Vetiver 2012 Parfum

Vetiver (Parfum) von Roja Parfums
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8.4 / 10 257 Bewertungen
Vetiver (Parfum) ist ein beliebtes Parfum von Roja Parfums für Herren und erschien im Jahr 2012. Der Duft ist grün-würzig. Die Haltbarkeit ist überdurchschnittlich. Es wird noch produziert.
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Duftrichtung

Grün
Würzig
Zitrus
Frisch
Holzig

Duftpyramide

Kopfnote Kopfnote
Litsea cubebaLitsea cubeba BergamotteBergamotte ZitroneZitrone
Herznote Herznote
Grasse-JasminGrasse-Jasmin MairoseMairose ZistroseZistrose
Basisnote Basisnote
VetiverVetiver ZedernholzZedernholz ZedernnadelZedernnadel AmyrisAmyris EichenmoosEichenmoos GalbanumGalbanum LabdanumLabdanum MuskatMuskat PfefferPfeffer rosa Pfefferrosa Pfeffer SelleriesamenSelleriesamen GuajakholzGuajakholz KümmelKümmel

Parfümeur

Bewertungen
Duft
8.4257 Bewertungen
Haltbarkeit
8.1222 Bewertungen
Sillage
7.4222 Bewertungen
Flakon
8.9232 Bewertungen
Preis-Leistungs-Verhältnis
5.7115 Bewertungen
Eingetragen von Kankuro, letzte Aktualisierung am 01.03.2024.
Wissenswertes
Der Duft wurde 2016 erneut auf den Markt gebracht.

Rezensionen

7 ausführliche Duftbeschreibungen
10
Flakon
7
Sillage
7
Haltbarkeit
8
Duft
Yatagan

393 Rezensionen
Yatagan
Yatagan
Top Rezension 55  
Lieb und teuer
Unkommentierte Düfte No. 45

Eines muss vorweg gesagt werden: Ich habe ein ambivalentes Verhältnis zu den Düften von Roja Dove entwickelt. Zunächst einmal war ich, wie bei vielen Nischenmarken, vom Preis-Leistungs-Verhältnis vieler Roja-Düfte enttäuscht. Dann allerdings bekam ich eine großzügige Abfüllung von Rojas Amber Oud und war und bin begeistert und das, obwohl ich weder ein Amber- noch ein Oud-Freund bin. Beide Komponenten sind für mich sogar oft ein Ausschlusskriterium, wenn es um meine Duftauswahl geht: meine Favoriten sind Hesperidien, grüne Noten, Vetiver. Roja Dove Amber Oud ist jedoch ein großer Duft, so groß, dass er mich überzeugt hat, dass auch Düfte dieser Fasson in meine Sammlung passen könnten. Einen nähere Analyse der Gründe, warum mir dieser nun ausgerechnet gefällt, steht noch aus und interessiert wohl nur mich selbst.

Dennoch stand ich auch dem Vetiver-Duft aus dem Hause Roja Dove reserviert gegenüber. Ein Duft, der pro Milliliter 7,30 Euro kostet, muss entweder eine Offenbarung oder eine Enttäuschung sein. Dazwischen sollte keine Raum für diesen Protagonisten der Extreme bleiben. Natürlich ist mir bewusst, dass es noch teurere Düfte gibt, natürlich weiß ich, dass Luxus immer noch zu Dekadenz steigerbar ist, aber wo Luxus - selbstverliebt - seinen Zweck der Verfeinerung von Genuss und Geschmack verleugnet, quasi zum Selbstzweck wird, muss über den Sinn solcher Düfte nachgedacht werden dürfen. Noch dazu, wenn man für eine 2 ml-Abfüllung des Duftes über 20,00 Euro zahlen muss. Ich äußere mich trotzdem nicht ausführlicher, denn...

