14. Februar 2017 – 17:16

Alles nur Fiktion – Ein Interview mit Josh Meyer

Josh Meyer ist der kreative Kopf hinter Imaginary Authors, einer Nischenmarke deren Konzept den Verstand fasziniert. Er und seine Marke überraschen mit durchdachten Düften, die Spaß machen und Geschichten erzählen sowie die Personen hinter ihnen offenbaren. Alles imaginär, doch gleichzeitig so detailliert und kreativ, dass die eigene Vorstellungskraft während dem Entdecken seiner Welt angeregt wird.

Das Thema deiner Marke sind Romane, Fiktion und Geschichtenerzählen sowie die Personen dahinter… Bist Du folglich ein Bücherwurm und welche Art von Literatur magst Du?

Ich liebe so viele! Ich liebe John Barth, Nabokov, David Foster Wallace, Donna Tartt & John Irving… Aber vor kurzem habe ich auch angefangen viel über Malerei, Kunst und Kochen zu lesen, da diese Themen auch Parallelen zu Parfum und Parfumkunst aufweisen. Eine Menge Köche bspw. veröffentlichen sehr fesselnde Bücher darüber ein Restaurant zu betreiben und gleichzeitig an ihrer Kreativität zu feilen um mit ausgefallenen Nahrungsmittelkonzepten ein Alleinstellungsmerkmal zu schaffen. Das ist sehr inspirierend für mich, da dies ebenfalls wichtig für Imaginary Authors ist.

Ich liebe es zu lesen, aber für mich war meine Markenidee mehr ein neuer Weg die Welt der Nischenparfumerie zu erklären. Viele meiner Lieblings-Nischenmarken von vor 7 oder 8 Jahren verwenden keine Farbe auf ihren Etiketten und veröffentlichen keine einfachen Notenlisten. Das pure Lesen von Webinhalten auf deren Seiten ermöglicht oftmals nicht die Stimmung oder den Ton eines Duftes einzufangen, um eine Vorstellung davon zu erhalten, wie er tatsächlich riecht. Das macht es sehr schwer zu wissen, welchen Duft man kaufen soll. Mit IA wollten wir etwas schaffen, das lebendig die Geschichte des Duftes erzählt und haben gleichzeitig versucht, etwas Einzigartiges auf den Markt zu bringen. Die einzige Regel von meiner Seite aus, war es zu erreichen, dass jeder Aspekt des Konzepts auf Spaß basiert und dem spaßigen Konzept trotzdem etwas Anspruch zu geben.

Wie ist der Ablauf, wenn Du einen neuen Duft erstellst? Wie stellst Du dir einen Autoren, die Geschichte um ihn herum und seine Arbeit vor? Lässt Du es einfach auf dich zukommen oder hast Du zuerst ein bestimmtes Konzept vor Augen?

Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Für uns kommt der Duft vor allem anderen. Die Geschichte, die Bilder für das Etikett und die Box und die Notenliste kommen alle nachdem Duft der Duft fertig gestellt ist. Das Drumherum wird geschaffen, um die Geschichte über den Duft zu erzählen, seine Atmosphäre zu untermalen und Details darüber zu verraten wo die einzelnen Zutaten ihren Ursprung haben. Im Allgemeinen benutze ich 3 bis 4 Hauptakkorde, um einen Duft zu gestalten. Jedes Parfum besteht aber aus etwa 20 bis 50 Zutaten. Doch die Konzepte sind in der Regel viel einfacher und jede Note und jede Zutat ist ein Teil des Ganzen und wirkt sich auf einen der Hauptakkorde aus.

So hat zum Beispiel Memoirs of a Trespasser eine Menge an Vanille-Noten, die mit einer kräftigen Dosis Guajakholz verschmelzen. Es ist aber das Zusammenspiel des Trios aus Myrrhe, Benzoin und Ambrette, die der gesamten Komposition erst ihre Wirkung verleiht. Es ist nichts, was ich in der Natur gerochen habe oder aus meiner Erfahrung heraus entstanden ist, sondern vielmehr nur der Versuch mit einer einzigartigen Kombination von Noten, etwas Neues zu schaffen.

Ich nehme an, Bull’s Blood ist wahrscheinlich der Parade-Duft aus deiner Kollektion, der die Menschen wohl mit den umstrittensten Meinungen zurücklässt. Zumindest vom dem, was ich gehört habe, scheinen viele Leute ein Problem mit dem Bild des Stierkampfes zu haben. Und das obwohl es nur imaginär ist. Wie empfindest Du diese Art von Reaktionen auf den Duft und die Geschichte dahinter? Und wie erlebst Du die Reaktionen auf deine Düfte im Allgemeinen?

Sowohl Bull’s Blood als auch A City on Fire erwecken in vielen Menschen die gleiche Hass-Liebe. Beide polarisieren ziemlich. Ich denke, dass der Stierkampf mit starken Emotionen behaftet ist und auch etwas Beängstigendes an sich hat und so verhält es sich auch mit dem Duft Bull’s Blood.

Düfte sind sehr persönlich. Als ich damit anfing und mir bewusst wurde, dass ich diese Düfte mit der Welt teilen werden, habe ich immer gehofft, dass ich immun gegen Kritik wäre… aber nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Es ist immer sehr schwierig, wenn jemand etwas gegenteiliges über einen Duft sagt, den du eventuell anders beabsichtigt hast. Auf der anderen Seite… wenn eine Rezension oder einen Kommentar zu einem Duft gemacht wird, der diesen mit Worten beschreibt, die in die selbe Richtung gehen wie ich es mir vorgestellt habe, finde ich das sehr mitreißend. Es ist als ob man gemeinsam eine neue Fremdsprache spricht.

Ist es Dir möglich einen Lieblingsduft aus deiner eigenen Kollektion zu benennen?

