website, etwa dem eBay Partner Network, können uns Provision einbringen.

Duftrichtung

Blumig
Würzig
Holzig
Chypre
Grün
Bewertungen
Duft
8.931 Bewertungen
Haltbarkeit
8.228 Bewertungen
Sillage
7.928 Bewertungen
Flakon
8.330 Bewertungen
Eingetragen von Sniffer · letzte Aktualisierung am 23.06.2025.
Quellenbasiert & geprüft

Duftet ähnlich

Womit der Duft vergleichbar ist
Barynia (Parfum) von Helena Rubinstein
Barynia Parfum

Rezensionen

5 ausführliche Duftbeschreibungen
10Duft 9Haltbarkeit 7Sillage
Yukiko

2 Rezensionen
Yukiko
Yukiko
Top Rezension 72  
Dürfte ich Dich doch noch einmal erschnuppern und berühren...
Barynia, du warst meine 'Einstiegsdroge' und Begleiterin in die 'echte Parfumwelt' a long time ago...

Man schreibt den Herbst des Jahres 1985. Yukiko ist fast 14 und mit Düften schon lange bestens bekannt. Bis auf eine Freundin teilen aber leider keine Gleichaltrigen ihre Leidenschaft.
Aber da gibt es ja die wohlhabendere verwitwete Nachbarin mit ihrer Tochter gleich in der Wohnung nebenan im sonst stinknormalen Mehrparteienhaus. Man kennt mich nebenan seit Babytagen und die gut 12 Jahre ältere Tochter teilt mit mir ihre Musik- und eben Parfumleidenschaft. An kalten Tagen verbringen wir oft Schnupperabende mit ihren neuen Duft-und Vinylerrungenschaften im Hintergrund. Ich werde von ihrer Mutter aus der Nobelparfumerie der nahen City mit Pröbchen versorgt... zum Nikolaus... Hl. Abend... Geburtstag oder einfach mal so.

Meine ebenfalls duftaffine, jedoch aufgrund von Trennung finanziell wenig gut aufgestellte Mama findet das alles völlig okay. Nur manchmal äußert sie Bedenken, dass ich für so Erwachsene-Damen-Düfte doch zu jung sei. Und ich möge bitte doch die Eindieselmenge begrenzen... es reicht doch, wenn man besagte liebe Nachbarin stundenlang im Raum oder Treppenhaus röche.
Das alles war durchaus nicht böse gemeint und immer mit einem Augenzwinkern ihrerseits bedacht.

Zu der Zeit teilten meine duftlose beste Freundin und ich uns die Zeitschrift "Mädchen". Abwechselnd besorgte alle 2 Wochen eine das Heft. Wer mit Bezahlen dran war, durfte das Heft zuerst für 5 Tage bei sich behalten. Jaaa... wir achteten akribisch auf unsere Kohle. Sie investierte ihrerseits in Sportklamotten und ich eben in Schallplatten und so manches mädchenhafte Duftschätzchen.

In einem der Herbsthefte erschien dann ganz klein eine Anzeige zum neuen "Barynia". Kein Testsachet, nix... nur ein Minibild mit Text. Mich traf der Name wie ein Blitz... mystisch und geheimnisvoll. Welten taten sich vor meinem inneren Auge auf. Und der Kubus auf dem Flakon war genau meine Vorstellung von Innovation und Luxus... lächel.
Der musste zu Weihnachten einziehen... komme da, was wolle !

Meine Mama war meinem Wunsch gegenüber schon aufgeschlossen, jedoch mussten wir uns finanziell sehr mäßigen. An den Preis kann ich mich nicht mehr recht erinnern... es werden wohl um die 50 DM gewesen sein. Ein Heidengeld für uns ! Das würde besser für Lebensmittel ausgegeben. Aber meine menschlich tief enttäuschte, nun alleinerziehende Mama befand just zu dieser Zeit, dass wir uns was gönnen müssen! Ihrer sparsamen und bescheidenen Natur fiel so ein Satz sicherlich nicht leicht.

