Sanguine von Keiko Mecheri

Sanguine 2000

Aura
16.11.2012 - 06:28 Uhr
4
Hilfreiche Rezension
2Duft

Sanguine vs. Orange Sanguine

Zum Vergleich stehen Keiko Mecheris Sanguine und Orange Sanguine von Atelier Cologne. Ich kann mich Louce nur anschliessen: Blutorange riecht zwar lecker, aber als Parfum sollte ihr etwas beigemischt werden, damit man nicht nur nach Frucht, sondern auch ein bisschen nach Kunst riecht.
Nicht anschliessen kann ich mich aber, dass Mecheris Sanguine (S) dies geglückt ist. Weil es zu S tatsächlich mehr zu sagen gibt, steht der Kommi also hier. Vorweg: Meine Nase ist noch nicht so gut geschult, aber ich gebe mein Bestes ;o)

Beide starten mit purem Fruchterlebnis auf der Haut – Frucht auf Fleisch = Fruchtfleisch, gnii... Intensive, spritzige, frische Blutorange, ganz natürlich.

Bei OS schwebt diese Kopfnote bis zum Schluss über der weiteren Duftentwicklung.
Bei S wird die Orange von der Zitrone abgelöst (eigentlich genau anders herum, wie es in der Pyramide steht)

OS geht, zugegeben, keinen extravaganten Weg, gefällig schön und harmonisch mischen sich die Blumen darunter, den Jasmin erkenne ich, von Geranium weiss ich nicht, wie es riecht. Diese Komposition erinnert an eine südlich-sommerliche Mischplantage aus Orangenbäumen und Blumenwiesen, wo Grillen zirpen, Bienchen summen und trockene Grashalme an den nackten Waden kitzeln. Dazu passen natürlich schon rein assoziativ die warmen Hölzer, die ganz kurz nach den Blumen mitmischen, dann immer stärker werden und der Orange ihre Spritzigkeit nehmen, sie etwas austrocknen, aber nicht verdrängen, eher veredeln.

S dagegen versucht bewusst, die logisch scheinende Interpretation eines Orangendufts zu umgehen und anders umzusetzen. Zu anders, wie ich finde. Es gibt eine Marokkanische Leckerei, Salzzitronen. Ich esse und rieche zwar gerne orientalisch, aber Salzzitronen sind nicht mein Fall. S riecht nach diesen Salzzitronen. Von Blutorange nehme ich höchstens noch einen Hauch unter dem dicken Salzmantel wahr. Diese sauer-beissende Salzzitronennote ist irgendwie erstickend.

Während OS weiter lecker warm und süss vor sich hin früchtelt, kriege ich bei S fast keine Luft mehr. Wahrscheinlich ist das der Moschus, der hier so salzig, fast schweissig wird? Später driftet das Ganze leider auch noch ins Modrige ab, das kann ich nun gar nicht mehr anders erklären als mit dem Vergleich eines Regenschirms, den man nass zugemacht und vergessen hat. Spätestens jetzt will ich mir den Duft eigentlich abwaschen.

Fazit: Hier ist „anders“ nicht besser.

Wer dennoch einen fruchtigen Orangenduft mit dem gewissen Extra sucht, der könnte mal „Andalucia sensuelle“ probieren. Der hat tatsächlich auch Salz drin, aber so wie Sanguine nicht gleich Sanguine ist, ist auch Salz nicht gleich Salz.
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