Taurus1967Taurus1967s Parfumblog

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Wevelgem? Noch nie gehört? Ging mir bis vor kurzem genauso. Schließlich liegt der kleine Ort in der belgischen Provinz Westflandern, nahe der französischen Stadt Lille. Eventuell kennen es eingefleischte Radsportfans oder Besucher des größten deutschen Ehrenfriedhofs für Soldaten des 1. Weltkrieges.

Ich denke, die wenigstens von uns werden mal in diese Region kommen, außer man ist eh schon in der Nähe als Tourist des weltbekannten und sehenswerten Städtchens Brügge.

Und wenn man ohnehin schon Interesse an Parfums hat, ist die dort ansässige Haute-Parfümerie „Place Vendôme“ mehr als nur ein Geheimtipp. Man könnte meinen, der Name ist eine Hommage an die„Boutique Vendôme“ von Guerlain in Paris. Doch die Parfümerie in Wevelgem gibt es schon weitaus länger und huldigt dem gleichnamigen berühmten Platz in der französischen Hauptstadt.



Auf etwas über 80 äußerst stilvoll eingerichteten Quadratmetern präsentieren Steven, David und Toby eine Parfümauswahl, die man in dieser Art noch nicht mal in großen Metropolen findet. Darunter das sehr üppige Sortiment an Guerlain-Düften, wie ich es selbst in den nicht gerade klein bestückten „Maison Guerlains“ in Düsseldorf gesehen habe.




Gleiches gilt für Hermès. Die Hermessence Reihe habe ich sonst nur in den großen Hermès Stores entdeckt – hier ist alles komplett erhältlich.



Du interessierst Dich eher für Chanel? Voilà! Auch für Chanel-Fans bleiben fast keine Wünsche offen. Neben dem „normalen“ Programm sind hier sowohl die „Exclusifs“- als auch die „Les Eaux“-Reihe komplett vertreten.



Bei Cartier sieht es mit der Exklusivität ähnlich aus – wie auch bei Mugler mit den „Les Exception“, die man sich hier im großen Stil abfüllen lassen kann.

Desweiteren vertreten sind hier Amouage, Marc-Antoine Barrois, Bentley, Caron, Il Profvmo, Mancera, Montale, Sylvaine Delacourte, Jean-Michel Duriez, Etat Libre d´Orange, Lalique, La Parfumerie Moderne, Liquides Imaginaires, Parfum d´Empire, Jean Patou, Robert Piguet und noch einiges mehr.


Zum absolut ansprechenden Sortiment gibt es natürlich auch eine umfangreiche und definitiv kompetente Beratung mit sehr viel Herzblut. Ich hatte mich jetzt nur mit Steven unterhalten, aber man merkt schnell, dass er sich für seine Kunden die nötige Zeit lässt und das „Place Vendôme“ mit totaler Leidenschaft führt.

Es war mal wieder Chanelle die mich hierhin geführt hat, denn irgendwie konnte ich es kaum glauben, dass es hier mehr oder weniger weit ab vom Schuss so eine bemerkenswerte hochklassige Parfümerie gibt, die einen staunen lässt und von der sich viele andere Dufttempel eine dicke Scheibe abschneiden können. Das betrifft auch den Kundenservice, denn für ihren Einkauf wurde Chanelle mit kleinen Give-Aways und Proben nahezu überhäuft. Und das scheint keine Ausnahme gewesen zu sein, wie sie mir verraten hat.

Wer genau wissen will, wo „Place Vendôme“ liegt oder sich noch ein wenig inspirieren möchte:

www.placevendome.be

Und wem der Weg zu weit ist, kann natürlich auch bestellen - sogar mit weltweitem Versand.

24 Antworten
Von Parfumo empfohlener Artikel
04.12.2019 10:17 Uhr
125 Auszeichnungen

Eigentlich wollte ich mir mit der Fortsetzung der Parfum-Hotspot Serie noch ein wenig Zeit lassen. Aber da mich die Parfuma und Guerlain-Expertin Chanelle kurzfristig nötigte nach Paris zu fahren, wollte ich die Gelegenheit vor Ort nutzen um einen wahren Dufttempel zu besuchen und davon zu berichten. Dabei gab es einige Überraschungen.

Es sind sogar insgesamt drei Hotspots in Paris, aber alle haben direkt oder auch indirekt mit Guerlain zu tun. Beginnen möchte ich mit dem Maison Guerlain, dem Stammhaus auf der Avenue de Champs-Elysées 68, welches 1914 bezogen und 2013 vom amerikanischen Architekten Peter Marino umgestaltet wurde.