Und so gingen wir in der kleinörtlichen, inhaberin-geführten Miniparfümerie ganz kurz verschämt Probeschnuppern. Allein das war ein Erlebnis! Wann hatten wir schonmal vorher diese Schwelle überschritten... so gut wie nie, da dieser Luxus für uns unerhört war.

Wir waren beide nach einem Mini-Kleinst-Sprühstoß hingerissen und beschlossen, uns den Duft zu Weihnachten gemeinsam zu leisten. Gekauft hat ihn dann meine Mama, als ich nicht dabei war und er wurde wirklich erst am Heiligen Abend unter dem Baum aus der wunderschönen Verpackung genommen.
Nie vergesse ich das unglaublich erhabene Gefühl, diesen Duft besitzen und tragen zu dürfen. Was für ein glanzvolles Fest !

Ein warm-kühl würziger und für unsere Begriffe orientalischer Chypre war diese Barynia. Ein wirklich langanhaltender Schleier legte sich um uns. Oft wurden wir positiv darauf angesprochen. Selbst die duftverwöhnten Nachbarinnen fanden Barynia besonders und bescheinigten ihr einen eigenen Touch und hohen Wiedererkennungswert. Die Marke Rubinstein war zwar durchaus damals ein guter Name, aber kein Vergleich zu Chanel oder Guerlain.
Die Basis war ein holzig-sanfter Traum, der mich in diese Richtung stark geprägt hat. Nach dieser Referenz suchte ich künftig meine wenigen 'Sindbad-Düfte' aus.
Die genaue Bedeutung des Namens " Barynia" erfuhr ich erst viel später. Vermutlich wollte ich es auch nie genau wissen... die Magie sollte nicht enden. Ich wollte meinen Orientzauber !

Sehr viel würde ich heute dafür geben, meine Barynia noch einmal zu erschnuppern. Ich verbinde so viel mit ihr und trotz der ungezählten Düfte, die danach noch kommen durften und sehr geliebt wurden:
Barynia ist und bleibt der Grundpfeiler meiner Duftleidenschaft und DER Duft, den ich mit meiner Mama verbinde.
Sie wurde Jahre später noch einmal richtig glücklich und konnte sich auch viel leisten. Aber unser Barynia-Weihnachten blieb uns immer unvergessen und wurde wieder und wieder erzählt.

Dieses Jahr verstarb sie an Ostern nach schwerer Krankheit und großem Leid. Bis zum Schluss war es ihr wichtig, gepflegt zu sein. Duftschnuppern konnten wir an ihrem Krankenbett noch zusammen, als anderes leider gar nicht mehr möglich war. Glücklicherweise spielte das auf der Palliativ-Station eine wichtige Rolle.

Immer wieder betrachte ich mir hier das Flakonbild. Es ruft mir eine unglaubliche Sehnsucht herauf; gleichzeitig ist da jedoch auch das tröstliche Gefühl, dass meine Mama in einer sehr schwierigen Zeit uns ein Duftfest bereitet hat, das uns begleitet und geprägt hat.

Dir, liebe Mama und Deinem unverbrüchlichen Willen, weiterzumachen und sich etwas Gutes zu gönnen, widme ich meinen allerersten Kommentar hier.
Es möge Dir gut gehen, wo immer Du jetzt bist. *Kuss*
Aktualisiert am 27.10.2019 - 20:46 Uhr
36 Antworten
9.5Duft 9Haltbarkeit 8Sillage
Medusa00

