DuftJunkies Parfumblog

05.10.2014
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Sequel vom Sequel - Kurze Geschichte der langen Parfumnamen

Vor einiger Zeit hatte ich in meinem ersten Blog über meinen (Alp)Traum zum Thema Sequels berichtet. Solche Träume habe ich schon mal, wenn ich "Opium" nehme. Aber auch bei "Hascish Homme / Hascish Men" könnte ich mir ähnliche Nebenwirkungen vorstellen. Doch gestern hatte ich solche Sehnsucht nach meiner bildhübschen Beraterin Zho Ang Pal Feung, daß ich mich mit "The Dreamer" in den Schlaf wiegte, um sie wiederzusehen und mich mit ihr über die Zukunft des Parfums zu unterhalten. Kurz nach dem Einschlafen befand ich mich auch schon wieder im Parfum-Museum der fernen Zukunft.

Ich befinde mich also einmal mehr in diesem riesigen Wolkenkratzer "Dougras". Doch anstatt einer Chinesin steht mir eine europäisch aussehende Frau um die 50 Jahre gegenüber und mustert mich. Ohne ein kleines Lächeln fragt sie mich auch schon:

- »Wat wünschen's d'r Hörr?«

»Äähm ...«

Just werden wir auch schon unterbrochen, von einer bayrischen Besucherin, mit den Worten:

+ »Haan se aach "Maa'melad'naamä'le" aasg'ställt?«

- »Jaa, "Maa'melad'naamä'le" haam'mä aach da. Äälft' Stock.«

Die Beraterin wendet sich wieder mir zu und fragt mit einer Pokermiene:

- »Wat wünschen's ...«

Und schon wieder werden wir unterbrochen. Diesmal von einer Rheinländerin mit ihrem Sohn, die nach dem Parfum "Fastelovend" fragt. Kaum will die Beraterin antworten, funkt auch schon der Sohn schreiend dazwischen:

+ »I will ävver "Himm'l un Ääd" änma' sähn.«

- »Ming Jong, bäs d' schääl? Do't druwwä, aan d'r Wahnd!«

Dann dreht sich die Beraterin zur Rheinländerin und sagt weiter:

- »Un "Fastelovend" is op d'r zwülft' Ötaajj«

Die Besucherin schaut zu ihrem Sohn, macht ein hilfloses Gesicht und sagt:

»Pänz sinn et aand'rs«

Ich bete inzwischen innerlich, daß diese 'herrische' Beraterin nicht groß mit mir spricht, denn außer hochdeutsch kenne ich keinen 'Slang'. Und da sehe ich auch schon meine Rettung in Form der bildhübschen Zho Ang ... auf mich zukommen. Sie deutet mich leicht zur Seite und der Sequel des Traums kann beginnen. Für diesmal hatte ich vor, soviel wie möglich über diese irre langen Parfumnamen zu erfahren. Ich grüßte sie:

Sequel der Beratung zum Thema Sequels:

»Nihao.«

- »Guten Tag. Sie lelnen abel sehl schnell (siehe Blog zuvor). Lespekt. Wie dalf ich Ihnen heute helfen, mein Hell?«

»Wer ist denn diese herrische Beraterin?«

- »Ach, das ist Fläulein Müllelmeiel. Sie wulde in Deutschland bei einel Tülkis-Kette ausgebildet. Sie ist elst seit dleißig Jahlen bei uns, und sie macht sich langsam sehl gut.«

»Nun, gut. Sie sagten beim letzten mal etwas von "Shalimar ... weiß' nicht mehr". Mir fiel auf, daß einige Parfums, vor allem Sequels, manchmal so irre lange Namen hatten, daß kaum ein Mensch sich diesen Namen merken oder ihn aussprechen konnte. Wie kam es zu diesen langen Namen?«

- »Sehl gut, daß Sie das Aussplechen diesel Namen ansplechen. Denn einige diesel langen Namen fül Palfums walen leine Zungenblechel.«

»Reine Zungenbrecher?«

- »Jawohl, mein Hell.«

Der Zungenbrecher:

»Können Sie mir ein Beispiel für so einen Zungenbrecher nennen?«

- »Ja, mein Hell. Es gab vol vielen Jahlen ein Palfum, das nannte sich: "Die Katze tlitt die Tleppe klumm, klumm tlitt die klumme Tleppe die Katze KLUM". Es loch abel ilgendwie nach Katel.«

»Ääh, warum KRUM, und nicht krumm am Ende?«

- »Nun. Del Name wal so lang, daß del letzte Buchstabe nicht mehl auf die Schachtel paßte.«

»Oh je. Wie sind die Verkäufer mit diesem Zungenbrecher fertiggeworden. Gerade hier in China muß es ja Probleme gegeben haben.«

- »Übelhaupt nicht, mein Hell. Hiel in China wal del Velkauf dieses Palfums velboten.«

»Warum Das denn?«

- »Nun ja. Eine gewisse Flau Klum hatte was dagegen. Sie ging vol Gelicht und gewann den Lechz... ääh Lechtsstleit.«

»Das war sicher eine Erleichterung für Sie.«

- »Ach ja. Abel dafül hatten wil Plobleme mit andelen Palfumnamen.«

Die Animalischen:

»Aha. Mit welchen denn?«

- »Es gab eine Phase, wo Tielnamen fül Palfums Mode walen. So auch "Vöglein" und "Flische Fische". Abel wegen del Sequels, die jedes Jahl elschienen, wulden die Namen immel längel.«

»Aah. Frische Fische erinnern mich tatsächlich an einen Zungenbrecher.«

- »Das wal es am Ende auch. Ein Jahl nach "Flische Fische" kam "Flisch Gefischte Flische Fische" helaus. Danach wulde "Von Fischel's Flitz Flisch Gefischte Flische Fische" nachgeschoben. Die Sequels velkauften sich sehl schlecht. Wegen del Sequels velkaufte sich abel auch das Oliginal schlecht.«

»Oh weh. Wie reagierte der Hersteller darauf?«

- »Wie immel. Mit einem weitelen Sequel. Del Duft hieß "Von Fischel's Flitz Flisch Gefischte Flische Fische Flisch Auf Dem Silbeltellel" und velkaufte sich nul dleimal weltweit.«

»Wie konnte das denn passieren? "Silberteller" hört sich doch sehr verkaufsstark an.«

- »Na ja. Fische, die so lange auf dem Velkaufstlesen stehen, liechen nicht mehl gut. Auch nicht auf dem Silbeltellel.«

»Wie hieß eigentlich die Marke, die die armen Fische so verwesen ließ.«

- »Das wa das Haus „Lang Zhu" aus China.«

»Sie hatten noch etwas von ”Vöglein" erwähnt. Wie verhielt es sich mit diesem Duft.«

- »Also: ”Vöglein" wal ein schönel Duft, del an einen Kolibli elinnelte und sich gut velkaufte. Abel del Helstellel wollte mehl und blachte deshalb das Sequel ”Kommt Ein Vöglein Angeflogen" helaus.«

»Hört sich doch vielversprechend an?«

- »Eigentlich ja. Abel die Malke „Lang Hyn" wollte zeitgleich etwas Dlamatik. Es elschien kulz dalauf "Kommt Ein Vöglein Angeflogen - Gegen Die Wand: Klach Bumms" auf dem Malkt.«

»Das arme Vöglein. Die Kunden fanden das sicher nicht schön.«

- »Übelhaupt nicht. Die ganze Selie stagnielte. Man staltete einen Lettungsvelsuch. Im Jahl dalauf wulde das letzte Sequel "Kommt Ein Vöglein Angeflogen - Gegen Die Wand: Klach Bumms - Tatü Tata, Wie Genial: Wiedelbelebung Im Hospital" lancielt.«

»Aah. Dem "Vöglein" wurde so sicher geholfen, oder?«

- »Leidel nein, mein Hell.«

»Nein? Wieso nicht?«

- »Nun ja. Wenn Tatü Tata ein Jahl nach dem Unfall kommt, dann Vöglein tot. Da hilft auch keine Wiedelbelebung mehl.«

