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Gellé Frères
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Nach den -sinngemäßen- Worten eines großen Parfümeurs benötigt jeder Erfolg eine Geschichte. Bei dem 1826 gegründeten Parfüm- und Kosmetikhaus Gellé Frères findet sich jene... Mehr
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Wissenswertes

Nach den -sinngemäßen- Worten eines großen Parfümeurs benötigt jeder Erfolg eine Geschichte. Bei dem 1826 gegründeten Parfüm- und Kosmetikhaus Gellé Frères findet sich jene in Versailles in der Person der Marie-Antoinette und ihres hofeigenen Parfümeurs: Jean-Louis Fargeon gehörte einer Familie von Apothekermeistern und Parfümeuren an und war 1774 verehrter, königlicher Parfümeur des Hofes von Versailles und der Königin Marie-Antoinette. Es sei ihm gelungen, für die Königin „den Garten von Trianon“ in einen Flakon zu füllen. Zahlreiche Rezepturen für „Parfüms zur Verschönerung“ befanden sich seit Generationen im Familienbesitz der Fargeons. Einige Rezepturen wurden nach dem Tod von Jean-Louis Fargeon d. J. von einem Nachkommen aus dem Bestand von „Fargeon jeune“ verkauft. Die Brüder Jean-Baptiste Augustin und Nicolas Willeborde Gellé sollen Parfümrezepturen des Meisterparfümeurs erworben haben.

1826 eröffneten die Brüder Gellé gemeinsam ihre erste Parfümerie in Paris unter dem Namen „Parfumerie Savonnerie Gellé Frères“ und machten ihr Parfüm Trianon zum Flaggschiff ihrer Marke. Trianon wurde in zeitüblichen Flakons in verschiedenen Ausführungen mit blumigen Noten vermarktet. 1827 lag die Produktion der Brüder in La Chapelle, wo Gellé Frères ein Lager für Eaux de Cologne besaß.

Zur Produktpalette von Gellé Frères als Destillateur von Blumen und aromatischen Pflanzen gehörten Parfüms, Eaux de Cologne, Toiletten- und Zahnseifen, Puder, Glycerin-Zahnpasten, Mundspülungen und Rasierschaum sowie Essenzen aus Nelken, Sandelholz, Patchouli, Vetiver und Rosenholz. 1876 war ihr Eau de Cologne „Eau d'Albion" bis Brasilien bekannt, dessen sanfter Duft nach Darstellung einer Parfümkritik aus dem Jahr 1866 sowohl an Lavendelwasser als auch an Portugalwasser erinnert haben soll. Eine leichte Spur von Essigsäure sei vorhanden, aber durch eine Mischung gekonnt kombinierter Aromen, darunter Tolubalsam und Bergamotte, kaum zu erahnen gewesen.

In einem Adressbuch aus dem Jahre 1850 heißt es über die Gesellschaft: „Gellé Ainé et Cie, ehemals Gellé Frères, Erfinder eines Regenerators zur Eindämmung von Haarausfall, Erfinder der Zouave-Creme zum sofortigen Färben von Bärten, Schnurrbärten und Koteletten.“ Zu dieser Zeit war das Unternehmen in der Rue des Vieux-Augustins 35 in der Nähe des Place des Victoires ansässig. Zur geänderten Firmierung sind keine Hintergründe bekannt. Eine Anzeige von 1861 belegt, dass „Gellé Frères" als Markenname mit Werbung für „Maison Gellé Frères, Gelle Ainé et Co." (Haus Gellé Frères, Gellé Senior und Co.) nicht untergegangen ist.

Gellé Frères weihte in Neuilly-sur-Seine eine der ersten dampfbetriebenen Fabriken von Paris ein und nahm in London und Paris an verschiedenen Ausstellungen teil. 1851 erhielt das Unternehmen auf der Weltausstellung in London eine erste Auszeichnung. 1860 legte Gellé Frères eine erste Abhandlung über die Kosmetik auf. 1867 wurden die namhaften Parfümeure, Chemiker, Seifenmacher und Exporteure auf einer Ausstellung mit einer Silbermedaille geehrt. 1870 zog die Fabrikation nach Levallois-Perret um. Im Anschluss eröffnete das Haus ein prestigeträchtiges Geschäft auf der Avenue de l’Opéra.