846 Rezensionen
Medusa00
Medusa00
Top Rezension 25  
Tanz ohne Choreographie

Mich hat interessiert was der Name „Barynia“ bedeuten könnte und ob er zu dem Parfum paßt.
Barynya (mit 2 Y geschrieben) ist ein rasanter, russischer Volkstanz, welcher frei interpretiert wird. Geprägt durch Drehungen, Sprünge und Aufstampfen. Er sollte Lebensfreude und Kraft demonstrieren.
Vielleicht wollten die Macher bei der Namensgebung auf die Herkunft von Helena Rubinstein anspielen, obwohl diese ein polnische Jüdin war. Als Barynia 1985 auf den Markt kam, hat sich Helena (1872-1965, andere Quellen schreiben, daß sie schon 1870 geboren wurde, also achtzehnhundertsiebzig) schon längst die Radieschen von unten angeguckt.
Helena Rubinstein war eine Pionierin in der Kosmetikbranche und hat , ähnlich wie Esteé Lauder, nur mit ein paar selbst hergestellten Cremes gestartet. Im Laufe der Jahre baute sie sich ein florierendes, weltweites Imperium auf und zeigte der Welt, daß Frauen keine „leichten“ Mädchen sind, wenn sie sich pflegen, schminken und beduften.
Sie verhalf in dieser Beziehung den Frauen auch zu mehr Selbstbewußtsein und war Wegbereiterin zu mehr Emanzipation. Fast schon legendär war die lebenslange Rivalität zu Elizabeth Arden, welche seit den 1930ern bestand und bis an das Lebensende der beiden Damen anhielt.
Es gibt eine interessante Doku „Der Puderkrieg“ dazu, welche die Stutenbissigkeit der beiden Frauen aufzeigt. Aber ich glaube, wenn die beiden heute nochmal in die Welt schauen könnten, würden sie vielleicht zu der Einsicht kommen, daß sie sich damals doch lieber hätten bereichern sollen, anstatt sich zu bekriegen.
Barynia, als Duft, ist nicht ganz so frenetisch wie der beschrieben Tanz, denn das Temperament offenbart sich erst in der Herznote.
Der aldehydig-zitrische Start ist zwar nicht ganz so seifig wie z.B. beim klassischen No 5, aber zeigt doch deutlich einen Duft der 80er Jahre auf. Für manche jungen Nasen könnte das altbacken erscheinen. Aber Geduld, wenn sie die Aldehyde in ihre „alte Hütte“ verzogen haben, wartet Barynia mit einem wunderbaren Blumenstrauß auf. Etwas tuberosendomiert und veilchenblau. Opulent, aber nicht süß. Irisgepudert. Schön, gediegen, spingt er über in eine grün-cremige Basis.
Barynia ist kein Chypre, sondern ein gut ausbalancierter Orientale. Ein Duft mit Choreographie von einer, leider, ausgestorbenen Art.
Aktualisiert am 16.01.2022 - 13:06 Uhr
18 Antworten
10Duft 9Haltbarkeit 8Sillage
Skydiver19

56 Rezensionen
Skydiver19
Skydiver19
Top Rezension 19  
Tanz, ein Tor
In letzter Zeit beschäftigen mich Zustände von Ekstase, wohl gemerkt die ohne stoffliche Beschleuniger in Pillen- oder Was-auch-ímmer-Form. Egal, wie er eingeleitet wird, der veränderte Bewusstseinszustand, es geht immer um das Außerhalb-von-sich-selbst-Sein. Außerhalb des konditionierten Denkraums des Ichs mit seinen virtuellen Vorstellungen, die er für Wirklichkeit hält und an die er felsenfest glaubt. Diesen voreingenommenen Kameraden zu überwinden ist deshalb unabdingbar. Der Methoden, wie dieser Zustand angestrebt werden soll, gibt es zahlreiche. Bei näherer Betrachtung kristallisieren sich jedoch zwei Hauptmerkmale bei den Methoden heraus. Es scheint also zwei unterschiedliche Tore zu geben, die man durchschreiten kann, um aus sich heraus treten zu können.
Durch das erste Tor zur Ekstase können Tänze führen, z. B. von Mantras begleitete Wirbeltänze oder etwa im Sog entfesselter Staccato-Rhythmen.
Durch das zweite Tor führt das Gegenteil: die Stille.
Beides sind universelle menschliche Erfahrungen, jenseits von Kultur und Weltanschauung. Letztere entspringen unserem kategorisierenden Denken, das sich allzu gerne mit Unterschieden befasst, weshalb es ersehnten Einheitserfahrungen per se im Wege steht.

