FleuriFleuris Parfumkommentare

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Fleuri vor 26 Tagen 12
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Duft
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Haltbarkeit
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Sillage
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Flakon

Swissness - oder der diskrete Charme der Schweizerkeit
Um von den Hängenden Gärten des antiken Babylon über das Reich der Seldschuken an den Genfer See zu gelangen, braucht es schon etwas Fantasie, aber es ist machbar. Nimmt man dann noch "grenzenlose kreative Kühnheit" und Alberto Morillas, den Magier des Weißen Moschus', hinzu, dann kommt Swissness dabei heraus oder eben Rose Seljuke. Was an dieser Rose seldschukisch oder babylonisch sein soll, wissen wohl nur die Marketingleute, die einfach à l'amouage in orientalischen Gärten nach blümeligen Wortschöpfungen wildern.

Was Swissness bedeutet, kann man bei Wikipedia nachlesen. Auf jeden Fall geht es um sowas wie Fairness, Zuverlässigkeit, Natürlichkeit, Sauberkeit und - inzwischen ganz wichtig - Nachhaltigkeit. Würde man den Begriff ins Deutsche übersetzen, dann müsste es also ganz logisch "Schweizerkeit" heißen. Nicht etwa "Schweizerei" mit Learjet, Yacht und verspiegelter Sonnenbrille, sondern gediegenes Kunsthandwerk auf sehr hohem Niveau. Womit wir mit der seldschukischen Rose in der richtigen Kategorie sind. Auf der Website von Chopard steht auch was von "einer neuen Vision von ethischem Luxus", aber das können wir jetzt hier mal außer Acht lassen.

Kommen wir also wieder zu der Rose mit der langen orientalischen Ahnentafel zurück, die der Herr Morillas für seine Nachbarn am See in ein Parfum verwandelt hat. Dafür stand ihm gewiss ein üppiges Budget zur Verfügung, denn das kann man wirklich auf Anhieb riechen. Geknausert wurde da nicht.

Die edle, aber schwerblütige und öfters zu Übergewicht neigende, Damaszenerin ist hier erstaunlich leichtfüßig unterwegs. Modern und verjüngt ist sie sofort präsent und hält durch bis zum Schluss, was gleichermaßen für ihre nicht weniger noblen Mitspieler gilt. Auf die klassische Dreiteilung zu verzichten und jeden seine Rolle von Anfang an spielen zu lassen, ist ein schönes Konzept, wenn auch nicht wirklich neu. Ylang und Tonka steuern eine zarte Süße bei, Patchouli gibt festen Halt und Vanille und Sandel sorgen für eine wunderbar cremige Geschmeidigkeit. Was Rose Seljuke jedoch besonders auszeichnet, ist das was fehlt, nämlich jeglicher Hauch von billiger, stechender Synthetik. Selbstverständlich ist die unverzichtbare Synthetik drin, wie in jedem anderen Parfum auch, aber hier ist sie so wie sie sein soll, also nicht wahrnehmbar. Erst ganz am Ende, wenn sich die Rose schlafen legt, kommt eine leise Anmutung von frischer Bettwäsche und clean chic und das passt dann auch. Alberto Morillas ist halt ein Könner, der sich ganz souverän mit seinem geliebten Weißen Moschus auch mal zurückhalten kann.

Rose Seljuke ist ein fein komponierter, weicher und runder Rosenduft von exzellenter Qualität. Tatsächlich eher für Damen und Herren, als für Jungs und Mädels gedacht und jederzeit tragbar. Für meine Begriffe mangelt es ihm ein wenig an Esprit, aber ansonsten stimmt alles und ich mag ihn. Nicht nur, weil mein Mann ihn mir kürzlich zum Geburtstag geschenkt hat, sondern weil er wirklich gelungen ist.

