Patchouli Intense
Patchouli Homme
2009 Eau de Parfum

Patchouli Intense / Patchouli Homme (Eau de Parfum) von Parfums de Nicolaï
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7.7 / 10 255 Bewertungen
Patchouli Intense ist ein beliebtes Parfum von Parfums de Nicolaï für Damen und Herren und erschien im Jahr 2009. Der Duft ist würzig-erdig. Haltbarkeit und Sillage sind überdurchschnittlich. Es wird noch produziert.
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Duftrichtung

Würzig
Erdig
Blumig
Holzig
Grün

Duftpyramide

Kopfnote Kopfnote
LavendelLavendel Orange AbsolueOrange Absolue
Herznote Herznote
RosengeranieRosengeranie RoseRose ZimtZimt
Basisnote Basisnote
PatchouliPatchouli MoschusMoschus WeihrauchWeihrauch ZistroseZistrose AmberAmber SandelholzSandelholz VanilleVanille

Parfümeur

Bewertungen
Duft
7.7255 Bewertungen
Haltbarkeit
8.7207 Bewertungen
Sillage
8.1205 Bewertungen
Flakon
7.7180 Bewertungen
Preis-Leistungs-Verhältnis
7.568 Bewertungen
Eingetragen von Apicius, letzte Aktualisierung am 13.04.2024.
Wissenswertes
Mit der Umbenennung des Duftes in "Patchouli Intense" erfolgte auch eine Konzentrationserhöhung zum Eau de Parfum.

Rezensionen

8 ausführliche Duftbeschreibungen
8
Flakon
8
Sillage
9
Haltbarkeit
9.5
Duft
Kovex

29 Rezensionen
Kovex
Kovex
Top Rezension 47  
Patchouli mal anders
Patchouli Intense ist für mich ein Ausnahmeduft unter den Patchouli-Düften. Denn während die meisten Patchouli-Düfte eine erdige und oftmals auch süßliche Übereinstimmung zeigen, die mitunter etwas schmuddelig wirken und oftmals Assoziationen zu Räucherstäbchen-geschwängerten Hippieläden-Aromen erzeugen, ist der von Patricia Nicolai kreierte Patchouli-Duft von einer erlesenen Eleganz geprägt, die ich bisher so noch nicht kennen gelernt habe.

Bisher kenne ich ca. ein Dutzend ihrer Düfte und wenn ich eine Gemeinsamkeit immer wieder entdecke, ist es genau diese edle und feinsinnige Eleganz die sich in all ihren Düften wieder findet. Dies mag insofern nicht verwundern, da sie als Nichte des legendären Jean-Paul Guerlain in einer Parfüm-Dynastie aufwuchs, die zu Recht auch heute noch zu den etabliertesten Dufthäusern zählt.

Nach ihrer Ausbildung zur Parfumeurin sammelte sie zunächst praktische Erfahrung durch die Zusammenarbeit mit internationalen Parfumeuren im Auftrag namhafter Dufthäuser. 1989 schließlich gründete sie gemeinsam mit ihrem Mann ihr eigenes Label und gleich eine der ersten Kreationen aus ihrer Hand, New York, wird von dem renommierten Biophysiker und Parfümkenner Luca Turin als einer der größten Düfte der Parfümgeschichte angesehen.

Ich meine, Patchouli Intense steht New York in nichts nach. Heute als Unisex-Duft deklariert sehe ich vor meinem geistigen Auge eine Trägerin im Abendkleid und Stilettos oder ein Träger im feinen maßgeschneiderten Anzug und rahmengenähten Lederschuhen vor mir. Der Duft passt so wenig zu Turnschuhen und Hoodie wie Kaviar zu Tomatenketchup.

Patchouli Intense eröffnet mit einer Kombination aus Lavendel und einem dickflüssigem Orangenkonzentrat, die dazu führt, dass dem Lavendel die typisch krautig-grüne Note entzogen wird und der Orange, die fruchtig-spritzige Zitruslastigkeit genommen wird. Soll heißen, das weder der Lavendel noch die Orange sich leicht zu erkennen geben, sondern im gemeinsamen Zusammenspiel eine Eigenständigkeit erzeugen, die ich in dieser Form noch nicht gerochen habe. Wann immer es mir schwerfällt einzelne Duftnoten auszumachen und zu sezieren, weiß ich, dass hier hohes Verständnis für die Inhaltsstoffe und künstlerisches Meisterhandwerk zusammenfinden, die einen Profi gleichermaßen begeistern wie einen Laien wie mich.