Meine Zeit in Westafrika hat mich durch das 1. Tor geführt, absichtlos ist es einfach geschehen, auf natürlich induzierte Weise bei traditionellen Tänzen. Zu Familien- oder Dorffesten kommen Percussionisten der Region zusammen und weben ohne zu Proben, einfach aus dem Moment heraus, an einem rhythmischen Klangteppich, der einen 'Magic Carpet Ride' induzieren kann. Um es soweit kommen zu lassen, braucht es eine wichtige Voraussetzung: Kopf ausschalten! Schwierig genug, weil wir mit Rundumbewertungen aufgewachsen sind, die auch mich zunächst blockiert haben mit Fragen wie: Machst du alles richtig? Wie sieht das aus, was ich da mache? Was denken die Einheimischen von mir? Werden sie mich auslachen? ...? und so weiter. Habe aber mit der Zeit verstanden, dass diese Menschen anders ticken. Sie lachen, ja, und wie: lauthals und kollektiv intoniert. Aber nicht hämisch oder lästernd, sondern aus ehrlicher Freude darüber, dass du dich auf ihre Kultur eingelassen hast. Egal, was du wie machst, du bist verbunden mit ihnen, und nur das scheint zu zählen.

Allein den letzten Satz kann man mal etwas sacken lassen. Er enthält eine tiefe Weisheit, die uns durch unseren materiellen Fortschritt abhanden gekommen ist. Für den zählt nur Leistung und Effizienz, dein Wert wird nun gemessen und nicht mehr geschätzt. In dieser unserer Kultur benötigen unzählige Menschen professionelle Unterstützung, um wieder einen Selbstwert zu spüren und daran zu glauben: Du bist okay, so wie du bist!
Hier konnte ich es tanzend erfahren. Mein Körper wurde zu reiner Lust, einer Lebenslust, die nicht nur auf die Beckenregion beschränkt war; er wurde zu reinem Feuer der Be-Geisterung. Meine Füße liebkosten die Erde von Mutter Afrika, kraftvoll und rhythmisch, was diese mit einem vibrierenden, in mir aufsteigenden Energiestrom beantwortete. Der schwerelose Teil in mir bekam Flügel und löste sich aus seinem biographischen Gefängnis aus Konditionierungen und Voreingenommenheiten. Lichtstrahlen fuhren aus meinen Füßen in die Erde und aus meinem Kopf in die Höhe, eine nicht gekannte Verbindung zwischen 'oben und unten' baute sich auf. Simultan nahm ich das sprühende Feuer in den Augen jener Frau in mich auf, die mich in den Kreis der entfesselt Tanzenden geholt hatte...
Hier geht es mit Worten leider nicht weiter - sie sind wie fragmentierter Geist, eingesperrt in Begriffsbehälter. Sie wissen nichts vom Flow des Ganzen.

Diese Art von kollektiver Tanz-Trance ist nicht auf den afrikanischen Kontinent beschränkt, sondern weltweit zu finden. So auch in Religionen, wie z.B. beim Tanz von asketisch lebenden Sufis, den Derwischen, einer mystischen Gruppe innerhalb des Islams. Ihr als Wirbelmeditation bezeichneter Tanz soll den Ausübenden helfen, die eigenen Begrenzungen zu überwinden und einen trance-ähnlichen Zustand zu erlangen, der ihnen ermöglicht, das Ego zu transzendieren und eine tiefere Verbindung zur göttlichen Präsenz zu spüren.

Die Duftreise mit Barynia - dieser Name ist einem drehfreudigen, russischen Volkstanz entliehen - fühlt sich in meinem Erleben ähnlich an wie das Zusammenkommen von Menschen zu einem traditionellen Tanzvergnügen in kleinen afrikanischen Dörfern. Zu Beginn, der zeitlich nie genau festgelegt ist, suchen die Trommeln noch nach ihrem Puls, langsam und spielerisch. Hoch gestimmte, helle Erwartung liegt in der warmen Nacht, die dunkel glänzt unter einem reich geschmückten, klaren Sternenhimmel. Weich vibrieren die Tierhäute auf den hölzernen Klangkörpern unter den erhitzten, ledernen Händen der Trommler, gerade so, als wollten sie die Erinnerung an jene Tiere herbeirufen, die ihr Fell für diese Reise der Menschen ins ersehnte Elysium geopfert hatten.

