
Sapho
27 Rezensionen

Sapho
Sehr hilfreiche Rezension
10
Il dono del cervo
Die Frau irrte schon seit drei Tagen durch den Wald. Sie war erschöpft. Ohne Schlaf und Nahrung hatten sie die Kräfte verlassen. Anfangs hatte sie noch versucht, sich an den Sternen zu orientieren, aber dann zog ein Gewitter auf und sie sah nur noch die dunklen Silhouetten der Bäume und die nasse, mit Moos überwucherte Erde. Die Frau konnte und wollte nicht mehr weiter. Sie legte sich zwischen die Wurzeln einer großen Eiche und schloss die Augen. Sie wurde ohnmächtig und diese Ohnmacht schärfte alle ihre Sinne. Es ist gar nicht so schlimm zu sterben, dachte sie kurz. Ein Herz pochte in ihrer Brust? Nein, an ihrer Brust! Dieses Pochen war kräftig und schnell und lebensbejahend. Ihr Lager war nicht mehr kalt und nass, sondern warm, pelzig und schützend. Die Frau öffnete die Augen und sah einen majestätischen Hirsch. Aus der Sage ihres Volkes wusste sie, dass dies der Waldgott Cernunnos war, der bei den Kelten die drei Aspekte der Männlichkeit symbolisiert, Weisheit, Schutz und Nahrung. Das vom Geweih tropfende Wasser löschte den Durst der Frau, sein Fell schützte und wärmte sie, die weiße, nach Hirschhorn duftende Salbe schloss die Wunden an ihren Füßen und sein Herz brachte sie zurück ins Reich der Lebenden.
Wie soll ich diesen Duft beschreiben? Animalisch? Das will hinterfragt werden.
Man fragt sich, warum hier ein Hirsch als Namenspatron fungiert. So wie Floyd in seiner exzellenten Rezension erwähnt hat, zieht der Parfumeur seine Inspiration aus der Heilkunst der Schamanen und tatsächlich spielt der Hirsch in dieser Heilkunst, in der Alchemie und in der Medizin Avicennas eine bedeutende Rolle. Schon im ersten Jahrhundert u.Z. berichtet Plinius der Ältere über die medizinische Anwendung von Drogen, die aus Hirschen gewonnen werden. Im 17. Jahrhundert nannte der Arzt Johann Becher neun Bestandteile des Tierkörpers, die arzneilich verwendet werden können, das Geweih, Fett, Tränen, Knochenmark, Blut, Hufe, Hirschenstein, das Gemächt und Herzenbein. Insbesondere Hirschhorn fand seine Anwendung bei verschiedenen Krankheitsbildern als Bestandteil des Markgrafenpulvers. Dieses Pulver enthielt daneben auch eine Reihe von Kräutern, Wurzeln, Tierkohle sowie Korallen und Perlen. Dieses Pulver war als Panacee sehr verbreitet und es ist bekannt, dass die Familie Mozart den Komponisten bei allen möglichen Erkrankungen damit traktiert hat. Aber nicht nur das Hirschhorn war geschätzt, sondern auch das Herzbein spielte eine besondere Rolle. Die Herzscheidewand von Hirschen neigt dazu, zu verknöchern und ein kleines, kreuzförmiges Knöchlein zu bilden. Man dachte, dieses Knöchlein könne Unsterblichkeit verleihen. Wer unterhaltsame Krimis schätzt, sei auf ein Buch von Fred Vargas, 'Die dritte Jungfrau', verwiesen. Dort erfährt man von einem bestialischen Mord an einem unglückseligen Hirsch, der dieses Herzbeins beraubt wurde, um Unsterblichkeit zu gewinnen.
Das Animalische wird vorwiegend von Zibet bestimmt. Man fragt sich, warum Düfte mit diesem Bestandteil so unterschiedlich wahrgenommen werden. Es ist bekannt, dass Kleopatra diesen Duft außerordentlich schätzte und mir geht es ebenso. Deshalb wohl schätze ich auch Düfte wie die alte Jicky und das alte Chanel No. 5. Im Verlauf wurden diese Düfte reformuliert, weil die tierquälerische Gewinnung des Duftes aus den Katzen (zu Recht) verboten wurde. Heute wird natürliches Zibet durch synthetisches Zibeton ersetzt,v erfeinert mit Indol und Skatol. Letztere Substanzen scheinen dafür verantwortlich zu sein, wie wir Zibet wahrnehmen. Es gibt genetische Prädispositionen hierfür und so empfinden manche Menschen den Geruch von Zibet als aphrodisierend und anziehend, andere nehmen vorwiegend den Fäkalgeruch (Indol und Skatol finden sich in den Faeces) wahr und empfinden Zibet deshalb eher als abstoßend. Den stärksten Zibetgeruch habe ich bisher an Carnicure von Marlou wahrgenommen. Es gibt kaum einen anderen Duft in der Community, der derart polarisiert. Die Bewertungen gehen von "Distanziert und steril" bis zu Formulierungen, die ich hier nicht wiedergeben möchte und die sich am Geruch zu lange getragener Wäsche orientieren. Ich finde Carnicure warm und anziehend, und genauso warm und vertraut finde ich Stag. Wenn es mir einmal nicht gut geht, kann ich meine Nase tief in das Fell meines Hundes stecken und finde diesen Geruch dort wieder, einen Geruch, der beruhigt, schützt und ein Gefühl von Vertrautheit bringt.
