Taurus1967Taurus1967s Parfumblog

Letzten Sonntag und Montag war es mal wieder soweit. Der Bundesverband Parfümerien e. V. hat zu seiner jährlichen Tagung nach Düsseldorf eingeladen. Als Begleitprogramm gab es u. a. erneut einen Blogger-Event – diesmal zum Thema „synthetische Grundstoffe im Laufe der Parfüm-Geschichte“.

Hierzu hatte Moritz vom Ende (Duftexperte der Bundesfachschule Parfümerien e. V.) als Referent einige Beispiele mit anschaulicher Powerpoint-Präsentation und olfaktorischem Begleitmaterial vorbereitet. An dieser Stelle muss ich zugeben, dass ich im Chemieunterricht eher körperlich als geistig anwesend war und von Molekülaufbau nur extrem grobe Ahnung habe. Es war wohl das Fach mit dem für mich geringstem Interesse. Dennoch konnte man als Duft-Aficionado aufmerksam bleiben, denn Herr vom Ende führte den Exkurs sehr praxisbezogen durch. Zu jedem relevanten synthetischen Duftstoff gab es nicht nur selbigen zu schnuppern, sondern er hatte auch die Parfums dabei, in denen die Substitute erstmals verarbeitet wurden.



So konnte man chronologisch geordnet folgendes erfahren:

1889: Vanillin in Jicky (Guerlain) – schnuppert nach süßlich, künstlicher Vanille wie man sie aus Backmischungen kennt

1917: Cumarin in Chypre (Coty) – ersetzt die Tonkabohne

1919: Aldehyde C14 in Mitsouko (Guerlain) – geht in Richtung Pfirsich

1921: Aldehyde C11 in Chanel No 5 (Chanel) – gibt dem Klassiker das leicht Seifige

1947: Cis-3-Hexal in Vent Vert (Balmain) – erinnert an frisch gemähtes Gras

1966: Hedion in Eau Sauvage (Dior) – eine Mischung aus Zitrus und Jasmin

1969: Rosenoxid in Calandre (Paco Rabanne) – natürlich künstlich rosig

1988: Dihydromyrcenol in Cool Water (Davidoff) – erinnert an Meeresbrise

1988: Methyloctincarbonat in Fahrenheit (Dior) – geht in Richtung Veilchenblatt

1990/92: Calone in New West (Aramis) und L´Eau d´Issey (Miyake) – eine Mischung aus Meeresbrise und Melone

1992: Ethylmaltol in Angel (Mugler) – erinnert an geröstete Mandeln und Karamell

2003: Cis-3-Hexenylsalicylat in L´Instant de Guerlain pour Homme (Guerlain) – geht in Richtung Sonnenmilch

2018: Phenylessigsäure in Wunderwind No 9 (Lengling) – kommt der Illusion von Honig bzw. Wachs recht nahe


Insgesamt war es ein wirklich kurzweiliger Vortrag. Ich denke, in dieser Art hätte mir der Chemieunterricht in der Schule sicherlich weitaus mehr Vergnügen bereitet, als nur das Periodensystem zu pauken und Molekülketten zu knüpfen. Ein paar Informationen waren mir zwar geläufig (wie sicherlich ebenfalls dem ein oder anderen Parfumo), doch es war auch neues dabei wie z. B., dass Phenylessigsäure ins Honigwachsige geht. Vielleicht konntet ihr auch noch ein bisschen was lernen. Und ich hoffe doch stark, dass es nächstes Jahr wieder einen Blogger-Event gibt. Genug spannende Duft-Themen sind ja vorhanden.

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Fortsetzung von Teil 1 ...

Und da ja man noch eine ganze Menge Zeit zur Verfügung hatte, wollte ich ebenfalls wissen, was die Nischen-Duft Aussteller mitgebracht hatten. Wer die Global Art of Perfumery Messen kennt, darf sich diese drittel bis halb so groß vorstellen. Einige Anbieter mit ihren Marken kennt man bereits von den GAOPs, andere waren dagegen neu auf dem Markt. Insgesamt waren 50 Marken innerhalb des stilvollen Ambientes im Düsseldorfer Van der Valk Hotels vertreten, darunter auch einige aus dem Beauty-Bereich.