Der Tanz dieses Duftes beginnt mit einer flirrenden, kühlen Lichtfontaine - die Tanzfläche ist hell erleuchtet, und in den offenen Gesichtern der Besucher ist gespannte Vorfreude zu lesen. Erste Blumentänzer betreten die Szenerie, schreitend über tiefgrün schillernden Damast, und ihre gedehnte Geschwindigkeit zieht alle Aufmerksamkeit auf sich. Eine Gruppe aus blauen Puderblüten macht den Anfang, aufragend und nobel, bald gefolgt von rosenstolzen Edeldamen in violetten weiten Gewändern, karminrot eingefasst und silber bestickt. Strahlende Weißblüher in fließenden, matt glänzenden Stoffen rahmen den Dufttanz ein und verbinden die Farben zu einem dynamischen Ganzen. Sie scheinen überall gleichzeitig zu sein, während die grünen Damastnoten den ganzen Verlauf über im Hintergrund präsent bleiben im Licht einer nicht versiegen wollenden Quelle.
Polaritäten von hell und dunkel, warm und kühl, weich und markant finden zusammen, wirbeln umeinander, um sich hernach wieder voneinander zu lösen.

Warmwürzige Brisen aus der Mondnacht sowie animalisch angehauchte Moschusseide umwehen das Geschehen. Sie wärmen, nein, sie erhitzen die Körper der Tänzer und Tänzerinnen, die mit den treibenden Staccato-Rhythmen ihr ekstatisches Eigenleben begonnen haben. Alle Körper scheinen zu einem Körper verschmolzen zu sein, wogend, pulsierend, schwitzend. Der Klang der Tierhäute, auf Tropenhölzer gespannt, hat das mystische Tor für sie geöffnet.

Diese lang anhaltende Basisnote zieht mich immer mal wieder hin zu jenem magischen Eingang, der mich seinerzeit in die Anderswelt eingeladen hatte. Also, nur bis zum Eingang, nicht hindurch.
Gewiss, nicht bei jedem Auftragen des Duftes erlebe ich diesen Streckenabschnitt der Reise. Aber bei jedem Gebrauch steigt das Gefühl der tiefen Verbundenheit von Allen mit Allem, die hinter diesem Tor erfahrbar wurde, wieder in mir auf. Durch meine Sinne und ihrem verlässlichen Link zu alten Erinnerungen.
Aktualisiert am 15.01.2025 - 03:40 Uhr
27 Antworten
9Duft 8Haltbarkeit 8Sillage
Serenissima

1238 Rezensionen
Serenissima
Serenissima
Sehr hilfreiche Rezension 20  
Barynia = Herrin
Zu wem würde diese Duftbezeichnung „Herrin“ mehr passen als zu der Grande Dame der Schönheit Helena Rubinstein, aus deren Hause diese Komposition stammt.
Zeigte sich doch „Madame“, wie sie sich in späteren Jahren gern nennen ließ, ihrem Umfeld gegenüber recht häufig herrisch (und leider auch genauso oft ungerecht).
Ständig erinnerte sie daran, dass sie, die aus ärmlichen Verhältnissen eines Krakauer Vororts stammende kleine Cjaja („Madame“ maß gerade nur um 1,50 Meter), ihr gesamtes Imperium selbst aufgebaut hatte.
Die Hilfe anderer Menschen, die mit ihr zusammen ihre Ideen umsetzten, vergaß sie dann gern.
Es heißt, dass ihr Schroffheit auf Unsicherheit basierte: Nun, sie soll diese jedenfalls sehr gut kultiviert haben.
Nicht nur der sogenannte so bekannte „Puderkrieg“, den sie sich mit ihrer Dauer-Rivalin Elizabeth Arden lieferte, zeugt davon.
Picasso bewies Mut, als er im Vorfeld zu dem von ihr so sehr gewünschten Porträt erklärte, sie habe aber sehr große Ohren.
Hier trafen sich zwei gleichgesinnte Sturköpfe: Sie schluckte (und prüfte angeblich ihr Spiegelbild genau), er malte und so konnte sie endlich einen Picasso ihrer umfangreichen Gemäldesammlung hinzufügen!
(Der Überlieferung nach vergab sie ihm aber „die großen Ohren“ nie!)