Hier findet sich auf zwei äußerst geschmackvoll eingerichteten Etagen nicht nur alles an regulären und exklusiven Guerlain-Parfüms wieder, sondern darüber hinaus Accessoires sowie einige traumschöne, edle, seltene und absolut kostbare Flakons für mehrere tausend Euro. Diese bleiben selbstverständlich verschlossen, jedoch gibt es sonst überall was zu schnuppern sowie zu testen und wer mag, kann seinen bienenstockförmigen „Abeille“-Flakon gravieren oder sich seinen Lieblingsduft darin abfüllen lassen.


Weiter oben auf der 3. Etage hat man nach einer vorzeitigen Reservierung die Möglichkeit sich dem Guerlain-Schönheitssalon zu widmen, welcher verschiedene Anwendungen zwischen Hautpflege, Massage und Kosmetik bietet. Auch für die Herren wird hier was geboten, doch mangels Zeit und Kleingeld (die Preise sind schon strammer als in Babsis Beauty-Bude) habe ich da keine persönlichen Erfahrungen sammeln können.

Neben dem Guerlain-Stammhaus und Flagshipstore gibt es noch die sehr aparte Boutique Vendôme auf der Rue Saint-Honore 356 nahe des Place Vendôme.

Diese Guerlain Parfümerie ist zwar weitaus kleiner, aber einige sagen, sie wäre in diesem Art déco Stil sogar noch schöner. Zumindest hat man hier ebenso eine recht umfangreiche Auswahl an Guerlain-Parfüms und Möglichkeiten der Abfüllung sowie einige hochattraktive Flakon-Preziosen zu bestaunen. U. a. der große Bienenflakon von L'Abeille Aux Ailes Argent - Rêve de Lune, übersetzt „Die Biene mit den Silberflügeln – der Traum vom Mond“ von dem nur 50 Exemplare gefertigt wurden. Da geht der Preis mal eben in den fünfstelligen Euro-Bereich hoch.


Gleiches gilt für den „1828-2018 Édition 190ème Anniversaire (Double Absolu Parfum)“ im Baccarat-Flakon mit innen eingearbeiteter Biene.


Doch Bienen spielen nicht nur hier eine Rolle. Überraschenderweise stellte ich fest, dass ein paar Flügelschläge weiter am berühmten und einem der weltweit schönsten Warenhäuser, nämlich Galeries Lafayette am Boulevard Haussmann in den liebevoll und aufwendig dekorierten Schaufenstern ebenfalls Bienen anzutreffen waren. Kein Wunder, denn Guerlain präsentiert und sponsert die fleißigen Insekten als diesjähriges weihnachtliches Thema.



Insgesamt erstreckt sich das Einkaufseldorado auf 65.000 qm Verkaufsfläche in drei angrenzenden Gebäuden die täglich von rund 60.000 Kunden besucht werden. Unter der großen faszinierenden Jugendstil-Kuppel, quasi dem Wahrzeichen der Galeries Lafayette befindet sich, wie es sich gehört, die Parfumabteilung mit zahlreichen eigenen Ständen der hier präsentierten Marken. Dazu zählen neben Guerlain und den üblichen Verdächtigen auch Labels wie Le Labo, Ex Nihilo und Editions de Parfums Frédéric Malle um nur einige zu nennen.


Da sollte eigentlich jeder für sich nach Nasen- und Herzenswunsch was finden. Leider war mein Zeitfenster viel zu kurz, aber dennoch waren es sehr viele Eindrücke, die während meines Paris-Trips auf mich einwirkten. Einige konnte ich mit der Kamera festhalten, aber die Zeit leider nicht ... sie verrannte fast wie nichts.

Selbstverständlich gibt es noch weit mehr als Guerlain und die Galeries Lafayette zu bestaunen, doch man muss sich hier seine Ziele selber festlegen und darauf aufpassen, dass man sich nicht verliert. Das letzte Mal war ich vor fast 40 Jahren hier. Einiges hat sich verändert, anderes ist nach wie vor noch geblieben. Aber eins weiß ich mit Sicherheit. Mein nächster Besuch wird nicht so lange auf sich warten lassen ... aber dafür nehme ich mir dann auch weitaus mehr Zeit ... für eine der faszinierendsten Städte und wohl neben Grasse bedeutendsten Parfum-Hotspots überhaupt.