Ich bin ganz ehrlich, hätte ich einzelne Duftnoten in einem Blindtest ausmachen müssen, hätte ich allenfalls noch die Rosengeranie erkannt. Für mich die männlichste aller Blüten, da sie vielmehr aromatisch-würzig in Erscheinung tritt, als blumig zu sein. Eine vermutete Ähnlichkeit zu Rosendüften weist sie ebenfalls nicht auf, wenngleich auch die Rose hier mit verarbeitet wurde, ohne sich offensiv erkennen zu geben. Und das namensgebende Patchouli? Wie eingangs schon erwähnt, keine Erdigkeit für mich, nichts animalisch-verruchtes und vermutlich mehr Fixateur als eine eigenständige dominante Duftnote zu sein.

Die Zusatzbezeichnung „Intense“ scheint mir gerechtfertigt. Patchouli Intense ist ein kräftiger und ausdauernder Duft, den ich eher auf der maskulinen Seite sehe. Dies verwundert insofern nicht, da der Duft bevor er zur EdP Variante verändert wurde, ursprünglich als Eau de Toilette unter dem Namen „Patchouli Homme“ erschien. Dennoch bin ich mir sicher, dass auch sehr viele Damen an dem Duft Gefallen finden könnten.

Für mich ist der Duft ein Meisterwerk, geschaffen für die großen Momente des Lebens, was mich aber nicht davon abhält, ihn immer wieder auch alleine für mich zu genießen.
24 Antworten
10
Haltbarkeit
9
Duft
Profumo

284 Rezensionen
Profumo
Profumo
Top Rezension 30  
Eine Rosenseife für Marcel Proust...
Was für ein Duft! Elegante Extravaganz pur - nichts für die Stillen und Scheuen. Kein Wunder, dass er – bisher – ein geteiltes Echo hervorgerufen hat, und da Patchouli Homme noch recht neu ist, bleibt abzuwarten wie sehr der Duft auf Dauer geschätzt wird. Eines aber lässt sich schon jetzt beobachten – die Erwartungen an ihn werden einerseits häufig enttäuscht, während andere wieder positiv überrascht sind, und das Unerwartete hymnisch feiern. Ich vermute, die Geister werden sich an diesen Duft auch weiterhin scheiden.

Daher eines vorweg: Patchouli Homme (auch Patchouli Intense) ist kein gewohnter Patchouli-Duft. Er hat nichts zu tun mit jenen berühmt-berüchtigten, leicht muffig riechenden Patchouli-Ölen und Räucherstäbchen aus den Hippie-Läden der 70er Jahre. Ebenso wenig auch mit den schweren, erdigen, mit Amber und Vanille beladenen Patchouli-Düften der letzten Dekaden, seien sie von Mazzolari, Serge Lutens, Etro, L´Artisan, Montale oder sonst wem. Der Name des Duftes mag daher etwas unglücklich gewählt sein, da viele eher einen Duft in der Art der vorgenannten erwarten. Und dennoch handelt es sich bei Patchouli Homme um einen genuinen Patchouli-Duft, der unsere Vorstellungskraft wie Patchouli riechen kann um eine weitere Achse zu erweitern vermag. Am ehesten verwandt ist Patchouli Homme mit Chanels Coromandel. In beiden Kreationen spielt das Patchouli zwar die erste Geige einer Symphonie, nicht aber die Solo-Geige eines Violin-Konzertes. Sein Part ist von klassischem Zuschnitt: tonangebend, ein Thema intonierend, sich aber dennoch zurücknehmend wenn andere Teile des Orchesters ebenjenes Thema zu variieren beginnen. Und obwohl beide Düfte neue Kreationen sind würde man sich nicht wundern, wenn ihr Entstehungsdatum nicht 2009, bzw. 2007 (Coromandel) wäre, sondern hundert Jahre vorher datierte - sie wirken scheinbar wie aus der Zeit gefallen.

