… oder auch "wem Sorcinellis
Voix Humaine 8 noch zu sakral ist."
Jo Malone ist für mich ein Stichwort für subtil und hautnah, wohingegen Amber und Labdanum in meinem Duftverständnis zwar nicht immer überbordend laut sind, aber durchaus eine deutliche Präsenz haben. Also musste ein Test her. Tatsächlich einen großartigen Verlauf oder eine Duftinnovation bringt dieser Duft nicht mit sich, und es ist auch keine Amber- oder Labdanum-"Keule". Aber wem der ganze holzig-sakrale Nischen-Firlefanz zu eigenartig ist, oder falls man einen harzig angehauchten, semi-sakralen, die Kirche zitierenden, aber unauffälligen Begleiter braucht, oder einfach diese DNA in außenwelttauglich und freundlich haben möchte, der ist hier sehr gut beraten.
Amber Labdanum riecht, wie ich mich fühle, wenn ich den Weihrauchbrenner anstelle (aber das Pfännchen ganz weit oben lassen, weit weg von der Flamme), mir einen schönen heißen Tee mit Hafermilch koche und mich unter eine flauschige Decke verkrieche. Kuschelig, wohlig, unanfgeregt, sauber. In der Basis eine DNA, die ich von Malone kenne und als "parfümig" zu beschreiben vermag: leicht seifig, aber ohne Weißblüher, eher ein fast vergessener Hauch Rasierseife, der am Nachmittag immer noch am Hals haftet.
Der Duft hier ist keine herausfordernde Ultra-Nischenkunst, es ist eben ein schönes Parfüm mit Anklängen von Amber und der Wärme von Labdanum. Ich glaube, das Eichenblatt nimmt dem ganzen Spektakel die Dunkle harzige tiefe und macht das Dufterlebnis leichter und gibt einen grün-frischen Sprenkel hinein. Vielleicht lässt es mich auch an die klassische Rasierseife denken.
Die Bitterorange ist nicht singulär festzumachen, aber ich denke, sie ist es, die diese helle Weihrauch-Assoziation schafft. Ihre frische Zitrik und leichte Bitterkeit helfen dabei, die schwere des Labdanums und die Wärme des Ambers aufzuhellen und beide prickelnd frisch zu umrahmen, was unweigerlich an Weihrauch denken lässt.
Vanille ist auch mit von der Partie, vorsichtig eingesetzt. Genau wie beim
Voix Humaine 8 bringt sie eine süßliche, aber hell-kuschelige Dimension, macht die Turibulum-Mischung nahbar aber steuert keine nennenswerte essbar-anmutende Süße bei.
Fast hat der Duft im Abgang eine Hafermilch-im-Schwarztee-Note. Diese Cremigkeit, die man hinten am Gaumen spürt, kriege ich hier auch: süßlich, weich, minimal cremig, aber nicht laktonisch oder fettig.
Den kann ich mir gut im Alltag vorstellen, wenn man sich einfach nur für sich wohlfühlen möchte – sauber, gepflegt, leise und leicht warm angeräuchert.