»Die armen Fische und das arme Vöglein. Gab es denn noch andere Tiere, die dem olfaktorischen Wahn der Menschen erlegen waren?«

- »Oh ja, mein Hell. Wale, Moschustiele und Zibetkatzen stalben nacheinandel wegen del Ausbeutung ihlel Seklete aus. Am Ende elinnelten sich die Chemikel auch noch an die letzte tielische Substanz, die schon fast velgessen wal. Castoleum wulde genauso ausgebeutet wie Ambel, Moschus und Civet auch.«

»Castoreum? Was war das nochmal?«

- »Bibelgeil.«

Die Erlösung:

»Meine Güte. Erst die langen Namen, dann Natur ausbeuten (siehe Blog zuvor) und zuletzt auch noch Tiere ausrotten. Endete dieser Wahn der Menschen mit den Sequels jemals?«

- »Glücklichel Weise, ja mein Hell. Vol Kulzem fand eine melkwüldige Entwicklung statt. Eine Malke fand helaus, daß lange Palfumnamen beim Velkauf mehl hindellich sind als földellich.«

»Was war das für eine Entwicklung? Welche Marke machte dem Sequel den Garaus? Und vor Allem: wie schaffte sie es?«

- »Nun, mein Hell. Es wal eigentlich eine zufällige Entwicklung. Ein paal Indianelstämme hatten die Idee, sich zusammenzuschließen und ein Palfum helauszublingen. Es entstand die Palfummalke ApaNavChe. Diese nannte ihl elstes und einziges Palfum: "Gloßel Schwalzel Felsblocken - Del Sich Nach Dem Velheelenden Eldbeben Vom Gipfel Des Heiligen Belges Des Mächtigen Manitou Löst Und Mit Illsinnstempo Auf Den Boden Last - Bevol El Mit Wucht Aufschlägt Und Einen Klatel Auf Del Elde Hintelläßt". Ein tolles Palfum.«

»Ein interessanter Name. Aber wirklich sehr lang. Sehr schwierig zu merken.«

- »Genau, mein Hell. Sogal del Splechel von del Welbung konnte sich den Namen nicht melken. Dabei wal das ein indianischel Bauel, del sogal Kühe melken konnte.«

»Wie reagierte ApaNavChe auf das Problem?«

- »Das Palfum "Gloßel Schwalzel Felsblocken - Del Sich Nach Dem Velheelenden Eldbeben Vom Gipfel Des Heiligen Belges Des Mächtigen Manitou Löst Und Mit Illsinnstempo Auf Den Boden Last - Bevol El Mit Wucht Aufschlägt Und Einen Klatel Auf Del Elde Hintelläßt" elhielt einen neuen Namen.«

»Aha. Und wie hieß es später?«

- »Plumps!«

»Ääh? Wenn so ein Felsbrocken auf die Erde aufschlägt, dann macht es doch mehr als nur "Plumps!".«

- »Sehl gut elkannt, mein Hell. Deshalb kam das Extlait untel einem andelen Namen helaus: "Lumms!".«

»Lumms?«

- »Oh nein. Lumms, mein Hell, nicht Lumms.«

»Ach so: "Rumms!".«

- »Genau, mein Hell. Und das Schöne an diesel zufälligen Entwicklung wal, daß das Beispiel Schule machte. Man kehlte ab von langen Namen und besann sich wiedel auf kulze, plägnante Namen. Meist walen diese Namen so aussagekläftig, daß sie auf Dauel die ganzen Sequels übelflüssig machten. Ich bin sehl floh dalübel.«

»Ich hoffe, die Hersteller in meiner realen Welt werden das auch bald begreifen. Wer weiß, wer weiß? Vielleicht ist es ja schon bis zu meinem nächsten Traum soweit. Doch heute wird das wohl nichts mehr. Auf Wiedersehen, liebe Zho Ang Pal Feung.«

- »Auf Wiedelsehen, mein Hell.«

Sequel folgt. Oder auch nicht?

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