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Varon Dandi
Varon Dandy
1924 Eau de Cologne

7.5 / 10 85 Bewertungen
Ein beliebtes Parfum von Parera für Herren, erschienen im Jahr 1924. Der Duft ist würzig-holzig. Es wird noch produziert.
Vergleich
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Duftrichtung

Würzig
Holzig
Süß
Pudrig
Frisch

Duftnoten

GewürzeGewürze HölzerHölzer
Bewertungen
Duft
7.585 Bewertungen
Haltbarkeit
6.573 Bewertungen
Sillage
6.372 Bewertungen
Flakon
6.561 Bewertungen
Preis-Leistung
8.830 Bewertungen
Eingetragen von Ironheart · letzte Aktualisierung am 04.09.2026.
Quellenbasiert & geprüft

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Rezensionen

8 ausführliche Duftbeschreibungen
10Duft 6Haltbarkeit 5Sillage
Yatagan

416 Rezensionen
Yatagan
Yatagan
Top Rezension 68  
Lob alter Klassiker
Angeregt durch Rivegauches jüngstes Statement und die guten Kommentare unten, beschloss ich, einem alten Juwel vom Grabbeltisch alter Duftklassiker mal wieder eine Chance zu geben. Ich hatte Varon Dandi Eau de Cologne vor vielen Jahren getestet, aber nicht weiter beachtet. Ein Fehler!
Aktuell wird Varon Dandi (seit 1924 auf dem Markt) von Puig vertrieben (wahrscheinlich auch hergestellt) und in 1000 ml-Flaschen (kein Tippfehler, wir sprechen hier von einem ganzen Liter) verkauft. Dafür bezahlt man aktuell 7.90, muss aber noch die Versandkosten aus Spanien draufrechnen. Bei mir waren es dann insgesamt 13,90. Preiswerter (und ich meine preiswert und nicht billig) geht es nicht. Ist das nun spanische Bückware?
Nein, das ist es nicht, sondern vielmehr ein gut abgehangener Klassiker, der nicht zu unrecht immer mal wieder mit Floïd Mentolado Vigoroso oder Tabac Original Eau de Cologne verglichen wird. Irgendwo zwischen den beiden liegt er, hat aber einen feminineren Einschlag. Ab und an wird deshalb auch Knize Ten Toilet Water als Referenz genannt, aber da wären wir dann doch in anderen Stilregionen: Knize Ten, gelegentlich als bester Herrenduft aller Zeiten apostrophiert, sicherlich aber vielleicht einer der ältesten des Genres, gehört m.E. in eine andere Liga, hat aber tatsächlich eine ähnliche Aura, einen ähnlichen Vibe. Wer ernsthaft keinen der genannten Düfte kennen sollte, fragt sich vielleicht nun, wie Varon Dandi Eau de Cologne konkret riecht. So riecht er: eine dezente alkoholische Eröffnung geht schnell in hesperidische Frische über, die aber nur kurz anhält und dann von einer warmen Ledernote mit ambrierten Tönen und Lavendel (IrisNobile macht hierauf aufmerksam) abgelöst wird und in einem Moschusbach mit etwas Treibholz versickert. Klingt sehr maskulin, ist es aber dann doch nur bedingt, denn die warm würzige, bernsteinfarbene Ledersüße (traditionell, also mit Birkenteer und Ambra und nicht mit ödem Kunstlederakkord à la Tuscan Leather) und die subtil erotischen, aber auch sauber seifigen und pudrigen Moschustöne würden sich auch gut in einem Damenduft machen und sind wohl der Grund, warum es neben stilsicheren Dandys auch einige weibliche Besitzerinnen / Benutzerinnen gibt (s.o.).
Sehr zurecht, meine Damen! Bitte tragen Sie den!
Aktualisiert am 05.01.2023 - 16:15 Uhr
103 Antworten
9Duft 8Haltbarkeit 6Sillage
Axiomatic

156 Rezensionen
Axiomatic
Axiomatic
Top Rezension 55  
Meinem Spanischlehrer
Estimado y venerado señor,
Ihren Signaturduft in der Nase und Ihre Lebensweisheiten begreifend möchte ich mit bescheidenen Zeilen einer profanen Duftbeschreibung Ihnen keinen herkömmlichen Nachruf, nein, vielmehr einen herzlichen Dank für das erquickende Tradieren Ihrer Lebenseinstellung verfassen. Denn Sie haben es geschafft, dass Ihre Gedanken und Erlebnisse weiterleben können.