Ich mag immer die neuesten Duft. Oder noch besser gesagt? Ich mag immer das, was als nächstes kommt. Das ist immer das interessanteste und dynamischste für meine Nase. Es ist für mich persönlich einfach super wichtig, immer wieder neue spaßige Dinge zu entwickeln. Die Arbeit mit den immer gleichen Düften finde ich nicht inspirierend… Ich finde nicht zwingend, dass es der beste Duft ist, aber wenn ich einen wählen müsste, würde ich sagen, dass mich Every Storm a Serenade mehr erreicht als alle anderen. Der Duft ist sehr teuer zu produzieren und ich liebe die Art und Weise wie er mit mir harmoniert. Er ist einfach sehr gut und angenehm für mich zu tragen.

Imaginary Authors ist in den letzten 4 Jahren durch verschiedene Phasen von Flakongrößen gegangen. Du hast mit 60 ml angefangen und einige Zeit später 30 ml eingeführt. Inzwischen sind beide Größen nicht mehr erhältlich und die großen Flakons wurden auf 50 ml reduziert. Vor kurzem wurden dann die Travel-Sprays eingeführt sowie Kartonagen für die Düfte. Wie wichtig sind diese Veränderungen für eine eigenständige Marke wie deine auf der einen Seite und wie schwierig sind sie auf der anderen Seite?

Ja, jede Phase war ein großer Lernprozess. Die neueste Charge von 50ml Flaschen ist um einiges höher als die vorherige Version, was sie in Verbindung mit den schönen Etiketten nicht nur ästhetischer wirken lässt, sondern ihnen auch insgesamt eine bessere „Buchform“ gibt… die Etiketten sind buchstäblich 8x dicker als die vorherige Version. Auch die Zerstäuber sind viel schönere und haben hochwertigere Pumpen. Unsere Deckel sind nun mit dem IA-Logo gekennzeichnet. Die Einführung der Boxen und der Travel-Sprays sind jeweils nur unsere eigene Art, die Marke wachsen zu lassen und Spaß mit dem zu haben, was wir der Welt anbieten. Die Welt der Verpackung ist nicht einfach zu navigieren, wenn man nach etwas Einzigartigem sucht. Aber ich bin froh über das, was ich gelernt habe und hoffentlich können wir weiterhin neue und interessante Dinge schaffen.

Mit deiner Arbeit an der Duftlinie von The Sum hast Du auch mal etwas anderes gemacht. Gibt es noch andere Marken, die Du als möglichen Kollaborationspartner siehst? Oder kommen die Leute eher direkt auf dich zu und fragen nach einer Zusammenarbeit?

Ich liebe es, Parfum zu machen. Ich wünschte wirklich, ich könnte meine ganze Zeit damit verbringen, Düfte zu schaffen und anzupassen. Ich arbeitete mit The Sum, weil er meine Vision liebte, wie seine Düfte funktionieren könnten, ganz zu schweigen davon, dass seine Linie ganz anders ist als alles, was Imaginary Authors je gemacht hat und noch tun wird. Ich finde es gut auch mal in der Lage sein zu können, etwas anderes mit einer fremden Marke zu machen. Ich habe  erst vor kurzem mit Sam Rader von Dasein zusammengearbeitet und „Winter Nights“ geschaffen, welcher auf 400 Flaschen limitiert und fast sofort ausverkauft war.

Ich werde oft gebeten, personalisierte oder exklusive Düfte zu machen, aber dazu brauche ich einen speziellen Moment, in dem ich die Energie den Willen habe, diesen Duft zu schaffen. Ich möchte nämlich an das glauben können, was ich tue und an dem ich arbeite. Ich bin sehr glücklich, die Möglichkeit zu haben auch genau das zu tun.

Bist Du ein Duftsammler und wenn ja, wie groß ist deine Sammlung? Gibt es einen Duft, den Du sehr magst und regelmäßig trägst neben deinen eigenen?

Ich habe eine riesige Sammlung! Ich trage vor allem eine Menge meiner eigenen Formeln… und der Kauf von Parfums hat sich mittlerweile in den Kauf neuer Rohstoffe verwandelt. Doch ich liebe den animalischen Amberduft „Lui“ von Mazzolari und das seltsam entspannte „Oud 27“ von Le Labo, „Domenico Caraceni“ bei einem Date und „Knize Ten“ für eine lange Autofahrt bei kaltem Wetter, „Sadanne“ von Slumberhouse, „Lampblack“ von Bruno Fazzolari, eigentlich alles von Bruno ist hervorragend. Alles, was Naomi Goodsir macht ist atemberaubend, ich liebe ihren neuen Iris-Duft… „Oud Cuir d’Arabie“ von Montale ist ein Langzeitfavorit von mir. Lubin’s „Vetyver“ ist mein liebster Vetiver-Duft, Czech & Speake’s „Oxford & Cambridge“ ist ein exquisiter und einzigartiger Lavendel-Duft, über den nicht zu oft gesprochen wird. Ich könnte eigentlich endlos weiter machen… YSL „Rive Gauche“ war für eine lange Zeit mein Favorit, als ich jünger war.

Gibt es Pläne für eine breitere internationale Vermarktung von Imaginary Authors oder ist das nach wie vor schwierig?

Ich liebe es mit dem Einzelhandel zusammen zu arbeiten, und ich bin immer auf der Suche nach guten Boutiquen rund um die Welt. Wir sind langsam dabei neue internationale Einzelhändler hinzuzufügen. Ich möchte, dass auch unsere Handelspartner eine gute Erfahrung mit Imaginary Authors haben und ich würde gerne mehr hinzufügen, wenn eine gute Handelsbeziehung geschaffen werden kann.

Was ist dein aktueller Bestseller? Immer noch Memoirs of a Trespasser?

Memoirs ist vielleicht unser Flaggschiff, aber „Cape Heartache“, Every Storm a Serenade und „Slow Explosions“ verkaufen sich auch gut… Die Leute sind auch weiterhin auf der Jagd nach A City on Fire, von dem wir entsprechend viel verkaufen.

Gibt es bereits irgendwelche News für 2017 zu verraten?