...derzeit habe ich eine Mission: enzyklopädisch alle halbwegs verfügbaren Vetivers zu testen, miteinander zu vergleichen und zu kategorisieren. Das ist natürlich verrückt. Ich habe das überblicksweise in einigen meiner Kommentare darzustellen versucht, bin aber oftmals an der minimalen Differenz, am nicht mehr beschreibbaren Akzent zwischen zwei oder mehreren Vetiverdüften gescheitert: das bleibt unsinniges Gestammel.

Wer sammelt, hört erst auf, wenn er eine - wie auch immer - geartete oder gefühlte Vollständigkeit erreicht hat. Diese mag selbst gesetzt, absolut gedacht oder im Sinne eines Ausschnitts gewählt worden sein. Natürlich gibt es auch für mich Grenzen. Nicht jeder kaum verfügbare Vetiver-Duft muss ins Portfolio. Genauere Kriterien führe ich hier nicht an, beantworte sie aber gerne persönlich. Roja Dove musste jedenfalls dann doch auf die Liste.

Offen gestanden war ich besonders gespannt. Nicht weil der Duft so teuer wäre, sondern weil er - trotz (!) seines Preises (surprise, surprise) - so schlecht bewertet wurde. Selbst wenn man berücksichtigt, dass bisher nur ein Dutzend Bewertungen zusammen kamen, muss doch festgehalten werden, dass der Duft keinen besonders guten Start hingelegt hat. Das ist für Roja Dove (und im weiteren Sinne für einen Nischenduft) kein zufrieden stellendes Ergebnis. Mr. Dove, das war mal nichts hier! Oder?

Sehr gespannt war ich auch deshalb, weil die Liste der Inhaltsstoffe auf einige ungewöhnliche Wendungen schließen ließ: Vetiver mit Kümmel, nachgewürzt mit Muskat und - ja - Pfeffer, abgerundet mit Labdanum und Moos. Das klingt deftig. Ist es das?

Nein, deftig ist er nicht, dieser Duft, eher feinsinnig, fein gesponnen, ein wenig artifiziell in seiner Wirkung. Kümmel, den ich eigentlich in Düften sehr schätze, kann ich hier kaum wahrnehmen, eher schon das andere Krautige, wie zum Beispiel Muskat und Sellerie, eine zitronige Kopf- und Herznote, die vermutlich auch dem Litsea Cubeba geschuldet ist, aus dem Citral gewonnen wird (daneben ist ohnehin Bergamotte und Zitrone in der Kopfnote angegeben). Dass hier auch ein floraler Aspekt mitschwingt, lässt sich nicht leugnen; dieser versteckt sich aber dann doch hinter der Dominanz des Vetivers.

Vergleicht man Rojas Vetiver mit anderen, dann fällt auf, dass hier ein durchaus geglückter Mittelweg gewählt wurde.

Wenig erinnert an die modernen, dunklen Vetiverdüfte vom Schlag der Encre Noirs, Sycomores und Dior Privée Vétivers, auch wenn eine schwache Erinnerung an diese Vertreter aufglimmt.

Wenig erinnert auch an die eher herb-grün-erdigen Vertreter im Stile von Guerlains Vetiver (in der neuen Fassung), weil die erdig-modrige Komponente hier durch aufhellende zitrische Akzente gemildert und durch Gewürze abgerundet wurde.

Wenig erinnert zudem an weiche Kompositionen wie Monothemes Vetiver Bourbon, auch wenn auch diese Vetiver-Fassung von Roja Dove einen runden, weichen, jedoch noch nicht femininen Charakter hat.

Man könnte fast meinen, dass es Roja Dove darauf ankam, einen Duft zu schaffen, der im Schnittpunkt dieser drei Varianten verortet ist - und wäre es so: dann ist es ihm ausnehmend gut gelungen.

Wenigstens unter den derzeitigen Wetterbedingungen mit sehr hohen Außentemperaturen hält der Duft allerdings nicht allzu gut auf der Haut (was bei einem Roja Parfum verwundern mag) und bleibt überdies im Rahmen seiner auf Kompromiss bedachten Formel ein wenig blass, ein wenig zu dezent. Berücksichtigt man dann noch den sehr hohen Preis, kann die Gesamtbewertung letztlich doch nicht besser ausfallen.

