Da ich mit Deserta sehr viel verbinde, habe ich mich dieses Mal bewusst für eine Geschichte entschieden statt für eine klassische Duftbeschreibung. Sie gibt einen Einblick in das, was Deserta für mich bedeutet und wie der Duft auf mich wirkt. Der Motor war längst verstummt.
Leon stand neben dem noch qualmenden Geländewagen. Schweiß perlte auf seiner Stirn, die Lippen spröde. Der Wagen hatte den Geist aufgegeben.
Jetzt war er hier. Irgendwo zwischen zwei Punkten auf einer Landkarte, die er nicht einmal richtig lesen konnte.
Die Nachmittagssonne brannte auf ihn herab. 43 Grad. Keine Wolke am Himmel. Kein Empfang. Kein Schatten. Kein Wasser mehr.
Keine Rettung, aber auch kein Zurück. Also ging er los.
Die ersten Kilometer lief er wie in Trance. Jeder Schritt war ein Akt der Konzentration.
Der Sand, tief und weich, zog an seinen Füßen. Die Hitze stieg von unten auf und schlug zurück.
Leon zwang sich, nur nach vorn zu sehen und kämpfte weiter.
Die Nacht kam schneller als erwartet und mit ihr die Kälte.
Der Wind wehte feinen Sand über sein Gesicht, brannte in den Augen.
Er fand einen Felsvorsprung und kauerte sich darunter zusammen.
Der Boden roch nach Erde. Trocken, heiß, staubig.
Aber vertraut.
Fast wie Heimat.
Er träumte. Oder wachte mit offenen Augen. Schwer zu sagen.
Am nächsten Morgen war die Sonne wieder genauso erbarmungslos wie am Tag zuvor.
Leon stand taumelnd auf.
Sein Körper schmerzte.
Im Mund der bittere Geschmack von Eisen.
Aber er ging weiter.
Dann kam dieser Moment.
Ein Geruch traf ihn unerwartet. Schwer, warm, erdig.
Harzig. Vielleicht Patchouli. Oder Zedernholz.
Er hielt inne, roch erneut.
Vielleicht stieg der Duft aus dem dunklen Sand auf. Vielleicht kam er von einem ausgedörrten Strauch zu seinen Füßen, dessen rissige Rinde an Zedernholz erinnerte.
Plötzlich war er nicht mehr allein in der Wüste, sondern in ihrem gemeinsamen Schlafzimmer, Jahre zurück.
Ihr Duft. Warm, süß und herb zugleich.
Wie ein geheimer Raum in einem alten Haus.
Jetzt ist es so weit, dachte Leon.
Jetzt werde ich verrückt.
Vielleicht war es eine letzte Schutzreaktion vor dem Aufgeben.
Seine Knie gaben nach.
Er fiel.
Blieb liegen.
Der Sand fühlte sich an wie Asche.
Er drehte sich auf den Rücken, schloss die Augen.
So endet es also.
Kein Drama. Kein Schrei.
Er öffnete die Augen, ein allerletztes Mal.
Ein Lichtpunkt.
Tiefer am Horizont.
Etwas flackerte.
Eine menschliche Silhouette.
Oder nur eine Fata Morgana.
Er wusste es nicht.
Aber sein Herz schlug schneller.
Mit letzter Kraft drehte er sich auf den Bauch.
Rutschte Zentimeter für Zentimeter voran.
Nicht mit dem Gedanken zu überleben,
nur um zu wissen, ob es real war.
Ob es Hoffnung gab.
Sein Atem rasselte.
Sand in der Kehle.
Die Welt drehte sich.
Er hob den Kopf, ein letztes Mal.
Blinzelte gegen das Licht.
Und dann war da nur noch der Geruch der Wüste.
Erdig wie Patchouli.
Würzig wie die Sonnenwärme, die auf den Sand strahlt.
Und süß wie Amber, der die Unendlichkeit der Wüste beschreibt.