So viel spannendes wird kommen! Wir haben ein paar Lancierungen für 2017 geplant, sowie die Veröffentlichung unter ersten Linie von Duftkerzen, deren Entwicklung sehr lange gedauert hat. Ich bin so begeistert, sie endlich mit der Welt zu teilen! Das Beste ist einfach sich in den Newsletter einzutragen um auf dem neuesten Stand zu bleiben!

Ein Teaser?

“Tomorrow I will fight, but tonight, I recline into a dream of muddled mint and ice”Milton Nevers

Das Interview führte Franfan20, vielen Dank!

5. Februar 2017 – 15:36

Momente in der Zeit – Ein Interview mit Carlos Huber

Carlos Huber ist der Gründer und Creative Director von Arquiste, einer der jüngeren Nischenmarken in der Duftszene. Huber, der Architekur studierte, lässt Aspekte seiner zwei Leidenschaften – Architektur und Geschichte – in seine Duftkreationen einfließen. Eine olfaktorische Momentaufnahme bestimmter Zeitpunkte in der Geschichte, abgefüllt in Flaschen und aufgebaut wie ein Gebäude.

Wenn man sich deinen Lebenslauf anschaut, sieht man  eine Menge verschiedener Berufe und Fertigkeiten. Wusstest Du bereits in jungen Jahren, was Du später beruflich machen möchtest?

Tatsächlich ja, ich hatte schon immer die Liebe zur Architektur und der Geschichte in mir, deshalb wusste ich früh, dass ich etwas machen will, was mit diesen Themen zu tun hat.

Um kurz auf deinen Hintergrund in Architektur einzugehen, gibt es ein bestimmtes deutsches Bauwerk, dass du magst oder hast du einen speziellen Lieblingsort in Deutschland?

Obwohl ich kein Experte in deutscher Architektur bin und es womöglich nicht das schönste Gebäude der Welt ist, mag ich Schinkels Bauakademie in Berlin. Ich war sehr gespannt es in natura zu sehen, als ich zum ersten Mal Berlin besuchte, weil ich es intensiv in der Architekturschule studiert hatte. Ich finde, dass die deutsche Architektur eine der besten der Welt ist und es in Deutschland viele schöne Orte gibt. Ich empfand z. B. Hamburg als sehr schöne Stadt. Ich hoffe daher, dass ich in naher Zukunft mehr durch Deutschland reisen kann.

Deine Parfummarke Arquiste gibt es mittlerweile seit 4 Jahren und sie erfährt viel positive Resonanz. Hast Du dich in der Branche sofort willkommen gefühlt? Wie würdest Du deine Reise mit wenigen Worten beschreiben?

Natürlich gab es Höhen und Tiefen, aber ich hatte das Glück meine Marke in New York starten zu können und deshalb bereits im frühen Stadium viel Unterstützung erhalten. Ich konnte mit Zeitschriften und anderen Medien, Geschäften und Einzelhändlern – national und international – sowie dem Parfum-Haus Givaudan in Verbindung treten. Das alles half mir sehr Arquiste relativ schnell zu veröffentlichten und einer breiteren Masse an Publikum präsentieren zu können. Das Konzept meiner Marke ist für mich etwas ganz Besonderes und Teil meiner Authentizität. Aber eine Sache, die man lernen muss, ist ruhig zu bleiben und geduldig zu sein, denn Wachstum und Bekanntheitsgrad brauchen Zeit, besonders dann, wenn man ein gutes Produkt auf den Markt bringen möchte. Man muss entsprechend hart arbeiten. Und vor allem ist es auch ein kontinuierlicher Prozess, bei dem ich fortlaufend lerne.

Die Sozialen Netzwerke sind heutzutage ein sehr wichtiger Teil des Alltags im Allgemeinen. Auch viele Parfummarken verwenden sie für Marketing und die Vorstellung von neuen Produkten. Würdest Du sagen, dass die Möglichkeit, den Menschen regelmäßigen Einblick in deine Arbeit zu geben, es für eine Marke wie Arquiste einfacher macht bekannt zu werden und die Popularität zu steigern, besonders zu Beginn?

Definitiv, ja. Es unterstützt mich darin zu zeigen, dass Parfum für mich eine Leidenschaft ist, in die ich mein Herz und meine Seele stecke. Ich würde sagen, dass die Menschen so in der Lage sind zu erkennen, dass es hinter einer Marke tatsächlich echte Menschen gibt, die eine gewisse Hingabe an den Tag legen und dass es ein absoluter Full-time Job ist. Meine Intention in den Sozialen Netzwerken ist es, die Aufmerksamkeit der Menschen auch auf den Prozess der Parfumherstellung zu lenken. Es gibt natürlich wie überall positive und negative Seiten, die dabei zum Vorschein kommen. Es ist immer schön, Feedback zu deinen Kreationen zu hören, aber Kritiker können dich auch zerreißen. Ich lese das Feedback zu meiner Marke, weil ich der Überzeugung bin, dass die Interaktion mit den Menschen, die die Entwicklung meiner Marke verfolgen, auch wichtig ist. Ich bin aufmerksam und lese in regelmäßigen Abständen, um meinen Fans und Kunden etwas zurückgeben zu können. Doch wenn jemand etwas kritisiert, nur um es niederzumachen, denke ich, ist es besser, überhaupt nichts zu sagen.

Du hast erwähnt, dass Rodrigo Flores-Roux und Yann Vasnier enge Freunde von dir geworden sind und du viel über das Parfumhandwerk von ihnen gelernt hast. Ich nehme an, eure Freundschaft beeinflusst eure Arbeit auf eine Art und Weise, die anders ist als wenn du mit irgendwelchen Menschen zusammenarbeiten würdest. Würdest Du sagen, dass die Arbeit mit deinen Freunden immer harmonisch verläuft oder gibt es auch manchmal Meinungsverschiedenheiten?