1885 wurde Paul Lecaron der Lecaron & Fils, Enkel von Jean-Baptiste Augustin Gellé, Direktor und Eigentümer des Hauses. Er übernahm damit die Nachfolge seines Vaters Emil. Paul Lecaron wurde später Präsident des Syndicat de la Parfumerie Française. Unterstützt wurde er durch seinen Bruder Maurice Lecaron. 1887 eröffneten die Kaufleute ein Büro auf der Fifth Avenue in New York. Nach dem Tod seines Bruders traten Paul Lecarons Neffen André und Robert mit in das Unternehmen ein. Gemeinsam erwarben sie zahlreiche Auszeichnungen auf den Weltausstellungen und auf internationalen Ausstellungen in Barcelona, Paris, Moskau, Hanoi und Brüssel. Gellé Frères' Erzeugnisse wurden selbst in Bolivien beliebt.

Für 1892 sind Fälschungen der Gellé Frères Colognes belegt. In einem Handelsbericht französischer diplomatischer und konsularischer Vertreter aus dem Jahr 1892 ist über frühe Fakes der Parfümgeschichte zu lesen: „Parfümerie. Wir liegen bei diesem Artikel in Führung, aber es würde mich sehr überraschen, wenn wir diese Position noch viel länger innehaben würden. In den letzten Jahren haben die Deutschen und Österreicher den Markt mit französischen Fälschungen überschwemmt. Ich halte ein Etikett für ein doppelt destilliertes Eau de Cologne in den Händen, das sehr an das Etikett von Gellé Frères erinnert, bei dem jedoch der Name dieses sehr ehrenwerten Hauses durch die Worte „Parfumerie aux Fleurs“ ersetzt ist. Auch die Lidschatten von Dorin, Paris, werden imitiert; sie ersetzen einfach die Wörter Dorin durch Dotin. [...] Außer den Fälschungen, die direkt aus dem Ausland kommen, gibt es in Konstantinopel ein Haus, dessen Spezialität darin besteht, alle Flakons zu sammeln, die französisches Parfüm enthielten, um diese dann mit einem stattlichen Gewinn an kleine lokale Fälscher weiterzuverkaufen."

1900 machte das Haus attraktive Schauspielerinnen und Tänzerinnen wie Mistinguett und Belle Otéro durch Werbung zu Musen ihrer Marke. Als Plakatgestalter beschäftigten sie den namhaften französischen Werbe- und Plakatdesigner Jean Carlu. 1913 wurde das Parfum Seduction in der New York Times beworben. Im I. Weltkrieg pries Gellé Frères als „älteste große französische Marke" 1916 Mundhygiene-Produkte wie Zahnseife und Glycerin-Zahnpasta in Tuben „für die Front" bzw. „für die Soldaten in den Schützengräben" an: „Sehr praktisch - schützt siegreich die Zähne", lautete der Slogan.

1969 wurde die Fabrikation von Levallois nach Palaiseau verlegt. Zwischen 1970 und 1980 entwickelte das Unternehmen unter der Leitung des Apothekerehepaars Pointet eine Produktlinie für die Schönheitspflege. Die Eheleute Pointet hatten die Marke übernommen und positionierten sie auf dem Markt der pflanzlichen Heilmittel. 1981 bot Gellé Frères innovative Hautpflegeprodukte mit individualisierten Blumenritualen in einem Institut am Boulevard Haussmann in Paris an.

1993 gehörte Gellé Frères zum Schönheitssalon-Spezialisten Ipsocos. Das letzte Institut des alten Hauses Gellé Frères soll sich in der Avenue Daumesnil in Paris befunden und den Verkauf der Produkte im April 2014 eingestellt haben. Um 2014 wurde Gellé Frères von Ipsocos verkauft an den Franzosen Simon Ménard und an ein chinesisches Familienkonsortium mit Hauptgeschäftsfeldern in den Bereichen Tee und Schmuck. 2015 erfolgte die Wiedereinführung der Marke. Gellé Frères kehrte im Jahre 2016 mit fünf überarbeiteten Linien in Form von Ölen, Seifen, Masken und Lotionen insbesondere auf den chinesischen Hautpflegemarkt zurück und gab 2022 sein Debüt in Nordamerika. 2017 führten sie die neue Parfümkollektion „Queen next Door" ein. Die 2017 geöffneten Türen einer Boutique auf der Avenue de l’Opéra in Paris sind inzwischen wie andere französische Boutiquen der neuen Gesellschaft geschlossen und auch der europäische Internetauftritt ist derzeit (Stand 2025) ohne Funktion. Außereuropäische Webseiten sind aktiv und vermarkten Pflegeprodukte.

Recherchiert und verfasst von Elisa1000Elisa1000