Als Resümee bleibt ein Duft, der viel will, viel verspricht, einiges hält, als Alternative durchaus überzeugen kann, aber keine neue Spur am Vetiverhimmel zieht.
33 Antworten
10
Duft
Apicius

1106 Rezensionen
Apicius
Apicius
Top Rezension 25  
Kunst vom Können
Bei manchen Düften verbietet es sich geradezu, nach den Noten zu fragen, und Roja Doves aktuelles Vetiver gehört dazu. Litsea Cubeba, Rose und Guajakholz sind unwichtig, denn sie verwirren mehr, als sie erklären könnten.

Gerade in den letzten Jahren war der Markt ja nicht gerade arm an Vetiver-Neuerscheinungen. Doch kaum ein Duft, hinter dem nicht ein großes Aber steht. Entweder der Parfümeur sieht davon ab, die kratzige, bittere und raue Seite der Note auszubalancieren, oder aber es handelt sich um Kombinationen mit anderen, gleichwertig behandelten Noten oder Akkorden. Das klassische Vetiver-Cologne fristet hingegen ein Schattendasein.

Mir war gar nicht bewusst, dass Roja Dove ein ganz klassisches Vetiver im Angebot hatte und nun im Jahr 2016 wieder neu auflegt. Vetiver pour Homme ist so klassisch, dass man gar nicht viel dazu sagen möchte. Wer auf der Suche nach dem Besonderen ist, dem genialen künstlerischen Einfall oder dem ganz individuellen Ausdruck, der ist hier falsch. Richtig ist hier dagegen, wem Frédéric Malles Vétiver Extraordinaire ein Tick zu dunkel, Lubins Le Vetiver um einen Hauch zu beliebig erscheint, und wer sich bei Guerlains Vetiver Extreme an Waschmittelmoschus erinnert fühlt. Roja Doves Vetiver pour Homme steht inmitten der veritablen Konkurrenz und verdient sich mühelos den Titel des Vetiver-Parfums "an sich".

Hier gibt es überhaupt nichts zu mäkeln. Da ist Würze, da ist Tiefe, da ist dunkelgrüne Schönheit und auch männliche Erotik, und alles im rechten Maß. Der Aussage meiner Vorrednerin, dass es sich hier vermutlich um das eleganteste derzeit erhältliche Vetiver am Markt handelt, ist beizupflichten. Andererseits: was heißt das schon? Hinter dem Original-Vetiver-Duft, den Guerlain im Jahre 2000 leider eingestellt hat, verblassen sie alle miteinander.

Roja Dove scheint zu wissen, wie sehr die Vetiver-Veteranen unter den Parfumfreunden nach Qualität lechzen - bei der Preisgestaltung geht er über jedes normale Maß hinaus. Für 50 ml des besten Vetivers am Markt werden fast 440 € verlangt, für die Probeabfüllung (7,5 ml) etwa 70 €. Da heißt es Augen auf nach Parfümerien und Kaufhäusern, die die Marke Roja führen, und wo man mal einen Spritzer abgreifen kann.

Manchmal verhält es sich mit Parfums wie mit schicken Rennrädern. Ab einem bestimmten Level fallen pro 100g weiterer Gewichtersparnis je 100 € an zusätzlichen Kosten an. Wer das viele Geld für Rojas Vetiver pour Homme nicht ausgeben möchte oder kann, braucht aber nicht zu verzweifeln. Auch für nur 75 EUR bekommt man von Guerlain oder Lubin schon etwas sehr Feines.
8 Antworten
9
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
7
Duft
DaveGahan101