Neu für Deutschland u. a. war Acqua di Firenze, die eine recht brauchbare Duftkollektion vorstellten. Mal sehen, ob man mir wie versprochen noch ein paar Duftproben zusendet. Auch Welton, die ebenfalls bisher noch nicht in Deutschland erhältlich sind, haben einen neuen Vertriebspartner gefunden, der mit noch was zuschicken wollte. Hier bin ich zuversichtlicher als letztes Jahr, als man mir als Parfumo-Rezensent ein wenig reserviert gegenüber trat.

Überhaupt war das mit den Samples mal wieder so ein Thema. Einige der Labels bzw. deren Vertreter kennen Parfumo und waren vorbildlich vorbereit und äußerst entgegen kommend bezüglich Probematerial und Literatur.

Andere wiederum hatten Parfumo überhaupt nicht auf dem Radar und waren zum Teil nur mit ihren Flakons zum Schnuppern, jedoch ohne Samples vor Ort. Dies mag vielleicht mit Unerfahrenheit, Desinteresse oder Sparsamkeit der mitgebrachten Ressourcen geschuldet sein. Eventuell hatten einige Ladies des Bloggerevents (siehe Teil 1) ordentlich zugeschlagen und mehr oder weniger verbrannte Erde hinterlassen.

Wie dem auch sei – ein paar interessante Label und Düfte hatten mir etwas von ihrem Material mitgegeben, über das ich in der nächsten Zeit das ein oder andere kommentieren kann.


Überhaupt fand ich das Konzept nicht verkehrt, eine solche Nischen-Ausstellung innerhalb der Parfümerietagung zu integrieren. Immerhin ist hier die Zielgruppe anzutreffen, also Parfümerie-Inhaber, denen mit Nischen-Labels quasi eine Alternative zum Mainstream präsentiert werden soll. Ob dann die Parfümerien getreu dem Tagungs-Motto „Nur Mut! Handeln!“ diese Offerte im Kampf gegen den Online-Handel nutzen ist dann wieder eine andere Sache.

Jene Parfümerien wurden dann auch bei der eigentlichen Tagung motiviert. Hier gab es einige sehr interessante Referenten, die zu aktuellen Branchenthemen Stellung nahmen.

Darunter auch Wolfgang Schiller von Schiller GmbH Brand Company mit dem Thema „Markenschwäche effizient vermeiden?“. Hier ging es u. a., dass Parfümerien ihr eigenes Profil und Markenbild erschaffen sollen, um ihre Wertigkeit zu demonstrieren. Bemerkenswerterweise wurde auch gezeigt, wie austauschbar die meisten Mainstream-Marken derzeit auftreten. Z. B. bei Herrendüften mit S/W-Portrait, Logo, Flakon unten links oder rechts, dazu eine 08/15 Aussage - fertig ist die Laube.

Ebenfalls nicht ohne war der Auftritt von Dr. Kecskes von GfK, dem größten deutschen Marktforschungsinstitut zu „Postmaterialismus: Chance oder Ende des Kaufens?“. Fazit des Vortrags war, dass es mittlerweile nicht mehr wie noch vor einigen Jahrzehnten eine relativ homogene Masse, bzw. einheitliche Bevölkerungsgruppen gab, die einfach zuzuordnen waren, sondern sich diese in immer mehr individuelle Teile aufsplitten lassen und diese beim Konsum auch nach höheren Werten wie z. B. Gesundheit, Freiheit. Glück, Kultur, Tierschutz usw. streben. Ein sozialdemokratischer Bio-Konsument mit Markenfaible und SUV ist demnach nichts Exotisches.


Sehr großen Anklang fand die Präsentation von Tina Müller, CEO von Douglas Parfümerien (da waren dann wirklich alle Stühle besetzt!). So stellte sie u. a. eine Werbekampagne mit drei jungen Influencerinnen vor, die für ein sogenanntes Kiss Kit bestehend aus Lippenstift & Lipliner warben und somit riesigen Abverkaufserfolg hatten. Das ist zwar für Parfumos nicht so interessant, zeigt aber, dass solche Blogger (noch) von den Marken immer intensiver geschätzt und eingesetzt werden. Darüber hinaus ist der Mann als Zielgruppe weiter im Fokus – auch Nischendüfte sollen mehr Platz finden. Zudem war zu erfahren, dass sich Douglas innerhalb Europas breiter aufstellen will und die Mitarbeiter besser schulen möchte. Ich denke, der letzte Punkt wäre für viele Konsumenten ein großer Herzenswunsch. Selber hatte ich nicht die Traute mich zu melden und davon zu erzählen, wie oft Douglas bei Parfumo unter die Räder kommt. Vielleicht ändert sich da ja mal wirklich was.