Der wunderschöne Flakon ist übrigens ein weiteres, wahrhaft schwergewichtiges Argument, die Wunschliste zu erweitern. Die Haltbarkeit ist so solide wie das Matterhorn, die Sillage so diskret wie ein Nummernkonto. Swissness eben. Oder der diskrete Charme der Schweizerkeit.
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Fleuri vor 8 Monaten 15
8
Duft
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Haltbarkeit
8
Sillage
8
Flakon

Das Puderquasten-Tutu
Ballet hat mich immer schon gleichermaßen fasziniert wie abgestoßen. Die scheinbare Schwerelosigkeit tanzender Körper einerseits, die exzentrische Akrobatik in kitschigen Kostümen andererseits - ich konnte mich nie wirklich entscheiden, ob ich ich das nun gut finden soll oder nicht. Selbst als kleines Mädchen, als meine Freundinnen alle Prinzessin oder mindestens Primaballerina werden wollten, hatte sich das nach einem kurzen Debut in kneifenden Spitzenschuhen an der Stange rasch erledigt. Schweben ja gerne, Knochenarbeit nein danke! Wahrscheinlich war ich einfach viel zu faul für derartige Höhenflüge, zu unromantisch und im übrigen schon in sehr jungen Jahren ein hartgesottener Jazz-Freak. Ballet war nichts für mich, das trippelnde Universum blieb mir stets fremd, aber einen Begriff aus dieser Welt habe ich mir gemerkt, weil er so lustig war: das Puderquasten-Tutu.

Genau dieses Wort kam mir spontan in den Sinn, als ich mir vor etwa einem Jahr die Infusion d'Oeillet (einer meiner obligaten Blindkäufe) zum ersten Mal aufsprühte. Es wäre nie zu diesem Blindkauf gekommen, wenn da nicht so dick und fett "Gartennelke" gestanden hätte und ich selbiger hätte widerstehen können. Also blind drauf los, immer der Nase nach und eine Punktlandung in einer gigantischen Nelkenwolke hingelegt. Parbleu - mehr Nelke geht nicht! Zusammen mit Patch und Puder macht das dann Nelke im Quadrat.

Es ist keinesfalls die versprochene Gartennelke, die mir da so laut brüllend entgegen kommt, sondern eine ordentliche Dröhnung Gewürznelken-Eugenol, die erst einmal alles andere übertönt und zum Schweigen bringt. Diese eher brachiale Ouverture dauert jedoch nicht lange und dann übernimmt ein feines, leicht süßlich-erdiges Patchouli die Hauptrolle. Von jetzt an wird es heiter, sonnig, verspielt und ein leichter Hauch von Puder liegt in der Luft. Obwohl ich mir fast sicher bin, dass da kein einziger Milliliter echtes Dianthus-Absolue drin ist, hat es nun tatsächlich die sehr lebendige Anmutung von Gartennelken in ihren fluffigen Blüten-Tutus, die zusammen mit Iris als kleine Puderquasten herumtanzen. Stundenlang, ohne müde zu werden.

Ob Infusion d'Oeillet eigentlich ein Nelkenduft mit Patchouli ist oder umgekehrt, kann ich ebenso wenig entscheiden wie die Frage, ob mir Ballet nun gefällt oder nicht. Was ich aber sicher weiß, ist, dass mir dieses Puderquasten-Tutu ausgesprochen gut gefällt und dass ich es immer wieder gerne trage. Das Parfum, versteht sich.
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Fleuri vor 9 Monaten 28
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8
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7
Sillage
10
Flakon

Die byzantinische Abriss-Birne
Man stelle sich einmal vor, die italienische Regierung würde beschließen, die Capella Palatina in Palermo abreißen und durch einen Neubau aus Stahl und Glas ersetzen zu lassen. Weg mit dem alten byzantinischen Kram, dessen Erhalt nur Geld kostet, weg mit dieser unzeitgemäßen, überbordenden Pracht, hin zu protestantischer Nüchternheit! Die ganze Welt würde ausrasten, der Papst bekäme einen Herzanfall und die Mafia würde ihre besten Leute schicken, um die Sache zu regeln.

Gut, im Vergleich zu dem neuen Rochas-Duft ist diese Vorstellung vielleicht ein ganz klein wenig übertrieben, aber im Kern trifft es genau das: die Zerstörung einer kostbaren alten Ikone, um sie im neuen Outfit nun richtig gnadenlos zu vermarkten. Die Abriss-Birne muss her. Ja, Birne muss sein, ohne Birne geht heutzutage gar nichts!