*die meisten Parfumos werden es wohl wissen, aber hier noch mal schnell erläutert, warum die Biene bei Guerlain so stark im Fokus ist: 1853 kreierte Pierre-Francoise Guerlain für die französische Kaiserin Eugénie zu ihrer Vermählung mit Napoleon III das Parfum Eau de Cologne Impériale, was wiederum Guerlain den Titel des königlichen Hofparfumeurs in Frankreich einbrachte. Dafür durfte er auch das Symbol der kaiserlichen Biene verwenden.

67 Antworten
15.11.2019 20:11 Uhr
82 Auszeichnungen

In der nächsten Zeit würde ich gern versuchen in loser Reihenfolge ein wenig mehr Aufmerksamkeit auf hochinteressante Parfüm-Hotspots zu lenken.

Beginnen möchte ich mit der Beauty Affair Parfümerie im Zentrum von Düsseldorf, nur – und da zitiere ich mich an dieser Stelle gern selber – einen Flakondeckelwurf von der bekannten Flaniermeile Königsallee entfernt.



Ohnehin hat die schönste Stadt am Rhein den Vorteil, dass hier ausgesprochen viele erstklassige Parfümerien auf gut einem halben Quadratkilometer etabliert sind. Darüber hinaus gibt es viele Luxus-Läden, die zusätzlich exklusive Düfte anbieten.

Wenn wir ein Parfumo-Treffen in Düsseldorf haben, ist der Besuch bei Beauty Affair quasi das Highlight des Tages. Allerdings ist es ratsam die Gruppe aufzuteilen, da das Geschäft mit 40 qm für mehreren Personen recht eng werden könnte. Ist aber nicht schlimm, denn bisher hat die Aufteilung jedesmal gut geklappt und Herr Hardcastle, der Inhaber hat uns stets herzlich willkommen geheißen.



Auch wenn dem ein oder anderen vor Freude das Herz pocht wie beim Trommelhasen, kann man ganz in Ruhe zwischen den nobel gestylten Regalen mit den hervorragend sortierten Nischenparfums stöbern und sich natürlich absolut kompetent beraten lassen. Zu entdecken gibt es reichlich, denn die Privat-Parfümerie führt über 40 verschiedene Nischenmarken, darunter die Editions de Parfums von Frederic Malle, Marc-Antoine Barrois oder auch ganz neu Roja Dove und exklusiv LEN -Histoire Privée sowie My Perfumes Select nur um einige zu nennen.

Jedesmal wenn ich dort bin, finde ich irgendetwas neues Aufregendes –neben den klassischen Nischenmarken auch exotische Label oder Raritäten, die man schon seit langem kennen lernen wollte. Ein wirklich erstklassiger Service ist zusätzlich die Möglichkeit, sich gegen einen geringen Obolus kleine Proben abfüllen zu lassen.

Das Beauty Affair nicht nur zu den den Top-Adressen in Deutschland gehört, sondern auch darüber hinaus, beweisen Touristen und Geschäftsleute vor allem aus dem asiatischen sowie arabischen Raum, aber auch die einen oder anderen Prominenten, die sich hier einfinden. Aber pssst ... nicht weiter sagen!


Und wer eventuell doch zu Schwellenangst neigen sollte, wem der Weg zu weit ist oder wer keine Zeit hat, kann sogar über die eigene Website online bestellen.

Überhaupt möchte ich an dieser Stelle einen Lanze für die Privat-Parfümerien brechen, die sich leider im scharfen Wettbewerb gegen den reinen Online-Handel stellen müssen. Natürlich möchten die meisten von uns Preise vergleichen und beim Kauf ein gutes Gefühl haben. Aber nur vor Ort im Geschäft haben wir die volle Möglichkeit zu vergleichen und uns beraten sowie inspirieren zu lassen.

Das empfinde ich persönlich als Erlebnis, dass ich nicht missen möchte – ich hoffe, das bleibt auch in Zukunft so.

34 Antworten

Letzten Sonntag und Montag war es mal wieder soweit. Der Bundesverband Parfümerien e. V. hat zu seiner jährlichen Tagung nach Düsseldorf eingeladen. Als Begleitprogramm gab es u. a. erneut einen Blogger-Event – diesmal zum Thema „synthetische Grundstoffe im Laufe der Parfüm-Geschichte“.