535 Rezensionen
DaveGahan101
DaveGahan101
Top Rezension 16  
Vetiver - Die unendliche Geschichte!
Was hab ich nicht alles an Vetiver-Düften getestet, die dunklen, die knarzigen, die dumpfen, die hellen, die milden, die weichen, die günstigen, die sündhaftteuren, die nussigen, die cremigen...egal..so richtig warm wurde ich nie mit ihnen..klar waren ein paar leckere dabei wie Vetiver Babylone von Armani, Dior Prive Vetiver oder auch der Elie Saab's Vetiver..zweifellos tolle Düfte, auch eher die "weiche" Richtung..aber wie hat mal Meggi in irgendeinem Kommentar(ich glaub zu Bois du Portugal) so trefflich geschrieben, sie machen mich einfach nicht genug an.
Bei Roja, so hoffte ich, sollte es doch was für mich geben, was mich länger fasziniert und mich öfters als 2-3x im Jahr zum Flakon greifen lässt.
Roja's Vetiver gehört sicherlich (für mich) ins obere Drittel der Vetiver-Düfte. Edel, fein, mild und weich und ohne Ecken und Kanten. Seine Wertigkeit ist für mich relativ leicht zu erkennen, seine Feinheit ebenso. Der Duft riecht sehr frisch und sauber, ja rein ohne an Zahnarzt oder Krankenhaus zu denken, grün-frisch, eher ein helleres mit gelben Schlieren durchzogenes olivgrün. Also ziemlich weit weg von seinen dunklen Brüdern(Encre Noire u Sycomore). Auch gefällt mir sein cremiger Touch, das macht den Duft sehr rund und schmeichelnd. Trotzdem ist er leicht scharf, würzig-stechend, pfeffrig..aber nicht von der unangenehmen Sorte. Auch leicht süsslich-blumig kommt er immer mal wieder daher, alles wunderbar ausbalanciert und alles wirkt sehr homogen. Ich glaube genau das, gefällt den meisten erfahrenen Vetiver-Fans eher nicht so..weil er für die etwas (zu) "beliebig" sein könnte. Mir gefällts so besser, weil ich mich mit Vetiver oftmals recht schwertue, aber für mich liegt diese "Beliebigkeit" bereits in der Duftnote an sich verborgen..sie lässt durch die recht dominierende Art recht wenig Facetten zu, d.h. ein interessanter, vielschichtiger Duft muß um das Vetiver herumgebaut werden..das ist eben die Kunst. Roja beherrscht sie, lässt den Duft aber trotzdem nicht so richtig leuchten, man hängt nicht so lechzend und euphorisiert an Roja's Rockzipfel wie sonst. Für das Genre aber trotzdem gelungen.
Die Haltbarkeit ist mit 6 Stunden "ok", die Sillage nur in den ersten 90 Minuten stark, danach eher fein und subtil...er schwebt eher mehr über der Haut als sich festzukrallen..was ja eher Roja's Stil zu sein scheint. Guter Unisex-Duft ohne Schwächen, nicht mehr und nicht weniger. Vielleicht hat der 2016er mehr zu bieten, mehr Potenzial, wobei sich die einzelnen Noten schon sehr ähneln..bis auf das hinzugefügte Amyris.
3 Antworten
8
Duft
Cravache

64 Rezensionen
Cravache
Cravache
Top Rezension 0  
Der leicht zynische Lord Vetiver
Vetiver pour Homme ist für mich der eleganteste Vetiverduft, den es zurzeit am Markt zu kaufen gibt. Modern, mittelgrün, frisch, warm und würzig. Der englische Lord unter den Vetiverdüften.

Wie ein eleganter, grüner, sehr fein gewobener Wollpullover, ganz feine Merinowolle. Dieses Urteil möchte ich allerdings sogleich wieder etwas relativieren. Denn ich bin geradezu ein olfaktorischer Vetiver-Phobiker. Ich mag Vetiver an anderen überaus gerne riechen, doch an mir verursacht Vetiver oft dumpfe Kopfschmerzen.

Vetiver liebe ich an meinem Vater. Alt-68-er mit Bart seit Sommer 68 oder 69, trägt seit ich mich erinnern kann ganzjährig und konsequent nur Jeans, Jeansjacke, Karohemd. Ganz früher ein eher unverkrampftes Verhältnis zu LSD, dann zu Patschuli – und nun zu kräftigen Vetiverdüften. Und so bin ich schon seit langer Zeit auf der Suche nach DEM Vetiverduft für mich.

