Ein bisschen fühle ich mich von Le Sel d'Issey ja übertölpelt, denn sein Marketing - und als Teil dessen auch sein Name und Flakon - verheißen einen ganz anderen Duft, als der, den ich dann vorfinde. Man rechnet bei einem Parfum wie diesem - zudem getragen von den Marken Shiseido und Issey Miyake - mit einer Art olfaktorischer Tai Chi-Sequenz - reduziert in Ingredienzen und in deren Orchestrierung, einer zum Innehalten und 'sich erden lassen' - mit Anklängen von einem leeren Strand vor einem stillen, grauen Wasser - und einer, den man dann auswählt, wenn man nach Einkehr und nach Ruhe sucht.
Stattdessen erlebe ich Le Sel d'Issey als einen ausgesprochen freundlichen und zugänglich-zugewandten Duft. Er birgt etwas sehr Zeitgenössisches und Gegenwärtiges in seinem Wesen - weder ausgeprägt aquatisch, geschweige denn meditativ-kontemplativ, was man bei Algen, Zeder und Weihrauch ja eigentlich erwartete. Er transportiert eine einfache Klar- und Reinheit und ein helles Leuchten so wie die heiteren Silbertöne eines Klaviers oder der blaue Himmel über einem frischgemähten Feld - ein Sommerduft im besten Sinne, unkompliziert und wenig komplex. Und auch solche haben ihre Zeit und ihren Sinn.
Fazit: ich nehme dieses Irreführungen ja doch immer ein bisschen übel - auch wenn mir das bei Issey Miyake nicht zum ersten Mal passiert. Aber ist einer so freundlich und so heiter wie Le Sel d'Issey - wie könnte ich dem lange böse sein?