Admirabilis von La Manufacture

Admirabilis 2017

Uhrenmann
23.05.2024 - 08:24 Uhr
5
9Duft 8Haltbarkeit 7Sillage 7Flakon 8Preis

Calm down my heart - don't beat so fast.

Mein Erster Eindruck.

Auch Du Shice! Das ist genau der Mist, den ich befürchtet hatte! Ein Mal in die Luft gesprüht machte sich genau dieses rauchig-süße Harzigkeit breit, deren Rauch man nochmal in guter Butter und Zucker nachfrittiert hat, damit auch niemand vergisst, dass hier mal gesprüht wurde.

Mein jetziger Eindruck.

Verzeiht, edler Freund. Ich tat Euch Unrecht! Ihr seid edel, gut und in Stunden des Dürstens nach Geborgenheit sicher auch hilfreich. Ihr werdet da sein und die Welt zur Ruhe bringen, wenn Despoten zürnen, alles aus den Fugen gerät und sei es, mich in den Tod zu begleiten.

Donnerwetter, was schreibe ich hier? Aber ja, so ist es, irgendwie. Vielleicht, weil es so ist, vielleicht, weil ich gerade mal wieder Watchmen im Ultimate Cut gesehen habe und mich nun endlich ans Original-Comic wage. Vielleicht, weil der Duft genau das vermitteln will. Die in Bezug genommene Abtei Fonfroide scheint passend, denn genau das ist es. Das ruhige, das In-Sich, der trotzdem offene Blick. Für mich macht das eben der Mix aus den Harzen, die die Seele in den Himmel begleiten könnten, der mittelfein holzige Rauch, bei dem ich unmittelbar an die guten Erzgebirger Räucherkerzen vom Huss denken musste und die manchmal nur zu erahnende Zitrik, die hier nicht spritzig und hochtonal in die Ruhe hineingaukelt, sondern sich mit milden Tönen gemein macht und das Gesamtwerk ergänzt.

Ich habe den Eindruck, als stützten sich die einzelnen Aromen gegenseitig, um das große Ganze zu erreichen. Dabei mühelos und verlässlich, ohne je angestrengt zu wirken. Es ist diese Ruhe und Verlässlichkeit, die mich beeindruckt, ohne dabei muffig oder vordergründig dominant zu wirken.

Ich denke als Atheist hierbei nicht an Weihrauch, Myrrhe und was war das andere noch? Nicht an Ministranten und irgendeinen Qualm im Kirchenschiff vorsichherwedelnden „Würdenträger“. Das ist zu profan, zu abgeschmackt. Der Duft ist die ursprüngliche Idee vor deren Urbarmachung zur Verwirklichung eigener Machtgelüste, Abhängigkeiten, Strukturen und persönlichen Vorteilen. Dieser Duft ist der Ehrwürdige im Kloster, der Teil der Welt ist, für sie lebt und mit liebevoller Distanz auf sie blickt.

Er bringt die Ordnung und Ruhe in meinen Parfümschrank. „So, Ihr Flitzpiepen. Papa ist da! Ruhe jetzt mal.“ Dann lächelt er milde in die Runde und alle lächeln wissend zurück. „Ja, genau Du, ADG Profumo. Du weißt, wir lieben Dich und das ist gut so, aber nimm Dich mal bitte nicht ganz so ernst. Du bist ein ganz Feiner, aber Dein eleganter Vorwitz passt nicht immer. Und behalte Deine kleinen Brüder mal gern etwas mehr im Auge.“ Alle lächeln wieder, weil sie ihren Kumpel Profumo kennen und genau wissen, was der Admirabilis hier meint. „Und Du, Beau de Jour. Du bist der Schönste hier und jeder weiß das, inklusive Dir, insbesondere. Aber lass uns mal schauen, dass wir hier alle zusammen was Schönes erreichen. Machen wir. Oder?“ Er blickt wieder freundlich in die Runde und alle nicken glücklich zurück.

So ist das ungefähr, seit gestern in meinem Parfümschrank.

Ihm fehlt, ebenso wie Dunhill Edition jede Selbstironie. Aber er muss das weder erwähnen, noch herausstreichen. Er ist der Chef. Der gütige, sich gemein machende. Niemand würde ihn in Frage stellen, weil er aus sich selbst heraus Vertrauen vermittelt, das jeder in ihn haben kann. Er steht und wandelt im Hier und Jetzt. Er freut sich nicht auf die Party am Abend. Er wird da sein, vielleicht. Vielleicht passt er aber auch nicht dahin. Zwischen die jungen Leute, das überschwänglich gut gelaunte. Das entscheidet er, wenn er da sein wird. Vielleicht schaut er kurz vorbei, begrüßt die Leute und geht dann mit Freude im Herzen über das Gute, die Freude, die woanders am heutigen Abend passiert, in seine Kammer und widmet sich in ruhigem Genuss dem Studium der Themen, die die Welt zusammenhalten.

Er blickt nicht in Trauer auf verflossenes zurück. Er ist hier. Er ist jetzt. Mit allen Erfahrungen, die ihn zu dem gemacht haben, was er ist. Auch er wird gehen, irgendwann oder bald. Jeder Zeitpunkt wird der richtige sein.

Er hat durchaus etwas dunkles, finsteres, doch fehlt ihm die Morbidität, wie sie vielleicht ein encre noir mit sich bringt. Er ist in aller Düsternis immer noch optimistisch.

Für wen?