Mein Dank geht an BeJot für die Testmöglichkeit.
Wie soll ich diesen Duft beschreiben? Animalisch? Das will hinterfragt werden.
Man fragt sich, warum hier ein Hirsch als Namenspatron fungiert. So wie Floyd in seiner exzellenten Rezension erwähnt hat, zieht der Parfumeur seine Inspiration aus der Heilkunst der Schamanen und tatsächlich spielt der Hirsch in dieser Heilkunst, in der Alchemie und in der Medizin Avicennas eine bedeutende Rolle. Schon im ersten Jahrhundert u.Z. berichtet Plinius der Ältere über die medizinische Anwendung von Drogen, die aus Hirschen gewonnen werden. Im 17. Jahrhundert nannte der Arzt Johann Becher neun Bestandteile des Tierkörpers, die arzneilich verwendet werden können, das Geweih, Fett, Tränen, Knochenmark, Blut, Hufe, Hirschenstein, das Gemächt und Herzenbein. Insbesondere Hirschhorn fand seine Anwendung bei verschiedenen Krankheitsbildern als Bestandteil des Markgrafenpulvers. Dieses Pulver enthielt daneben auch eine Reihe von Kräutern, Wurzeln, Tierkohle sowie Korallen und Perlen. Dieses Pulver war als Panacee sehr verbreitet und es ist bekannt, dass die Familie Mozart den Komponisten bei allen möglichen Erkrankungen damit traktiert hat. Aber nicht nur das Hirschhorn war geschätzt, sondern auch das Herzbein spielte eine besondere Rolle. Die Herzscheidewand von Hirschen neigt dazu, zu verknöchern und ein kleines, kreuzförmiges Knöchlein zu bilden. Man dachte, dieses Knöchlein könne Unsterblichkeit verleihen. Wer unterhaltsame Krimis schätzt, sei auf ein Buch von Fred Vargas, 'Die dritte Jungfrau', verwiesen. Dort erfährt man von einem bestialischen Mord an einem unglückseligen Hirsch, der dieses Herzbeins beraubt wurde, um Unsterblichkeit zu gewinnen.
Das Animalische wird vorwiegend von Zibet bestimmt. Man fragt sich, warum Düfte mit diesem Bestandteil so unterschiedlich wahrgenommen werden. Es ist bekannt, dass Kleopatra diesen Duft außerordentlich schätzte und mir geht es ebenso. Deshalb wohl schätze ich auch Düfte wie die alte Jicky und das alte Chanel No. 5. Im Verlauf wurden diese Düfte reformuliert, weil die tierquälerische Gewinnung des Duftes aus den Katzen (zu Recht) verboten wurde. Heute wird natürliches Zibet durch synthetisches Zibeton ersetzt,v erfeinert mit Indol und Skatol. Letztere Substanzen scheinen dafür verantwortlich zu sein, wie wir Zibet wahrnehmen. Es gibt genetische Prädispositionen hierfür und so empfinden manche Menschen den Geruch von Zibet als aphrodisierend und anziehend, andere nehmen vorwiegend den Fäkalgeruch (Indol und Skatol finden sich in den Faeces) wahr und empfinden Zibet deshalb eher als abstoßend. Den stärksten Zibetgeruch habe ich bisher an Carnicure von Marlou wahrgenommen. Es gibt kaum einen anderen Duft in der Community, der derart polarisiert. Die Bewertungen gehen von "Distanziert und steril" bis zu Formulierungen, die ich hier nicht wiedergeben möchte und die sich am Geruch zu lange getragener Wäsche orientieren. Ich finde Carnicure warm und anziehend, und genauso warm und vertraut finde ich Stag. Wenn es mir einmal nicht gut geht, kann ich meine Nase tief in das Fell meines Hundes stecken und finde diesen Geruch dort wieder, einen Geruch, der beruhigt, schützt und ein Gefühl von Vertrautheit bringt.
Mein Dank geht an BeJot für die Testmöglichkeit.
19 Antworten



Zibet
Bibergeil
Stinkmorchel
Vanillin

Eggi37
Yatagan
Schalkerin
Gandix
Ergoproxy


























