GarconGarcons Parfumblog

Vor 6 Monaten
101 Auszeichnungen

Das Parfümschlaraffenland ließ mir schon zum dritten Jahr in Folge keine Ruhe. Europas größtes Parfum Event besuchen, die edelsten Duftmarken, eine Menge internationaler Parfümprominenz vereint auf einem Haufen und dies in Bella Italia – Parfumoherz, was willst Du mehr!

Nachdem ich mich hier ein wenig nach Gleichgesinnten umhörte, war es Dave Gahan, der nach anfänglichem Zögern dann schneller als erwartet seine Ticketbuchung vermeldete. Herr Heiter sollte auch kommen. Welch illustre Gesellschaft. Schnell eine strategisch günstig gelegene Unterkunft zwischen Milano Centrale, dem Hauptbahnhof, und The Mall, dem Veranstaltungsort, gesucht und Flüge gebucht. Anreise am Vorabend, um perfekt ausgeschlafen ins Parfumparadies zu hüpfen.

April. Nach Monaten der Vorfreude war es so weit. Garcon in Wonderland. Es konnte beginnen. Am Morgen beim Frühstück in einem Bistro umgeben von der Mailänder Schickeria, nur wenige Meter von der Esxence entfernt sitzend, ließ ich mediterranen Schick und italienische Lebensfreude auf mich wirken, fragte mich allerdings ganz deutsch, wie ich mir nach Betreten der heiligen Hallen wohl am intelligentesten meine Zeit einteilen würde. Hatte ich richtig gezählt, waren 187 Aussteller aus der Parfümbranche vertreten. Beginn war um 10:30, Ende um 18:30. Ich kam auf 16 Stunden Besuchszeit – ohne Mittagessen und der Erledigung sonstiger Bedürfnisse. Bedeutet: 5 Minuten pro Stand und jeweils bis zu 13 Sekunden Nachspielzeit... ich zahlte und machte mich auf den Weg ins Paradies.

Ankunft. Die Türen öffnen sich. Check In. Garderobe. Rein ins Vergnügen. Wie zu erwarten: Reizüberflutung vom Feinsten. Sowohl für Nase als Augen ein Event durch und durch für gut gelaunte Genießer. Zur rechten der großzügige Stand von Montale und Mancera, zur linken recht eng beisammen Miller et Bertaux gefolgt von Maison Incens, Premier Notes und La Manufacture – in weiter Ferne blitzen Flakons von Moresque, LM Parfums und Histoires de Parfums und scheinen zu rufen: Komm zu uns, worauf wartest Du? Dazu eine Menschenmasse, die so schnell vorprescht, dass sie fast kein Durchkommen zulässt. Neben den neusten und schönsten Flakons wird hier auch die hübsche Mode präsentiert – inoffiziell, aber umso interessanter: Die Damen allesamt molto elegante mit Heels, aber auch ausgefallenen Sneakern, genauso wie die Signori, die mit oft enganliegenden Hochwasserhosen, bunten oder keinen Socken, Zweireihern, Einreihern, Krawatten, Fliegen, Schnäuzern und ausgefallenen und zugleich stilsicheren Augengläsern brillieren. Ganz vorne dabei: Massimo Nobile, der mit Stolz und Eleganz vor seinem Stand flaniert, frech grinsend wie ein Lausbub. Auch dank La Danza delle Libelulle und Perdizione für mich ein ganz Großer. Ein kurzer Small Talk und ein Foto für die vielleicht mal existenten Enkelkinder. Jeder ist hier entspannt und offen.

