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Selenophil
05.08.2025 - 11:36 Uhr
7
Sehr hilfreiche Rezension
7Duft 7Haltbarkeit 7Sillage

Heiß-kalt, ja-nein?

November in Paris,

Champs Élysées,
Seidenpapier in weißen Designertüten raschelt zart,
tiefbraunes Wildleder verströmt sanft seinen Duft.

Herbstlaub strahlt in dumpfen Tönen,
Regen lässt die Straßen irisieren.

Tiefer hüllt man sich in den Cashmereschal,
der Arm des Liebsten schenkt Geborgenheit.
Der Duft eröffnet mit einer trockenen Iris, schnell gesellt sich eine unsüße, dafür aber warm-pudrige, Vanille hinzu. Ergänzt wird das Ganze dann von einem anschmiegsamen und dezent-schönen Weihrauch.

Wer sich unter Tinte als Duftnote wenig vorstellen kann, ich selbst kannte sie bisher auch nur aus Supreme Vanilla, konnte nun aber den Vergleich ziehen.
Für meine Nase präsentiert sie sich in beiden Düften gleich: etwas staubig, minimal kräuterig und einen Hauch metallisch. Dies aber nicht kalt, sondern viel mehr warm, düster und etwas melancholisch.

Nicht gelistet, aber für mich definitiv präsent: ein Hauch feines, herb-weiches Wildleder.

Von den übrigen angegebenen Noten nehme ich ehrlicherweise auch nach mehrmaligem Testen nichts wahr. Schade, der Lavendel hätte dem Duft meines Geschmacks nach nämlich gutgetan.

Denn so blumig sich mein Dufteindruck auch liest, leider konnte mich "Muse | Yves Saint Laurent" nicht richtig abholen.

Denn so richtig weiß ich nichts mit ihm anzufangen. Was man dem Duft lassen muss, mühelos vereint er es chic zu sein und dabei Gemütlichkeit auszustrahlen. Gediegen elegant könnte man sagen.

Das Problem ist nur: ich kenne genug andere (sehr ähnliche) Düfte, die genau das für mich auch können und noch dazu weitere Stimmungen besser bedienen.

Um so verrucht und erwachsen sexy wie Loubirouge zu sein, fehlt es an Ecken und Kanten,
Um so gemütlich wie Gris Charnel Eau de Parfum zu sein, fehlt es an Fülle und Tiefgang,
Um so kuschlig wie Blanche Bêtezu sein, fehlt es an Süße und Wärme.

Seidigzarte Iris können Bois d'Argent Eau de Parfum, Bois d'Iris und Co. schlichtweg besser.

Leider bleibt der Dufteindruck zu linear, zu eindimensional.
Die Muse, von der man sich hier inspirieren lassen hat, ist einen Hauch zu kühl, zu emotionslos, als dass ich sie dauerhaft in meiner Nähe haben muss.

Und da der Duft eben langfristig nichts in mir auslösen konnte, durfte er weiterziehen.

Abschließend möchte ich dennoch eine Testempfehlung aussprechen, insbesondere Liebhaber von trockenen Irisdüften und alle, die auf der Suche nach einem unsüßen Puderduft sind, könnten mit Muse glücklich werden.

Aufgrund seiner Unaufgeregtheit taugt er dann auch durchaus zum Signature, wobei ich vor allem die kühleren Monate, besonders verregnete und graue Herbsttage, als ideale Tragezeit empfinde.

Erwähnt sei auch noch, dass sich Muse handwerklich nichts zu Schulden kommen lässt, die Haltbarkeit würde ich im soliden Mittelfeld einordnen, morgens gesprüht wird man auch am späten Nachmittag noch leise wahrgenommen, die Sillage dabei jedoch nie überbordend für sich selbst oder das Umfeld.

Flakon und Aufmachung sind wie von der Vestiaire-Linie gewohnt simpel und schön gemacht.
Aktualisiert am 08.09.2025 - 14:36 Uhr
4 Antworten
pascalk96pascalk96 vor 1 Jahr
1
Richtig schön geschrieben. Mir gefällt das Abwägen und die Offenheit. Oft liest man reine Lobhudelei oder vernichtende Urteile. Ich bin sehr gespannt auf meine AF aus dem Sharing. 😊🙏🏻
SelenophilSelenophil vor 1 Jahr
1
Vielen Dank für die lieben Worte! Schön, dass das beim Lesen durchkam. Ich würde behaupten, der Großteil der von einem selbst getesteten Düfte liegen zwischen Liebe und No-Go. Eine Rezension zu so einem Duft zu schreiben hat auch Mal Spaß gemacht.😄
RosiniRosini vor 1 Jahr
1
Schöne Rezension. Gerne gelesen, mich konnte der Duft in seinen Bann ziehen.
SelenophilSelenophil vor 1 Jahr
Vielen lieben Dank! Schön, dass es bei dir mehr gematcht hat. :)