Wie nennt man einen arabischen Julian? - Richtig,
Oudian . Hahaha ok ist vielleicht nicht ganz die Namensgebung, die sich der Hersteller ausgedacht hat, denn dieser hat die Hauptkomponenten Oud und Durian (Kotzfrucht) zusammengeführt und daraus Oudian getauft. Jetzt, wo der Name geklärt ist aber den Schenkelklopfer ganz schnell zur Seite, denn dieser Duft versteht an einigen Stellen keinen Spaß!
Zunächst widme ich mich dem noch jungen Parfümhaus Pernoire, da dies der erste Duft aus dem Hause ist, den ich testen durfte. Gegründet 2020 von zwei Freunden, die im selben Viertel in Basel aufgewachsen sind, wurde die Mission gestartet das weltweit bekannte und geschätzte Schweizer Handwerk mit all seiner Präzision und Perfektion in die Kreation von Düften einfließen zu lassen. Hochkonzentrierte Düfte mit einem Mindestduftölanteil von 25% sollen sich stark auf den Charakter des Trägers konzentrieren und seine Persönlichkeit unterstreichen. Leider konnte ich nichts zum Namen in Erfahrung bringen oder weshalb die Flakons mit Schachfiguren abgebildet werden aber falls jemand von euch da mehr weiß gerne in den Kommentaren ergänzen.
Kommen wir nun zum wichtigsten Teil, dem eigentlichen Duft. Im News Feed habe ich durch einen Nutzer mitbekommen, dass man
Oudian kostenlos ausprobieren kann und nur den Versand bezahlt. Ich habe kurz einen Blick auf den Duft geworfen und sah das sich die noch gernigen Bewertungen in Lob überschlagen haben. Zu Beginn hatte der Duft tatsächlich eine 9er Wertung. Danke an der Stelle an den mir unbekannten Parfumo Nutzer und gesagt, getan zack war die Probe auch schon in meinem Briefkasten.
Jetzt, mit 119 Wertungen hat sich der Duft allerdings ziemlich schnell von seiner 9er Wertung verabschiedet und das ist verständlich. In den aller ersten Sekunden schreit geradezu eine holzig/oudige Duftnote los, die aber sofort wieder von einem übersüßten Mix aus fruchtigen Noten an die Leine genommen wird und dadurch ausgebremst wird. Die Kombination wirkt an manchen Stellen ein klein wenig kratzig und unrund und die fruchtigen Noten wirken etwas chaotisch. Da man sich für Zutat "Durian" also umgangssprachlich die "Kotzfrucht" entschieden hat, könnte es sein, dass diese für einen gewissen störfaktor sorgt aber keine Sorge, der Duft stinkt nicht nach Kotze. Man ahnt, dass sich im Hintergrund noch etwas dunkleres verbirgt aber die Fruchtnoten sind so dominant, dass sich die Weihrauch- und Ledernoten etwas schwer tun daran vorbei zu dringen. Insgesamt würde ich die Duft DNA als gut bezeichnen aber mehr auch nicht. Von den 36 Benutzern auf parfumo sind 75 Prozent männlich. Was die Duft DNA angeht, dürften es ruhig mehr Frauen sein, da der Duft sehr fruchtig ist aber vielleicht wirkt die offizielle Beschreibung des Duftes für manche Damen etwas abschreckend.
Dominanz, Macht, Stärke. Mit diesen Worten wird der Duft beschrieben und zumindest was die Performance angeht habe ich nichts zu kritisieren. Die Hersteller bewerben eine Haltbarkeit von 12 Stunde, die ich nicht ganz unterschreiben kann ABER acht Stunden Selbstwahrnehmung mit vier Sprühern ist beachtlich und lobenswert.
Der Flakon an sich ist ansehnlich, allerdings sehe ich keinerlei Verbindung zum Duft selbst. Die Schachfigur wird auch nicht näher erklärt und wieso man sich bei einem fruchtig/dunklem Oudmix für weiß entscheidet, bleibt mir zumindest ein Rätsel.
Schaut man sich den Preis an, macht es Sinn, dass der Duft aus der Schweiz kommt. 50ml für 240,- Euro das ist happig. Die Performance kann ich nicht kritisieren auch nicht bei dem hohen Preis. Alle anderen Aspekte allerdings schon.
Die Welt der Oud Düfte ist mittlerweile so hart umkämpft und von Platzhirschen bestückt, dass man geradezu eine duftmäßige Atombombe rausbringen muss, um sich in dieser Preisklasse zu behaupten. Ob man da mit der Kotzfrucht als Zutat die richtige Entscheidung getroffen hat, bezweifle ich an dieser Stelle sehr. Wer ein wahres Oud Monster testen möchte, das wesentlich besser ausbalanciert ist, dem lege ich
Oud Satin Mood Extrait de Parfum ans Herz.