Um dank der vielen Gäste nicht erst nach langem Warten mit den Ausstellern ins Gespräch zu kommen, lasse ich mich von meinem inneren Parfümmagneten leiten, der mich in die hübsche Welt von Moresque leitet. Eine Augenweide. Und eine Nasenweide zugleich. Meine Sympathiewerte für Moresque waren dank Al Andalus und Sandal Granada bereits vor Mailand mehr als hoch. Und sie steigen weiter. Die reizende Elisa, die sich mit ihren adretten Kolleginnen viel Zeit für jeden Besucher nimmt, präsentiert in bestem italo-englisch jeden Duft einzeln und in aller Ruhe seine eigene, ausschweifende Geschichte. Wie viel Wert die Parfümhäuser auf die Hochwertigkeit ihrer Flakons legen, wird auch hier wieder mehr als offensichtlich. Moresque verziert jeden Flakon der Art Collection individuell per Hand, was mir erst beim nebeneinander halten bewusst wird. Jeder Flakon unterscheidet sich vom anderen, was auch gut bei der verlinkten Fotoauswahl von Art Collection - Contessa zu sehen ist, achtet man auf das Muster des Blattgolds. Ob so viel Wertigkeit im Sinne des Verbrauchers liegt? Schließlich ist ein solcher Flakon doch ein immenser Kostentreiber. Bei dem Gedanken lobe ich mir das Flakonsystem von Kilian, meines Wissens leider die einzige Marke, die auch deutlich günstigere Refill-Flakons im Sortiment hat. Wozu die leeren Flakons seines Lieblingsdufts stapeln? Refillen könnte für Produzent und Verbraucher eine lohnenswerte Lösung sein. Ein paar Meter entfernt von Moresque’s bunter Flakonsammlung steht die relativ tough wirkende Eigentümerin, neben ihr Jacques Zolty, dessen Marke ebenfalls zum Moresquekonzern zählt. Nach einem netten Hallo lasse ich es mir nicht nehmen, die beliebtesten seiner Düfte zu testen. Auch zu jedem der Düfte von Jacques, der vor seiner Parfumkarriere in der Karibik lebend als Model, Schauspieler und Fotograf aktiv war, gibt es auch eine eigene Geschichte. Einer der Düfte soll den Moment wiedergeben, in dem nach einem Shooting alle Anwesenden den Raum verlassen und Fotograf und Modell allein sind. Der Rest leibt der Fantasie und darf mit dem Tragen des Parfums nachgelebt werden.

Am nächsten Stand, der mich einfängt, sorgt Tiziana Terenzi mit alten wie neuen Düften für eine echte Bereicherung und versprüht dabei beste Laune. Dies darf vermutlich auch an den Inhaltstoffen Ihrer neuen Düfte liegen, die allesamt mit Pheromonen getuned sind. Neu im Sortiment und mehr als einen Test wert: Meine neuen TT-Favoriten Afrodite (blumig, fruchtig, holzig) und Dionisio (recht herber Gourmand), beide aus der Anniversary Collection, sowie – ebenfalls außergewöhnlich: Sirrah und Mirach (Luna Stars Collection), Erscheinungstermin leider unbekannt.

Ich schaue auf die Uhr und kann es nicht fassen. Schon mehr als 45 Minuten sind vergangen. Ein Abklappern aller Stände erscheint nun unmöglich. Um mir einen Gesamtüberblick zu verschaffen, möchte ich eine erste Gesamtrunde drehen, komme aber nur zur Hälfte. Royal Crown, mit dem einzigen Duft, der von mir bis heute eine 10 erhielt (Adventure), mit ihrem sehr großzügig einladenden engelsweißen Stand, repräsentiert von den beiden Schwestern der Eigentümerfamilie, zwingt mich zum Stoppen. Hier gibt es eine Menge neuer Flakons zu bewundern und zu beschnuppern. Narkao zieht mich direkt in den Bann. Trotz meiner Begeisterung schaffe ich es immerhin nach 15 Minuten zu entkommen. Dann jedoch erblicke ich eine Marke, die ein sehr wesentlicher Grund für meinen Flug nach Mailand war: Spirit Of Dubai. Aufgrund der immens guten Bewertungen einiger Düfte hier bei Parfumo und einem Parfum Tasting im Düsseldorfer Schnitzler war meine Neugierde groß. Selbst ein Anruf von Dave Gahan, der mir das verlockende Angebot eines persönlichen Kennenlernens bei Erkundung der exquisiten Parfümgalerien in der hübschen Mailänder Altstadt macht, kann mich genauso wenig von der Sogwirkung des wohl edelsten Stands der Esxence entziehen, wie dies vermutlich ein Date mit Jessica Biel tun würde.