Fazit:

Die Tagung war hervorragend organisiert und sehr facettenreich, wobei in aller erster Linie natürlich die Parfümerie-Inhaber im Fokus standen. Hier gelang es mir einen kleinen Blick hinter die Kulissen zu werfen, wobei der ein oder andere Vortrag auch auf einer Global Art of Perfumery gepasst hätte. Da jene dieses Jahr leider wohl nicht stattfinden wird, wäre eine Verquickung beider Veranstaltung (zumindest selbe Zeit, selbe Location) für viele eine zielorientierte Lösung.

Persönlich drücke ich sowohl den Nischenmarken als auch den traditionellen Inhabergeführten Parfümerien kräftig die Daumen, dass sie nicht von den großen Häusern sowie vom Online-Handel verdrängt werden und uns weiterhin erhalten bleiben.

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„Nur Mut! Handeln! – neue Ideen – neue Produkte“ war das diesjährige Motto der 64. Parfümerietagung des Bundesverbandes Parfümerien in Düsseldorf. Und um den Worten auch Taten folgen zu lassen, hatte man sogar einige Blogger (Parfumos konnten sich ebenfalls anmelden) zu einem speziellen Workshop über Duft und Rohstoffe und um den Unterschied zwischen Nischen- und Massendüften herauszufinden eingeladen.

Mir persönlich kam das sehr gelegen. Zum einen war die Tagung mit gut 30 Minuten Fußweg von mir zu Hause quasi um die Ecke – bin aber aus Bequemlichkeit doch mit dem Auto hingefahren. Zum anderen konnte ich noch ein paar Überstunden abbauen und frei nehmen. Und wer weiß, welche wertvollen Kontakte man vor Ort knüpfen kann.

Soweit die Theorie. Allerdings waren die anwesenden Blogger(innen) mit Ausnahme der Parfumas Brigida und Chanelle (leider krankheitsbedingt abwesend) überwiegend von der Beauty- bzw. Kosmetik-Fraktion, denn von Düften hatte der gefühlt größte Teil nur marginale Kenntnisse. Also musste der Referent Moritz vom Ende, Duftexperte der Bundesfachschule Parfümerien e.V., mehr oder wenig bei Adam & Eva anfangen und zu den absoluten Basics zurück rudern.



Souverän meisterte er die Situation und verteilte in Duftöl eingetunkte schmale Papierstreifen mit unterschiedlichen Ingredienzien wie u. a. natürliche Vanille (leicht rauchig) sowie künstliches Vanillin (pappsüßes Backaroma), Zimt und destillierte Limette (schnuppert übereinander gelegt nach Cola), synthetisches Moschus und Amber, Zibet (war für viele doch befremdlich), natürliches sowie eine synthetische Interpretation von Cassis und zu guter letzt eine Interpretation von Leder (eine Mischung aus Reitstall, Umkleideraum und Schuhmacherladen – aber sehr überzeugend). Immer auf die richtigen Duftstoffe zu kommen, war gar nicht mal so einfach.

Eigentlich war der Workshop für gut 1 ½ Stunden angelegt, doch die Zeit verging wie im Fluge. Allerdings scharrten die Beauty-Bloggerinnen (von jung bis ... sagen wir mal nicht mehr ganz so frisch) schon mit den Hufen um zeitig wieder aufzubrechen. Während jene zum Teil die Ausstellerstände im Foyer stürmten um Tütenweise Proben einzuheimsen, verharrten Brigida und ich noch ein wenig länger und ließen uns von Moritz vom Ende u. a. noch eine hochinteressante äußerst aufwendig erstellte Ingwer CO2 Extraktion zeigen, welche die typische Schärfe hervorragend widerspiegelt.



Insgesamt war der Workshop gut gemeint und auch fachlich sehr kompetent umgesetzt, doch wäre ich gern mehr in die Tiefe gegangen, denn Moritz vom Ende (sein Onkel ist Parfumeur bei Symrise) hatte insgesamt 40 verschiedene Duftstoffe mitgebracht. Die muss man zwar nun nicht alle durchchecken, aber ich hätte lieber mehr den fortgeschrittenen Teil intensiviert – und Herr vom Ende höchstwahrscheinlich ebenfalls. Insgeheim hatte ich zudem die Hoffnung ein paar Moleküle echten Moschus zu riechen, was wohl weiter Wunschdenken bleibt.

