TipasaTipasas Parfumblog

12.01.2018 16:54 Uhr
67 Auszeichnungen

Duft-Blamagen

Ich habe einen Deal mit mir: Jeden Tag darf ich mich fünf Mal blamieren. Nicht, dass ich zu Blamagen neige, aber dieses großzügige Volumen entlastet mich an der Gram- und Ärgerfront, wenn mal was schief läuft.

Im Grunde genommen bin ich damit immer gut gefahren. In letzter Zeit allerdings schöpfe ich das Kontingent mitunter in rasender Geschwindigkeit aus, weil ich viele Parfums teste und deren Projektion und Wirkung unterschätze.

Heute morgen zum Beispiel habe ich einen Duft getestet, der mir harmlos vorkam. Fruchtig-zitrisch, keine große Sache. Normalerweise sind das ja Düfte, die nicht so viel Stärke haben. Dieser aber schon.

Als ich in den Fahrstuhl meiner Arbeit gestiegen bin, hab ich es schon geahnt. Für den Bruchteil einer Sekunde überlegte ich noch, den nächsten Aufzug zu nehmen, aber da war es schon zu spät. Kurzes Schweigen, dann habe ich als Übersprungshandlung einen kleinen Gag gemacht über die Salamistulle, die jemand bei sich trug („Haben wir einen Veganer an Bord?“). Dann haben alle auf die Zahlen gestarrt, als plötzlich eine Kollegin dezent hustete. Als ich endlich rausging, hörte ich nur, wie der Mann mit der Stulle „Uh!“ sagte.

Uh.

Ihr kennt es sicher tausendfach. Aber mich macht es immer noch ratlos. Was ist die richtige Proportion? Ich will ja selber was von einem Duft haben und verteile deshalb immer vier, fünf Sprüher. Wenn ich in Euren Kommentaren lese, ein Parfum sei „gut auf halber Armlänge wahrnehmbar“, dann denke ich, müsste das zwischen Hals und Nase ganz gut passen. Meine Fahrstuhlerfahrung aber zeigt mir, dass fünf Sprüher die Armlängenformel exponential nach oben treiben können.

Und so entstehen die eigentümlichsten Erlebnisse. Letztes Jahr hatte ich ein Mitarbeitergespräch, bei dem ich schon mit zwei Sprühern Joop Homme für Irritationen gesorgt habe. Ein andermal bin ich mit Green Water in eine Hauskonferenz gegangen und merkte, wie die anderen mich anstarren. Letzte Woche kam ein Kollege in mein Büro und schnupperte mit großer Geste in der Luft.

Nun schreibe ich Euch nicht, um meine Ratlosigkeit mit euch zu teilen. Das wäre ja auch ein bisschen langweilig. Toll aber wäre, wenn Ihr uns Eure schönsten Duftblamagen schildert. Wir können ja dann alles kollektiv aufarbeiten mit einem befreienden: Uh! :)


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