Hierzu hatte Moritz vom Ende (Duftexperte der Bundesfachschule Parfümerien e. V.) als Referent einige Beispiele mit anschaulicher Powerpoint-Präsentation und olfaktorischem Begleitmaterial vorbereitet. An dieser Stelle muss ich zugeben, dass ich im Chemieunterricht eher körperlich als geistig anwesend war und von Molekülaufbau nur extrem grobe Ahnung habe. Es war wohl das Fach mit dem für mich geringstem Interesse. Dennoch konnte man als Duft-Aficionado aufmerksam bleiben, denn Herr vom Ende führte den Exkurs sehr praxisbezogen durch. Zu jedem relevanten synthetischen Duftstoff gab es nicht nur selbigen zu schnuppern, sondern er hatte auch die Parfums dabei, in denen die Substitute erstmals verarbeitet wurden.



So konnte man chronologisch geordnet folgendes erfahren:

1889: Vanillin in Jicky (Guerlain) – schnuppert nach süßlich, künstlicher Vanille wie man sie aus Backmischungen kennt

1917: Cumarin in Chypre (Coty) – ersetzt die Tonkabohne

1919: Aldehyde C14 in Mitsouko (Guerlain) – geht in Richtung Pfirsich

1921: Aldehyde C11 in Chanel No 5 (Chanel) – gibt dem Klassiker das leicht Seifige

1947: Cis-3-Hexal in Vent Vert (Balmain) – erinnert an frisch gemähtes Gras

1966: Hedion in Eau Sauvage (Dior) – eine Mischung aus Zitrus und Jasmin

1969: Rosenoxid in Calandre (Paco Rabanne) – natürlich künstlich rosig

1988: Dihydromyrcenol in Cool Water (Davidoff) – erinnert an Meeresbrise

1988: Methyloctincarbonat in Fahrenheit (Dior) – geht in Richtung Veilchenblatt

1990/92: Calone in New West (Aramis) und L´Eau d´Issey (Miyake) – eine Mischung aus Meeresbrise und Melone

1992: Ethylmaltol in Angel (Mugler) – erinnert an geröstete Mandeln und Karamell

2003: Cis-3-Hexenylsalicylat in L´Instant de Guerlain pour Homme (Guerlain) – geht in Richtung Sonnenmilch

2018: Phenylessigsäure in Wunderwind No 9 (Lengling) – kommt der Illusion von Honig bzw. Wachs recht nahe


Insgesamt war es ein wirklich kurzweiliger Vortrag. Ich denke, in dieser Art hätte mir der Chemieunterricht in der Schule sicherlich weitaus mehr Vergnügen bereitet, als nur das Periodensystem zu pauken und Molekülketten zu knüpfen. Ein paar Informationen waren mir zwar geläufig (wie sicherlich ebenfalls dem ein oder anderen Parfumo), doch es war auch neues dabei wie z. B., dass Phenylessigsäure ins Honigwachsige geht. Vielleicht konntet ihr auch noch ein bisschen was lernen. Und ich hoffe doch stark, dass es nächstes Jahr wieder einen Blogger-Event gibt. Genug spannende Duft-Themen sind ja vorhanden.

18 Antworten

Fortsetzung von Teil 1 ...

Und da ja man noch eine ganze Menge Zeit zur Verfügung hatte, wollte ich ebenfalls wissen, was die Nischen-Duft Aussteller mitgebracht hatten. Wer die Global Art of Perfumery Messen kennt, darf sich diese drittel bis halb so groß vorstellen. Einige Anbieter mit ihren Marken kennt man bereits von den GAOPs, andere waren dagegen neu auf dem Markt. Insgesamt waren 50 Marken innerhalb des stilvollen Ambientes im Düsseldorfer Van der Valk Hotels vertreten, darunter auch einige aus dem Beauty-Bereich.



Neu für Deutschland u. a. war Acqua di Firenze, die eine recht brauchbare Duftkollektion vorstellten. Mal sehen, ob man mir wie versprochen noch ein paar Duftproben zusendet. Auch Welton, die ebenfalls bisher noch nicht in Deutschland erhältlich sind, haben einen neuen Vertriebspartner gefunden, der mit noch was zuschicken wollte. Hier bin ich zuversichtlicher als letztes Jahr, als man mir als Parfumo-Rezensent ein wenig reserviert gegenüber trat.

Überhaupt war das mit den Samples mal wieder so ein Thema. Einige der Labels bzw. deren Vertreter kennen Parfumo und waren vorbildlich vorbereit und äußerst entgegen kommend bezüglich Probematerial und Literatur.

Andere wiederum hatten Parfumo überhaupt nicht auf dem Radar und waren zum Teil nur mit ihren Flakons zum Schnuppern, jedoch ohne Samples vor Ort. Dies mag vielleicht mit Unerfahrenheit, Desinteresse oder Sparsamkeit der mitgebrachten Ressourcen geschuldet sein. Eventuell hatten einige Ladies des Bloggerevents (siehe Teil 1) ordentlich zugeschlagen und mehr oder weniger verbrannte Erde hinterlassen.