Das Besondere an unserer Arbeit ist, dass wir zuerst Freunde wurden und dann beschlossen haben, zusammen zu arbeiten. Wir arbeiten zusammen gerade weil wir Freunde sind. Natürlich sollte man dann sensibler sein und die Dinge entsprechend sorgfältiger bewerten, aber wie bei jedem kreativen Prozess gibt es manchmal Meinungsverschiedenheiten, aber niemals Streitigkeiten. Rodrigo und Yann wissen sehr genau, was sie tun und dank Givaudan können wir die besten Zutaten verwenden, die wir bekommen können, so dass ich sehr stark von ihrer Erfahrung profitiere. Ich als Entwickler und Creative Director weiss viel über Marketing und wie man einer Marke ein Gesicht gibt. Ich habe mitunter die Möglichkeit mit anderen Leuten zu sprechen als Rodrigo und Yann es tun und kann ihnen so Feedback von anderen Bereichen des Marktes geben, die sie normalerweise vielleicht nicht hören würden. Ein ebenfalls wichtiger Punkt für unsere Zusammenarbeit ist, dass sie mich perfekt verstehen. Ich habe in der Regel für meine Düfte eine bestimmte Vision im Kopf und ich würde nicht mit Menschen zusammenarbeiten, die nicht in der Lage wären, meine Vision in einen Duft zu übertragen. Ich muss eine gewisse Verbundenheit fühlen.

Mittlerweile gibt es auch Düfte speziell für andere Outlets wie J. Crew und zuletzt El Palacio de Hierro. Wie kam es dazu? Gab es den Anspruch, dass sich die Düfte deutlich von dem Arquiste-Konzept unterscheiden sollen?

Mit diesen Veröffentlichungen kann ich an etwas leicht abgewandeltem von Arquiste arbeiten. Die Arquiste-Kollektion ist sehr konsequent in ihrem Ansatz jedem Duft eine bestimmte Zeit und einen bestimmten Ort zuzuordnen. Jeder Duft erzählt eine Geschichte, die von Herzen kommt und gewissenhaft recherchiert wird. Die Düfte müssen jeden Aspekt davon widerspiegeln können. Das macht die Düfte komplexer. Bei den Kollaborationen mit J.Crew, El Palacio de Hierro oder St. Regis Hotels können wir an Konzepten arbeiten, die etwas anders sind, auch wenn sie immer etwas von dem „Geschichtenerzähl“-Aspekt von Arquiste innehaben. In diesem Fall erzählen sie dann eine Gesichte, die die spezifische Marke betrifft, mit der wir zusammenarbeiten. Wir können so auch eine andere Art von Kunden in einem anderen Markt erreichen. Die J. Crew und El Palacio de Hierro Düfte haben einen anderen Stil als Arquiste. Mit den Düften für El Palacio de Hierro, die im Wesentlichen Soliflores sind, sind wir zum Beispiel in eine Richtung gegangen, die von natürlichen Akkorden geprägt ist, mit einem Gefühl von Frische und Leichtigkeit, mehr wie ein Eau de Cologne. Sie sind fröhliche, liebliche Düfte, was nicht bedeutet, dass es ihnen an Eleganz fehlt. Sie stellen eine leichtere, zugänglichere Art von Kollektion dar.

Hast Du jemals darüber nachgedacht, einen Duft komplett auf eigene Faust zu schaffen?

Ich bin eine Nase und ein Duftentwickler, aber kein Parfumeur. Ich habe nicht die formale, berufliche Ausbildung und das Diplom, die ein Parfumeur durchlaufen muss. Allerdings habe ich das Handwerk ein wenig studiert und entsprechende Erfahrung als Entwickler, welcher einen wesentlichen Part bei der Kreation eines Duftes einnimmt. Ich habe nicht das Bedürfnis einen Duft ganz allein zu schaffen, weil ich das Talent und die Sachkenntnis, die ein Parfumeur hat, respektiere. Er ist derjenige, der an der Formel arbeitet… als Entwickler bin ich derjenige, der mit dem Konzept kommt, den Prozess leitet und den Duft letztlich bewertet. So ist es ein kollaborativer, kreativer Prozess. Man kann nicht vorgeben, alle Rolle abzudecken und ich würde niemals so anmaßend sein, das zu tun.

Welche anderen Düfte trägst Du? Gibt es irgendwelche spezifischen Düfte oder Marken, die Du magst?

Natürlich trage ich auch andere Düfte. Ich mag Sycomore von Chanel zum Beispiel sehr gern und ich habe auch eine Duft-Sammlung. Ich trage ab und an verschiedene Düfte, aber meistens doch meine eigenen. Manchmal ist das gar nicht so einfach, da ich kontinuierlich am Vermarkten und Evaluieren einer Marke bin. Die Leute sollen erkennen, dass ich Düfte nicht einfach auf den Markt werfe, nur weil ich es kann. Ich bin nicht derjenige, der lediglich schaut wo es hinführt und wenn es nicht erfolgreich wäre dann fallen lässt. Ich glaube wirklich an meine Arbeit, deshalb wäre es keine Option für mich meine eigene Marke nicht zu tragen und in meinen Augen einfach nicht authentisch.

Abgesehen von deinen Düften kommt auch dein Mode-Stil sehr gut an. Du schaffst es, immer perfekt auszusehen, besonders jetzt, da du beschlossen hast dein Aussehen ein paar Mal zu verändern. Machst Du dein Styling komplett allein?

Ja, das stimmt. Ich mache alles alleine. Für mich geht es dabei aber weniger um die Mode selbst, ich lege meinen Fokus auf den Stil. Ich trage das, wovon ich denke, dass es am besten für mich funktioniert und ich denke ich weiß, was ich tue. Natürlich fühle ich mich geschmeichelt von solchen Komplimenten, aber ich würde mich nicht als eine Art Mode- oder Stil-Ikone bezeichnen. Manchmal ist die Welt ein bisschen zu besessen von Image und dem Druck perfekt sein zu müssen.

Kannst Du mir ein Ziel nennen, dass Du gerne dieses Jahr oder in naher Zukunft persönlich oder beruflich erreichen möchtest?

