Oliban war ein Blindkauf, den ich anhand der aufgelisteten Duftnoten getätigt habe. Er schien gut in mein Beuteschema zu passen. So dachte ich. Meine Nase allerdings, stellte fest, dass dem nicht so ist.
Wo fange ich nur an? Beim Flakon. In edlem dunkeln fast schwarzem Braun gehalten, mit Kanten, die an den kristallinen Aufbau eines Edelsteins erinnern sollen, ist er eine echte Augenweide. Natürlich ist der Flacon nicht geschliffen, sondern Pressglas. Es soll ja noch bezahlbar bleiben. Jedoch vermindert das nicht den Gesamteindruck der Schönheit.
Mit großer Vorfreude und dem schönen Flacon in der Hand erwartete ich einen rauchigen, vielleicht ein wenig süßlichen, aber auch holzigen Weihrauchduft. Schließlich heißt das Parfum Oliban. Tabak wie auch Palisander stehen in der Duftbeschreibung zusammen mit Tonka und Amber. Klingt doch gut, oder? Ein Sprüher und Wow ... grenzenlose Enttäuschung. Was ist denn das?
Seifige Rose vermischt sich unangenehm mit einem Hauch von viel zu frischem weißen Weihrauch. Das war's. Mich schüttelt es. Das kann doch nicht wahr sein. Wo ist der Rauch geblieben?
Einen bemerkenswerten Duftverlauf kann ich übrigens auch nicht feststellen. Zunächst habe ich seifige Rose vermischt mit frischem weißen Weihrauch. Das ist übrigens die leicht zitrische Note, die sich in die Rosenseife mischt. Tabak? Nicht die Spur. Irgendwas Süßes? Hier nicht. Im späteren Duftverlauf tritt die Rose zurück und nur noch die Seife verbleibt.
Dieser Duft lässt mich ratlos zurück. Der schöne Flacon hilft da auch nicht weiter. Liegt's an meiner Haut oder an meiner Nase? Keine Ahnung. Ich muss mich jetzt jedenfalls erstmal von diesem unerfreulichen Dufterlebnis erholen und gönne meinem Näschen eine Dosis Bois d'Ascèse oder Cardinal.