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Pawly
22.01.2025 - 06:22 Uhr
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8Duft 9Haltbarkeit 7Sillage 9Flakon 2Preis

Die Rose aller Rosen

Rose Tres Rose - die Rose der Rosen, pure Rose durch und durch, so pur, dass sogar das Öl im Flakon kristallisiert, wie man mir im Henry Jacques Flagship Store in Paris erzählte. Was macht diese Rose so besonders, selten, begehrt und nicht zuletzt so unglaublich teuer? Diesen Dingen gehen wir heute auf den Grund.

Rose Tres Rose ist der erste der drei Düfte aus der Atelier Kollektion, welche sich speziell auf Mairose fokussiert und stellt damit quasi den Hauptduft dar, an welchem sich die anderen beiden Düfte dann orientieren. Nicht umsonst ist dies der erste Duft, welcher einem bei einem Test vor Ort vorgestellt wird.
Mairose? Was ist das überhaupt und worin liegt der Unterschied zu „normaler“ Rose? Ganz einfach - wie der Name schon sagt, darf Mairose ausschließlich im Mai geerntet werden. Riecht man den Unterschied im Duft? Vermutlich nicht wirklich, es sei eher für das Prestige und einfach „weil wir es können“, sagte man mir.

Wie riecht dieser Duft denn nun überhaupt?
Unüblich für die Rose von Henry Jacques, ist diese hier deutlich süßer als man es eigentlich von dieser Marke kennt. Grüne Noten sind hier kaum wahrnehmbar und auch die frische wie bspw. beim Rose Snow fehlen hier gänzlich. Stattdessen ist diese Rose stets rot, opulent und elegant. Die Süße macht die Rose in meinen Augen deutlich erträglicher, auch für ungeübte Nasen, da sie weniger wie ein übliches „Rose Absolute“ riecht, welches oftmals viel zu intensiv und eigen riecht, sondern viel eher eine echte Rose, wie man sie im Garten findet, wiederspiegelt - im Prinzip als würde man direkt an dieser riechen. Eine wirklich äußerst schöne Vorstellung für jene, welche sich nach genau dieser akkuraten Repräsentation sehnen und eine sehr kleine; aber durchaus äußerst feine Wolke hinter sich her ziehen möchten. Denn während die Sillage hier eher fein statt monströs ist, ist die Haltbarkeit nichts anderes als absurd. Einen kleinen Teststreifen hatte ich mir in die Tasche gelegt, Monate später war dieser Duft so stark wahrnehmbar; dass er beim öffnen der Tasche einen kleinen Raum füllen konnte, und ich wurde auch mehrmals auf genau diese Eigenschaft angesprochen - „was riecht denn hier auf einmal so blumig, wo kommt das her?“
Nun nach etwa einem Jahr ist der Duft deutlich weniger wahrnehmbar; wenn man seine Nase jedoch nah genug heran hält, ist auch jetzt noch eine leichte Rose wahrnehmbar, und auch wenn es sich hier natürlich nicht um die Haltbarkeit auf der Haut handelt, insbesondere dann wenn man regelmäßig unter die Dusche springt, so ist diese Eigenschaft durchaus beachtenswert und selbst einigen der stärksten ouds, welche ich unter meine Nase halten konnte, nicht zuzusprechen.

Flakondesign und Erfahrung im Laden sind, wie bei Henry Jacqued üblich, kaum anders zu beschreiben als völlig beeindruckend. Eine wirklich tolle Erfahrung mit einem Flakon, welcher sich wirklich wunderbar in der Hand halten lässt, um dann fast schon wie ein Ritual diesen Duft mit einem Glasstab, befindlich im Flakon, aufzutragen. Als sprühbare Version gibt es diesen Duft nicht, genauso wie die anderen Düfte dieses Sets, und genau hier, zum Schluss, kommen wir zum eigentlichen Fazit und der schmerzhaften Realisierung um diesen Duft, insbesondere dann wenn man in die unglückliche Lage kommt; diesen Duft schön zu finden und haben zu wollen.

Diesen Duft gibt es nicht einzeln zu erwerben - er kommt als Set mit zwei weiteren Düften, welche sich um die Mairose drehen. Dieses Set kommt schön verpackt in einer Sammlerbox. Sprühbare Versionen sowie kleinere Versionen dieser Flakons gibt es nicht - es gibt eine Größe, ein Set und einen Preis, und genau dieser lässt vermutlich so einige Träume platzen und so einige Gesichter verdutzt schauen. Bei knapp über 100€/ML muss die Liebe hier schon besonders groß sein, um sich gleich drei dieser 30ml-Flakons anzuschaffen, wovon überhaupt unklar ist, ob man gefallen an den anderen zwei Düften findet. Öle sind nicht jedermanns Sache und die drei Düfte dieser Kollektion unterscheiden sich enorm - die Chancen gleich alle davon schön zu finden stehen gleich null.
Vermutlich werden nur die aller wenigsten das nötige „klein“Geld haben, sich diesen Duft leisten zu können. Gleichzeitig stellt sich die Frage, was man mit diesem überhaupt machen soll - für die Verwendung ist er fast zu schade. Als Wertspeicher? Vielleicht, denn diese Mairose, geerntet 2023 in Frankreich, für welche etwa eine halbe Tonne Rosenblätter statt ganze Rosen verwendet wurden; um nur das aller feinste Öl dieser bereits seltenen Mairose zu garantieren, wird so nicht noch einmal existieren. Die „2023“, eingraviert auf dem Flakon, zeigt genau diesen Fakt auf und zeigt dem potentiellen Besitzer, dass diese Mairose in dieser Form einzigartig ist und genau so nicht erneut zu erwerben sein wird. Ein wahrlich einzigartiger Duft, ein einzigartiges Set, kreiert nicht nur aus den feinsten, sondern auch aus den vergänglichsten Materialien, hauptsächlich um sagen zu können: „Ich habe diesen Duft, diese Ernte und diese Vergänglichkeit in meiner Sammlung!“ Für mich ganz ähnlich wie die Sammlungen von vintage Wein und/oder Whisky. Die Ernte ist einzigartig und besonders - wertschätzen können diese nur sehr wenige; und während ich sicherlich zu denen gehöre die die ganze Geschichte herum spannend und interessant finden; so glaube ich nicht, dass ich zu jenen gehöre, die diese Mairose wirklich für das wertschätzen können, was sie ist.
1 Antwort
SeacoinsSeacoins vor 1 Jahr
Vielen Dank für diese fantastische Rezension. Du hast dich sehr gut ausgedrückt...
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