Ich möchte Arquiste als Marke noch weiter etablieren und wachsen lassen. Ich möchte in naher Zukunft gerne eigene Arquiste-Filialen haben, so dass das Geschichts- und Architekturkonzept auch visuell dargestellt werden kann. Ich möchte dieses Konzept, das mir sehr am Herzen liegt beibehalten und in der Lage sein, die bestmögliche Qualität meiner Produkte zu halten. Ich wünsche mir sehr, dass meine Marke als etwas Authentisches und Langlebiges erkannt wird.

Das Interview führte Franfan20, vielen Dank!

27. Dezember 2016 – 14:13

Kuschelige Wohlfühldüfte – Interview mit Sylvaine Delacourte

Sehr verehrte Madame Delacourte, lange Jahre waren Sie Teil der Guerlain-Familie, genauso wie Thierry Wasser. Nun gibt es eine zusätzliche Leidenschaft in Ihrem Leben: Die Veröffentlichung einer eigenen Duftlinie hat einen ebenso hohen Stellenwert gewonnen! Wie kam es zu diesem Schritt?

Ich stamme aus einer Unternehmerfamilie, die mich immer unterstützt und angeregt hat. Schon seit langem trug ich mich mit dem Gedanken, eine eigene Marke zu gründen und ein anderer junger Unternehmer verschaffte mir die Flügel, eigene Wege zu gehen und mit viel mehr Freiheit eine eigene Linie ins Leben zu rufen! Unser Ziel ist es, Menschen, die mehr und mehr nach exklusiven Parfums suchen, Authentizität und Wissen über die Düfte, die sie kaufen, zu gewährleisten. Daher auch die Entdeckungsreise, die wir auf unserer Website anbieten.

Als Sie das Thema der Duftlinie wählten, entschieden Sie sich für die Richtung “Muscs” (Moschus) – ein Synonym für weiche, kuschelige Wohlfühldüfte. Wie kamen Sie auf diese Richtung?

Ich wollte mich von anderen abheben und wählte eine Grundidee und einen bestimmten Rohstoff, um daraus 5 verschiedene Düfte zu erschaffen. Viele erwarteten eine Anleihe an die “Guerlinade” oder neue Gourmands, aber ich wollte eine neue Aufgabe, einen Anreiz, darum wandte ich mich dem weißen Moschus zu.

1. In der Nischenparfümerie findet man wenige Düfte zu diesem Thema, und wenn, dann ähneln sie sich sehr im Aufbau.

2. ​Ist es kompliziert, mit weißem Moschus zu arbeiten, er ist nicht sehr ausdauernd und es ist ein Ansporn, ihn in jedem Duft neu zu erfinden.

Nun findet man in meiner Kollektion 5 verschiedene Interpretationen zu diesem Thema, zum Beispiel: Smeraldo hat eine grüne Facette, während Helicriss eine würzige aufweist. Mein Ziel war es, ihnen eine große Projektion zu geben, sie erinnerungswürdig zu gestalten, aber natürlich auch kuschelig, denn ich nenne sie auch die “Pashminas der Duftwelt”.

Ihre Kollektion umfasst derzeit 5 Parfums in der Eau de Parfum Konzentration: Smeraldo, Dovana, Helicriss, Lilylang und Florentina. Während alle wunderschön, märchenhaft und sehr angenehm zu tragen sind, fragen wir uns, ob Sie auch in andere Richtungen gehen möchten? Zum Beispiel mit der Verwendung von Oud oder in die Kategorien Chypre oder Floriental?

Derzeit denke ich schon an die nächste Kollektion und arbeite auch schon daran, die Richtung zu finden, evtl. Holz, Vanille oder Zitrus.

Derzeit kann man Ihre Düfte nur auf Ihrer website ​www.sylvaine-delacourte.com bestellen und Sie versenden in alle Welt. Ist geplant, auch in Geschäfte zu gehen?

Wir bieten die “Entdeckungsreise” auf unserer Website an, d.h. für 4 Euro inkl. Versand erhält man Proben aller 5 Düfte nach Hause geliefert und kann sie so kennenlernen. Man kann online Videos schauen, wie die Düfte gemacht werden und ich freue mich über Feedback. Man kann dann auch die Originalgröße des Duftes online bestellen. Im Moment führen wir Gespräche mit Partnern, die die Düfte genauso repräsentieren würden, wie ich es täte und erwarten, dass einige von ihnen diese in 2017 in wenige ausgewählte Geschäfte bringen werden.

Es ist ja auch riskant, einen Duft zu kaufen, von dem man nichts weiß. Daher ist es gut, dass man sie mit Hilfe des Sets testen kann. Ist auch geplant, die Produktpalette zu erweitern, mit Körperpflege o.ä.?

Wir sind ein junges Unternehmen und bauen die Marke Stück um Stück aus, aber der Hauptaugenmerk wird bleiben, Menschen auf eine Duftreise in das Herz des jeweiligen Parfums zu begleiten!

Während die von Ihnen geschaffenen Guerlain-Düfte Ihre ganz eigene Handschrift tragen, gourmand, verspielt und traumhaft sind, werden Sie in Zukunft auch weiter für das Haus Düfte kreieren oder gar noch für andere?

Ich werde keine weiteren Düfte für Guerlain mehr schaffen, aber noch auf dem Sektor “Düfte nach Maß” (Bespoke perfumes, Kreationen nach Kundenwunsch) tätig bleiben und Trainingsprogramme leiten. Auch werde ich weltweit der Botschafter der Marke Guerlain bleiben!
Das Interview führte Chanelle – vielen Dank!

30. November 2016 – 09:17

Weihnachtsgewinnspiel 2016 von Ludwig Beck & Parfumo

Die Suche geht weiter! Auch in diesem Jahr gibt es vom 1. – 24. Dezember täglich dufte Preise zu gewinnen.

So nimmst du teil

Trage zunächst deine Postanschrift in den Einstellungen ein, da du sonst nicht mit im Lostopf landest!

Ab dem 01.12.2016 wird täglich ab Mitternacht das Logo von Ludwig Beck auf der Detailseite eines bestimmten Parfums bei Parfumo zu sehen sein. Finde das Parfum, bei dem das Logo groß oben auf der Seite zu sehen ist und klicke auf den Link unter dem Logo!

