Musc Ravageur Editions de Parfums Frédéric Malle 2000 Eau de Parfum
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Top Rezension
Eine zweite Haut aus Duft
Es war ein Samstagabend im tiefen Winter, einer dieser Abende, an denen die Stadt gleichzeitig lebendig und melancholisch wirkt. Ich hatte mich den ganzen Tag durch das Grau geschleppt, Regen, Wind, dunkle Wolken alles schien schwerer als sonst. Als ich am frühen Abend in meiner Wohnung stand und überlegte, ob ich überhaupt Lust hatte, rauszugehen, fiel mein Blick auf den kleinen, unscheinbaren Flakon auf meinem Regal: Musc Ravageur.
Ich erinnerte mich, wie mir ein Freund dieses Parfum als „zu gefährlich für den Alltag“ beschrieben hatte, halb im Scherz, halb voller Bewunderung. Es klang so übertrieben, dass ich lachen musste. Doch an diesem Abend, in meiner Stimmung zwischen Müdigkeit und Sehnsucht, griff ich danach. Zwei Sprühstöße auf den Hals, einer auf den Handrücken und der Raum veränderte sich sofort.
Die ersten Sekunden waren fast überwältigend. Zimt, Nelken, diese würzige Schärfe, die sofort die Aufmerksamkeit fesselte. Es fühlte sich an, als wäre ich plötzlich nicht mehr in meiner Wohnung, sondern in einem geheimen Salon irgendwo in Paris, mit schweren Samtvorhängen und gedimmtem Licht. Die Vanille kroch langsam hinterher, weich, warm, beinahe tröstlich – wie ein Versprechen, dass hinter der Wucht auch Zärtlichkeit steckt.
Auf dem Weg in eine Bar, irgendwo in einer Seitenstraße. Es nieselte, und der Duft mischte sich mit der Kälte und der nassen Luft. Ich schaute und dachte dass ich noch nie etwas getragen hatte, das so sehr ich und gleichzeitig nicht ich war. Als hätte ich mir für ein paar Stunden eine zweite Haut übergestreift, selbstbewusster, kompromissloser.
Menschen redeten durcheinander, Gläser klirrten. Normalerweise verschwinde ich in solchen Räumen, halte mich im Hintergrund. Doch an diesem Abend war es anders. Leute drehten sich um, wenn ich vorbeiging. Mehr als einmal spürte ich einen Blick, bevor ich ihn erwiderte. Und irgendwann geschah es: Jemand legte mir die Hand leicht auf den Arm und sagte:
„Entschuldige darf ich fragen, was du da trägst? Ich kann kaum aufhören, es wahrzunehmen.“
Ich lachte, ein bisschen, und antwortete: „Musc Ravageur.“
Das Wort rollte schwer von den Lippen, fast so, als gehöre es nicht in diesen Raum.
In diesem Moment verstand ich, dass Musc Ravageur kein Duft für den Alltag ist. Er ist ein Portal. Er verändert Räume, Stimmungen, Begegnungen. Er macht einen sichtbar nicht laut, sondern intensiv.
Seit jenem Abend habe ich das Parfum nie wieder zufällig getragen. Jedes Mal, wenn ich den Flakon öffne, ist es eine Entscheidung. Ein Bekenntnis. Und irgendwo in der Tiefe rieche ich noch immer diesen Winterabend, den Rauch, die nassen Straßen und das Lächeln von jemandem, der sich durch diesen Duft für ein paar Stunden in meine Nähe ziehen ließ.
Ich erinnerte mich, wie mir ein Freund dieses Parfum als „zu gefährlich für den Alltag“ beschrieben hatte, halb im Scherz, halb voller Bewunderung. Es klang so übertrieben, dass ich lachen musste. Doch an diesem Abend, in meiner Stimmung zwischen Müdigkeit und Sehnsucht, griff ich danach. Zwei Sprühstöße auf den Hals, einer auf den Handrücken und der Raum veränderte sich sofort.
Die ersten Sekunden waren fast überwältigend. Zimt, Nelken, diese würzige Schärfe, die sofort die Aufmerksamkeit fesselte. Es fühlte sich an, als wäre ich plötzlich nicht mehr in meiner Wohnung, sondern in einem geheimen Salon irgendwo in Paris, mit schweren Samtvorhängen und gedimmtem Licht. Die Vanille kroch langsam hinterher, weich, warm, beinahe tröstlich – wie ein Versprechen, dass hinter der Wucht auch Zärtlichkeit steckt.
Auf dem Weg in eine Bar, irgendwo in einer Seitenstraße. Es nieselte, und der Duft mischte sich mit der Kälte und der nassen Luft. Ich schaute und dachte dass ich noch nie etwas getragen hatte, das so sehr ich und gleichzeitig nicht ich war. Als hätte ich mir für ein paar Stunden eine zweite Haut übergestreift, selbstbewusster, kompromissloser.
Menschen redeten durcheinander, Gläser klirrten. Normalerweise verschwinde ich in solchen Räumen, halte mich im Hintergrund. Doch an diesem Abend war es anders. Leute drehten sich um, wenn ich vorbeiging. Mehr als einmal spürte ich einen Blick, bevor ich ihn erwiderte. Und irgendwann geschah es: Jemand legte mir die Hand leicht auf den Arm und sagte:
„Entschuldige darf ich fragen, was du da trägst? Ich kann kaum aufhören, es wahrzunehmen.“
Ich lachte, ein bisschen, und antwortete: „Musc Ravageur.“
Das Wort rollte schwer von den Lippen, fast so, als gehöre es nicht in diesen Raum.
In diesem Moment verstand ich, dass Musc Ravageur kein Duft für den Alltag ist. Er ist ein Portal. Er verändert Räume, Stimmungen, Begegnungen. Er macht einen sichtbar nicht laut, sondern intensiv.
Seit jenem Abend habe ich das Parfum nie wieder zufällig getragen. Jedes Mal, wenn ich den Flakon öffne, ist es eine Entscheidung. Ein Bekenntnis. Und irgendwo in der Tiefe rieche ich noch immer diesen Winterabend, den Rauch, die nassen Straßen und das Lächeln von jemandem, der sich durch diesen Duft für ein paar Stunden in meine Nähe ziehen ließ.
2 Antworten


Und du hast recht: Viele berichten, dass die neueren Abfüllungen etwas glatter und gezähmter wirken – weniger wild, weniger „skandalös“ als die ersten Chargen. Fast so, als hätte man den scharfen Biss ein wenig abgerundet, ohne die Seele zu verlieren. Manche vermissen den animalischeren, „gefährlicheren“ Charakter, andere finden es so tragbarer im Alltag.