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Cuoium von Orto Parisi

Cuoium 2021

Duftrebellen
27.04.2022 - 13:46 Uhr
17
Top Rezension
8Duft 10Haltbarkeit 10Sillage 10Flakon 8Preis

Brutales Leder

Alessandro Gualtieri, das Mastermind hinter Nasomatto, lebt sich kreativ mit seinem Nebenprojekt Orto Parisi aus und veröffentlicht regelmäßig Düfte, die polarisieren, immer wieder die Nasomatto-DNA atmen und trotzdem neue Wege gehen.

Das neueste Werk "Cuoium" versteht sich hier als Bindeglied zwischen dem Klassiker "Tuscan Leather" und den typischen Düften von Nasomatto, wie z.B. Black Afgano oder auch Stercus von Orto Parisi.

Nach dem ersten Sprüher bleibt dir sofort die Luft weg, da du ein 30 Tonnen schweres Ledersofa auf dich zufallen siehst. Ausweichen ist nicht drin, deshalb bleibt nur tapfer durchzuhalten. Ein explosiver Auftakt, der dich sofort ahnen lässt, dass du lieber den Finger vom Sprühkopf nehmen solltest.

In der Kopfnote entfaltet sich zuerst eine Scharfe Wacholdernote, die von sehr potenten Ledernoten weg gedrückt wird. Erinnerungen an Beauforts Coeur de Noir oder auch Tonnere kommen hier auf, welche ebenfalls mit brachialer Gewalt auf dich einschlagen.
Ein Hauch von Himbeere und somit eine Reminiszenz an Tom Fords Tuscan Leather ist ebenfalls wahrzunehmen. Aber auch diese wird nach kürzester Zeit zermatscht zurück gelassen und wabert nur noch am Spielfeldrand hin und her.

Herz und Basisnoten sind für mich nicht wirklich rauszuriechen, außer Leder, Wacholder und so eine Ahnung von Birkenteer, wie er in zahlreichen Beaufort-Düften zu finden ist. Schwarz, düster, brutal und vor allem hart an der Grenze zum Penetranten, was mir aber generell sehr gut bei Düften gefällt.

Habe ich schon erwähnt, dass Leder hier zu riechen ist? Und noch mehr Leder? Wildleder, Zartleder, Lederanzug, Ledersofa, Lederjacke, Ledrige Haut... You name it.

Die Projektion fällt unfassbar stark aus und wie schon gesagt, reicht ein Sprühstoß, damit dein Umfeld dich den kompletten Tag über riecht. Und das über mehrere Ecken und Räume.

Allerdings kann das auch schonmal auf die Nerven gehen, da der Duft sehr monothematisch daher kommt. Mich hat es nicht gestört.

Der Flakon ist mit einer der schönsten, die ich in meinem Parfumleben gesehen habe. Wieso das so ist?

Das Teil hat einen rostig anmutenden Deckel, der schwer in der Hand liegt, die Form des Flakons ist Orto Parisi typisch wie ein Billigfusel von der Quengelware designt und das
absolute Highlight: Ein abnehmbarer und wiederverwendbarer Bezug aus pflanzlich gegerbtem Leder! Nachforschungen haben ergeben, dass Cuoium auch ein Lederladen in Italien heißt, der
zufällig genau so Lederbezüge herstellt. Ein Zufall? Ich denke nicht!

Trotz aller Atemberaubung ist der Duft ein interessantes Projekt, das wieder Brüllt, kreischt und den Geist eines Black Afganos atmet, der zwar in seinen Nuancen spannend ist, aber im Grunde einen richtigen Brecher für Leib und Seele darstellt.
1 Antwort
PollitaPollita vor 3 Jahren
Ganz sicher nix für mich. Ich schätze die Arbeit von Gualtieri definitiv, aber da bin ich ganz klar raus.