Bei ihren Wurzeln wusste „Madame“ sicher um die Bedeutung des Wortes „Barynia“ = Herrin.
Ich traf diesen Begriff das erste Mal vor sehr vielen Jahren in einem der Romane von Utta Danella, in dem die Mutter der Protagonistin von einem sie liebenden Mann so genannt wurde.
(s. hier: „Die Frauen der Talliens“.)

„Barynia“, der Duft, macht seinem Namen alle Ehre:
Das ist kein Gewand, dass man so einfach überwirft und damit durch den Tag spaziert.
„Barynia“ fordert Aufmerksamkeit und diese wird ihr auch heute noch zuteil.
Die Duftpyramide, die anderenorts im Netz zu finden ist, zeigt auch, weshalb:
Ein warmer, opulenter Orientale entwickelt sich auf der Haut und umgibt mit verschwenderischer Pracht, lockender Magie.
Aldehyde lassen die Lebhaftigkeit der Zitrusfrische im Entrée strahlen, Hyazinthen und Veilchen bringen den Botticelli-Frühling, in ihrem Gefolge das so eigen, würzig bis etwas streng duftende Maiglöckchen.
Schon hier wird das Duftkörbchen nicht sparsam bestückt, sondern großzügig gefüllt.
Ein großer Blumenstrauß, wie ich ihn bei vielen Roja-Düften traf, füllt das Herz dieser aufwendigen und intensiven Kreation.
Besonders freut mich hier die Anwesenheit der heute etwas vernachlässigten Nelke.
Sie kann es in ihrer würzigen, optisch leicht fragilen Schönheit mit der schon bekannten und beliebten Versammlung von Rosen, weißblühenden Jasmin- und Tuberosenkaskaden und der exotischen, fein erotischen Vanillewärme der Orchideen ohne weiteres aufnehmen.
Dieses üppige Bouquet erzeugt schon jetzt einen tiefen sinnlichen Reiz, der durch ein bei mir immer wieder kurz aufblitzende Aldehyd-Feuerwerk noch verstärkt wird.
Tiefe gewinnt dieses überschäumend blumige Kunstwerk durch eine harzig-rauchige und deutlich animalische Basis, in der Zibetöl einen finalen Duftwirbel hinterlässt, der über den uns so vertrauten Basisduftstoffen Sandelholz, Vetiver und Moschus tanzt.
Dabei sind doch alle drei keine Kinder von Traurigkeit, was das Hervorrufen erotischer Eindrücke und sinnlicher Momente betrifft.

All das als Gesamtkunstwerk wirkt noch heute: „Barynia“ lässt Duftpurismus und alles Leise und Angepasste vergessen:
Diese „Herrin“ betritt ihre Bühne und sogar auf meiner immer recht kühlen Haut erblüht sie zu glutvoller reifer Schönheit.
Hier wurde eine Duftkomposition aus vollen Dufttönen geschöpft, die immer noch glänzt und lockt, verspricht und ihre Versprechen auch hält.

Ob „Barynia“, ein Duft, der zwanzig Jahre nach dem Tod von Helena Rubinstein erschien, als eine Art von Hommage an „Madame“ gedacht war, weiß ich nicht.
Ich habe in letzter Zeit recht viel über die Welt der Kosmetik und Schönheit gelesen und kam natürlich auch an den beiden ganz großen Damen Rubinstein und Arden nicht vorbei.
Dass ihre Konkurrenz so weit ging, dass die eine sogar den geschiedenen Mann der anderen als Mitarbeiter in ihrem Unternehmen (mit den Schönheitssalons mit der Roten Tür) verpflichtete, ist bekannt.
Aber zu gern möchte ich doch wissen, wem wohl diese opulente, orientalische Duftschönheit gewidmet ist.
Aktualisiert am 30.08.2024 - 12:43 Uhr
11 Antworten
8.5Duft 9Haltbarkeit 8Sillage
Minigolf

