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Un Jardin sur le Toit von Hermès

Un Jardin sur le Toit 2011

Magineer
15.03.2020 - 15:16 Uhr
19
Top Rezension
8Duft 6Haltbarkeit 6Sillage 7Flakon

Der Traum vom kommenden Frühling

Meine erste Begegnung mit Hermés' Garten-Reihe hatte ich seinerzeit mit "Un Jardin sur le Nil" - damals noch ohne zu wissen, dass ich irgendwann mal zum Fraghead mutieren könnte. Ich mochte den Duft sehr und ließ mich damals zu stark von der Verkäuferin verunsichern, die meine Recherche (Unisex!) recht brüsk mit den Worten abtat, dass der nun wirklich nur für Frauen geeignet wäre. Der Nilgarten blieb mir jedoch immer im Hinterkopf, und als mir nun das Schicksal in Form einer superlieben Parfuma (danke dir, Serafina!) eine Probe von "Un Jardin sur le Toit" in die Hände spielte, war ein sofortiger Test nahezu unumgänglich. Und, um es vorwegzunehmen, ich wurde positiv überrascht!

Der "Dachgarten" trägt seinen Namen völlig zu Recht. Im Auftakt schüttet der Duft zwar noch ein paar Blumenkörbe aus, wechselt aber recht schnell zu seinem wundervoll hellgrünen Herz, dass tatsächlich etwas weicher (und damit per definitionem weiblicher) daherkommt, aber diese sanfte Note mit anständigem Selbstbewusstsein verteidigt. Ob nun Dachgarten oder Balkon im Zentrum der Projektion stehen, bleibt letztlich der eigenen Fantasie überlassen, aber Grünliebhaber, die ihre Waldszenarien gern öfter mal durchwechseln möchten, machen hier auf keinen Fall etwas falsch. Das Szenario führt uns zwar aus finsteren Forsten und üppig überwucherten Dschungeln heraus in eine stärker domestizierte Umgebung, doch das allgegenwärtige frische Gras verbindet sich schnell mit ein paar hübsch würzigen Akzenten - einige Gartenkräuter mischen sich ein, im Hintergrund wabert etwas Gurke und sehr wohldosierter Pfeffer. Das Obst (die hier angeführten Äpfel und Birnen) bleiben für meine Nase sehr leise und kaum relevant, vielleicht tragen sie auch nur unauffällig zum großartigen Gesamtkonzept des Duftes bei.

Was Jean-Claude Ellena hier gemacht hat, verdient vollsten Respekt. Mag sein, dass es eine Frage der Jahreszeit ist: Inzwischen haben wir Mitte März, und nach etlichen verregneten und stürmischen Wochen liess sich in den vergangenen Tagen erstmals wieder die Sonne blicken. Sehnsucht nach Licht, nach Wärme und Frühling, endlich hat sie wieder einen Hoffnungsschimmer. "Un Jardin sur le Toit" frisch aufgesprüht trägt diese Sehnsucht nach draußen, und ein tiefer Atemzug an der benetzten Haut bewahrt die Hoffnung auf den baldigen Frühling vor Rückschlägen aus der Realität. Einmal riechen, und ich bin fort aus dem viel zu frühen Aprilwetter hier in Deutschland, angekommen irgendwo am Mittelmeer oder meinetwegen sogar als Lebenskünstler auf den Dächern von Paris. Dabei wagt "Un Jardin sur le Toit" nichtmal den Ausbruch aus der typischen Duftpyramide, eckt nicht an, bleibt immer als angenehmer und sehr klassischer Duft wahrnehmbar. Was das für dich selbst bedeutet, hängt ganz von deiner eigenen Fantasie ab - für mich hat der Duft trotz eines konservativen Kerns das Zeug zum Ausbruch aus der typisch-türkisen Drogerie-Tristesse...

Der kleine Wermutstropfen zum Schluss: Typisch für die Gartenserie hält sich auch "Un Jardin sur le Toit" mit der Projektion eher zurück und verweilt auch auf der eigenen Haut nicht länger als unbedingt nötig. Nach vier bis fünf Stunden ist der faszinierende Teil des Dufts vorbei, die Basis verhält sich geradezu unauffällig. Da Hermés für diese Reihe aber auch nicht allzu gierig die Hand aufhält, ist Nachsprühen (fast) kein Thema, und so bleibt "Un Jardin sur le Toit" (neben dem nahezu uneinholbaren "Un Jardin sur le Nil") auf jeden Fall ein Tipp für all diejenigen, denen es im Frühling genauso vor der Invasion der Aquaten graut wie mir. Make a difference! :-)
Aktualisiert am 15.03.2020 - 15:22 Uhr
6 Antworten
PinkdawnPinkdawn vor 5 Jahren
Schöner Kommentar. Auch ich bin ein Fan dieses grünen Dachgartens. Der ist mir ebenfalls lieber als Aquaten. ;-)
EileweileEileweile vor 5 Jahren
2
Tolle Beschreibung, danke.
IriniIrini vor 5 Jahren
Super Story ....-:) Die beide mag auch ich, wobei Le Nil finde ich strahlender, unvergesslicher ..-:))
Sublim22Sublim22 vor 6 Jahren
Invasion der Aquaten, hihi! Musste gerade an den Frosch mit der Maske denken, warum auch immer. Den Dachgarten mag ich übrigens genau so gern wie du. Pokal für den schönen Kommentar!
Melisse2Melisse2 vor 6 Jahren
Ach was, es gibt auch gelungene Aquaten. Aber dieser zarte frische grüne Duft, den Du treffend beschrieben hast und den ich auch als Spaziergang in domestizierter Natur empfinde, ist eine gute Alternative.
PollitaPollita vor 6 Jahren
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Das klingt doch mal vielversprechend. Und Aquaten mag ich auch nicht leiden.