Früh am Morgen klopft meine Mutter an die Türe. Müde laufe ich zum Fenster. Die ersten Sonnenstrahlen kämpfen sich durch den morgendlichen Nebel. Obwohl ich gerne länger geschlafen hätte, ist es besser heute mal früh wach zu sein, denn Ritterturniere finden nicht oft in unserem Dorf statt. Voller Vorfreude laufe ich zur Feuerstelle in unserer Hütte. Gerade als sich meine Augen an die Helligkeit gewöhnt haben, bekomme ich von meiner Mutter den Auftrag, ein paar Zutaten für das heutige Abendessen im Lagerhaus zu holen.
Da das nicht mein erster Spaziergang zum Lagerhaus ist, kenne ich natürlich die Abkürzung durch den alten Stall. Kaum öffne ich die großen Holztore, nehme ich den intensiven Geruch von feuchtem Heu war. Ich weiß nicht genau, ob das was mir da sonst noch in der Nase liegt von den Pferden oder dem Schimmel an der Decke kommt. Dank der Abkürzung habe ich noch Zeit den Pferden ein paar Mandarinen hinzuwerfen.
Je länger ich hier im Stall bin, desto angenehmer und vertrauter kommen mir die verschiedenen Gerüche vor. Durch einen engen Gang quetsche ich mich in Richtung des Gitters, welches den Stall vom Lagerhaus trennt.
Im Lagerraum angekommen nehme ich zwar noch den Geruch des Stalls wahr, aber die Gewürze und Früchte duften nicht weniger intensiv. Ich rieche schwarze Johannisbeere, rosa Pfeffer und die Mandarine welche ich kurz zuvor noch in der Hand hatte. Ich stöbere ein wenig durch die Regale. Irgendwas rieche ich hier noch, aber was ist das? Mir fällt ein, dass die Kirche, das Gemäuer regelmäßig mit einem Weihrauchkessel segnet.
Nachdem ich alle Zutaten zusammen habe geht es weiter. Als ich den Raum verlasse, kommt mir der Sattler entgegen und unterhält sich mit mir über meine neue Weste. Er riecht nach Rauch, wahrscheinlich vom benachbarten Schmied und nach Leder. Ich unterhalte mich gerne mit ihm, allerdings muss ich langsam los, bevor meine Mutter sich anfängt Sorgen zu machen.
Laufe ich im Freien nach Hause oder nehme ich erneut die Abkürzung?
Ich entscheide mich für die Abkürzung.
Zurück im Lager steigen mir erneut die verschiedenen Gerüche in die Nase. Diesmal kann ich sie nicht mehr so gut unterscheiden wie zuvor. Sie scheinen eine sanfte und in sich stimmige Einheit zu bilden und wirken auf mich beruhigend und nicht mehr so explosiv.
Durch den, mittlerweile deutlich wärmeren Gang erreiche ich den Stall. In diesen fallen vereinzelt Sonnenstrahlen. Das Heu ist mittlerweile trocken und das Fachwerk duften nun nicht mehr feucht-schimmlig sondern, nach dunklem und warmem Holz.
Zuhause angekommen bleibt mir keine Zeit mehr groß über meine Duftreise nachzudenken, denn ich muss die Lebensmittel schnell in unsere große Kiste räumen um rechtzeitig zum Turnier zu kommen.
Am Festplatz angekommen warte ich bei den Pferden bis es losgeht. Währenddessen steigt mir ein Duft in die Nase, welchen ich erst wenige Stunden zuvor wahrgenommen hatte. Ich rieche an meiner Weste und ein wohliges Gefühl überkommt mich. Alle Gerüche vom Spaziergang strahlen von meiner Kleidung ab. Ich atme sie ein und während ich mir vorstelle wonach sie duften, kommt der bekannte Sir Roi um sein Pferd zu satteln. Roi behandelt sein Pferd liebevoll, ist auf eine besondere Art sehr sanft und strahlt pure Männlichkeit aus. Er trägt einen blauen Mantel aus Samt.