Vetiver pour Homme weist eine fast identische Duftpyramide mit dem eingestellten Vetiver Extrait von Roja auf. Ich habe das eingestellte Vetiver Extrait einige Male getestet, allerdings das letzte Mal schon vor einigen Monaten. Ich habe das Vetiver Extrait bei etwa gleicher Sillage als blasser und weniger haltbar in Erinnerung. Das könnte plausibel sein, denn Tom Fords Grey Vetiver ist als Duftzwilling zum eingestellten Vetiver Extrait erfasst. Vetiver pour Homme hingegen würde ich aus den genannten Gründen nicht als Duftzwilling des etwas grau-biederen Grey Vetiver sehen. Am nächsten verwandt mit dem neuen Vetiver pour Homme ist für mich Haitian Vetiver von Zegna.

Vetiver pour Homme von Roja startet zitrisch-frisch. Frische, sonnige, nicht saure Zitrone. Moderne und kaum fruchtige Bergamotte lässt die frische Kopfnote betont rund erscheinen.

Rasch macht sich der Vetiver bemerkbar, der rote Faden durch den Duft. Es ist eine schöne, mittelgrüne, eher warme und minimal rauchige Vetivernote. Dunkelgrün feuchte und erdige Noten, die ich in vielen Vetiverdüften als dumpf und schwer empfinde, mache ich nicht aus.

Zu Beginn der Herznote, hernach sich zurückziehend, wird der Vetiver von einer sehr reizvollen Selleriesamen-Galbanum-Kombination umrahmt. Die Selleriesamen riechen nicht nach gekochtem Sellerie, sondern nach Karotten. Es sind frisch aus dem Boden gezogene, mit kaltem Wasser abgewaschene, orange Karotten. Die Galbanum-Note vermittelt den Geruch des (nicht essbaren) Grünzeugs der frisch geernteten Karotte. Die Kombination Vetiver-Karotte empfinde ich als ungemein schön, belebend und inspirierend.

Es treten warme florale Noten hinzu, die dem Vetiver etwas Wärme und Hintergrund geben. Die Rose und insbesondere der Jasmin hinterlassen allerdings einen eher allgemein warm-floralen Touch, als dass sie im fein verwobenen Parfum ausdifferenzierte und tragende Duftnoten wären.

Nach einiger Zeit treten helle Holznoten mit einem frisch-grünen Wesen und eine leichte grüne Blatt- bis Nadelnote hervor, was dem Vetiver einen betont grünlich-eleganten Charakter verleiht. Eichenmoos, hier trocken und flechtenartig, bildet ein Gegengewicht dazu und belebt noch einmal die langsam sich zurückziehende florale Wärme der Herznote.

Die Vetivernote bleibt mehr oder weniger unverändert bis in die Basisnote erhalten. Hinzu treten in Richtung Drydown etwas Harz, warmes aromatisches Holz und warme Gewürze (Pfeffer und ein Hauch Muskatnuss).

Wie bereits angetönt erinnert mich Vetiver pour Homme an Zegnas Haitian Vetiver. Dies vor allem mit Blick auf die mittelgrüne Vetivernote, die wunderbare Karottennote und die floral-warme Herznote. Haitian Vetiver ist allerdings verglichen mit Vetiver pour Homme ein weniger fein gewobener Stoff, die Noten sind weniger eng verwoben, etwas weniger klar und weniger ausdefiniert. Dennoch ist Haitian Vetiver ein sehr eleganter und moderner Vetiverduft.

Haitian Vetiver startet ebenfalls zitrisch, allerdings etwas saurer und weniger rund als Vetiver pour Homme. Der Vetiver ist in Haitian Vetiver etwas blasser und breiter, aber ebenfalls eher hell. Ebenfalls zu finden ist in Haitian Vetiver eine Karotten-Note, allerdings sind die Karotten dort etwas weniger orange-frisch, sondern eher kurz gekocht und weicher. Die Herznote ist durch eine süßlich-pudrige Irisnote etwas wärmer und süßer als die in Vetiver pour Homme.

