Diesen Kommentar schreibe ich nur auf Basis von 3 Tests, erster Test 3 Spühstöße, beim zweiten Mal 5, dritter Test mit 7 Sprühstößen - jeweils am Hals. Das heißt, ich gebe meinen ersten Eindruck wieder, richtig fundiert kann’s nicht werden, dazu bräuchte es Erfahrungen über Monate, vielleicht auch über verschiedene Jahreszeiten. Es fehlt also die Tiefe, die man nur erreicht, wenn man länger mit dem Parfum lebt, sich kennenlernt und quasi in einen Dialog kommt. (...Hey, Antaeus, gib’ mir mal den Kaffee rüber. Was ich dir immer schon mal sagen wollte, lass’ doch bitte nicht immer dein Koriander im Bad rumliegen....“ „Stell’ dich nicht so an! Erzieh’ du mal lieber deine Töchter besser!“ „Wieso?“ „Weil sie immer sagen, du sollst mich nur im Freien benutzen. Ich bin doch kein Sylvesterfeuerwerk.“ „Sind halt noch zu jung...“ „Eh voila - wenn sie’s noch mal sagen, geh ich zu Jacques zurück und lass’ mich reformulieren!“ „Machst du nicht!“ „Und ob!“ „Drama-Queen!“
Zu derartig privaten Gesprächen ist es also mit L’Homme Ideal EdP bei mir noch nicht gekommen, aber zu einem ganz ordentlichen ersten Eindruck. Er hat sich zunächst einmal sehr höflich und zurückhaltend vorgestellt, den Hut in der Hand haltend und auf Abstand bedacht. Deutlich anders als sein Bruder, der unkonzentrierter ist und etwas mehr dem Alkohol zuspricht, weshalb er auch schon mal etwas lauter und aufdringlicher wirken kann. Was ihn mit seinem etwas älteren Bruder verbindet, ist die Neigung zu süßem Naschwerk, speziell Mandelkern und Marzipan. Allerdings hat er sich hier viel mehr unter Kontrolle, achtet mehr auf seine Figur und steckt sich stattdessen lieber mal eine Rose ins Knopfloch. (das ist zwar nicht so nahrhaft, wirkt aber doch sehr Bohème-mäßig).
Während sein Bruder am liebsten im doch etwas süßlich-dunkelrotem Samt-Jacket aufkreuzt, trägt das EdP-Brüderchen stets und stolz sein neues Wildleder-Sakko. (Er wollte sich allerdings gleich mal, verspielt wie er ist, mein dunkelgrünes Harris-Tweedsakko ausleihen, was ich ihm aber glatt verweigert habe.) Ansonsten versprüht er noch einen gewissen sandelholzigen, ein wenig tonka-trunkenen Pariser Charme, er kennt immer ein paar pikante Geschichtchen aus dem Faubourg St Honorè, die Namen lässt er aber, diskret wie er ist, weg. Wenn er zu Besuch kommt, hat man es also mit einem insgesamt sehr angenehmen, wohlerzogenem Gast zu tun, den man – und das ist schon o.k. - so schnell nicht mehr los wird. Anders als sein Bruder, der poltriger und lauter auftritt, aber dann bald schon wieder weg muss, weil er irgendwo etwas nicht versäumen will, das „certainment très amusant“ werden wird. „Au revoir, mon ami, à bientot!“ Und weg ist er. Amusant ist der jüngere EdP-Bruder vielleicht nicht so sehr, aber doch recht distingué und charmant, man kann sich glatt an ihn gewöhnen.