Und um bei musikalischen Vergleichen zu bleiben: sie erinnern mich beide an die Musik Gustav Mahlers - klassisch und zeitlos modern zugleich, von leiser Melancholie durchzogen. Die Patchouli-Düfte der anderen genannten Häuser wirken dagegen wie auf neuer Retro-Welle schwimmende junge Bands, im alten Hippie-Look.
Der vielleicht größte Unterschied in der Komposition mag darin bestehen, dass Patchouli Homme eine Liason mit einer kräftig aufblühenden Rose eingeht – statt mit erdigen, holzigen Noten und dunklem Amber. Dieser im Zentrum des Duftes stehende Rosen-Patchouli-Akkord wird zunächst von einigen Zitrus-Noten, frischem Geranium Bourbon und würzigem Lavendel begleitet, zu denen sich im weiteren Verlauf etwas Weihrauch, Lorbeer und Zimt gesellen. Feine Leder-, sowie leichte Amber- und Vanillenoten bilden den Fond und verleihen dem Duft eine leichte, schokoladige Süße.

Auch Coromandel geht in diese Richtung, allerdings ist der Duft milchiger, feiner gewirkt, er trägt sich wie ein Seidenschal. Patchouli Homme ist dagegen von kräftigerer, Leinen-artiger Textur: ein Dandy um die Jahrhunderwende, in hellem Anzug und schwermütig dreinblickend, auf einer weiß lackierten Holzbank in einem Rosengärtchen sitzend. Marcel Proust hätte diesen Duft tragen können.

Aber Vorsicht bei der Dosierung! Patchouli Homme ist immens kräftig und zuviel aufgetragen entwickelt er ein unangenehm durchdringendes Aroma, so als habe man sich von Kopf bis Fuß mit einer alt-englischen Rosenseife eingeseift und vergessen sich abzuduschen. Dezent getragen entfaltet der Duft jedoch seine ganze Schönheit und dank enormer Potenz ist er selbst nach vielen Stunden immer noch deutlich wahrnehmbar.

Ein, wie ich finde, großartiges Werk von Madame de Nicolaï, aber ein ähnlich schwieriges, oder besser: schwer zugängliches (wie ihr eigenes Vetyver). Es zu tragen erfordert ein gewisses ‚standing’, um den ein- oder anderen negativen Kommentar geflissentlich überhören zu können. Positive Reaktionen auf diesen Duft habe ich aber ebenso erhalten – wie gesagt: einer, an dem sich die Geister scheiden!
4 Antworten
6
Flakon
8
Sillage
10
Haltbarkeit
9
Duft
Unterholz

54 Rezensionen
Unterholz
Unterholz
Top Rezension 17  
Hommage à Böcklin oder ayurvedisch‘ Cojones
(Solo-)Patchoulis reizen mich normalerweise nicht so hochgradig, dass ich gleich dem Test-Reflex erliege. Und im Fall von Patchouli intense (der zuvor Patchouli homme hiess) rechnet man (nomen est omen) mindestens mit einer Bombe dieser Zunft. Zu diesem Testobjekt kam ich nun eher zufällig, als Teil eines Nicolai-Probenpakets à la surprise.
Patchouli ist ja ein wahnsinnig komplexer und je nach Herkunft und Destillationsverfahren sehr divergierender Riechstoff. Persönlich mag ich eher die soften Sorten, mit süsslichen, weichen, hautigen und nussig-schokoladig-gourmandigen Seiten (farbliche Assoziation=klarer Bernstein), nicht unbedingt die spröde-erdig-kampferigen (dickes Rot-Braun). Auf Edenbotanicals kann man sich beispielsweise ein interessantes Samplerpack mit den verschiedensten Patch-Rohstoffen zum Kennenlernen bestellen. Es ist meines Erachtens immer hilfreich, die Ausgangsstoffe zu kennen, wenn man etwas analysieren möchte. Falls man analysieren möchte. Es gibt ja das viel zitierte Gleichnis von der zerpflückten Rose, die eben – zerpflückt – keine Rose mehr ist… Mir persönlich nimmt das Zerlegen nicht die Lust an einer Kreation; im Fall dieses Nicolaïs steigt sogar meine Bewunderung für die wirklich überzeugende Arbeit der Parfumeurin.