User Yatagan beschreibt das eingestellte Vetiver Extrait in seinem vorzüglichen Kommentar als feinsinnig. Dies trifft auch auf Vetiver pour Homme zu. Wie alle Roja-Düfte ist Vetiver pour Homme ein klarer, ein sehr fein und dicht gesponnener Duft. Roja hat auch hier verschiedene Klassiker als Ausgangspunkt genommen und diese perfektioniert. Roja ist es auch bei Vetiver pour Homme gelungen, im klassisch-ästhetischen Sinne das Beste aus der Duftnote Vetiver zu kitzeln.

Die Frage allerdings ist, ob das Ergebnis spannend genug ist. Oder ob das Ergebnis nicht bloß ein selbstverliebter Kompromiss ist, der bei aller Ästhetik und Hochwertigkeit des Parfums letztlich doch niemand so richtig zu überzeugen vermag.

Wer einen kräftigen, „naturburschigen“ Vetiverduft mit einem gewissen modernen Einschlag mag (Guerlains Vetiver Extrême), dem wird die Vetivernote zu blass sein. Sycomore hat einen wunderbar rustikalen Touch, Lord Vetivers Vetiver pour Homme hingegen würde sich die Hände nicht schmutzig machen. Und wer einen klaren, betont modernen, dunklen Vetiverduft sucht, der ist mit Encre Noire besser bedient.

Und wer wie ich eher eine hellere Vetivernote, die nicht zu ausgeprägt und kräftig ist und der von der Karottennote und der floral-warmen Basis sehr angetan ist, der ist mit Haitian Vetiver, der zum halben Preis bei doppelter Menge angeboten wird, ebenfalls gut bedient.

Lord Vetiver ist keineswegs von olfaktorischem Zynismus, wie der Titel vermuten lassen könnte. Lord Vetiver ist vornehm und von bestem Benehmen. Er wird erst zynisch, wenn er übers Geld spricht. 395 Britische Pfund kosten 50ml Parfum. Für einen Vetiverduft liegt das für mich irgendwo zwischen selbstverliebter Dekadenz und Zynismus. Denn in meinem Empfinden fehlt Vetiver als Duftnote wesensbedingt das absolut Umwerfende, das Ästhetische an sich. Während z.B. Aoud oder Rose geradezu in die dritte Dimension wachsen können (z.B. die Rose in Rojas United Arab Emirates), so verbleibt auch die schönste Vetivernote immer zweidimensional.

Ja, Vetiver pour Homme ist ein englischer Lord. Ja, Vetiver pour Homme ist vermutlich der eleganteste und kunsthandwerklich vollendetste Vetiverduft überhaupt. Und doch fehlt mir etwas – und wenn es auch bloß der latente Zynismus ist, dafür 395 Pfund zu zahlen. Und doch lässt es mir tief im Inneren keine Ruhe, dass Rojas Vetiverduft doch noch ein Hauch schöner ist als mein Haitian Vetiver.
9 Antworten
10
Flakon
8
Sillage
8
Haltbarkeit
9.5
Duft
Taurus

1041 Rezensionen
Taurus
Taurus
Top Rezension 15  
Vetiver Referenzduft?
Meine erste Begegnung mit einem klassischen Süßgras-Duft verdanke ich dem Vetiver Eau de Toilette von Guerlain. Das ist schon etliche Jährchen her und damals fand ich ihn einfach zu knarzig und somit für mich ungeeignet. Später, da war ich schon auf Parfumo unterwegs, habe ich ihn mir dennoch zugelegt, um zur Erkenntnis zu kommen, dass er zwar wertig und hervorragend gemacht ist, aber erst zufrieden war, als der Flakon endlich leer gesprüht wurde. Eine erneute Anschaffung stand für mich nicht zur Debatte.

