Oud Stars

Alexandria II 2012 Parfum

AlterHerr
30.04.2021 - 10:21 Uhr
40
Top Rezension
8
Preis
10
Flakon
9
Sillage
9
Haltbarkeit
10
Duft

Wellness aus dem Flakon

Disclaimer: Ich bin ein älterer Herr im fortgeschrittenen Rentenalter, welcher Düfte Zeit seines Lebens zur persönlichen Freude aufgetragen hat. Ich besitze weder eine analytische Nase und professionelles Hintergrundwissen, noch den Drang bei Bewertungen möglichst objektiv zu bleiben, soweit dieses bei Düften überhaupt möglich erscheint.

Manchen Dingen im Leben sollten man beim ersten Male vorzugsweise blind begegnen, um das eigene Urteilsvermögen nicht a priori durch persönliche Ressentiments zu trüben.
Auf dem Tisch vor mir befindet sich eine Flasche 1964er Château Margaux - ein Spontankauf aus einer Weinauktion - und wahrlich kein besonderer Bordeaux-Jahrgang. Kein 1945er oder 61er, und erst nicht der legendäre Margaux aus dem Jahre 1900. Hatte ich nicht schon mehrfach gelesen, dass insbesondere der 64er völlig Margaux untypisch anmuten soll?
Und doch bleibt der große Name...
Andererseits können sich ja gerade Margaux Rotweine überraschend gut entwickeln, aber für eine Blindverkostung war es jetzt ohnehin zu spät.

Mit anderen Worten befand ich mich einmal mehr kurz davor, eine veritable Dosis "Neurose" in mein altes Moser Glas einzuschenken. Eigentlich schien eine objektive Beurteilung gar nicht mehr greifbar.

Mit guten Düften verhält es sich ähnlich. Wenn Name und Ruf groß genug sind, und weit vorauseilen, dann vernebelt die eigene Erwartungshaltung vollkommen jegliche Sinne - was umso mehr bei einem höheren Preisschild Geltung findet.
Enttäuschung und Enthusiasmus musizieren dann meist in ähnlich entrückten Gefilden.

Klarheit gewinnt man indes jedoch durch Wiederkehr. Wenn man immer wieder zu einem Objekt der Begierde zurückkehrt, dann gehört es wirklich zu einem.
Xerjoffs Alexandria II ist für mich in den letzten Jahren ein solches Wesen geworden. Seine pudrige Süße wirkt alles andere als belastend schwer. Vielmehr hüllt es den oder die Träger/in in eine warme Kaschmirdecke, unter welcher alle Probleme der Welt vergessen scheinen. Xerjoff hat es hier wirklich vollbracht, Wohlbehagen in einen Flakon zu transportieren. Wenn keine Zeit für einen Wellness Tag verbleibt, oder graue Wolken auf das Gemüt drücken, dann reicht ein Sprühstoff aus, um wieder zu lächeln.

Dabei wirkt Alexandria II vom ersten Tag an vertraut.

Ich fände es müßig bei diesem Duft über die einzelnen Ingredienzien zu philosophieren.
Jede Einzelne ist zweifellos von hoher Qualität, aber wichtiger noch ist ihr Zusammenwirken als Gesamtkomposition.
Ja, man kann die Rose in der Herznote wahrnehmen, aber sie fügt sich eben so subtil in das Ambra Vanille Nirvana ein, dass jeder Vergleich mit einem üblichen Blumenbouquet völlig deplaziert erscheinen muss. Wie die einzelnen Instrumente eines guten Orchesters spielen die Inhaltsstoffe harmonisch vollendet zusammen.

Ebenso ungerecht würde der Vergleich mit einem durchschnittlichen Designerduft anmuten.
Es sind schlicht unterschiedliche Welten.
Kraft, Sillage, Haltbarkeit, Ausdruck, Sinnesreiz spielen hier in einer ganz anderen Dimension.
Der Duft selbst wird zum Protagonisten. Und ja - man kann das Preisschild in der Tat riechen.

Weiterhin kann man auch nicht häufig genug darauf hinweisen, dass von einem solchen Duft ein einzelner Sprühstoß genügt, während man so manchen Designer mehrmals am Tag kräftig resprayen muss, weil dessen Haltbarkeit und Sillage jeder Beschreibung spotten. Dies relativiert die höheren Anschaffungskosten ungemein.

Insbesondere erhält man mit Xerjoffs Alexandria II aber zweifellos ein Parfum, mit welchem man sich unabhängig von eigenen Geschlecht ohne Scham auf jeder noch so großen Abendgalaveranstaltung präsentieren kann. Es ist ein Meisterwerk der Parfumeurskunst, welches ich ungeachtet meiner einleitenden Worte uneingeschränkt empfehlen darf.

Ich persönlich bevorzuge dabei seit seinem Erscheinen das Xerjoff Discovery Set III, da in diesem neben Alexandria II mit Naxos und Golden Dallah gleich zwei weitere Lieblingsdüfte aus gleichem Hause enthalten sind.

Abschließend möchte ich noch die Schönheit der Xerjoff Flakons erwähnen dürfen.
Das Funkeln der goldenen Verschlußkappen wirkt nämlich ähnlich bezaubernd wie der Inhalt, und sorgt für einen wirklichen Eye Catcher im eigenen Bade- oder Ankleidezimmer.

Xerjoffs Alexandria II ist inzwischen zu einem Teil meines Lebens geworden, welchen ich nur ungerne vermissen würde, was ich vom Eingangs erwähnten 1964er Margaux wahrlich nicht behaupten kann...
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