Die Begegnung mit Ihnen kurz vor Ihrer Pensionierung und mir als pubertierender Schüler bereicherte mein Wissen in faszinierender Weise über das erzählerische Gelebte etlicher Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts.

Sie verkörperten den edlen Caballero, stets in Dreiteiler und Panamahut gekleidet.
Wie sie bedächtig und würdevoll Ihrem nie alternden Mercedes Benz der 1960er auf dem Lehrerparkplatz entstiegen und die unentbehrliche frische Blüte am Revers richteten.
Was ist schon ein Tag ohne Blumen, pflegten Sie zu sagen.

Ein ambriert pudriger und holziger Duft kündigte stets Ihre Präsenz an.

Ich wurde damals von meiner Clique bedrängt, Sie nach Ihrer Duftvorliebe zu fragen, so ungewöhnlich beäugten jene Freunde in den 1980ern diesen Männerpuder.

Elaboriert kompliziert und kläglich tollpatschig meine indiskrete Frage.
Ihre gefasste und souveräne Antwort nicht besser hätte ausfallen können.

„Mire usted,
(Ihr standardisierter Satzbeginn des „sehen Sie“)
es verwundert mich, dass Ihr werter Herr Großvater Ihrem geschätzten Vater diese spanische Kostbarkeit eines jeden Caballero vorenthalten hat. Aber ich nehme wohl an, dass deutsche Edelmänner ihre entsprechende Essenz besitzen.
Varón Dandy ist immerhin eine Grundausstattung selbst von Mexiko bis nach Argentinien runter.“

Anschließend…

„¿A dónde vas Alfonso XIII?“
(Wo gehst du hin, Alfons XIII?)
Ihr klassischer, wehmütiger und dennoch witziger Seufzer beim Korrigieren, Verzweifeln, gutmütigen Tadeln.

Sie erlebten das Ende der spanischen Monarchie, eine fragile Zweite Republik und wurden gezwungen, der folgenden Diktatur den Rücken zu kehren.
Im Exil lebten Sie ohne Weiteres das dandyhafte Madrid Ihrer jungen Jahre fort, so sehr bot Ihnen Mexiko-Stadt einen labenden Ausgleich. Dort waren Sie eine respektierte Institution.

Stets abwechselnd läuteten Ihre Schüler mit dem Vortragen eines auswendig gelernten Gedichts den Unterrichtsbeginn ein.

„Antiquiert?
Miren ustedes, wie soll aus Ihnen erzogene Señoritos werden?
Wollen Sie etwa Ihrer Liebsten prosaisch das schnöde Tagesgeschehen vorbellen?
Ihr armen Geschöpfe, die neumodischen Rumberas von heute (Popsängerinnen der 1980er - das Lachen unterdrückend) sind ja seelenloser als jene profanen „despiadadas“ (Unbarmherzige) von damals.“
(Gemeint waren laszive Kaliber à la Ninón Sevilla oder Abbe Lane der 1940/1950er.)

„¿A dónde vas Alfonso XIII?“

Ob aus mir der erhoffte Señorito von damals wurde, kann ich nur anhand einer bescheidenen Ode Ihres Varón Dandy versuchen.

Zisch!

Señor mío,
la elegancia no la frena
ni el sol ni el frío.

Ich ahne schon das Verdrehen Ihrer Augen und das Zitieren des armen Alfons XIII.

Diese ungebremste Eleganz eines sehr kontroversen Chypre kokettiert in der Eröffnung recht absichtsvoll.
Inmitten von sanfter Bergamotte und Weißblühern schnurrt ein Zibetkätzchen.
Ungewöhnlich floral und ausgetüftelt zitrisch für einen ledrigen Duft.
Labdanum und Patchouli mit guten Manieren!