In der Zwischenzeit konnte ich viele interessante Vetiver-Düfte kennen lernen, wobei mich der Vetiver Veritas von Heeley am heftigsten geflasht hat. Doch auch eine andere Ankündigung ließ mich hellhörig werden.

Auf der diesjährigen GAoP in Düsseldorf präsentierte sich u. a. Roja Parfums. Und anstatt mir dort irgendein anderes komplexes Parfum abfüllen zu lassen, traf meine Wahl vor lauter Neugier auf die Neuauflage dessen Vetiver Vertreters.

Ich sollte nicht enttäuscht werden. Vetiver als Parfum überzeugt von der ersten Sekunde an mit einer spritzigen Frische, satt und unverkennbar natürlich in seiner typischen Art. Klar, wenn man Zitrone sowie Bergamotte als Begleiterscheinung ins Spiel bringt, hat man schon mal zwei passende Komponenten. Versucht man später ganz tief in die Materie einzutauchen, wird noch eine minimale Messerspitze Muskat erkennbar. Auch eine leicht holzige Note pocht auf etwas Aufmerksamkeit.

Alles andere ließe sich nur erahnen. Schließlich nennt sich das Ganze „Vetiver“, welcher hier unangefochten die Hauptrolle spielt und keine Nebendarsteller, allenfalls einige stumme Statisten zulässt.
Über Ausdauer und Projektion muss man in diesem Zusammenhang keine großen Worte verlieren, beide sind zu genüge vorhanden.

Im Vergleich zum klassischen Guerlain Vetiver weist die Roja Version Ähnlichkeiten auf, jedoch wirkt es hier etwas spritziger und die charakteristisch herbe Knarzigkeit ist weitgehend abgedimmt. Die einen werden es vielleicht vermissen, andere begrüßen. Ich gehöre ganz klar zu den „anderen“ und könnte ihn mir auch gut in meiner Sammlung vorstellen – aber erst wenn ich irgendeinen randvollen Jackpot knacke oder ein mir bisher unbekannter Oligarchen-Onkel o. ä. mich in Kürze in seinem Testament berücksichtigt.

Ansonsten werde ich wohl mit dem Vetiver Veritas von Heeley Vorlieb nehmen – das aber äußerst gern. Der gilt zwar nicht als offizielle Vetiver-Referenz, ist jedoch ebenfalls absolut empfehlenswert und testwürdig.
8 Antworten
Weitere Rezensionen

Statements

41 kurze Meinungen zum Parfum
AxiomaticAxiomatic vor 1 Jahr
7
Sillage
8
Haltbarkeit
7
Duft
Kopfnote mit Listea sehr interessant.
Der Rest liest sich einfach: Grünsanftes Vetiver, holzig, würzig, leicht blumig.
Ironie an der Kasse.
41 Antworten
FloydFloyd vor 1 Jahr
7
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
7.5
Duft
Sprühnebel knistern
Im Licht der Litsea
Sinken wie Raureif
Auf junge Gräser
Knirschen wie Kümmel
Kühl wie Pfeffer
Moose glitzern über Hölzer
30 Antworten
JonasP1JonasP1 vor 3 Jahren
10
Flakon
8
Sillage
9
Haltbarkeit
8.5
Duft
Über herbe, dunkelgrüne Wiesen
Vorbei an Zitronen,
Hölzern und Eichenmoos
Salzige Luft im Rücken
Vetiver verspätet sich
Endlich ist er da!
16 Antworten
RivegaucheRivegauche vor 8 Jahren
2.5
Flakon
7.5
Sillage
7.5
Haltbarkeit
7
Duft
Holzig frisch grüner Vetiver mit lebendigen Zitrusspitzen. Schöne Arbeit, aber zu bekannt und wenig besonders. Groteske Preisidee.
2 Antworten
Konst121Konst121 vor 10 Monaten
7
Sillage
8
Haltbarkeit
9
Duft
Nach spritziger Zitrone & Litsea
folgt Vetiver - in Perfektion.
Frisch & grün,
mit feinen Nuancen floraler, holziger & würziger Noten.
5 Antworten
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