Ein kleiner Tipp: Der Name des Parfums hat immer etwas mit Weihnachten oder Winter zu tun. ;-)

Hast du am jeweiligen Tag bis spätestens 23:59:59 Uhr den Teilnahme-Link angeklickt, nimmst du an der Verlosung teil.

Unter allen erfolgreichen Teilnehmern des Tages verlosen wir eine dufte Überraschung.

Wichtig: Du benötigst ein Parfumo-Konto mit eingetragener Postanschrift und musst eingeloggt sein, um das Logo zu sehen und teilzunehmen.
Das Gewinner-Parfum des Vortages wird täglich im Forum bekanntgegeben.
Das Parfumo-Team und Ludwig Beck wünschen viel Spaß und Glück beim Suchen!

Nicht vergessen: Auch bei Cosmetio wird gesucht! Hier geht es zum Cosmetio-Gewinnspiel

26. November 2016 – 16:23

80.000 Parfums – Der nächste Meilenstein ist erreicht

Mit „Parfum Royale No. 3“ nahm Parfumo-Research die 80.000ste Duftkreation in seine Datenbank auf. Damit baut Parfumo seinen Vorsprung als Online-Informationsprovider zu Düften aus.

Erst im März hatte das Parfumo-Research-Team den 70.000sten Duft kategorisiert. Mit dem anstehenden 80.000sten Parfum erreicht die vermutlich größte Duft-Wissensbasis der Erde ihren nächsten Meilenstein. Unser Duft Nummer 80.000 trägt den klangvollen Namen „Parfum Royale No. 3“ und stammt von „Roja Parfums“.

Als ambitioniertes Projekt steckt Parfumo-Research seit 2013 im Kern der wachsenden Duft-Datenbank. Frei nach dem Wikipedia-Prinzip recherchieren Parfumo-Nutzer laufend Informationen zu neu sowie zuvor eingetragenen Düften. Als ehrgeiziges Ziel sieht die Community die komplette Erfassung der enormen Parfumhistorie: Alle entsprechenden Daten gehören aufbewahrt für die Zukunft.

Praktisch kein Provider dürfte mehr Wissen zur vielfältigen Welt der Parfums anbieten. Letztlich lässt sich Parfumo bereits als globale Referenzbasis zu Düften betrachten – dank zahlreicher Nutzer und der ausdauernden Suche des Research-Teams nach Parfüms aus der ganzen Welt.

Bei Bedarf ziehen unsere Informationen auf jeweils leistungsfähigere Serverlandschaften um. So wachsen das Projekt „Parfumo“ und die Parfumo-Research-Gemeinde sowie „Cosmetio„, die noch recht kompakte Community zur Kosmetik.

Wir bedanken uns besonders beim Research-Team und sämtlichen Beteiligten für ihre spürbare Leistung. Gemeinsam mit unserer gedeihenden Community freuen wir uns bereits auf Parfum Nummer 90.000!

18. November 2016 – 10:51

Die „Global Art of Perfumery 2017“ – neue Düfte, neue Location, neue Auflage, neue Chancen

Die Verehrer einzigartiger Duftkreationen kommen natürlich auch 2017 wieder zur „Global Art of Perfumery“ zusammen, um den unvergleichlichsten Aromen zu huldigen. Dabei werden gerade 2017 die Duftkarten neu gemischt.

Schon die Liste der Aussteller, die sich bis Mitte 2016 bereits für die Messe angemeldet haben, liest sich wie ein Streifzug durch die Welt der Parfüms, Lotions und Cremes. Dazu kommen zahlreiche Schöpfungen in den Bereichen Accessoires, Dekoration und Kosmetik. Abgerundet wird die Messe von Vorträgen, in deren Verlauf die Fachbesucher und Teilnehmer aktuelle News und Hintergrundinfos aus der Branche erhalten.

Das wichtigste Novum der „Global Art of Perfumery 2017“ ist der Veranstaltungsort, denn 2017 treffen sich die Duftliebhaber im NRW-Forum in Düsseldorf. Das gesamte Areal ist ein denkmalgeschützter Kulturkomplex, der sich bereits mit anderen Events in den Bereichen Kunst, Design, Architektur und Fotografie als ideal für Messen und Ausstellungen hervorgetan hat. Dadurch hat sich das Düsseldorfer NRW-Forum zu einem Zentrum der Popkultur entwickelt.

Termine für die „Global Art of Perfumery 2017“ sind Samstag, der 6. Mai und Sonntag, der 7. Mai 2017 jeweils von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr. Der Eintrittspreis beträgt voraussichtlich 10,00 Euro (nach der Onlineregistrierung) bzw. 20,00 Euro an der Tageskasse. Anmeldungen für die „Global Art of Perfumery 2017“ sind ab sofort möglich.

Weitere Informationen und Anmeldung:

http://global-art-of-perfumery.com

21. Oktober 2016 – 09:48

Interview mit Victor Wong – dem kreativen Kopf hinter Zoologist

Vor Kurzem hatte ich die Gelegenheit, ein paar Fragen an Victor Wong, den kreativen Kopf hinter ZOOLOGIST Perfumes, zu richten und er hatte einiges dazu zu sagen. Ich habe ihn als Katzenliebhaber (besonders seine süße kleine Ragdoll Dor-Dor) und humorvollen Menschen kennengelernt, der vom Nischenduftfan zum Nischenduftmacher gewachsen ist. Geboren in Kowloon, wohnhaft in Toronto, kam er eigentlich aus einer ganz anderen Ecke der Ideenschmieden…

Zuerst einmal, wie kamen Sie dazu, eine eigene Parfummarke zu lancieren?
Damals, im Jahr 2013, war ich mit meiner Laufbahn sehr unzufrieden und fühlte mich unsicher und frustriert. Ich glaube, ich hatte das, was man eine Midlife-Crisis nennt. Viele Leute machten Politik und trafen Entscheidungen, die nirgendwo hinführten. Ich wollte ein Projekt, das ich selbst steuern konnte. Ich wollte ein Produkt auf den Markt bringen, auf das ich stolz sein konnte. Zufällig hatte ich gerade die Welt der Nischendüfte entdeckt (ich war ziemlich besessen davon, wie man sich wahrscheinlich vorstellen kann) und fragte mich, ob ich eine eigene Marke ins Leben rufen könnte. Ich hatte keine Geschäftsverbindungen, keine Erfahrung, keine Strategie und keine Kenntnis des Marktes, also war alles reines Bauchgefühl. Ich rief in basenotes dazu auf, ob mir jemand von den Parfümeuren dabei helfen könne, einige Düfte zu entwickeln, und zwei Indie-Parfumeure meldeten sich.

