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Mahon Leather von Floris

Mahon Leather 2011

Apicius
22.12.2011 - 21:27 Uhr
10
Top Rezension
8Duft 5Haltbarkeit

Patchouli und Leder

Alles andere als ein Leisetreter ist der neue Floris-Duft Mahon Leather. Erstaunlich, dass so etwas wieder veröffentlicht wird – spätestens der Oud Hype hat dem Trend zu immer leichteren Wässerchen endgültig das Genick gebrochen.

Mahon Leather bringt überaus kräftige Noten auf für mich neue Weise zusammen. Anders als die Pyramide vermuten lässt, ist hier nach meinem Empfinden ein gnadenloser Kampf im Gange zwischen Leder und Patchouli. In seiner Grundanlage ist Mahon Leather ein Orientale vom Typ Patchouli-Vanille, ein wenig vergleichbar mit Jaipour Homme EdP oder auch Calvin Kleins Obsession. Doch über den ganzen Duftverlauf hinweg werden wir Zeuge, wie der orientalischen Opulenz die Spitze gebrochen wird – und das ist ganz großes Kino!

Der Auftakt ist mit seiner Safran Note gleich richtig spektakulär. Wie kein zweites bewirkt genau dieses Gewürz mit seiner Muffigkeit eine von mir als oft intim und körpernah empfundene Anmutung. Es gibt eine gewisse Süße, und von Anfang an ist diese Leder-Patchouli Beziehung da.

Mit dem Leder ist das hier so eine Sache. Das ist keine Ledernote wie aus dem Ei gepellt. Sie ist durch den Einfluss des von mir hier vermuteten Patchouli bedeutend anders als diejenigen Noten, die wir gewöhnlich unter dieser Bezeichnung erwarten. Ich rieche eine gewisse Schärfe und Breite – dieses Leder ist nicht roh, sondern es weist Spuren einer Behandlung mit Pflegemitteln auf. Ich würde jetzt nicht so ohne weiteres behaupten, Mahon Leather hätte einen Schuhcreme-Akkord wie etwa das neue Blask von Humieski & Graef. Es geht in die Richtung, aber es ist nochmal anders – eben eine ganz eigenständige Erfahrung.

Der gesamte Duftverlauf dreht sich um Leder und Patchouli. Nur kurz droht die orientalische Seite Mahon Leather in eine unangenehme Breite zu treiben, doch immer wieder wird diese Tendenz eingefangen. Da gibt es dunkle, trockene, auch holzig anmutende Aspekte, die zeitweise stark dagegen halten.

Besonders gut gefällt mir, dass diese Linie bis zum Ende durchgezogen wurde. Patchouli ist meist in der Basisnote angesiedelt. Wie oft erleben wir es, dass in einem solchen Orientalen die Opulenz zwar im Kopf und vielleicht noch im Herz auf spannende Weise gedeckelt wird – doch irgendwann bricht das alles zusammen, und eine widerlich süße Patchouli-Vanillesoße schwappt regelrecht auf den Träger über. Damit verschont uns Mahon Leather zum Glück. Wenn nach etwa vier Stunden die dunklen und lederartigen Aspekte das Schwächeln anfangen, tritt eine trocken-pudrige Note als Korrektiv auf, und die überlebt schlussendlich sogar das Patchouli.

Dass Mahon Leather nur Eau de Toilette Stärke hat und somit nach einigen Stunden verblasst, dagegen habe ich bei so einem überaus kräftigen Duft gar nichts einzuwenden. Ein wenig Rücksicht auf sich selbst muss auch sein. Mahon Leather ist ein eher robuster, winterlicher Duft, dem eine gewisse Grandezza nicht abgesprochen werden kann. Auf jeden Fall ist Mahon Leather ein Parfum der deutlichen Worte, der erhobenen Stimme und der unmißverständlichen Präsenz. Astrologisch würde ich es dem Sternzeichen Löwe zuordnen, und ein typischer Löwe-Charakter wäre ein geeigneter Träger. Schön, dass manchmal aus Bekanntem gänzlich Neues entsteht!
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