Patchouli hab ich in zig Kreationen kennengelernt. Sowohl ziemlich pur(istisch) (Patchouly Indonesiano, Mazzolari, P. Roma usw.) als auch als unverzichtbarer Teil von Chypres oder Fougères. Dieser Nicolaï überraschte mich dann doch, denn ich hätte wohl blind nicht erkannt, dass es sich hierbei überhaupt um ein Patch handelt, obwohl selbiges nicht nur Namengeber, sondern gewiss auch Skelett oder Korsett des Duftes ausmacht, je nachdem, ob man es eher von innen her (als Chorda, Leitmotiv) oder von aussen (als Rahmen) wahrnehmen möchte.

Irritierend finde ich die etwas strenge, barbershop-angehauchte Eröffnungsphase, die einen mit verschiedensten Eindrücken herausfordert: Pudrig, süss, erdig, seifig-rosig, rasierwässerig, alles gleichzeitig, auch verhalten zitronig-frisch und mit der angedeuteten schönen krautigen Hintergrundstrahlung, die schon recht speziell ist. Das Patch ist stets erahnbar, wenn auch für mich schön bekleidet, quasi nackt verschleiert durch diverse andere Mitglieder des Ensembles, also kein lauter Solist. Ergänzend zur obigen Duftpyramide habe ich noch Lorbeer im Netz gefunden, der vielleicht in Kombination mit der Pelargonie (also etwas zwischen ätherischer Rosenessenz und der minzigen Frische von Geranien) für diese grüne Belebung sorgt. Ich denke auch an Artemisia oder Salbei, jedenfalls verpassen diese Krautakzente dem Ganzen Kante und Profil. Meisterlich dieses Zusammenspiel von „weichen“ und „harten“ Nuancen. Nichts tritt in den Vordergrund, jede Komponente nimmt sich im Zusammenspiel so zurück, dass alles perfekt ineinander greift. Nichts ist zuviel, nichts zuwenig - wie ein eingespieltes Kammerensemble.

Die ayurvedische Lebensphilosophie legt in Ernährungsfragen nahe, dass bei jeder Mahlzeit jede Geschmacksrichtung vorhanden sein sollte. Also: süss, sauer, bitter, salzig und von mir aus auch umami, will heissen: Essen mit "Cojones". Dieser Duft hat eindeutig alles davon.
Für mich maximal maskulin (was immer das wiederum heissen soll), dennoch zurückhaltend, mit Stil und Schneid. Es leuchtet ein, dass der Duft ursprünglich Patchouli homme hiess. Möglich, dass Patricia de Nicolaï die krautigen, rasierwasserartigen Noten des ursprünglichen EdT zugunsten der weicheren, puderigen und ambrierten Töne im EdP etwas zurückdimmte um den Duft auch der Damenwelt zu erschliessen(?) Ich bleibe allerdings dabei, dass dieser Nicolaï (eher) Männersache ist. Und für einmal genau mein Patch-Ding.

Ayurveda auf einen Duft übertragen: Ein Zitrussäurespritzer, Krautiges, Gewürziges, Blumiges, Holziges, Ambriertes, eine Ahnung Puder und sogar eine sanfte Spur (Weih-)Rauch, der die Basis wunderschön dunkel begrünt, wie die Zypressen Böcklins träumerisches Toteninsel-Gemälde.
Ernst, feierlich, und doch nicht traurig oder gar düster. Zeitlos. Es spielt Schuberts Streichquartett Der Tod und das Mädchen.
12 Antworten
10
Haltbarkeit
9
Duft
Turandot

834 Rezensionen
Turandot
Turandot
Top Rezension 21  
Luxus pur
Nun sitze ich hier, bin begeistert von dem Duft, möchte einen Kommentar schreiben, aber was sollte ich Euch erzählen, was Ihr von Profumo nicht schon wisst. Aber ich halte einfach mal für mich selbst meine Eindrücke fest, wenn Ihr wollt, könnte Ihr ja mitlesen;)