Haben Sie jemals überlegt, selbst als Parfümeur tätig zu sein und wenn nicht, warum nicht?
Ich habe kurz darüber nachgedacht, kam aber zu dem Entschluss, es zu lassen. Ich hätte erst lange lernen müssen, um gut genug zu werden und Zeit ist ein Luxus, den ich nicht habe. (Ich habe ja dann auch noch einen „richtigen“ Job. Wenn ich nach Hause komme, habe ich jetzt noch gerade genug Zeit, Bestellungen zu erledigen, den nächsten Duft zu entwickeln und für entsprechendes Artwork).

Wie würden Sie den Weg beschreiben, wie Sie den „richtigen“ Parfümeur zum jeweiligen Duftkonzept gefunden haben – oder war es eher umgekehrt? Haben etwa die Nasen ihre „Tiere“ ausgesucht, die Sie umsetzen wollten?
Bevor ein Projekt beginnt, ist es für mich am wichtigsten zu wissen, wie der Stil und das Temperament des Parfümeurs sid (durch Online-Chat). Nachdem ich seine / ihre Art kennengelernt habe, kann ich feststellen, welche Art von Tier passt. Einige Parfümeure machen beispielsweise sehr unkonventionelle und einzigartige Düfte, also werde ich ein Tier zuordnen, das unerwartet oder weniger allgemein beliebt ist. Einige Parfümeure entwickeln eher klassische Parfums, und ich werde diesen eher Tiere zutrauen, die generell als schön oder elegant angesehen werden. Natürlich gab es einige Parfümeure, die mich direkt angesprochen haben, ein bestimmtes Tier wiederzugeben. (Zum Beispiel Ellen Covey – Bat) Da habe ich natürlich nicht Nein gesagt (lacht).

Gibt es eine Verbindung zwischen der Arbeit als Spieleentwickler und einem Duftaficionado?
Vielleicht nicht, aber die Arbeit im Studio hat mich einiges gelehrt: was laufen wird, was nicht, sollte man mit unkonventionellen Dingen Risiken eingehen usw. Außerdem habe ich gelernt wie man ein Produkt entwickelt und bekannt macht…Social Media, Verpackung, Marketing. Kollegen, die jeweils auf eine dieser Dinge spezialisiert sind, haben mich mit Rat und Tat unterstützt (z. B. bei den Illustrationen der Etiketten).

Wird Zoologist bald einem größeren Publikum in Deutschland zugänglich gemacht?
Viele hier halten viel von dem Projekt und der Qualität der Düfte, doch sie sind nicht leicht zu bekommen, zumal die Bestellung im Ausland manche abschreckt. Im Moment sehe ich daher keine Möglichkeit, einen großen Markt zu bedienen. Ich mache quasi alles alleine, auch die Abfüllung, das Verpacken und Verschicken. 30 Flacons ist schon eine Tagesaufgabe. Wenn ich jetzt noch einen Zwischenhändler einschalte, kann ich die Preise nicht halten, also ist die zweitbeste Möglichkeit, direkt an kleine Händler zu verkaufen. Die beste Lösung ist derzeit Direktbestellung auf meiner Website, aber auch dann zahle ich beim Versand dazu, da der Versand aus Kanada leider sehr teuer ist.

Wie entstand die Idee einer tierbezogenen Serie und wird es in absehbarer Zeit noch eine in eine andere Richtung geben?
Im Moment bestehen nur folgende Vorgehensweisen:

1. Ein bestimmter Stoff, z. B. Castoreum, steht im Vordergrund des Konzeptes, in dem Fall Beaver.
2. Ein Duft wird vom Lebensraum des Tieres (Bat – versucht den Geruch einer Höhle umzusetzen) inspiriert.

Macaque hebt sich ein wenig von diesen Denkweisen ab, da bei diesem Duft die meditative Stimmung erlangt werden soll, die dieses Tier angeblich bei vielen Menschen auslöst.

Vielen Dank, Victor Wong!

Das Interview führte Chanelle – vielen Dank!

3. Oktober 2016 – 12:47

Nasengold im Parfumo-Interview – Vier Düfte, vier Fragen!

#S, :P, G. und /L – Nasengold, das Nischenduftlabel mit den kryptischen Namen, meldet sich erneut zu Wort!
An einem Montagabend im Juli treffen der Parfümeur Christian Plesch von Nasengold und ich uns zu einem zweiten Interview für Parfumo in der Tapas-Bar Altamira in Hamburg-Altona. Wir kennen uns seit etwa 15 Jahren, sind befreundet und ich freue mich, Christian mal wieder zu seiner Arbeit befragen zu können. Bei warmem Wetter, erfrischenden Getränken und leckerem Essen geht’s los:

 

Seit unserem ersten Interview hast Du zwei weitere Düfte auf den Markt gebracht. Zuerst erschienen #S und :P. Nach unserem Gespräch hast Du G. und /L entworfen. Magst Du was zu diesen beiden neuesten Kreationen erzählen?