Joan Parera i Casanovas, der damalige Schöpfer und Hersteller in Badalona, verstand Pariser Duftkunst aufs Beste.
Das Zugpferd, ebendieser Varón Dandy, seiner Duft- und Kosmetikfirma soll sogar schon 1912 bei deren Gründung kreiert worden sein und trägt unweigerlich Merkmale des großen Rivalen jenseits der Pyrenäen, Guerlain.
Über das tatsächliche Entstehungsjahr können nur die Firmenarchive in Händen von Benckiser bzw. Margaret Astor, der heutige Eigentümer von Parera, berichten.

Auf jeden Fall fängt der Duft eine unglaublich gediegene und warme Aura ein.

Anschließend ein Zusammenspiel feinster Gartennelke, Iris, Lavendel und Rose an holzigem Leder, die goldenen Harze schaffen die Grundlage des edlen Dandy vergangener Epochen.
Genau dieses recht männliche Leder unterscheidet den Duft von seinen Verwandten der Damenwelt.
Wo kämen wir sonst hin, Alfons XIII?
„¡Señorito, por favor!“

Querido profesor, ich verstehe nun Ihr leicht unterdrücktes Heimweh, als Sie den Lobgesang auf Madrid von Agustín Lara rezitierten.
Er wollte singend seiner Hübschen die Gran Vía mit Nelken auskleiden.

Das Herz des Halt bietenden Caballero warm ambriert mit einer Prise Zimt und Sandelholz gehalten.

Früher besaß die Basis mehr pflegendes Eichenmoos.
Die Jahre waren hier etwas unbarmherzig wie eine jener Rumberas.

Wie Sie sich herrlich echauffieren konnten über zweideutige Texte besagter Tänzerinnen!

„Me lo dijo Adela“ von Abbe Lane überlasse ich dem Leser zur freien Interpretation.

Der Zeitgeist verändert zum Glück Ansichten und Verständnis, das fügten Sie immer Ihren herrlichen Kommentaren von damals relativierend an. So schärften Sie unser Nachdenken über das Verhältnis von Neuem und Erhaltenswertem.
Fairplay war Ihre Stärke.

Etliche Jahre später schlenderte ich an der Gran Vía in Madrid und etwas schnürte mir die Kehle zu.
Leider lagen auf dem Gehsteig und der Fahrbahn keine duftenden Nelken wie im Lied.
Im naheliegenden Galerías Preciados, heute verschwunden und vom Corte Inglés geschluckt, fragte ich nach dem Varón.
Etwas erstaunt und bemitleidenswert verwies man mich auf die unrühmliche Ecke gestriger Düfte.
Der schöne Flakon war nicht mehr, dafür die großgeratene Jumboflasche ganzer Fußballmanschaften.
So konnte ich mir eine verklärte Prachtmeile ganz nach Ihrem Geschmack zaubern.

Und Ihrer Einstellung zum Zeitgeist folgend möchte ich Ihnen sagen, dass Varón Dandy in den 2020ern prima einsetzbar und bereit ist, neue Geschichten und Gedichte zu schreiben.
Vielleicht ohne Dreiteiler und Panamahut, dafür aber mit dem aufrichtigen Herz eines längst erwachsenen Señorito.

Profe, gracias por sus esfuerzos, paciencia y méritos.

¡De Madrid al cielo!
Aktualisiert am 13.06.2024 - 05:13 Uhr
54 Antworten
8.5Duft 8Haltbarkeit 8Sillage
FvSpee

