Auf diesen Duft bin ich ca. vor 3 Winter aufmerksam geworden, als mir eine Zeitschrift mit den neuesten Düften von Mariounnaud ins Haus flatterte. Dort war eben das Microphon abgebildet und debei stand, dass es nach einer Mischung aus Weihrauch und Veilchen duften solle.
Auch die Optik - wenngleich sie für viele "kitschig und kindisch" erscheinen mag - fand ich nett und damals für mich der erste, solcher Aufmachung.
Also hin zur Parfumerie und testete (es ist schon so lange her, ich weiß nicht mehr, ob ich den Duft vorher meinem Freund zeigte, oder ob es ein Blindkauf war). Jedenfalls gefiel mir der Duft und der Flacon. Zu letzteren muss gesagt werden, dass sich der Name Decibel (leider?) nur auf das Microphon bezieht, denn "laut" ist dieser Duft keineswegs. Nicht, dass ich (oder mein Freund) dies bedauern würden; er ist sowieso ein "Dezent-Sprüher", und mag auch sonst nicht wirklich auffallen (auch wenn mein Freund sehr wohl Blicke erntet, aufgrund seines Kleidungsstils und seiner Haarpracht am Schopf).
Der Sprüher liegt gut in der Hand, und ist sehr leichtgängig.
Aus ihm entsteigt sogleich eine leicht süßliche Mandarine. Nicht süß im Sinne von quitschig oder vanillig oder klebrig; nein, nur dezent. Eher wie Trockenobst. Ja: Trocken-Mandarine, wenn man so will. Diese wird sogleich leise untermalt von etwas rauchigem. Noch erkennt man nicht, von welcher Art "Rauch" man es hier zu tun hat.
Dann kommt sie - eine Rauchwolke. Für kurze Zeit, bleibt einem regelrecht die Luft weg. Der Weihrauch tritt stark hervor und "kreischt" (für Metal-Fans: wie Judas Priest) förmlich ins Micro. Aber Judast Priest sind halt schon von älterem Kaliber und so wird er schnell heiser, der Gute.
Jetzt kann man auch erkennen, dass es sich hier um einen Weihrauch der "sakraleren" Note handelt. Allerdings assoziiere ich hier nicht "Kirche"! Nein; hier muss man zum besseren Verständnis bisschen weiter ausholen:
Die Männer in der Familie meines Freundes zelebrieren jedes Jahr, zu Weihnachten, bevor wir Geschenke verteilen, einen Brauch. Hier kommt in eine alte, riesige Dose, mit Henkel, die als Räuchergefäß dient, zwei Hand voll Kohle, diese werden angezunden. Sobald diese dann glosen, kommt speziell zum Räuchern, der Weihrauch darübergestreut. Und so gehen sie das Gefäß schwenkend und schüttelnd durch das ganze Haus, und vernebeln dieses um es zu "weihen".
Das erste Jahr musste ich fluchtartig das Haus verlassen, nicht auszuhalten war das. Das ganze Haus war in Nebel gehüllt, die Augen tränten, dazu dieser beissende "Duft" (um nicht zu sagen "Gestank"). Aber mit der Zeit gewöhnt man sich an alles, sagt der Volksmund. Und so mag ich mittlerweile auch Weihrauch.
Und genauso, wie oben beschrieben, kommt auch dieser Weihrauch äußerst authentisch daher. Zuerst noch laut schreiend um gleich im nächsten Moment handzahm und "skinny" zu werden. Hier verbindet er sich mit dem Veilchen, ohne dass meine Nase je diese erkennt - aber so bekommt der Weihrauch eine minimalistische blumige Note und ist somit auch im Sommer gut tragbar.
Dieser Duft wird nie aufdringlich, nie penetrant. Eine ziemlich runde und ausgewogene Sache. Bestens geeigent, um sich mit dem Thema "Weihrauch" erstmalig auseinander zu setzen.
Gegen Schluss wird er - zumindest an mir - sogar leicht cremig, und richtig lecker, noch immer ist ein Hauch von Rauchigkeit wahrzunehmen. An meinem Freund riecht er gen Ende auch noch etwas rauchig, aber eher süßlich, diesmal aber vermutlich eine vanillig-tonkabohnige Süße, welche aber auch nur dezent wahrzunehmen ist.
Der Preis ist okay, im mittleren Bereich, genauso wie die Haltbarkeit. Diese liegt bei guten 6 bis 7 Stunden, bevor er immer leiser und leiser wird und zum Schluss ganz wegtritt.
Für mich ist das einer der außergewöhnlicheren Düfte im Mainstreembereich, der immer passend erscheint; kenne Weihrauch als Thema sonst nur als nischige Sache.