2569 Rezensionen
Minigolf
Minigolf
Hilfreiche Rezension 8  
Kühl angehauchtes Blütenmeer mit warmer holziger Basis
So einen Duft wie dieses "Barynia" hatte ich schon lange nicht mehr gerochen. Sehr opulent geht es da zu, nach einer sehr zitrisch- aldehydigen Vorhut. Was sich da alles an Blüten tummelt, sehr bunt , sehr üppig aber keinesfalls zu süß. Helles und Dunkleres kommt hier zusammen und schafft ein fast flirrendes Licht- und Schattenspiel. Alles ist umhüllt von feinem Puder, der blaue Schleier der Iris und des Veilchens. Kühl ist es zuweilen. Wie an einem Vorfrühlingstag, wenn die Sonne untergegangen ist. Dann kommt wider ein warmer Hauch, Rosen und Jasmin, und lassen alles erglühen. Nicht die Glut eines Feuers, eher wie die eines warmen Windes, der aus Süden kommt, bei vorher recht kühlem Wetter. Doch vermag Barynia zu verzaubern. In wirbelnden Pirouetten, wie eine Eiskunstläuferin im Blütenkleid. Mit fast akrobatischen Drehungen und Wendungen. Im Verlauf des Duftes werden die "Bewegungen" bedächtiger, langsamer. Und verlieren sich sanft strömend in einer leicht "animalischen" warm-holzigen Basis. Aber Achtung! Das Kühle der aldehydischen Blüten blitzt immer dann wieder auf, wenn man es am wenigsten erwartet!.. Ein Duft voller Überraschungen. Und ein gelungenes olfaktorisches Schauspiel. Wenn es ein Kinofilm wäre, dann in gutem, altem "Technicolor"! Wie in den 50ern und 60ern. Und 3 D in Analog!
4 Antworten

Statements

12 kurze Meinungen zum Parfum
52
34
Im Herbst des Lebens
von Sonnenstrahlen umhüllt
im bunten Blütenkleid
eingehüllt in einen Gewürzschal
umweht v. Aldehyden
Liebe spüren
34 Antworten
40
31
Werfe einen goldenen Schatten
Auf zarte Blüten
Zeichne sanfte Linien
Um Gefilde aus hellen Hölzern
Lasse mich fallen
In hellgrüne Wiesen
31 Antworten
33
38
attraktiv rauchige
Erscheinung
mit grünsamtiger Aura
kühle BlütenTiefe
tanzende Lebensenergie
warme Würzwinde
in innerer
MoschusMondnacht
38 Antworten
23
14
Klassiker. Sehr gediegen. Schön.
Jasmin, Hyazinthe, Tuberose!!
Veilchen für den Biss.
Zibet in der Basis.
Sehr deutlich alt und schwer. 9.5
14 Antworten
23
12
Ein Relikt aus anderer Zeit, aber kein Dinosaurier, sondern ein Einhorn: maßvolle Aldehyde, Zitrus, opulente Blüten, grüne Lichter, Holz.
12 Antworten
Weitere Statements

Diagramm

So ordnet die Community den Duft ein.
Torten Radar

Bilder

5 Parfumfotos der Community
Weitere Bilder

Beliebt von Helena Rubinstein

Barynia (Parfum) von Helena Rubinstein All You've Ever Wanted / Wanted von Helena Rubinstein Courant (Perfume) von Helena Rubinstein Men's Club (Eau de Cologne) von Helena Rubinstein Art of Spa - Relaxing Power von Helena Rubinstein Blazer (Eau de Parfum) von Helena Rubinstein Apple Blossom (Perfume) von Helena Rubinstein Heaven Sent / Heaven-Sent (Perfume) von Helena Rubinstein Courant (Eau de Parfum) von Helena Rubinstein Men's Club (After Shave Lotion) von Helena Rubinstein Art of Spa - Energizing Power von Helena Rubinstein Emotion (Eau de Parfum) von Helena Rubinstein Men's Club Concentrated Blend (Eau de Toilette) von Helena Rubinstein Men's Club 52 (Eau de Cologne) von Helena Rubinstein Emotion (Eau de Toilette) von Helena Rubinstein Country von Helena Rubinstein Town von Helena Rubinstein Flower Shop Bouquet - English Garden von Helena Rubinstein Bonne Chance von Helena Rubinstein Orchid von Helena Rubinstein