323 Rezensionen
FvSpee
FvSpee
Top Rezension 39  
CoViD-Kommentare, fünftes Stück: tabaco misterioso
Darf man sich in Zeiten wie diesen, da etwa in Spanien, der Heimat dieses alten Duftes, die Menschen sterben wie die Fliegen, an Wohlgerüchen freuen? Ich denke, es nicht nicht anders als bei den Fragen, ob man in diesen Zeiten mit Freunden scherzen oder einer wunderbaren Musikaufnahme lauschen kann: Die Freude am Schönen sollte keine Flucht sein. Nicht vor der Tat: Wenn die Pflicht es jetzt gebietet, dass wir uns um unsere alten Eltern kümmern oder unseren Aufgaben als Arzt oder Polizist nachgehen, ist für Spiele keine Zeit. Und keine Flucht des Herzens: Die Türen und die Augen zu verschließen, das Mitgefühl (vielleicht das Gebet) für die anderen zum Schweigen bringen, um ungestört zu genießen, ist keine richtige Freude. Dies so zurechtgerückt: Man darf und man soll sogar. Die Freude in der Kampfpause (und zu kämpfen ist immer) ist sehr gut. Sie vermag das Herz vor Erstarrung zu bewahren.

Varon Dandy ist ein Duft voller Geheimnisse, und bei den Recherchen zu diesem Kommentar konnte ich keins davon so richtig lösen. Am ehesten noch das des Namens: Varón ist spanisch für "Kerl, Mann, Knabe", und anscheinend heißt "Varón Dandy" dann so etwas wie "die Dandy-Type". Eine Wörterbuch-Recherche ergibt für spanisch "Dandi" deutsch "Salonlöwe". Wir dürfen also davon ausgehen, dass das englische "Dandy" irgendwann früher mal hispanisiert worden ist und die allererste Ausgabe dieses Duftes vielleicht noch mit i geschrieben wurde, obwohl die hier abgebildeten sehr alten Flakons alle bereits das "y" aufweisen. Den Namen finde ich schön, er bekommt von mir acht Punkte.

Schwieriger wird es bereits bei der Herstellerfirma Parera. Merkwürdigerweise hat die Firma keine Internetseite, was dafür spricht, dass es sie gar nicht mehr gibt. In der Tat konnte ich in der katalanischen (!) Wikipedia-Ausgabe (Viquipèdia), die ich dank meiner Lateinkenntnisse (Latein hilft auch im Urwald!) leidlich verstehen konnte, den Hinweis finden, Parera sei 1911/1912 von Joan Parera i Casanovas (spanisch wahrscheinlich Juan Parera y Casanovas) in oder bei Barcelona als Parfüm-Familienunternehmen gegründet und 1940 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden, die 1990 vom internationalen Konsumgüter-Multi Reckitt-Benckiser geschluckt worden sei. Dann allerdings verliert sich seine Spur für mich. Die Internetseite von Reckitt-Benckiser weist unter "OUR BRANDS" kein "Parera" aus, und auch sonst komme ich nicht weiter. Das wirft die Frage auf, wer diesen Duft hier überhaupt herstellt. Irgendwelche Glücksritter am Ende, die sich die blanken Markenrechte gesichert haben (oder auch ohne das auskommen) und einfach irgendwelchen Saft, der nicht das geringste mit dem Original-Dandy von 1924 zu tun hat, unter diesem Namen verkaufen? Keine Ahnung. Was ich weiß, ist dass sich im Internet Spuren zu einem eckigen 100-ml-Flakon "Varon Dandy Eau de Cologne" finden und zu einer rund-zylindrischen Literflasche "Varon Dandy Colonia", die auf diversen durchaus nicht unseriösen, Portalen für je etwa 8 Euro zu kaufen sind oder waren. Warum 1 Liter "Colonia" dasselbe kostet wie 1/10 Liter "Cologne" und ob es dasselbe Produkt ist, Fehlanzeige. Der hier besprochene Duft ist das "Cologne", das mir der edle Consálico verehrt hat.