Hier ist alles besonders luxuriös und fein. Der Stand, die Flakons, das Personal. The Spirit Of Dubai wurde 2015 als die exklusivste Marke von dem bereits 1969 entstandenen Unternehmen Nabeel gegründet. Der Gründer beider Marken, der bereits als Kind mit Parfümölen eigene Kreationen mischte, ist sogar persönlich anwesend. Wie aus dem Ei gepellt mit Anzug und Krawatte und den zweifelsohne schönsten Herrenschuhen Mailands strahlt er tiefenentspannt bis über beide Ohren. TSOD’s erste Kollektion erschien 2015, bestehend aus sieben Düften, alle im gleichen, relativ kompakten Design. Sie sollte Maßstäbe im Luxus-Segment setzen – und hat es scheinbar auch bereits getan. Ist diese Serie schon extrem hochwertig, wurde mit der zweiten Generation noch richtig satt einer draufgelegt. Der passende Name: Ultra-Niche Collection, ebenfalls aus sieben Düften bestehend. Nicht nur der Inhalt ist vom Feinsten, auch die mehrfach ausgezeichneten Verpackungen, Flakons und sogar die Tragetaschen. Während ich die spannende und perfekt anmaßende Präsentation der PR-Managerin genieße, zieht eine Rauchwolke in meine Nasennähe. Sieh an: Auf einem edlen Pokal zu meiner linken kokelt ein Räucherkeks von einem Duft der Niche Collection. Ein unfassbar schöner Holzduft - Kokeln auf allerhöchstem Niveau. Dies schürt zusätzlich meine Vorfreude, nun endlich die Düfte der Ultra-Niche Kollektion beschnuppern zu dürfen, zumal sie in Deutschland nicht erhältlich sind und ich in nächster Zeit nicht in Dubai sein werde. Der Moment naht: Jeden Ultra-Niche-Duft gönne ich mir mit aller Seelenruhe. 5 Minuten und 13 hin oder her, das muss jetzt sein. Per Teststreifen. Bevor es dann einer auch auf meine Haut schaffen darf. Und bereits hier fällt auf: Anstelle der Bezeichnung Ultra-Niche wäre es genauso passend gewesen Ultra-Quality zu verwenden. Die Intensität - und vielmehr als das, die Komplexität dieser Düfte suchen zweifelsohne seinesgleichen. Die goldene Krönung wird Diwan zuteil. Komplexität und Harmonie vereinen sich par Excellence mit einem wunderschönen Duftverlauf immer neu auftauchender Höhepunkte. Verschiedene Hölzer, intensiv aber nie stechend, kein Pferdestalloud, verschiedenste Gewürze, Kaffee, eine leichte Ledernote, ein wenig Rauch, dazu die vielen Fruchtkomponenten, die eine perfekte Ergänzung bilden. Ein Traum! Lediglich die Tatsache, dass ich kein Liebhaber von Leder und Rauch bin, lässt ihn bei meiner Bewertung haarscharf an einer 10 vorbei schliddern. Wer genau solche Düfte mag, dürfte hier jedoch seinen Meister aller Klassen gefunden haben. Völlig benommen von diesem phänomenalen Erlebnis, versuche ich noch den Worten der PR-Managerin zu lauschen. In ihrem angenehmen kanadisch-englisch berichtet sie, dass alle Düfte Ganzjahresdüfte seien. Für eine europäische Nase eventuell gewöhnungsbedürftig, aber durchaus nachvollziehbar, schließlich gibt es in Dubai keine Jahreszeiten wie bei uns. Sie erzählt zudem, dass trotz der Intensität der Düfte Layern in Dubai Standard sei. Layern mit Düften im 10er-Bereich. Eine spannende Vorstellung und ein schönes neues Projekt für mich.