Sicherlich bin ich selber alles andere als die höchste Duftinstanz, doch aufgrund der meisten Teilnehmer hatte mir dieser Workshop etwas zu wenig Substanz. Das ist beinahe so, als würden vermeintliche Katzenliebhaberinnen bei einem Treffen feststellen, dass die Tiere schnurren, miauen, kratzen und man nicht mit ihnen Gassi gehen muss.

Das klingt mitunter von meiner Seite recht überheblich, ist aber keineswegs so gemeint. Als Ausgleich schwöre ich dafür, dass ich niemals einen Workshop über Lipgloss und Smokey-Eyes aufsuchen werde.

Ansonsten war es halt eine positive Veranstaltung für deren Möglichkeit der Teilnahme ich mich herzlich bedanken möchte. Im zweiten Teil kann man dann mehr über die Nischen-Aussteller und die Inhalte der Tagungspunkte erfahren – was gar nicht mal so uninteressant war.

ENDE TEIL 1

22 Antworten
Vor 4 Jahren
87 Auszeichnungen

Nanu!? Ein weiterer Blogeintrag von mir innerhalb eines Quartals?

Hätte ich mir/uns auch erspart ... wenn halt nur diese seltsame Duft-Premiere von Roberto Geissini nicht gewesen wäre, zu der ich dank Parfumo zwei Einladungskarten bekommen hatte. Eine davon gab ich im guten Gewissen einem weiblichen Parfumo.

Falls jemand noch nicht eingeweiht ist: Roberto Geissini ist das pseudoitalienisierte Label von „Rooobääärt“ und Carmen Geiss aus der RTL-Trash-Doku Serie „Die Geissens – eine schrecklich glamouröse Familie“. Hier wird das Ehepaar samt Anhang beim peinlichen Protz-Exhibitionismus gezeigt. Carmen, die aufgedonnerte Gattin, glänzt dabei nicht immer mit Grips. Zumindest ihre Allgemeinbildung scheint irgendwie zwischen einigen Botox-Spritzen abhanden gekommen zu sein. Ist aber nicht schlimm, dass macht sie zumindest mit ihrem eigenartigen Charme wieder wett. Zu ihrem Glück hat sie ihren Göttergatten „Rooobääärt“, wie sie ihn immer mit rauer Reibeisenstimme ruft oder maßregelt. Jener ist Selfmade-Multimillionär und zeigt gern mit viel Selbstüberzeugung sowie nicht gerade seltenen selbstgefälligen Sprüchen, dass er zwar jede Menge Geld hat und dieses scheinbar gern ausgibt, dafür ist er allerdings nicht gerade mit Geschmack gesegnet. Gut, dass ist zwar immer im Auge des Betrachters, aber allein das Totenkopf-Logo des Labels mit Sonnenbrille spricht Bände. Ed Hardy und Heino 2.0 lassen grüßen!




Am Donnerstag, dem 10.03.2016 war es soweit: die Geissens präsentierten mit ordentlich Getöse ihre neuen Parfums Roberto Geissini Feminine und Masculine. Bisher drang weder das Aussehen der Flakons, noch deren Ingredienzien geschweige denn der Duft an sich in die Öffentlichkeit. Premiere-Ort war die Rheinterrasse in Köln – passenderweise direkt gegenüber von RTL, die das Ganze TV-gerecht dokumentierten. Draußen warten ein paar aufgemotzte Luxuskarossen aus dem Geissen-Fuhrpark (Ferrari, Hummer, Lamborghini) sowie ein roter Teppich – ein schmaler Hauch von Glamour liegt in der Luft. Drinnen warteten die Fans, bestehend aus scheinbar aufgepimpten Hausfrauen und Hauptschülerinnen, die Herren sind hier deutlich in der Unterzahl, auf ihre beiden Helden.

