Hier trifft eine klassische, tiefrote Rose auf ein leicht dreckiges, deutlich animalisches Oud und genau diese Kombination macht für mich den Reiz aus. Während viele Rosen-Oud-Düfte gefällig wirken, geht dieser hier einen raueren Weg. Dunkle Rosenblätter verbinden sich mit trocken wirkenden Früchten und einem leicht miefigen Adlerholz.
Ja, da ist sie, diese feine „Kuhstallnote“, die nicht jedem zusagen wird. Ein Hauch von Stall, Leder, feuchtem Holz. Für manche ein No-Go, für andere (mich eingeschlossen) genau das, was dem Duft Spannung verleiht. Das Oud wirkt roh und kantig. Es kratzt ein wenig, bleibt aber stets tragbar.
Die florale Seite zeigt sich deutlich: Eine Rosenwasser Ähnliche Note steht nach dem Dunklen Start klar im Vordergrund, begleitet von Nuancen, die an Jasminblüten und Geranie erinnern. Dadurch bekommt der Duft eine gewisse "Frische" im Herzen, ohne seine dunkle Grundstimmung zu verlieren. Im weiteren Verlauf wird es balsamisch-süßer. Hölzer treten stärker hervor, und ein schönes Benzoe legt sich warm und leicht harzig darunter. Das nimmt dem animalischen Aspekt etwas die Kraft und sorgt für ein stimmiges Gesamtbild.
Unterm Strich ist das kein gefälliger Rosen-Oud für jedermann, sondern einer mit Ecken, Kanten und bewusst eingesetzter Animalik. Wer mit der leicht „stalligen“ Nuance von Oud etwas anfangen kann, bekommt hier eine intensive, dunkle und zugleich florale Komposition.