Bois Noir von Robert Piguet

Bois Noir 2012

Zinken
14.04.2018 - 13:50 Uhr
34
Top Rezension
9
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
8.5
Duft

A Forest (The Cure)


Im Dorfkrug erzählte mir der Kellner...

(Jaha - du kommst in dieser Geschichte vor da ich erst durch deinen tollen Kommentar auf diesen wunderbaren Duft aufmerksam geworden bin, liebe Grüsse und vielen Dank!)

...von dem angeblich verwunschenen Wald in dem ein ansässiges Mädchen auf den Tag genau vor hundert Jahren verschwand und nie mehr wieder gesehen wurde. Die Dorfbewohner mieden seit dem das ausgedehnte Gehölz und berichteten gar bei Spaziergängen in der Nähe des Waldes ihre Stimme flüstern gehört zu haben die sie in den Wald zu locken schien. Natürlich beschloss ich belustigt ob dieser Geschichte diesem dörflichen Aberglauben auf den Grund zu gehen. "Finde sie solange es dir möglich ist!" rief er mir mit ernstem Gesicht beim Aufbruch hinterher, was ich mit einem Lachen und einer nur für mich sichtbaren Scheibenwischerähnlichen Geste quittierte.

Am Waldrand fand ich ein zerbrochenes Fläschchen welches vormals anscheinend eine Art vom örtlichen Heilkundler selbstgebrautes, streng duftendes Elixier enthielt. Kein Wunder, wurde mir doch berichtet dass die Dorfbewohner seltsame Sude am Waldrand verteilen um die vermeintlichen Waldgeister am verlassen ihres Reviers zu hindern. Nur ganz kurz kam mir daraufhin der Gedanke zur Umkehr, jedoch zog mich ein anderer, aus dem Wald lingernder mystischer Geruch wie magisch an. Bei jedem Schritt weiter ins Unterholz, bei jedem streifen der tiefhängenden Äste umhüllte mich der Duft der seltsamen, nie zuvor gesehenen Bäume und Gewächse. Nicht erdrückend, eher verlockend so dass ich immer tiefer und tiefer in den dichten Wald hineinging, nur um mehr von diesem Wohlgeruch inhalieren zu können. Gleichzeitig machte sich eine innerliche Ruhe breit die ich schon lange nicht mehr so empfunden habe. Fast umfing mich schon ein nicht unangenehmer Schwindel und ein ungläubiger Blick auf meine Taschenuhr verriet mir dass ich schon seit Stunden unterwegs war.

Ich musste mich bemühen den eigentlichen Grund meiner Anwesenheit hier nicht aus den Augen zu verlieren. Mir schien dass tief aus der Dunkelheit eine Stimme flüsterte, aber ich konnte, ich wollte nicht
darauf reagieren. Ich wollte nur diese unglaubliche Ruhe geniessen - und diesen Duft. Meinen Rucksack mit Proviant und Wasservorrat hatte ich schon vor Kilometern abgelegt. Zu sehr lastete er auf meinen Schultern - wie die Sorgen und Probleme aus einer in meinen Gedanken jetzt unwirklichen Welt mit ihren übelriechenden Ausdünstungen der ich gestern noch angehörte. Hier dagegen gab es wie selbstverständlich nur tiefe innere Entspannung, Ruhe und diesen Duft.

Ich hatte mich schon lange verlaufen, was aber überhaupt keine Rolle mehr spielte, denn hier fühlte ich mich
geborgen und sicher.

Ich legte mich auf den geradezu hypnotisch aber ohne jede Spur der eigentlich zu erwartenden Muffigkeit
duftenden Waldboden, bettete mein Haupt auf die herausragenden Wurzeln eines auf seltsame Art besonders Vertrauen erweckenden Baumes, dessen Rinde vor austretendem Harz glänzte, schloss die Augen und sog den Flor der im Unterholz wachsenden Blüten und Kräuter ein, der sich perfekt mit dem vorherrschenden Duft der über mir ragenden Bäume verband. Wieder hörte ich die Stimme in meinen Gedanken die jetzt meinen Namen zu rufen schien. Aber nichts in der Welt konnte mich nun noch in meiner Seelenruhe stören oder würde mich dazu veranlassen meine Augen zu öffnen und mich aus der Umarmung dieses Duftes zu lösen. Innerlich lächelte ich bei dem Gedanken mich im Wald verlaufen zu haben wegen eines Mädchens dass es niemals gab. Bis heute war es doch immer dasselbe: viel zu lange bin ich wegen Nichtigkeiten Sturm gelaufen:

immer und immer und immer und immer und immer wieder...

Hundert Jahre später fand ein Holzfäller in einem seltsam unwirklich anmutenden Wald ein ausgeblichenes Skelett, dessen Schädel auf den aus dem Boden ragenden Wurzeln des von ihm zur Fällung auserkorenen mächtigen Baumes, die Rinde glänzend vom austretendem Harz, ruhte. Ihm kam kurz die Geschichte in den Sinn die ihm der Kellner unten im alten Dorfkrug erzählte, vom verwunschenen Wald in dem schon mehrere Menschen verschwanden und niemals wieder gesehen wurden. Gerade wollte er kehrt machen um seinen Fund im Dorf kund zu tun, als ein unglaublich anziehender Duft der aus der Tiefe des Waldes zu kommen schien in ihm den unwiderstehlichen Drang auslöste der Herkunft dieses Wohlgeruchs nachzugehen...
13 Antworten