Mit einem herzlichen Dankeschön verabschiede ich mich von der Ultra-Luxusmarke und frage mich, ob mich nun noch irgendetwas hier wird begeistern können. Ein paar Meter weiter bleibe ich an einem kleinen Stand stehen. Die Buchstabenkürzel hinter der mir unbekannten Marke Renier wecken mein Interesse. Und tatsächlich, neben den vielen italienischen und französischen Marken ist auch eine tschechische am Start. Dass Tschechien nicht das sonnige Italien ist, lässt sich direkt an den Namen der Düfte erkennen – alle vier Parfüms enthalten „Rain“ in ihren Namen (Black Rain, Crystal Rain, Oud Rain und Kisses Rain). Allerdings weit gefehlt, wie mich das Paar aufklärt. „Kisses Rain“ steht für eine ordentliche Portion Küsse - die einem scheinbar zuteil wird, wenn man den Duft trägt, vermute ich. Vielleicht ist dies der Grund, weswegen dieser Duft bei Parfumo eine stolze 8.6 erzielt hat, denke ich, während ich mir parallel die Seite auf meinem Handy anschaue. Zu jedem der Düfte hat Renier Mendez ein Bild gemalt, wie mir seine neben ihm stehende Frau erklärt. Auf eines deutet sie besonders freudig hin. Man sieht eine nackte Dame, die ihren Arm in den Regen hält. Dies sei sie, führt sie fröhlich aus. Ob das Tattoo auf ihrem Rücken tatsächlich echt sei, frage ich, was sie freudig bejaht. Viel Liebe zum Detail. Wer die anderen nackten Damen auf den von Renier gemalten Bildern seien, frage ich dank der guten Stimmung dann lieber nicht. Statt dessen möchte ich den 8,6er-Duft kennenlernen und es Mailänder Küsse regnen lassen. Es gibt einen Sprüher auf eine noch freie Hautstelle an meinen Arm. Und tatsächlich, ich bin verblüfft, die gute Bewertung ist mehr als gerechtfertigt. Ein extrem leckerer Mandelduft – zu einem sehr günstigen Preis. Ich muss auch Stunden später noch an ihm riechen. Wäre meine Nase ein Mund, hätte mein Arm einen Knutschfleck.

Wenige Meter weiter eine deutsche Vertretung. Schwarzlose Berlin, direkt an den schwarzen Handschellen zu erkennen, die neben „Leder 6“ prangern. Man freut sich, jemanden von Parfumo kennenzulernen. „Perfume Sucks“ steht über einem der nächsten Stände. Was sich wie eine provozierende Werbung oder gar der Name eines Parfums liest, ist tatsächlich der Name einer ganzen Marke. Mit einer fröhlich-lockeren I don’t give a shit – Einstellung stellt sich der Eigentümer vor. Seine Parfümmarke sei ein Zweitmarkt für Düfte, die er für spezielle Projekte kreiert habe, die aber von den Kunden nicht genommen wurden. „Es gibt keine Namen und es gibt keine Geschichte zu den Parfums.“ Wie angenehm, denke ich mir, da ich mir bereits gefühlte 100 verschiedene Stories anhören durfte. Statt Namen gebe es Farben. Darauf halte ich meine Nasen an den blauen Duft, der besonders frisch daherkommt und mich an haribos-Schlümpfchen erinnert. Sehr lecker. Am besten gefällt mir Green (grün-nussig-fruchtig), da sehr lecker und vor allem anders als das, was man bereits kennt. Einzigartig ist vermutlich auch Yellow, der nach Curry riecht. Als er Parfumo hört, verstärkt sich seine gute Laune nochmals.

Nachdem ich eine Runde gedreht habe, fange ich wieder von vorne an. Derweil hat sich die Menschenmasse etwas gelichtet. Auch am Montale & Mancera – Stand ist es recht ruhig geworden. Trotz der entspannten Lage: die beiden Vertreter der Marken scheinen die einzigen auf der Esxence zu sein, die sich mit größter Anstrengung darum bemühen, die einzigen unsympathischen Wesen hier zu sein, so dass ich schnell dankend weiterziehe. Da beide Marken eh eher im Mainstreambereich anzusiedeln sind, nehme, freue ich mich, ein wenig Zeit für interessantere Marken aufzuholen.