Noch nie zuvor hat mich ein schief gegangener Blindkauf derart in Rage versetzt. Um es auf den Punkt zu bringen: der Flakon ist ein Traum, der Inhalt ist ein Alptraum! Ich hatte nun wirklich keinen neuen Lieblingsduft oder gar den Heiligen Gral erwartet, aber doch wenigstens ein tragbares Parfum, das sich zu seiner Verwandtschaft mit dem alten Byzance bekennt. Aber das, was mir da auf die Nase geschlagen hat, ist eine Frechheit.

Ein Aufdröseln der Pyramide kann man sich getrost sparen. Was einem als erstes entgegen kommt, ist der stechende Dunst eines vergorenen Obstkuchens, den man zur Sicherheit mit Weichspüler übergossen hat.
Falls der je mit Blumen verziert war, dann sind diese längst vermodert. Wenig später macht sich dann alles an Chemie breit, was eigentlich auf den Sondermüll gehört. Der synthetische Cocktail ist buchstäblich atemberaubend. Am Ende findet man dann noch ein Stück muffigen und klebrigen Marzipans, das in irgendeiner Schachtel vergessen wurde. Das war die Kurzfassung, zu einer Langfassung kann mich nicht mehr aufraffen.

Nach der Erfahrung wundert es mich auch kein bisschen, dass bei diesem Machwerk kein Parfumeur angegeben ist. Wahrscheinlich wollte niemand mit seinem guten Namen für diesen Frevel herhalten.

Fazit: es ist sehr leicht, auf diesen traumschönen Flakon hereinzufallen und genau das war wohl das Kalkül. Außerdem sollen ja die an Synthetik bereits adaptierten Jungnasen die Kassen reichlich füllen. Die Generation der verwöhnten und kritischen Altnasen ist bereits im Aussterben begriffen und das byzantinische Reich ist schließlich auch unter gegangen.


Ich kann nur für mich selber hoffen, dass mir das eine nachhaltige Lehre war und ich mich von schönen Larven nicht mehr verführen lasse, denn Deko-Artikel von dieser Preisklasse muss ich auch nicht unbedingt haben.
26 Antworten

Fleuri vor 9 Monaten 11
10
Duft
7
Haltbarkeit
6
Sillage
10
Flakon

Ein himmlischer Stoff
Rose Infernale war einer meiner rasantesten Blindkäufe, zu dem ich mir heute noch jedesmal selber gratuliere, wenn ich den Flakon in die Hand nehme. Angestachelt von einigen Kommentaren in diversen Foren, war ich wild entschlossen, mir diese beweihräucherte Rose nicht entgehen zu lassen und das innere Sparschwein in die Schranken zu weisen.

Es war nicht einmal die Rose, die mich zu dieser Tat trieb, es war vielmehr die Vorstellung, ein richtig sakraler Weihrauch könnte einer solchen den ultimativen Kick geben. Richtig geraten, ich wurde nicht enttäuscht. Ganz im Gegenteil. Als ich den Duft zum ersten Mal aufsprühte, war ich völlig fassungslos, weil selbst meine kühnsten Erwartungen noch übertroffen wurden.

Die frische grüne Rose startet ganz harmlos und rosig, und schon nach wenigen Minuten versteckt sie sich kurz hinter einem berauschenden Weihrauch, um ihn dann zu umgarnen und um ihn herum zu tanzen. Dann übernimmt der Weihrauch in gemessenen Schritten die Führung. Kühl, sakral und würdevoll hält er die übermütige Rose ein wenig auf Distanz, bis sie sich schließlich dem guten alten Vetiver, der dem Treiben zugesehen hat, in die Arme schmiegt. Ein wenig durchtrieben ist sie schon, die anmutige Rose, und ein wenig berechnend, aber von teuflischer Raffinesse kann wirklich keine Rede sein.

Wenn ich ein Duftbild malen müsste, dann wäre es sogar eher ein wenig pastoral und sonntäglich. Ein früher Sonntagmorgen im Sommer, aus den Rosenbüschen um die kleine Kirche steigt ein köstlicher Duft. Es wird ein heißer Tag werden. Die schwere alte Kirchentür wird geöffnet und ein Hauch von Kühle und Weihrauch legt sich auf die Blüten. Sonnenstrahlen huschen durch bunte Glasfenster. Es ist vollkommen still, bis die Glocken anfangen zu läuten.

