Nimmt man den Duft aus der schlichten Pappe, so liegt ein recht kleiner, schön gearbeiteter Flakon in der Hand. Er wirkt wie ein Juwel. Eine Zeitkapsel. Gefüllt mit einem Elixir.
Beim Aufsprühen fällt mir sofort die Konsistenz des Duftes auf. Leicht ölig und irgendwie dichter, als sonstige Düfte, fängt er sich in Tropfen auf der Haut. Hinterläßt eine schimmernde Fläche, wo er sie berührte.
Zuerst entsteht bei mir ein Eindruck eines Duftes von sehr, sehr altem Wein. Wein der mit der Luft, die er wieder atmen darf, reift und massiv Raum greift. Die Früchte wirken trunken. Dunkelrot. Alt. Ehrwürdig. Und irgendwie aus einer anderen, besseren Zeit.
Recht schnell fängt sich das Szenario und was ich etwas in Richtung Barrique und Kelter verortete, sortiert sich. Es bleibt dieser mystisch schwere, leicht süßliche Duft. Doch er wird durch hellen Tabak durchbrochen. Er brennt nicht. Er webt einen Duftteppich. Schafft die Basis für den Auftritt einer saftigen, dunkelroten Rose. Ja, sie hat eine Opulenz, die beeindrucken kann.
Sanfte Impulse von Honig flackern immer wieder zwischen den Momenten des Einatmens auf und bereiten auf die wärmenden Harze vor, die mehr und mehr die Szenerie einfangen. Der Orangenblüte schreibe ich gern einen gewissen Anteil an der Cremigkeit der Komposition zu, lediglich herausriechen konnte ich sie nicht.
Eine wirkliche Pyramide habe ich nicht erlebt und auch nicht vermisst.
Slowdive ist das langsame Abtauchen durch einen mystischen, urgewaltigen Duft, der sich selbst mit Akkorden von Rose zu altem Wein (Obst) bis hin zu Harzen zelebriert. Ausdauernd, facettenreich und fernab jeglicher Konventionen.
Ich sah die Welle nicht kommen. Sie schlug über mir zusammen. Und riß mich in die Tiefe.