Wie zum Beispiel für „Premier Note“ und „La Manufacteure“, die mir direkt einen Platz an ihrem Tisch anbieten und sich zu dritt von mir ihre Düfte auf Parfumo präsentieren lassen. Dass selbst neueste Düfte hier bereits gelistet sind, sorgt nicht nur hier, sondern generell auf der Esxence bei Eigentümern wie bei Parfümeuren für Begeisterung und Sprachlosigkeit. Herve von Premier Note jedenfalls amüsiert sich kräftig, als er sieht, dass sein Duft besser abschneidet als der seiner Frau, während Bruno mir hoch motiviert seine La Manufacteure – Parfums präsentiert. Die Sympathiewerte für dieses Trio sind besonders hoch, ebenso wie für den besonders freundlichen Eigentümer von MDCI, der sich von der Begeisterung der Gäste für seine Parfüms hat sichtlich anstecken lassen.

Unweit entfernt ziehen mich die blue Bottles von Histoires de Parfums in ihren Sog.
Die blaue Serie scheint ein wahrer Erfolgshit zu sein. Jedenfalls hat HdP seit dem hier recht stark polarisierenden „This is not a blue bottle“ (1.1.) bereits vier weitere folgen lassen. 1.4 und 1.5 darf ich heute zum ersten Mal beschnuppern. Und ich bin positiv überrascht. Version 1.4 soll aus reinen Inhaltssoffen bestehen und begeistert mich mit dezent frisch blumig-holziger Würze – und zwar anders als alles bisher Gerochene. Ein Ganzjahres-Unisexduft, durchaus im Business tragbar. Version 1.5 hingegen ist ein rein synthetisch-zitrischer Sommerduft, intensiv und lange haltbar – welch seltene Kombination. Nische at its best - wer etwas individuell Riechendes sucht, wird hier fündig. Während die beiden mir einzeln schon sehr gut gefallen, sollen sie gemischt den absolut harmonischen Duft abgeben, so verspricht die Dame von HdP. Ein cleveres Konzept. Wieso nur einen Flakon verkaufen, wenn man doch direkt zwei an den Mann bringen kann. Parallelen zu Escentric und Molecules poppen auf, die zusammen ebenfalls besser als einzeln riechen sollen, was ich für die 04er Serie übrigens nur bestätigen kann. Gibt es eigentlich bereits Düfte, die als Dreierkombi für Ultra-Harmonie sorgen sollen? Vielleicht bald von Spirit Of Dubai. Ultra-Harmony mit Ultra-Niche dank Ultra-Layerns. Zurück zur absoluten Harmony presented bei HdP. Beide Düfte Auf meiner Haut aufgesprüht komme ich tatsächlich zu dem Ergebnis: Zusammen riecht besser als einzeln. Meine Blue Bottle Harmony – Formel lautet: 1.4 + 1.5 im Verhältnis 2:1. Macht aus meinen Einzelbewertungen 7,5 und 8,0 eine Gesamtwertung von 8,5.

Die Zeit rast und ich befinde mich bereits am zweiten Tag auf der Esxence. The House Of Oud präsentiert ihre neue THoO-Serie bestehend aus drei Unisexdüften in knalligfarbigen, aber nicht minder schicken Ostereierflakons mit neu gestaltetem, gradlienigerem Sockel. Alle – insbesondere weiblichen - Irisliebhaber dürften bei dem fruchtig-frischen „The Time“ ihre Freude finden, während „Live in Colours“ ein fruchtig-zitrisch-grüner Unisex-Sommerduft ist, den ich dank der Hinoki-Grapefruitkombination als außergewöhnlich bezeichnen würde. Beide top und beide eine schöne Ergänzung der sonstigen House Of Oud – Düfte, während „Just Before“ als Gourmand auf den ersten Riecher keine wirkliche Neuerung darstellt.