Gut, das war jetzt wirklich etwas arg pastoral. Aber was will man schon sagen, wenn sich eine als teuflisch angekündigte Rose als himmlischer Weihrauch entpuppt? Die wunderschöne Rose ist hier nur Beiwerk, die Hauptrolle spielt der absolut betörende Weihrauch, der erdverbundene Vetiver schaut nur lächelnd zu.

Dass diese wundersame Erscheinung nicht von langer Dauer ist, mag nicht verwundern. Lineare Düfte dieser Bauart sind nicht für wilde Partynächte sondern für stille Tage gedacht. Rose Infernale ist intim, leise und kontemplativ - und eine ganz besondere Erfahrung. Selbst der schwere, in seinen Proportionen wunderbar ausgewogene Flakon passt in seiner ruhigen Ausstrahlung perfekt dazu. Ein himmlischer Stoff im schlichten Gewand. Was will man mehr?
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Fleuri vor 10 Monaten 25
10
Duft
10
Haltbarkeit
8
Sillage
10
Flakon

Eine Dame geht zum Barbier...
Sie ist schön, ganz zweifellos. Nicht diese püppihafte Hübschheit, nicht aufgerüscht und nicht gemacht. Nein, ihre Schönheit ist eher herb und apart, aber wenn sie dich anlacht, ist das wie eine Umarmung. Sie lacht gerne und laut. Ihre Schritte sind immer ein wenig zu schnell, ihre Haare oft zerzaust und ihre Haut hat selbst im fahlen Winter noch immer diesen unbeschreiblich goldenen Schimmer des Sommers. Der Mann an ihrer Seite findet, sie habe mehr Erotik im kleinen Finger als Rita Hayworth in ihrer ganzen Lockenpracht.

Ihr Name ist Diorella und sie hat ein Geheimnis. So etwa alle zwei Wochen huscht sie um die Mittagszeit in einer Seitengasse in einen kleinen Friseurladen für Herren und lässt sich dort rasieren. Ja, richtig gelesen. Wenn keine anderen Kunden mehr da und die Jalousien herunter gelassen sind, das Schild an der Tür von "Ouvert" auf "Fermé" gedreht wird, vertraut sie sich dem Meister an, der das Problem der bläulichen Schatten um ihr Kinn wieder für eine Weile behebt. Gelegentlich bleibt ein Tüpfelchen Rasierschaum auf ihrem Kleid zurück, was aber niemand bemerkt. Außer mir.

Diorella ist wundervoll. Strahlend, unprätentiös, warmherzig und zugewandt. Ein kühler Garten im Sonnenlicht, weich wie taunasser Rasen am frühen Morgen, duftend wie ein ganzer Blumenmarkt. Trotzdem hat es mein Herz nie wirklich erobern können und es hat sehr lange gedauert, bis ich dem Warum auf die Schliche gekommen bin. Es ist dieser winzige Klecks Barbershop, der unser Glück stets vereitelt hat. Die unüberriechbare Verwandschaft zu dem wilden Bruder der Schönen, sozusagen ein familiäres Problem.

Letztes Frühjahr habe ich einen Flakon (blind) gekauft in der Hoffnung, dass sich meine Abneigung gegen den Klecks im Lauf der Zeit gelegt haben mag und dass wir uns nun in fortgeschrittenem Alter endlich lieb haben können. Dem war nicht so. An sehr heißen Sommertagen wäre es fast soweit gewesen, aber eben nur fast. Inzwischen habe ich das Problem ganz pragmatisch gelöst: ich trage es nicht, ich lasse es tragen! An meinem Mann riecht es einfach himmlisch.

Diorella ist und bleibt ein Meisterwerk auch wenn ich es an mir selbst nicht so goutieren kann, wie es das verdient hätte. Den neuen Flakon finde ich übrigens richtig toll. Kühle Eleganz, klare Linien und überaus feminin. Ja, die Schöne bleibt hier und wenn sie ab und zu zum Barbier muss, dann können wir das auch verkraften.
15 Antworten

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