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Teapot Sonder von Ode Ona

Teapot Sonder 2025

acquarella
29.01.2026 - 10:59 Uhr
6
9.5Duft 5Haltbarkeit 4Sillage 8Flakon

Einatmen, ausatmen, Tee trinken

Oh wie wunderschön du bist! Dieser Duft war für mich ein Glücksfund. Noch ganz neu in der Parfümwelt, war Teapot Sonder eine der ersten Proben aus dem Nischenbereich, die meiner Bestellung beilagen und für mich direkt ein Volltreffer. Meine Teesammlung ist deutlich umfangreicher als es meine Parfümsammlung (noch) ist und so war ich sehr gespannt auf die Hojicha- und Mate-Noten und den Abgleich mit meinen Teedosen.

Doch zunächst öffnet Teapot Sonder mit Frische, die trotzdem nicht synthetisch-kühl ist, sondern eher die feuchte, blättrige Frische eines Morgengrauens im Grünen. Eine Zitrone, die durch krautigen Salbei und Pfeffrigkeit genau in richtigem Maße ausgebremst und eingefangen wird und so zu keinem Zeitpunkt unrund, zu fruchtig oder gar stechend wird. Es ist weniger der Saft der Zitrone präsent, vielmehr das Ätherische der Zitronenschale. Dann bald gesellt sich der Tee dazu mit einer ganz prägnanten Röstnote. Auch hier wieder: nichts sticht, nichts drängt sich in den Vordergrund. Geröstete Nüsse oder geröstete Getreide- bzw. Reiskörner, die Wärme ausstrahlen – daran lässt mich die Herznote viel eher denken, als an die Bitterkeit, die beim Überrösten entsteht. Mate rieche ich nicht. Mate assoziiere ich mit viel stärkerer Grasigkeit, als hier in diesem Duft der leise Töne. Genmaicha, ein vielleicht etwas bekannterer japanischer Tee mit gerösteten Reiskörnern ist hier für mich die viel stärkere Verbindung. Dieser Tee ist nicht stark gezogen, sondern ganz authentisch. Als hätte man den Teedampf im Flakon miteingefangen, der aus der frischen Kanne steigt.

Im Drydown scheinen sich alle vorherigen Noten heruntergedämpft zu versammeln. Die Röstnote hält sich sehr lange bei mir und vermischt sich mit einer ganz leicht holzigen Cremigkeit, die Ecken und Kanten nimmt, ohne dabei langweilig zu werden. Selbst das leicht zitrisch-ätherische einer Zitronenschale meine ich noch ganz leicht zu vernehmen.

Überhaupt ist dieser Duft im Ganzen für meine Nase sehr rund, ausgewogen, warm, anschmiegsam und dadurch unendlich gemütlich. Andere würden womöglich eine gewisse Geradlinigkeit bemängeln und die schwache Silage anführen. Es stimmt, der Duft ist wirklich leise, hautnah, dabei aber wie eine wohlige Decke und nimmt einen gleichzeitig auf eine Gedankenreise zu einer meditativen Tee-Zeremonie. Möchte ich mich selbstbewusst, nach außen gewandt und stark fühlen, dann greife ich nicht zu diesem Duft. Dafür ist er nicht der richtige. Sehne ich mich allerdings nach ein wenig innerer Ruhe, Innehalten, meditativem Einklang und Durchatmen – dann kann es für mich nichts besseres geben als Teapot Sonder.
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