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loewenherz
27.06.2017 - 02:07 Uhr
12
Top Rezension
6Duft 5Haltbarkeit 4Sillage 3Flakon

Kann alles, aber nichts richtig

Dass die Benutzerinnen und Benutzer von Parfum an ihr Produkt ganz unterschiedlicher Erwartungen haben, liegt in der Natur der Sache - und es wäre ja auch langweilig, fänden denn alle immer dasselbe gut. So erwarten manche, dass ihr Duft - wenn einmal aufgetragen - stundenlang durchhält (besonders, wenn er teuer war) - während andere es je nach Dufttyp völlig in Ordnung finden, wenn nach ein oder zwei Stunden Feierabend ist. Manche möchten, dass ihr Parfum sie wie eine Art leuchtende Duftaura umwabert, und andere mögen es ganz hautnah und intim. Und manche - gar nicht wenige, so scheint mir - finden sogenannte 'Allrounder' gut.

'Allrounder', so glaube ich zumindest zu verstehen, sind Düfte, die nie unpassend sind, mit denen man kein Risiko eingeht und nichts falsch machen kann. Die im Büro gehen, im Supermarkt und in der Bar. Ich will keine Allrounder. Ich will Düfte, die in just dem Moment, in dem ich sie trage, richtig sind - wen schert es da, wenn sie es in anderen nicht sind? Ich habe so viele verschiedene Parfums (na ja - 'viele' ist sicher genauso subjektiv - für mich sind über fünfzig aber 'viele'), weil ich ihren Charakter und ihre Verschiedenheit so schätze. Ich finde Düfte, die 'nur irgendwie gut riechen und besser sind als gar kein Duft', langweilig. Und deshalb - für mich persönlich - redundant.

CK2 ist so ein Duft. Ein echter Allrounder. Einer, der im Büro ebenso geht wie nachmittags zum Einkaufen im Supermarkt wie abends in der Bar. Es ist absolut nichts Störendes in seinem Wesen - aber einer, der nie falsch ist, ist eben auch nie richtig. CK2 stolpert - wie so viele von Calvin Klein - den parfumhistorisch übergroßen Fußabdrücken von CK One hinterher, der das 'ein Duft für alle und für jeden' ja quasi erfunden hat. Und hier ist nun (wieder) einer, der für alle da sein und allen gefallen will - und zumindest niemandem missfallen wird - den spontan exotisch anmutenden Ingredienzen wie 'nasses Kopfsteinpflaster' in seiner Duftpyramide zum Trotz.

CK2 ist im Wesentlichen ein nüchtern-graubitterer Duft von mittlerer Ausdauer und Stärke. Und weil ich sowohl nüchterne, wie graue, wie auch bittere Düfte eigentlich sehr mag, verdrießt es mich ein wenig, dass er sich weder das Nüchterne (Veilchen und Iris), noch das Graue (Vetiver), noch das Bittere (Weihrauch) so richtig traut. Stattdessen will er sich alle Optionen offen halten - das Blumige nicht aufgeben und vom Synthetischen nicht lassen. So schafft er es trotz seiner vielversprechenden Grundlagen nicht über den eingangs zitierten konturarmen 'Allrounder' hinaus - was ich hier ganz besonders schade finde. Aber so wird er wohl eben mehr gekauft.

Fazit: wieder nicht der Wurf, auf den man bei Calvin Klein schon lange wartet. Will einer für alle sein und alles können - aber kann nichts wirklich richtig gut.
1 Antwort
BlauemausBlauemaus vor 7 Jahren
Schade. An mir ist er sauber, sehr sanft und aquatisch-salzig. Ich mag aber auch sowas gerne.