Statt wie angekündigt 19:30 Uhr waren Robert und Carmen sogar etwas früher auf der großen Bühne. Star-Allüren in punkto Pünktlichkeit haben sie zumindest nicht. Auf ihrem großen schwarzen Sofa der Roberto Geissini Home & Living Collection wurden sie von einer Moderatorin interviewt und erzählten über ihren letzten Karibik-Urlaub sowie der Inspiration daher zu den beiden Düfte, welche in einer großen Schatztruhe wenige Augenblicke später von einigen muskulösen Männern mit nacktem Sixpack-Oberkörper ins Rampenlicht getragen wurden. Zwar hätte ich lieber barbusige Top-Models beim Schleppen gesehen, aber ich bin ja anscheinend in der Minderheit und nicht die Zielgruppe.




Zudem wurde noch der Werbespot zu den Düften gezeigt, bei denen das Pärchen auf einer Luxusyacht zum Thema Erfolg schwadroniert, den man jetzt ja riechen kann. „So riecht Erfolg“ folgt dann als Statement zu den beiden Parfums. Hätte auch glatt eine Switch-Reloaded Parodie sein können. Überhaupt weiß man nie so recht, wie augenzwinkernd oder ernst gemeint der Auftritt der beiden interpretiert werden kann. Zumindest glaubt das Paar, das die Parfums megageil duften würden. Später konnte ich dann lesen, dass dafür zwei Top-Parfumeure der Weltklasse mitgeholfen haben. Dabei sind Adilson Rato und Thierry Bessard auf Parfumo mit sehr überschaubaren Arbeiten für O Boticário und Avon gelistet.




Laut dem stolzen Rooobääärt soll der Masculine das Thema Frische und Meeresbrise aufgreifen. Da denke ich zwar mehr an Lufterfrischer für das Stille Örtchen, aber anhand der gezeigten Flakonbilder auf riesigen Transparenten war ich ohnehin bedient. Genau das verstehe ich unter „Netzhautpeitsche“! Skulls mit Sonnenbrillen und Flügeln auf rot-blauem Verlauf sowie Frakturschrift sind weder chic noch originell, sondern einfach nur hochnotpeinlich.

Flügel hatten auch die Jungs und Mädels, die die Düfte innerhalb des Publikums versprühten. Schon nach wenigen Sekunden auf meinem Arm wurde mir klar, dass dies der elfundneunzigste Aufguss zum Thema „süß und synthetisch mit Drogeriecharakter“* ist. Allerdings zum Preis von Designerdüften, zu denen sich Rooobääärt Geiss ebenfalls mit seinen Philipp Plein + Ed Hardy + weiß der Kuckuck Imitaten zu zählen glaubt. 70 € sollen für 100 ml angeblich in Inhabergeführten Parfümerien aufgerufen werden – exklusiv an diesem Abend hier für 60 €. Na, wenn das kein Schnapper ist?!? Und dabei stand noch auf der Eintrittskarte, dass maximal nur vier Flakons pro Person abgegeben werden. In einem kurzen leichtsinnigen Moment der Vorfreude glaubte ich noch vor der Premiere, dass man jene als Geschenk erhalten würde und man deshalb eine Limitierung vorsah. Doch geschenkt gab es an diesem Abend ohnehin nichts!!! Weder waren die Getränke frei, noch gab es Gratis-Häppchen oder gar Goodie-Bags. Man wird es kaum glauben: nicht einmal Pröbchen zum Mitnehmen gab es.

Okay, dafür war das Highlight eine große Verlosung, bei der handsignierte Flakons + einige Roberto Geissini Devotionalien aus der Home & Living Collection unter die Fans gebracht wurden. Die Nummern der Eintrittskarten zogen Rooobääärt und Carmen persönlich und die Gewinner wurden auf die Bühne gebeten.

Glaubt mir: ich war heilfroh, dass meine Ziffern nicht aufgerufen wurde und dieser Krug vollends an mir vorüber ging.

Eigentlich wollte ich für ein Parfumo-Mitglied noch eine Autogramm-Karte mit persönlicher Widmung organisieren. Hätte vielleicht fast auch geklappt, doch Carmen und Rooobääärt wechselten nach einem kurzem Intermezzo im Roberto Geissini Bett wieder die Bühnenseite und schwupp machte sich ein Pulk von Fans für die Autogrammstunde hinterher. Schließlich gab es zumindest hier etwas gratis.


Resigniert machte ich mich mit meiner Begleitung wieder davon. Die Verkaufsstände sahen noch von der Bestandsmenge genauso voll aus, wie zum Beginn der Veranstaltung. Überhastete Notkäufe oder Prügeleien um die letzten Kartons musste niemand fürchten.