Vorausschicken muss ich, dass ich Patchouli mag, durchaus aus seine manchmal etwas düstere und dunkle Seite. Allerdings wirkt dieses Patchouli hier überhaupt nicht so muffig, krautig und staubig, wie der Ruf, der ihm vorauseilt. Und auch wenn der Duft sich diese Note als Thema gewählt hat, so erlebe ich doch erst einmal die warm-fröhliche Kombination von Orange, Blumigem und Zimt. Ob die Blume wie von Profumo vermutet die Rose ist, vermag ich nicht zu sagen. Aber sie verleiht dem Duft eine glättende Eleganz, so dass die Fröhlichkeit gedämpft wird. Diese Note macht einfach glücklich. Begleitet, aber für mich nicht dominiert wird das Ganze durch wunderbares Patchouli, bekommt damit Tiefe und Volumen. Aber so, wie der Duft einer edlen Rose nichts mit dem zu tun hat, was wir 5-Stückweise im Supermarkt als Strauß der Woche angeboten bekommen, hat dieses Patchouli nichts mit dem Zeug zu tun, das wir uns als jung Mädchen hinter die Ohren getupft haben. Den Duft würde ich gerne tragen, würde mich damit einhüllen wollen.

Profumos Assoziationen zur Musik kann ich zwar nachvollziehen, aber in meinem Kopfkino spielt sich etwas anderes ab: In meinem Schrank hängt ein dunkelbrauner, fast schwarzer Nerzmantel. Steinigt mich nicht, ich habe ihn von meiner Mutter geerbt. Würde ihn nie mehr tragen, möchte ihn auch nicht verkaufen, denn dann würde er wieder getragen werden. Aber es hängen sehr viele Gefühle daran. So wird er immer mal wieder gelüftet und ich streichle gerne über den weichen, vollen und doch zarten und kostbaren Pelz.
Dieses Gefühl von Pelz auf der Haut, das vermittelt mir auch Patchouli Homme. Wärme, Kostbarkeit, Geborgenheit, und ein bisschen Unvernunft und Verbotenes.
2 Antworten
8
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
8
Duft
Meggi

1019 Rezensionen
Meggi
Meggi
Top Rezension 28  
Bei Onkel Friedrich
„Guten Abend! Kommt nur herein, Ihr beiden! Habt einen Moment Geduld, dann bin ich bei Euch. Ihr dürft schon einmal an den kandierten Orangen, dem Kakao und der Schokolade schnuppern. Oder an den Tütchen mit den Würzwaren und dem Räucherwerk. Aber Abstand halten und nichts anfassen!

So, Frau Professor, das macht dann zwölf Mark und drei Groschen, bitte.

Wie meinen? Gerne, natürlich! Das ist feinste englische Rosenseife. Die beziehe ich von Trubshaw & Winterbottom aus London. Bitte, nehmen Sie sie empor und riechen Sie!

Jawohl - das ist nicht nur Rose. Sie haben eine feine Nase, meine Teuerste!

Ja, Geranium, Sie haben richtig gesehen. Nein, nicht einfach Geranie, Geranium ist bloß der englische Ausdruck. Zu Deutsch ist das ‚Rosengeranie‘. Mein Lieferant zieht sie selbst heran, exklusiv zur Parfümierung seiner feinen Seife für den Herrn. Und diese Seife, meine Verehrteste, finden Sie nirgendwo sonst im Deutschen Reich, allein hier in meinem bescheidenen Geschäft am Alexanderplatz. Herr Winterbottom ist nämlich ein Cousin von mir, müssen Sie wissen. Meine Tante hat einen Offizier aus dem Vereinigten Königreich geehelicht, der einer Kaufmanns-Familie entstammt. Ganz honorige Leute. Hoflieferanten des Empire, versteht sich. Auf dem Europäischen Festland sind ihre Produkte kaum zu bekommen.

Ein Stück? Als Geschenk für den werten Herrn Gemahl? Gerne! Das macht dann noch einmal drei Mark und fünf Groschen, bitte. Sie verstehen: Nur erlesenste Zutaten, außerdem der weite Weg aus London, die hohen Zölle… Nun, Qualität hat eben ihren Preis.

Ich danke ergebenst, Frau Professor. Bitte grüßen Sie den Herrn Gemahl von mir.
Und jetzt zu Euch, meine Lieben! Kommt nur heran! Ich hoffe, daheim geht es allen gut? Ja? Sollt Ihr einholen, oder wolltet Ihr mich besuchen? Schön! Hier, Ihr dürft auch an der Seife riechen. Und dann habe ich noch etwas Besonderes für Euch. Davon hat mir der Herr Winterbottom eingepackt; sein Vater hat es aus Indien mitgebracht. Das kennt Ihr gewiss nicht! Es heißt Patschuli. Riecht fast ein wenig wie Schokolade, nicht wahr? Und nach Erde!