Ja, G. basiert, wie das „G“ schon andeutet, auf Grapefruit. Was anderes ist gaaar nicht beabsichtigt. Das gehört zu Nasengold, dass der Name so ein Augenzwinkern hat, Ironie beinhaltet.
Es ging bei G. darum, einen Duft zu konzipieren, der die Grapefruit schön einkleidet. Normalerweise ist Grapefruit so ein Naturstoff, der sehr schwierig ist. Viele stören sich an seinem schwefeligen Akzent. Es ist nicht so einfach, daraus einen Unisex-Duft zu entwickeln, der auch etwas Weiches ausstrahlt. Ich hab das mit meinen Lieblingsgewürzen wie weißem Pfeffer, Ingwer und Kardamom probiert. Die Grapefruit explodiert damit förmlich als richtiges Frischegewitter. Um die Blitze abzuwehren, habe ich mit weichen Moschusnoten abgepuffert. Ich mag „kopfnotige“ Düfte. Aber nicht „monofrisch“, sondern so, dass sie auch Komplexität besitzen. Die Haltbarkeit ist ebenfalls ein Thema bei Grapefruit. Diese ganzen agrumigen Bestandteile sind normalerweise schnell weg. Aber durch Fondnoten, wie warme Holznoten beziehungsweise moderne ambrierte Akkorde, bekommt der Duft eine ganz andere Haltbarkeit.
Und /L ist ganz frisch rausgekommen. Das ist erst einen Monat (Interview war im Juli) in den Läden. Und „ / “ (SLASH) bedeutet in der Internetsprache „Pfad“. Und „L“ steht für „Luxus, Laster, Lenzen“. Und dieser Luxus als Attribut von /L ist ein anderes als das, was wir aus dem Fernsehen kennen. Es ist der Pfad, den wir einschlagen können: Den Luxus frei zu haben, zu entspannen, rauszugehen und ein Bier mit Freunden zu trinken, vielleicht auch ein bisschen den Lastern zu frönen. Aus diesem Grund ist der Duft zwar frisch, aber auch mit so einer lustvollen rauchigen Note. Dieser Kontrast besteht aus frischen Agrumennoten auf der einen Seite und Veilchennoten und Leder auf der anderen. Das ergibt einen ungewöhnlichen Effekt. Auch Maiglöckchen, krautige Akkorde und Litschi klingen an. Die Gesamtkomposition duftet für mich persönlich „luxuriös“.
Und zum Namen: Die Komposition der beiden Zeichen (/L) finde ich cool und avantgardistisch. Sie stehen optisch ein wenig im Kontrast. Jeder kann sich da hinein interpretieren, was er möchte.


Wie ist es denn bisher so mit Nasengold gelaufen?

Ich hab 2013 angefangen mit #S (ssssss, spritzig, sprudelnd). Und der lief gleich ganz ordentlich, da hab ich nach den ersten zwei Monaten schon nachproduzieren müssen. Und mit dem Erlös auch gleich das Geld verdient, um damit die zweite Variante :P anzuschieben. Wir sind in immer mehr Läden gekommen, was nicht zuletzt an meinem Distributeur Sven Eric Moos von willbeabrand liegt. Der kümmert sich darum, dass die Düfte hinkommen, wo sie gut aufgehoben sind, nämlich in Concept Stores und in kleine, feine Parfümerien. Da wo meine Düfte auch hingehören. Mittlerweile sind wir auch in anderen europäischen Ländern vertreten, so zum Beispiel in Dänemark, wo ich mit meinem Debut von #S einen Preis gewonnen habe („Best Niche Perfume in 2015“). Das war überraschend und geil.
Nasengold hat seit dem Start etwas Bekanntheit erlangt. Es ist schön zu erkennen, dass die Düfte an den Menschen unterschiedlich rüberkommen. Durch einen anderen Typus bekommen sie plötzlich eine ganz neue Aussage.
Ich arbeite auch weiterhin als angestellter Parfümeur und werde auch dabei bleiben, ganz einfach, weil es mir Spaß macht. Und ich genieße auch diesen Kontrast zwischen kommerzieller Arbeit und der Arbeit, die ich für mich selbst mache, die im Massenmarkt einfach nicht funktionieren würde.
Ich muss für mein eigenes Label nicht kommerziell sein. Von mir aus darf eine Sache auch mal floppen. Ich mach einen Duft in die Flasche rein, weil ich denke, der soll da rein.


Wie geht es weiter?

Nasengold sollte als Linie nicht zu weit aufgebläht werden. Sie soll belassen bleiben bei circa sechs Düften. Und das ich auch gut. Es soll eine kleine, feine Linie sein, die auch organisch gewachsen ist. Das ist mir wichtig. Dafür war es zu Beginn entscheidend, jemanden zu finden, der den Mut hat, eine Marke zu vertreiben, die mit nur einem Duft auf dem Markt startet. Risikobereit sind ja leider wenige heutzutage.
Und dann wird es so weiter gehen, dass ich nächstes Jahr mit einer neuen Marke starten werde. Die wird einen ähnlichen Duktus haben, zumindest von der Frechheit des Namens, wie Nasengold. Die beiden Düfte, mit denen ich reüssiere, sind fertig, da mache ich jetzt nur noch den Feinschliff. Und ich hoffe, dass die auf jeden Fall auch Fans finden werden, weil das auch so richtige kleine Drecksäue sind (lacht). Sie sind allerdings etwas erwachsener als die Nasengold Düfte. Sie sind immer noch sehr eigen und „sophisticated“, aber sie sind nicht mehr so „durchgeknallt“ wie die Nasengold-Sachen.


Was reizt Dich künstlerisch in den nächsten fünf bis zehn Jahren?

Es reizt mich, vielleicht mal ein paar Projekte mit Kollegen wie Mark Buxton oder Geza Schön anzustossen. Eine interessante, coole und moderne Koproduktion. Denn Nischenparfümerie betrachte ich auch ein bisschen als Avantgarde. Und mit den beiden Parfümeuren, die ich ja noch aus der Industrie kenne, verstehe ich mich nach wie vor gut. Nur dass wir uns an unterschiedlichen Standorten befinden…ich habe so viele Ideen, dass mir nicht langweilig wird.

Nasengold im Internet: http://www.nasengold.com/de

Nasengold bei Facebook: http://www.facebook.com/nasengold

Das Interview führte Milosava