MrGaunt
22.03.2021 - 23:35 Uhr
7
Top Rezension
9
Duft
8
Haltbarkeit
8
Sillage
8
Flakon

Der Buxton der kein Buxton ist?

Überraschenderweise noch unkommentiert, obwohl es den Duft schon einige Monate gibt und Mark Buxton gewisse Prominenz geniesst.
Mark Buxton ist definitiv kein Unbekannter, in seiner eigenen Linie dürfte er in erster Linie bekannt sein für den prominenten Einsatz von Weihrauch in den Düften. So auch hier. Allerdings stammt der Duft gar nicht von ihm, sondern von David Chieze. Der ist noch recht jung im Geschäft und hat wohl auch mit Bertrand Duchafour gearbeitet. Auf Mark Buxtons Homepage taucht er als einziger zweiter Parfumeur auf.
Beim Free hat man nichtsdestotrotz den Eindruck, der Duft könnte wohl auch von Mark Buxton selbst stammen. Die Richtung passt sehr gut zusammen zu den Kreationen des Masterminds. Er wird zudem sicherlich ein gewisses Mitspracherecht gehabt haben.

Wie riecht das Machwerk denn nun? Der Duft funktioniert aus meiner Sicht doch anders, als das was man vielleicht von der Pyramide erwartet, aber man findet sehr viel von der Pyramide wieder.
Der Start ist relativ fruchtig, die Ananas klar dabei aber nicht die alleinige Frucht. Insgesamt frisch, nicht süss, schon gar nicht klebrig, durchaus leicht pfeffrig. Die Frucht bleibt und hat auch vor, eine Weile länger zu bleiben. Die Frische wird direkt begleitet von einem herben Ton. Auch wenn man den Gewürzanteil ahnen kann, übernimmt die zweite Hauptrolle doch ziemlich schnell der Weihrauch.
Und das bleibt dann lange. Frucht und Weihrauch. Beides in erstaunlicher Klarheit, die Frucht vielleicht sogar als eine Art Essenz. Praktisch keine Säure, keine Süsse, nur Frucht. So wie man Frucht in einem wirklich sehr guten Obstbrand vorfindet. Der Weihrauch harzt fröhlich und hell vor sich hin. Wer bei der Kombination von Ananas und Rauch nun an einen nicht unbekannten Duft denkt und eine Alternative sucht, der möge weiter suchen. Das grosse A und der Free haben nur wenig miteinander zu tun. Hier teert es nur wenig, es harzt mehr. Schöner klarer Weihrauch.

Wie schon geschrieben: Es bestimmen Weihrauch und Frucht. Die Entwicklung des Duftes ist nach der kurzen Kopfnote unspektakulär und verschiebt sich naturgemäß mehr zum Weihrauch. Auch wenn die Düfte nicht zu viel miteinander zu tun haben, ist die Entwicklung recht ähnlich zu Oud Wood. Der bleibt auch lange und ändert sich nur unmerklich.

Jetzt betone ich immer "Frucht und Weihrauch", und da muss man vorsichtig sein. Während der Duft an der Oberfläche unspektakulär erscheint, kann man bei der bewußten Beschäftigung mit dem Duft doch viel mehr herausfinden. Der Vetiver unterstützt über fast die gesamte Länge und in der späteren Entwicklung kann man sogar ganz weiche Töne herausriechen. Da kommen dann die Basisnoten für eine einigermassen geübte Nase doch ins Spiel, so dass man sogar eine leichte Süsse und Cremigkeit erschnüffeln kann. Diese Noten schaffen es aber als Nebenschauspieler, die beiden Hauptakteure glänzen zu lassen, und das macht den Duft aus meiner Sicht besonders und spannend. An der Oberfläche passiert anscheinend nicht allzu viel, aber eigentlich doch durch die fleissigen perfekt aufeinander abgestimmten weiteren Noten.

Der Duft ist eine tolle Wahl für Weihrauchliebhaber und ich meine sogar gut für das Büro geeignet. Nicht nervös, nicht überwältigend. Bei der Sillage bin ich noch skeptisch. Mit 2 1/2 Sprühern schien ich vorsichtig versorgt zu sein. Als ich aber nach einiger Zeit in mein Büro zurück kam, konnte ich den Duft erstaunlich deutlich wahrnehmen. Es könnte sich also ein klassischer Fall von "ich merk es nicht so, die Umgebung schon" handeln. Kommentare gab es keine.
Ein toller Duft, der eine klare Linie verfolgt und bei dem man die subtilen Tiefen erst entdecken muss.

Edit: Tippfehler
2 Antworten

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