Ein weiteres Geheimnis sind die Duftnoten. Hier bei Parfumo steht schlicht "Gewürze, Hölzer" und sogar woher das genommen ist, bleibt rätselhaft. Auch ich halte den Duft allerdings für so dicht, originell und old-school, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass es sich um ein modernes Fantasieprodukt handelt, das sich bloß mit dem alten Namen schmückt; ich vermute hier wirklich eine Traditionslinie, wenn es auch gewiss nicht das Originalrezept von 1924 ist. Ich bin von dem Duft begeistert. Der ist richtig groß! Und kann was! Ein durch und durch brauner Duft, frisch ja, absolut, aber keine transparente Zitrusfrische, sondern eine warme, füllige, etwas schwere, gewürzige, durchaus auch süßliche, Barbershop-Frische. Manchmal adstringierend bis an die Grenze des (die Nase) Penetrierenden. Die Nähe Barcelonas zu Madrid (Floid), und zu Wien (Knize-Ten), auf die Konsalik hinwies, kann ich absolut bestätigen; gerade in der Basis, in der ich Nelke und Moschus vermute und darüber hinaus sehr dringend auf Tonka tippen würde, liegt aber für mich Köln (Tabac Original) fast noch näher. Damit verdichtet sich mein Eindruck, dass es so etwas wie einen "Habsburgischen" warmduftenden Herren-Sound gibt. Solche "braunen" Düfte stehen für mich für Spanien, Deutschland und Österreich. Zu Italien, England und (trotz Ausnahmen: Bel Ami) Frankreich passen sie nicht.

Ich habe "Varon Dandy" - ausgehend von der Überlegung "ist ja bloß ein Cologne" - recht großzügig (Mono-Layering!) aufgesprüht (nicht gesplasht) und wurde mit einer satten Sillage und einer Haltbarkeit von gut 8 Stunden belohnt. Das Zeug ist sein Geld wahrlich wert. Ich hätte mir allerdings angesichts des schon recht intensiv gewürzgeschwängerten Aromas nach etwa drei Stunden ein langsames Runterdimmen der Abstrahlung gewünscht. Stattdessen feierte dieser Salonlöwe unverdrossen weiter, bis er mir fast auf die Nerven ging. Als ich mich dann mal kurz rumdrehte, um mir was zu trinken zu holen, war er plötzlich weg. So wie dieser Kommentar jetzt.
20 Antworten
8.5Duft 6Haltbarkeit 7Sillage
Konsalik

86 Rezensionen
Konsalik
Konsalik
Top Rezension 15  
Herr Knizes spanischer Hausdiener
Mein Vorredner Cappellusman attestierte Varon Dandy vor vier Jahren eine nahe Verwandtschaft zum altösterreichischen Grandseigneur-Duft par excellence, Knize Ten. Nicht nur die Tatsache, dass wir es hier also offenbar mit einer Variation eines meiner Lieblingsdüfte zu tun haben, sondern auch der Umstand, dass es sich hier offenbar um keine müde, späte Nachahmung handeln dürfte (1924!), hat einen Test unausweichlich gemacht. Nein, einen Blindkauf! Knapp acht Euro für 100ml wirken in Anbetracht des Verheißenen wie Hohn, geringere Duftkonzentration hin oder her.

Aus der erwartbar spillerigen Pappschachtel lugt mir zwar leider nicht mehr das alte, rundliche Flakondesign entgegen, aber der reduzierte Quader schaut ebenfalls nicht schlecht aus. Die Plastikkappe gibt den Blick auf eine klassische, mit einem Metallring eingefasste Splashvorrichtung frei (imagine Old Spice mit minimal weiterer Öffnung). Ist ja auch ein Eau de Cologne, warum also nicht der kalte Schlag in die hohle Hand?

Ist Varon Dandy also tatsächlich ein Duftzwilling zu einem der großen Klassiker des zwanzigsten Jahrhunderts? Nein, ein Zwilling ist er vielleicht nicht. Aber in der Tat ein naher Verwandter. Der Unterbau, die Basis, das beide umgebende "air" ist sehr ähnlich, beinahe identisch. Aber das Dekor - ich möchte nicht von "Kopfnote" sprechen, da diese bei Knize fast bis zum Schluss durchhält - ist es nicht. Was bei Knize die unendlich elegante, brandige Rose nebst Steinfruchtkompott, ist hier eine ätherisch-alkoholische Note, die mich, nicht nur aufgrund der Herkunft des Hauses, an spanischen Hierbas erinnert: sanfte, grün-würzig hinterlegte Anissüße. Etwas kantiger, aber ebenfalls durchaus elegant (dank einer unbestimmten, "ernsten Blume", wie Frau Konsalik hinzufügen möchte). Darunter der gleiche, strenge, leicht birkenteer-artige Lederassoziations-Akkord, mit dem in jener Zeit (und heute leider kaum noch) die Vorstellung von Leder hervorgerufen wurde. In der Basis, die auf mir schon nach etwa einer Stunde einsetzt, kommt schlussendlich eine seifige Leder-Moschus-Note zum Vorschein, die ich auch in anderen Düften schätze - siehe mein Kommentar zu Van Cleef & Arpels pour Homme. Ich kann es nicht anders sagen: Ich bin beeindruckt! Bravo!

