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Bleu de Chanel (Eau de Parfum) von Chanel

Bleu de Chanel 2014 Eau de Parfum

DerOlfaktor
20.12.2025 - 15:59 Uhr
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7Duft 7Haltbarkeit 7Sillage 8Flakon

Wenn Du zur Arbeit gehst am frühen Morgen ... (aus Augen in der Großstadt)

Wenn ich Düfte beurteile, stelle ich mir immer die Frage: Welcher der Düfte, Die Du besitzt, würde von den Erwartungen und der Beschreibung her, dem Testkandidaten am nächsten kommen?
Bei manchen Düften kann man diese Frage nicht beantworten, da sie zu eigenständig sind.
Für den Bleu de Chanel habe ich mir den Eau pour Homme von Armani herausgesucht, der ein Jahr zuvor erschien. Sie vertreten die gleichen Duftrichtungen, lediglich dort, wo der Bleu de Chanel noch aquatisch sein soll, geht der Armani in die grüne Richtung.

Beide Düfte starten mit Zitrusnoten, wobei die des Armani einfach schöner, süffiger und runder in ihrer Komposition sind. Die Zitrusnote des Bleu de Chanel ist schärfer und stechender und man erahnt, dass er und das EdT die Prototypen einer neuen Generation von Düften sind, die Frische verkörpern und die ihre meinen.
Der Punkt ist jedoch, dass frisch und frisch nicht unbedingt das Gleiche sind. Die Frische, die sich mir beim Bleu der Chanel entgegenstellt, ist die Frische, die ich mehr mit Sauberkeit und Korrektheit in Verbindung bringe. Alles ist aufgeräumt, alles liegt an seinem Platz, das Fenster im Bad steht offen und strahlt im Meister-Popper-Glanz, die AGB unter dem Vertrag sind zur Kenntnis genommen und angekreuzt.

Und dann passiert etwas ganz Eigentümliches: Nach einer Stunde klappt die Zitrone ihren Aktenkoffer zu, steht auf, stellt den Stuhl an den Tisch, streift den Mantel über und verläßt den Ort des Geschehens – noch bevor man ihr hinterherrufen kann: „Verweile doch, du bist (gar nicht) so schön!"
Was jetzt passiert, würde ich als Eintönigkeit und Langeweile bezeichnen. Die Erwartung ist, dass jetzt das Sandelholz die Bühne betritt und seine Rolle wie aus dem Effeff runter spult.

Aber nicht heute und nicht hier!
Das Bleu de Chanel wird hier unter den Herrendüften als einer DER Sandelholzdüfte geführt. Vielleicht unterscheidet sich neukaledonisches Sandelholz noch einmal deutlich von meinen Erfahrungen mit diesem Holz, aber was in erster Linie wahrgenommen wird, ist der Geruch von flüssiger Körperseife, die mit einem Aromastoff in ihrer Wahrnehmung belebt wird. Vielleicht war es die Bleu de Chanel-Reihe, die dieser neuen Abfolge von den sogenannten Duschgel-Düften das Tor weit aufstieß. Ein Trendsetter war die Serie.

Der Armani zeigt diese Charakteristik nicht. Durch seine Gewürze und Kräuter zeigt er deutlich mehr Harmonie und die Stärke, die ich von einem Herrenduft auch erwarte. Seine größte Stärke ist jedoch, dass man die Inhaltsstoffe auch herausreichen kann – vielleicht nicht alle im einzelnen, aber in der Gesamtheit bleibt ein Duft mit einem durchaus würzigen Charakter. Außerdem bekommt er die Kurve zum Holzboden besser hin.
Was dem Bleu de Chanel EdP fehlt, ist Ausdrucksstärke. Er will gefallen und jedermanns Liebling sein. Keine Ecken keine Kanten. Ein Duft, an dem der Widerstandsbeiwert reduziert und minimiert wurde – so, wie die Autos heute auf unseren Straßen. Er ist kein DS, er ist mehr C5 Aircross.

Ich habe ihm am Folgetag noch einmal eine Chance gegeben und ihn zunächst alleine getestet. Es passierte genau das Gleiche wie am Vortag. Nach 1 bis 1½ Stunden stand die Zitrone wieder auf, klappte den Aktenkoffer zu usw. usf..

In meiner Verzweiflung wollte ich es jetzt wissen. Ich wollte den Duft mit einem Sandelholzduft layern, der für mich Sandelholz repräsentiert. Ich hätte die Referenz aus dem Hause Chanel wählen können, aber gegen den Égoïste wäre der Bleu de Chanel mit Maus und Mann untergegangen. Zudem entspricht der Égoïste natürlich gänzlich einer anderen Duftrichtung. Also habe ich einen puren und reinen Vertreter der Gattung Sandelholz gewählt, das Sandelwood von ToOBS – was ja nur ein Cologne ist. Und tatsächlich kann man den Charakter des Duftes heben und ihm mehr in die Richtung Sandelholz drücken. Aber nach 2 bis 3 Stunden ist der Charakter eines Duschgels wieder deutlich zu erkennen.

Da ich gedanklich immer nach einem Gleichnis aus der Welt der schönen Künste suche, blieb ich mit meinen Gedanken bei Tucholsky's Augen in der Großstadt (1930) hängen:

Wenn du zur Arbeit gehst
am frühen Morgen,
wenn du am Bahnhof stehst
mit deinen Sorgen:
da zeigt die Stadt
dir asphaltglatt
im Menschentrichter
Millionen Gesichter:
Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
die Braue, Pupillen, die Lider -
Was war das? vielleicht dein Lebensglück...
vorbei, verweht, nie wieder.
2 Antworten
MikeDevilleMikeDeville vor 22 Tagen
Mit welchem Parfüm von Armani hast du Bleu verglichen?
DerOlfaktorDerOlfaktor vor 22 Tagen
Mit dem hier:
https://www.parfumo.de/Parfums/Giorgio_Armani/eau-pour-homme-2013-eau-de-toilette