Auch bei der erst 2016 gegründeten Marke Amouroud kam mir schnell der Eindruck, dass man sich von dem „Oud“ im Namen gern trennen würde. Zu schnell denken potenzielle Kunden wohl an intensive Oudbomben. Durchaus nachvollziehbar. Wo Zitronensaft draufsteht, könnte ja auch Zitronensaft drin sein. Oud ist bei zwei der drei neuen Düfte jedenfalls überhaupt nicht heraus zu riechen, also vermutlich auch nicht enthalten. Lunar Vetiver startet sehr frisch, entwickelt sich wie so viele Vetivers dann leider recht herb. White Hinoki ist ein blumiger und vor allem grüner Frühlingsduft, den ich an einer Frau sehe.
Interessanter der dritte im Bunde: Oud Tabac. Dieser riecht holzig, herb, mit einer süßen Mandelvanillenote und nur dezenten Tabaknote, sehr edel, nur leicht ledrig und minimal rauchig. Ein klarer weiterer Test-Tip für die Merkliste! Wer bei Tom Ford’s Tobacco Vanille durch Hyperglykämie ins Koma fällt, kann getrost auf Amourouds Tabakvariante zurückgreifen. Durchaus auch im Business tragbar. Ein Topduft.

Ebenfalls sehr positiv aufgefallen ist die Marke Signature Fragrances. Dank der guten Bewertungen von Serge, die mir wärmstens in Erinnerung waren, auch hier ein kurzer Stop. SF legt besonders viel Wert auf natürliche Ingredienzen und auf wenig bzw. keine Chemie sowie auf einen hohen Parfumölanteil von bis zu 100% gelegt. Die bald neu erscheinenden Düfte White Tea Rose, Fruity Fusion, Santal Couture und Sublime Oud riechen sehr edel und besonders. Eine Marke, die ich mir noch genauer anschauen werde.

Les Eaux Primordiales fasziniert mich nicht nur wegen der hohen Trefferquote bei seinen Parfums (von neun hier gelisteten Düften haben fünf eine Parfumo-Bewertung von mehr als 7,9), sondern auch, weil der Eigentümer und gelernte Parfümeur Arnaud Poulain, der jeden seiner Düfte mitentwickelt hat, gerade mal 30 Jahre jung ist. Ein sehr bescheidener Zeitgenosse mit einem hohen Perfektionssinn. Seine neuen Düfte konnte ich noch nicht testen, vielleicht mag mir jemand dabei helfen.

Der Stand von Jardin de Parfums, fällt optisch durch die großflächige Blumenverzierung auf. Das erst in diesem Jahr gegründete Unternehmen besteht aus drei Untermarken (Papavera, Unique, The White Essentials), mit insgesamt 16 Düften, von denen zuletzt noch keiner hier gelistet war.

Natur pur gibt es auch bei der Gründerin von Mendittorosa, Stefania Squeglia, die sich extra eine Wiese an ihrem Stand hat verlegen lassen. Barfuß steht sie dort und lädt zur Fachsimpelei beim kneippschen Waldspaziergang ein. Zu gern würde ich ihre neuen Düfte kennenlernen. Leider bleibt keine Zeit mit ihr eine Runde zu drehen. Ich muss los.
Von der Esxence geht’s mit dem Taxi durch den Berufsverkehr zum Milano Centrale, wo mich der Trenord zum Eurowingsterminal fährt. Das Handgepäck dank der vielen Parfumproben am Check In abgegeben, bewahrt mich einzigst die ultra-edle Tragetasche von The Spirit Of Dubai davor, mich von Textilien oder gar neuen Düften zu trennen. Wie ein arabischer Scheich fühlend spaziere ich glücklich in den Flieger, der mich sicher und entspannt zurück in die Heimat bringt.

Fazit: Eine tolle Zeit, die wie im Zeitraffer verflog. Meine Erwartungshaltung wurde deutlich übertroffen. Und: Für das Kennenlernen aller Marken sollte man sich am besten die vollen vier Tage geben. Oder man kommt einfach nächstes Jahr wieder. Insofern: Fortsetzung folgt. Hoffentlich dann auch mit Eurer regen Beteiligung und vielen netten Treffen. Denn: wofür nach Meschede fahren, wenn Mailand nur eine Flugstunde entfernt ist.

PS: Weitere Fotos zur Esxence auf meiner Seite

45 Antworten