Dennoch gingen mir zwei Gedanken durch den Kopf: zum einen habe ich mich gefragt, ob die Geissens nun clever und geschäftstüchtig oder einfach nur abgezockt und geizig sind. Bei dem, was die angeblich auf dem Konto haben, hätten die ganz generös mit Dior- oder Guerlain-Premieren mithalten und einen springen lassen können – auch wenn ihr Masculine und Feminine zwar nicht olfaktorisch, aber fast preislich deren Niveau anpeilen. Rooobääärt macht wohl gern einen auf dicke aber nicht auf Spendierhose.

Zum anderen war mir unwohl, dass ich eventuell beim Gewinnspiel einem anderen Parfumo die Chance genommen hatte, diesem speziellen Event zu beizuwohnen. Ein beinharter Geissens-Fan wäre hier tatsächlich exzellent aufgehoben gewesen. Dass ich meiner Begleitung damit kostbare Lebenszeit geraubt hatte, tut mir ebenfalls leid.

Vielleicht können zumindest die geschilderten Wahrnehmungen als Warnung gesehen werden. Und eventuell dienen die einen oder anderen Bilder von mir als kleiner Trost. Dafür habe ich mich geopfert – denn von nix kommt nix ;-)



* einen ausführlichen Kommentar von mir zum Duft findet man entsprechend unter Roberto Geissini Masculine.



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Aktueller Nachtrag vom 17.03.2016:

Die Preise fallen jetzt schon. Heute bei der Parfümerie-Kette Becker im Schaufenster für 49,95 € pro 100 ml gesehen :D

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Vor 4 Jahren
42 Auszeichnungen

Heute vor genau vor 5 Jahren habe ich mich hier auf Parfumo angemeldet.

Es war zufällig der gleiche Tag, als Ben Ali in Tunesien abgesetzt wurde und der so genannte „Arabische Frühling“ seinen Lauf nahm.

Eigentlich hatte ich keine Absicht überhaupt Mal einen Blog zu schreiben, aber ich denke die oben erwähnte Anmeldung erfordert ein wenig Würdigung.

Damals wollte ich nur ein paar Informationen über einen Duft recherchieren (es war Erolfa von Creed), von dem ich kurz zuvor ein Pröbchen erhielt.

Parfumo gefiel mir vom Konzept so gut, dass ich nicht lange zögerte mich anzumelden, um ein paar erste mehr oder weniger hingeschluderte Kommentare zu hinterlassen. Einige sind auch bereits von mir überarbeitet worden.

500 davon in diesem Zeitraum habe ich dann leider doch nicht mehr geschafft. Und an dieser Stelle möchte ich ausdrücklich noch Mal auf Nachsicht bei denjenigen hoffen, die mir die ein oder andere Probe bzw. Abfüllung vermacht haben, damit diese ausgiebig von mir getestet werden kann. Nichts geht verloren, auch wenn es vielleicht etwas länger dauern könnte.

Darüber hinaus möchte ich mich sowie bei allen bedanken, die ich Dank Parfumo kennen lernen durfte – sei es kurz durch materiellen Duft- oder mentalen Gedankenaustausch oder sogar persönlich bei einigen der zahlreichen hochinteressanten Treffen in Düsseldorf, Köln, Bonn, Berlin oder Dortmund.

Mir ist zudem aufgefallen, dass ich durch Parfumo nicht mehr, sondern eher weniger Geld für Parfums ausgegeben habe, obwohl meine Sammlung etwas gewachsen ist. Durch glückliche Fügungen konnte ich den einen oder anderen Duft günstiger erhalten, geschenkt bekommen oder sogar gewinnen.

Ja, Parfumo hat mir olfaktorisch viele spannende Impulse gegeben, wobei ich mich frage, was wäre, wenn man eine solche Seite schon 5 oder 10 Jahre früher aufgebaut und entdeckt hätte. Massen von Proben wären vielleicht nicht einfach so aufgesprüht worden, sondern hätten in Worten noch ein wenig der Nachwelt erhalten bleiben können.

Ach, was hätte man alles noch kennen lernen können, bevor es kaputt reformuliert oder vom Markt genommen wäre.

Nein, ich will nicht in der Vergangenheit leben sondern den Blick nach vorn richten und freue mich auf hoffentlich noch viele, viele, viele Jahre mit Parfumo und etlichen weiteren Parfumverrückten.

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