Als ich „Kyoto“ das erste Mal gelesen hab, war ich auf Bambus, Hölzer & asiatische Tempel. eingestellt. So ein Duft der dich innerlich dazu zwingt am Wochenende freiwillig Steine im Garten symmetrisch hinzulegen & deine Zimmerpflanzen mit „Energie“ statt Wasser zu versorgen.
Der erste Sprüher hat diesen Plan allerdings komplett ignoriert.
Statt Tempel bekam ich Luxus Urlaub.
Statt Meditation bekam ich Spa.
Statt Räucherstäbchen riecht es plötzlich wie der Moment, in dem ein fünf Sterne Hotel sagt: „Willkommen, wir habe Sie bereits erwartet.“
Ab diesem Moment war klar: Kyoto hat ungefähr so viel mit meiner ursprünglichen Erwartung zutun wie ein Bademantel mit einem Samurai.
(Lesezeit ca. 3min)
Wie riecht das Ganze?
Kyoto startet mit Kokos & Orange. Zusammen riecht das wie Sonnencreme, allerdings nicht die Tube, die seit 3 Sommern im Handschuhfach liegt.
Ich meine die Sorte, die in einem Luxushotel einfach kommentarlos im Badezimmer steht & bei der man sich automatisch denkt: „Die darf ich bestimmt nicht mitnehmen.“
Nach kurzer Zeit wird der Duft etwas eleganter. Das Veilchen nimmt der cremigen Kokosnote etwas die Süße, während der Zimt eine warme, gemütliche Tiefe mit hineinbringt. Der Lavendel schaut nur kurz vorbei, ungefähr so lange wie deine Motivation nach Feierabend noch ins Fitnessstudio zu gehen.
Im Drydown übernehmen Vanille & Patchouli das Steuer. Dadurch wird Kyoto deutlich wärmer & bekommt eine elegante, cremige Ausstrahlung. Er riecht gegen Ende wie der Moment wenn Oma fragt: „noch ein Stück Vanillekupferl?“, obwohl dein Hosenknopf so langsam nervös wird.
Haltbarkeit & Sillage?
Für einen Duft aus dem Hause „Profumum Roma“ überrascht die Haltbarkeit natürlich niemanden. Kyoto hält auf meiner Haut 8 Stunden. Die Duftöle haften an der Haut wie die klebrige Essiggurke an der Decke, die ich bei Burger King zwar abbestellt, aber dennoch auf dem Burger habe.
Bzw. hatte….
(Leute, sowas macht man nicht!)
Die Sillage ist angenehm präsent. Kyoto gehört nicht zu den Düften, die den Raum fünf Minuten vor dir betreten & schon mal die Getränke bestellen. Er kommt eher so rein wie jemand der sagt: „Ich bleib nur kurz.“, dann aber seinen Mantel irgendwo ablegt, sich hinsetzt & ganz automatisch Teil der Runde wird, ohne dass irgendwer genau sagen kann, wann das eigentlich passiert ist. Irgendwann merkt man dann, dass der ganze Raum plötzlich so riecht, als hätte jemand ein Spa in die Ecke gestellt.
Fazit?
Kyoto ist der beste Beweis dafür, dass man einen Duft niemals nach seinem Namen beurteilen sollte.
Ich hab Bambus erwartet.
Ich bekam Kokos & Orange.
Ich habe Meditation erwartet.
Ich bekam Veilchen & Zimt.
Ich wollte einen stillen, asiatischen Tempel.
Bekommen habe ich einen luxuriösen Spa Urlaub mit Vanille & Patchouli.
Wenn du Düfte magst, die cremig, warm & hochwertig riechen & perfekt zu entspannten Sommerabenden passen, an denen die Sonne längst weg ist, aber keiner wirklich nachhause gehen will, dann ist Kyoto genau richtig.
Er funktioniert u. a. bei Dinnern, Draußen, im Büro, im Urlaub oder einfach an diesen Abenden die sich länger ziehen als geplant & genau deshalb so gut sind.
Oder anders gesagt:
Kyoto lässt dich riechen, als hättest du einen festen Platz im Spa, auch wenn dein wertvollster Besitz die fast volle Stempelkarte vom Dönermann ist & er dich mittlerweile mit „Chef“ begrüßt.
So eine tolle Rezension 🙏 Danke dafür, und nicht danke dafür dass du mich jetzt so neugierig gemacht hast. Ich wollte doch nicht schon wieder....ach egaaaal...jetzt will ich diesen Duft testen 😁