Nichts für junge Leute. Also passend für mich. Er passt, überraschender Weise, zu vielem. Anzug, Wollpullover, Polo-Shirt. Der Duft unterstreicht die Ruhe, die sein Träger mitbringen sollte. Wer gern auf den Putz haut, wird anlassbezogen besseres finden. Die freundliche Ernsthaftigkeit ist nichts für den geckenhaften Manager, der sich gern mit Statussymbolen und -gehabe über andere erhöht. Ich kann nicht wirklich sagen, für wen. Eher, für wen nicht.

Für wann?

Erste Assoziation – ganz ehrlich – eine Beerdigung. Welchen Duft trägt man zu einer Beerdigung? Wer ist ruhig genug? Wer stützt und vermittelt Haltung, ohne sich in den Vordergrund zu spielen? Wenige, denke ich. Es schwingt immer eine gewisse positive Feierlichkeit mit. Ich werde ihn tragen, wenn ich in mir selbst ruhe oder ruhen möchte.

Wenn der Duft eine Uhr wäre.

Das ist verdammt schwierig. In jedem Fall massiv, verlässlich, Stöße unbemerkt wegsteckend. Gelbgold? Nein! Rotgold? Vielleicht. Aber auch eher nein. Hier würde, das zitierte „sich gemein machen“ fehlen. Also Edelstahl. Ein guter, höchst vergüteter Edelstahl. Eine Sportuhr für Leute über 50. Nicht aggressiv, sich nichts mehr beweisen müssend. Eine hochwertige Taucheruhr, die für alle Widrigkeiten gerüstet ist und Ruhe ausstrahlt, dazu einen gewissen Chic mitbringt.

Jetzt ist es doch einfach: Meine Seiko SLA049.

https://www.seikowatches.com/de-de/news/20210225-98911076326

Eine hochwertige, massiv, sportliche Uhr der wenig etwas anhaben kann. Die sphärisch blauen Töne und höchstwertigen Polituren bringen den wenig aufdringlichen Chic mit, die überarbeitete „Turtle-Form“ verweist auf die 70er, ohne angestaubt zu wirken. Die klare, geraden Zeiger und Indices bieten zu jeder Zeit beste Orientierung und sind auf ewig ansehnlich, ohne zwischen Punkt- oder Trapez-Indices zu changieren. Eine Klasse für sich. Leistungsfähig, modern und wunderschön, dabei derart zurück genommen, wie man sie sich mit Anfang 20 eine Taucheruhr wohl nicht kaufen würde, weil sie zu wenig auf- oder erregt. Dazu passt die Geschichte Naomi Uemuras, zu dessen Gedenken seines 80. Geburtstages die limitierte Version auf den Markt gebracht wurde. Ein großer Bergsteiger und Naturfreund, verschollen 1984. Einer der größten Japanischen Nationalhelden.

Wiederkaufen?

Ja und Amen!
8 Antworten
ScentwolfScentwolf vor 1 Jahr
Klasse Duft, interessant beschrieben.
Für Beerdigungen empfehle ich allerdings Eucris EdP.
Für mich ist Admirabilis eher lebensbejahend ;-)
AxiomaticAxiomatic vor 1 Jahr
1
Äußerst amüsant und prima beschrieben.
Gerne gelesen!
UhrenmannUhrenmann vor 1 Jahr
Fein, dankeschön! Ein ehrwürdiger Duft!
Camey5000Camey5000 vor 1 Jahr
1
Ich habe dich mit Begeisterung begleitet.
UhrenmannUhrenmann vor 1 Jahr
Das freut mich sehr. Vielen Dank!
KreisquadratKreisquadrat vor 1 Jahr
1
Diese von nicht überbordender Poesie durchdrungene Bildlandschaft habe ich gerne gelesen!
Textwand-Pokal! 📜🏆
Meine erste Begegnung mit "Admirabilis" war auch nicht von Überzeugung geprägt, jedoch schnell wandelte es sich in Faszination und Liebe.
Zudem ist es das Parfum, für das ich bisher am meisten Komplimente bekommen habe. Nicht das es wichtig wäre Komplimente zu bekommen, dafür trägt man ein Parfum nicht unbedingt. Jedoch zeigt es, dass so ein feines Parfum Wohlwollen bei meinen Mitmenschen erzeugt.
Und das "Er [...] in aller Düsternis immer noch optimistisch [ist]." drückt es sehr passend aus.
Bei der Einordnung "für wann", im Prinzip für alle Momente des Lebens und der Begegnungen voll der Ruhe, Geborgenheit und minimalistischer Eleganz.
UhrenmannUhrenmann vor 1 Jahr
1
Nette Ideen, mit den Uhren! Aber die SLA051 wäre mir für diesen Duft zu "profan". Seikos günstigerer Fertigung wiederum nicht gut genug als Vergleich für diesen Duft. Die SLA049 macht sich mit ihrer zurückhaltenden Bläue schon ganz gut. Das ist das positive, lebensbejahende, wie im Duft. :-)
KreisquadratKreisquadrat vor 1 Jahr
PS: Und zum "Admirabilis" würde ich persönlich die SLA051, der schwarzen Lünette wegen wählen und sie dabei in den Sonnenuntergang halten um die letzten, tief goldenen Sonnenstrahlen auf ihr reflektieren zu wollen.
Wobei ich die SRPB43 mit einem warm-braunen Armband vorziehen wollen wurde. Als noch viel passender empfinde ich die SRPE11J1 (Coffee/ Irish Coffee). Die perfekte Seiko die für mich den "Admirabilis" verkörpert.