Bei aller Vornehmheit weniger exaltiert, etwas kantiger, "anpackender" und durchaus zurückhaltend in der Haltbarkeit: Nicht ganz der Geheimrat, aber vielleicht dessen Hausdiener. Am Wochenende, so heißt es, verwendet er Varon Dandy sogar als Rasierwasser. Sein Salär reicht schließlich selbst für diesen verschwenderischen Gebrauch allemal.
Aktualisiert am 27.08.2019 - 14:47 Uhr
9 Antworten
8Duft 5Haltbarkeit
Steffel13589

37 Rezensionen
Steffel13589
Steffel13589
Top Rezension 10  
Was leckeres aus Spanien (ist natürlich eine Sache des Geschmacks)
Vorweg: Ich habe nicht das EdT (wie oben abgebildet) sondern die 1-Liter Colonia Pulle (Splash-Cologne).

Es fällt mir schwer den Duft zu beschreiben. Irgendwoher kommt mir der Duft gekannt vor, ich komme aber nicht darauf woher. Das Colonia geht in Richtung des spanischen Floid After Shaves (falls das jemand kennt). Varon Dandy ist, meiner Meinung nach, ein dezenter Duft welcher nahe an der Haut bleibt. Man riecht also nicht 10 Meter gegen den Wind. Den Duft empfinde ich als süßlich, eher warm, ganz leicht pudrig, aber trotzdem immer leicht frisch (wo Floid, für mein Näschen, eher pudrig-trocken ist). Ich glaube auch noch eine ganz, ganz leichte bittere Note wahrzunehmen, bin da aber nicht sicher. Aromatisch könnte als Beschreibung auch noch passen. Von einer herben Note, welche manchmal erwähnt wird, merke ich bestenfalls einen Hauch. Für mein Empfinden ein Duft für Herbst und Winter, vielleicht auch noch Frühling.
Auf meinen Unterarm (beharrt) aufgetragen, ist der Duft für mich, wenn ich mit der Nase nahe ran gehe, mehrere Stunden (4, 5 oder 6) wahrnehmbar.
Auf basenotes.net habe ich gelesen, dass dieser Duft 1912 von Joan Parera kreiert und 1916 reformuliert wurde. An einer anderen Stelle habe ich wiederum gelesen, dass dieser Duft 1957 von Parera (Firma) herausgebracht wurde und seitdem, vom Duft her, gleich geblieben ist.
0 Antworten
Weitere Rezensionen

Statements

36 kurze Meinungen zum Parfum
44
49
Animalische Hesperiden in der Eröffnung.
Nelke an Leder und Kräutern im Herzen.
Mächtig ambriert und holzig gegen Schluss.
La tradición *
49 Antworten
41
37
Zitrushell
Seifenschaumig
Warmwürzig
Gartennelkig
Holzknarzige
Vanillebartstoppel
Ein Blütenblatt
aus vertrauter Nostalgie...
37 Antworten
39
32
Für Gentlemen der alten Schule. Weich, warm und würzig mit feinem Moschuspuder im Abgang. Hier und da blitzt sanft Florales durch. Zeitlos.
32 Antworten
34
31
Nelkenkavalier
Stil&Sexyness
Verbandelt ihn mit TABU-Dana
Sex Appeal, Lagerfeld, Obsession entsprangen:
4 Generationenduft
aus Liter-Bottle
31 Antworten
34
34
Des Vaters Vaters After Shave entwickelt sich zu des Mutters Mutters Gartennelke-Moschus (pudrig-blumig) Chypre. Klassische Nostalgie pur !*
34 Antworten
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