Wie dem auch sei – ein paar interessante Label und Düfte hatten mir etwas von ihrem Material mitgegeben, über das ich in der nächsten Zeit das ein oder andere kommentieren kann.


Überhaupt fand ich das Konzept nicht verkehrt, eine solche Nischen-Ausstellung innerhalb der Parfümerietagung zu integrieren. Immerhin ist hier die Zielgruppe anzutreffen, also Parfümerie-Inhaber, denen mit Nischen-Labels quasi eine Alternative zum Mainstream präsentiert werden soll. Ob dann die Parfümerien getreu dem Tagungs-Motto „Nur Mut! Handeln!“ diese Offerte im Kampf gegen den Online-Handel nutzen ist dann wieder eine andere Sache.

Jene Parfümerien wurden dann auch bei der eigentlichen Tagung motiviert. Hier gab es einige sehr interessante Referenten, die zu aktuellen Branchenthemen Stellung nahmen.

Darunter auch Wolfgang Schiller von Schiller GmbH Brand Company mit dem Thema „Markenschwäche effizient vermeiden?“. Hier ging es u. a., dass Parfümerien ihr eigenes Profil und Markenbild erschaffen sollen, um ihre Wertigkeit zu demonstrieren. Bemerkenswerterweise wurde auch gezeigt, wie austauschbar die meisten Mainstream-Marken derzeit auftreten. Z. B. bei Herrendüften mit S/W-Portrait, Logo, Flakon unten links oder rechts, dazu eine 08/15 Aussage - fertig ist die Laube.

Ebenfalls nicht ohne war der Auftritt von Dr. Kecskes von GfK, dem größten deutschen Marktforschungsinstitut zu „Postmaterialismus: Chance oder Ende des Kaufens?“. Fazit des Vortrags war, dass es mittlerweile nicht mehr wie noch vor einigen Jahrzehnten eine relativ homogene Masse, bzw. einheitliche Bevölkerungsgruppen gab, die einfach zuzuordnen waren, sondern sich diese in immer mehr individuelle Teile aufsplitten lassen und diese beim Konsum auch nach höheren Werten wie z. B. Gesundheit, Freiheit. Glück, Kultur, Tierschutz usw. streben. Ein sozialdemokratischer Bio-Konsument mit Markenfaible und SUV ist demnach nichts Exotisches.


Sehr großen Anklang fand die Präsentation von Tina Müller, CEO von Douglas Parfümerien (da waren dann wirklich alle Stühle besetzt!). So stellte sie u. a. eine Werbekampagne mit drei jungen Influencerinnen vor, die für ein sogenanntes Kiss Kit bestehend aus Lippenstift & Lipliner warben und somit riesigen Abverkaufserfolg hatten. Das ist zwar für Parfumos nicht so interessant, zeigt aber, dass solche Blogger (noch) von den Marken immer intensiver geschätzt und eingesetzt werden. Darüber hinaus ist der Mann als Zielgruppe weiter im Fokus – auch Nischendüfte sollen mehr Platz finden. Zudem war zu erfahren, dass sich Douglas innerhalb Europas breiter aufstellen will und die Mitarbeiter besser schulen möchte. Ich denke, der letzte Punkt wäre für viele Konsumenten ein großer Herzenswunsch. Selber hatte ich nicht die Traute mich zu melden und davon zu erzählen, wie oft Douglas bei Parfumo unter die Räder kommt. Vielleicht ändert sich da ja mal wirklich was.


Fazit:

Die Tagung war hervorragend organisiert und sehr facettenreich, wobei in aller erster Linie natürlich die Parfümerie-Inhaber im Fokus standen. Hier gelang es mir einen kleinen Blick hinter die Kulissen zu werfen, wobei der ein oder andere Vortrag auch auf einer Global Art of Perfumery gepasst hätte. Da jene dieses Jahr leider wohl nicht stattfinden wird, wäre eine Verquickung beider Veranstaltung (zumindest selbe Zeit, selbe Location) für viele eine zielorientierte Lösung.

Persönlich drücke ich sowohl den Nischenmarken als auch den traditionellen Inhabergeführten Parfümerien kräftig die Daumen, dass sie nicht von den großen Häusern sowie vom Online-Handel verdrängt werden und uns weiterhin erhalten bleiben.

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