FrauLohseFrauLohses Parfumblog

13.08.2019 06:45 Uhr
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Wenn Duftliebe nervt...

Einige haben es mitbekommen, andere interessiert es nicht. Ich bin umgezogen. Ein paar Monate später kann ich nun sagen, die vorhergehende Erfahrungen hat mein Duftempfinden extrem stark verändert oder es wäre sowieso passiert. Man weiß es nicht.

Es begab sich letzten Jahres, als Männer mit groben Werkzeug anrückten, um uns ein neues Bad zu klöppeln. Kurzerhand alles rausgerissen, stellte man fest, die Fertigmontage passt nicht durch die Tür. Aus ungefähr 3 Tagen ohne Bad, wurden so 6 bis 7. Tief durchgeatmet, aber ok, was will man machen. Weitere Abbrucharbeiten förderten zu Tage, da stimmt was nicht mit den Trägerbalken und die Arbeit wurde eingestellt. Aus 6 bis 7 Tagen wurden so 2 bis 3 Wochen. Das Atmen fiel deutlich schwerer. So begab es sich, dass alle paar Tage irgendein Mensch mit anderen Menschen um das Loch herum stand, das wir einst Badezimmer nannten und hinein stierte. Wir waren nahe dran, Eintritt zu verlangen, musste ja eine Sensation sein.

Ich will es abkürzen an dieser Stelle. 2 bis 3 Tage ohne Bad waren am Ende 5 Monate. Ich stellte fest, meine Toleranzschwelle allgemein war in den ersten zwei Monaten sehr, sehr niedrig, danach ergriff Lethargie das Zepter. Ich stellte auch fest, die Duftwahl ist entscheidend, wenn man nur alle 3 Tage ins Schwimmbad fahren kann und ansonsten mit dem Waschlappen rumfuckelt. An dieser Stelle der kleine Einwurf, Trockenshampoo ist nicht Trockenshampoo und lasst bloss die Pfoten von Trockenspülung.

In dieser Zeit wurde mir klar, wie schnell Düfte nerven können, dass Süss tatsächlich klebrig wirken kann und warum es "frischgeduscht" Düfte gibt, die vormals bei mir unter ferner liefen einsortiert waren.

Nach dem Umzug, die ersten Male im eigenen Heim duschen, es war eine Offenbarung. Wie schnell man mit wenig zufrieden sein kann, wie die einfachen Dinge, die Selbstverständlichen, plötzlich der größte Luxus sind, es ist bemerkenswert und trotzdem ich diese Umstände niemandem wünsche, für meine Erdung, nicht nur im Bezug auf Düfte, eine tief greifende Erfahrung.

Aber, obwohl der Umzug jetzt schon ein paar Monate her ist, die Dusche wieder zum normalen Alltag gehört, dachte ich, ich könne nun wieder zum Beduften der Vorzeit übergehen, so kann ich es nicht. Meine Duftwahrnehmung ist nachhaltig verändert. Und ich beginne mit eigenen Umbauarbeiten. Düfte, einst geliebt, bereits jetzt schon in anderen Händen, Düfte, einst geliebt, im Keller gelagert, ob des Falles, dass ich sie vielleicht irgendwann vermisse. Duftnoten, einst geliebt, nur noch mit Brechreiz behaftet. Neue Duftreisen, neue Entdeckungen. Spannend. Alles wieder einzurichten und die Dekoration aufzustellen.

Für mich neu als Brachialduftliebhaber, man kann sich einnorden auf leise Vertreter, heute empfinde ich viele meiner ehemaligen Lieblinge als zu laut. Und das, was vorher kaum riechbar, ist nun gerade gut genug. Es muss also nicht immer höher, weiter, schneller, doller. Es geht tatsächlich auch anders herum. Ja, ich bin auch erstaunt. Dass Duftliebe nerven kann, nicht nur mein Umfeld, war mir 50 Tage vor duschlos schier unmöglich.

Was mich nun interessiert, gab es bei euch auch mal einschneidende Erlebnisse, die eure Duftwahl komplett auf den Kopf stellten?




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