Ha, da zieht ihr die Näschen kraus! Nehmt schnell einen Riecher von der Vanille, das wird helfen.“

Und nach einem letzten Schnuppern an der sagenhaften Seife verließen Wilhelm und Dora mit je einem Bonbon in der Faust den Laden und liefen Hand in Hand nach Hause. Es war schon beinahe dunkel.

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So sehr mich der Duft an einen alten Kolonial- bzw. Gemischtwarenladen denken lässt (dessen Original-Sprech ich nicht beherrsche, das überlasse ich unserem lieben Kollegen Fittleworth) – die kleine Geschichte vermag bei weitem nicht sämtliche Facetten von Patchouli Intense wiederzugeben.

Neben der insbesondere im Auftakt kräftigen Rosengeranie und der leicht seifig-wässrigen, allerdings durchaus aromatischen Rose verspüre ich eine ganz dezente Lavendelsüße, die ich ohne Ansage womöglich überhaupt nicht erkannt hätte. „Gesüßt-erdig“ ließe sich das Zusammenspiel mit dem Patchouli nennen. Zimt und Orange erzeugen gemeinsam mit dem souverän-uneitlen und ausgesprochen vielseitigen Protagonisten einen lustigen Eindruck von einer sacht weihnachtlichen Schokolade.

Doch vor allem fehlt oben eine angemessene Würdigung des staubig-harzigen Ambers, der sich ab mittags zeigt und in der Folge im Verbund mit Sandelholz und Vanille eine warme Süße entwickelt, die wegen des Patchouli-Ausgleichs angenehm bleibt. Das Patchouli präsentiert mittlerweile sogar jenen säuerlich-malzigen Dreh, der sonst wohl eher was für seine Hardcore-Liebhaber ist. Auch ihm tut im Gegenzug die Kontrastierung mit den süßenden Elementen gut.

Nach acht Stunden lässt sich der Duft überwiegend als aromatisch-patchouli-staubiger Amber mit einer Spur Süße charakterisieren. Vanille muss ich mir inzwischen einbilden. Eine verschwindende Vanille – das ist ja echt mal ‘ne Überraschung! Direkt auf der Haut, vornehmlich am Handgelenk, lässt sich freilich wieder (bzw. immer noch) was Seifiges erriechen. Amber und Seife. In aller Ruhe und Eintracht. Als ginge ein Spannungsbogen zu Ende. Alles nicht vollends mein Fall, aber rundum gelungen.

Ich bedanke mich bei Taurus1967 für die Probe.
19 Antworten
Weitere Rezensionen

Statements

55 kurze Meinungen zum Parfum
AxiomaticAxiomatic vor 8 Monaten
8
Flakon
8
Sillage
9
Haltbarkeit
9
Duft
Ein edles Abteil im Orient Express.
Nobles Fougère wird eine Erfahrung an Patchouli und Zistrose bestehen.
Tiefgang. *
52 Antworten
SchatzSucherSchatzSucher vor 2 Jahren
8
Sillage
9
Haltbarkeit
8
Duft
Lavendelbetonte, floral aufgehellte und aromatische Gewürzseife, bei der Patchouli trotz durchgängiger Präsenz nicht die erste Geige spielt.
23 Antworten
YataganYatagan vor 4 Jahren
9
Flakon
8
Sillage
8
Haltbarkeit
7.5
Duft
Sehr eleganter, warm würziger und rauchiger Patchouliduft, den man im holzgetäfelten Salon zu einem guten Single Malt genießen kann.
14 Antworten
BastianBastian vor 2 Jahren
8
Sillage
9
Haltbarkeit
8
Duft
Lavendel Patchouli
In dieser Form noch nie gerochen
Florale Noten
Dezent rauchig
Irgendwie Extravagant und seltsam anderst
Sehr interessant
21 Antworten
MefunxMefunx vor 5 Jahren
6
Flakon
8
Sillage
8
Haltbarkeit
7
Duft
Malt mit Lavendel & Geranie ein Bild von grünem Patch: kühlend, pflanzensaftig, rosig, seifig, ein wenig Heu, ein Tropfen Honig. Hat Klasse.
8 Antworten
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