Login

Abraxas98
20.02.2026 - 15:40 Uhr
1
8.5Duft 9Haltbarkeit 8Sillage 10Flakon 9Preis

Eine Verbeugung vor der „Göttlichen“

Manchmal macht mich ein Duft einfach neugierig - jenseits des Gedankens, ob ich ihn tragen will oder kann.
Genau dies ist bei Maria Callas von The Merchant of Venice der Fall.
Der Gedanke einen Duft nach der „göttlichen“ Callas zu benennen erscheint mir - nun, zumindest gewagt. Woran will man sich orientieren? An der unglaublichen Sängerin? An der Rebellin? An der perfektionistischen Gastgeberin, die es liebte für ihre Gäste zu kochen? An der mondänen Geliebten von Onassis? An der Frau, die „am gebrochenen Herzen“ gestorben sein soll? Es erscheint mir eine Mammutaufgabe, die kaum zu lösen ist. Ich bin neugierig, welchen Ansatz und Weg Yann Vasnier und Olivier Pescheux, die verantwortlichen Parfümeure, gewählt haben, um der Göttlichen die Ehre zu erweisen.
Die Präsentation ist zu 100% gelungen.
Die Kartonage öffnet sich wie ein Vorhang, der die Opernbühne freigibt. Der Flakon in schwarz und weiß passt zum Bild der Callas, die zumeist in schwarz fotografiert wurde. Die Andeutung eines eleganten, schwarzen Schals, der zusätzlich ihren Namenszug trägt, rundet den stimmigen Flakon ab.
Hinter dem Flakon findet sich das Portrait der Callas, passend in schwarz und weiß.
Soweit - alles perfekt. Hoffentlich kann der Duft da mithalten.
Sofort nach dem Aufsprühen kommen deutliche, zitrische Noten zum Tragen. Den angekündigten Pfeffer spüre ich weniger. Deutliche Zitrone und Orange/Mandarine - das kann ich definitiv erkennen.
Recht schnell werden diese Noten aber ergänzt, umworben. Florale Noten, die jedoch kaum Süße bringen, sondern wiederum in Ambra (?) gebettet sind.
Und so entwickelt sich der Duft auch weiter. Es bleibt eine elegant ausformulierte Zitrik, die sanft von dezenten Holztönen getragen werden.
Mir gefällt dieser Umgang mit den Ingredenzien. Das Alles wirkt auf mich elegant und durchaus edel. Es ist da nichts schwülstiges oder übertriebenes zu finden. Alles bleibt filigran und leicht, ohne jedoch zu einem Leichtgewicht zu werden.
Ein Parfüm für einen warmen Sommerabend, das nicht einfach nur eine netter „Freshie“ ist, sondern Charakter hat.
Ist das nun der Duft, den Maria Callas heute tragen würde? Sicherlich - nicht.
Aber das war hier, so glaube ich, nicht der Plan.
Eine meiner Tanten war Griechin - und wann immer sie uns Kindern von ihrem Leben in Griechenland erzählte, dann schwärmte sie von den Zitronen- und Orangenbäumen in ihrem Garten, den Duft, den sie verströmten und den Genuß, die Früchte frisch vom Baum zu essen.
Und genau diesen Ansatz finde ich hier. Eine Hommage an die griechischen Wurzeln der Callas, gepaart mit einigen eher herben Noten, die eine Verbeugung vor der Rebellin darstellen. Das Ganze verpackt in einem eleganten Gesamtkunstwerk - passend zur „Göttlichen“.
The Merchant of Venice verbeugt sich mit diesem Duft - und tut dies mit viel Liebe. So empfinde ich es zumindest. (Höchst wahrscheinlich habe ich das alles maßlos überinterpretiert.)
Für mich ist Maria Callas eine zu 100% gelungene Verbeugung vor einer großen Künstlerin - vielleicht empfinde ich das aber auch nur, weil ich mich an meine Tante erinnert fühle.
Aktualisiert am 20.02.2026 - 16:17 Uhr
2 Antworten
NebelmondfeeNebelmondfee vor 1 Stunde
Du hast es geschafft, dass ich diesen Duft, unbedingt unter meine Nase bekommen möchte...
Abraxas98Abraxas98 vor 1 Stunde
Ich hoffe, er wird dir gefallen.