Ana Abiyedh Rouge / أنا أبيض روج (Eau de Parfum) von Lattafa

Ana Abiyedh Rouge
أنا أبيض روج
Eau de Parfum

Scenturio277
05.04.2025 - 04:54 Uhr
7
Hilfreiche Rezension
7.5Duft 10Haltbarkeit 8Sillage 7Flakon 10Preis

Hält der jetzt oder nicht?

Nach meiner doch sehr ernüchternden Erfahrung mit dem For Him Red Edition Intense im Bezug auf BR540-Klone will ich mir es nicht nehmen lassen, dem Ana Abiyedh Rouge hier auch eine Rezension zu widmen. Dufttechnisch lassen sich im Vergleich mit dem erwähnten Zara-Dupe zwei hauptsächliche Unterschiede feststellen: Der Moschus hält sich deutlich stärker zurück und sticht nicht. Und die generelle DNA wurde mittels Birne um eine fruchtige Komponente erweitert. Der Rest entspricht dem bekannten Konstrukt: Zahnarzt gönnt sich in seiner Praxis eine extra große Portion Zuckerwatte. Die Fruchtigkeit erinnert an eine süße Williams-Birne, ihr wisst schon, die, bei denen einem der Saft über das Kinn läuft, wenn man hineinbeißt. Dass sie den Duft dadurch mehr ins Feminine rückt, mag stimmen, aber seien wir mal ehrlich: Wer etwas Maskulines sucht, greift sicher nicht zu BR540 oder artverwandtem. Den Twist empfinde ich jedenfalls als sehr gelungen, die Kombination passt einfach.

Spannender ist für mich eher die Frage nach der Performance. Teilweise wird sie in den Himmel gelobt, teilweise als unterirdisch bezeichnet. Nun scheint die BR540-DNA grundsätzlich anfällig für Duftblindheit zu sein, ähnliches liest/hört man jedenfalls auch von anderen Vertretern dieser Art, mit Ausnahme der Zara-Version, welche sich die permanent-penetrante Wahrnehmbarkeit leider durch den fürchterlichen Synthi-Moschus erkauft. Der AAR hat sich mir tatsächlich auch mit zwei Gesichtern präsentiert: Als ich ihn das erste Mal aufgesprüht habe, war ich zu Besuch bei meinen Eltern. Aufgetragen habe ich zwei Sprüher auf den Unterarm, abends, im Gästezimmer, welches ca. 12m² groß ist. Nach anfänglicher Freude (nah am Original, guter Twist mit der Birne) folgte aber zunächst Ernüchterung: Eine Stunde und ich musste mit der Nase direkt an den Arm, um überhaupt noch etwas wahrzunehmen. Also wurde noch einmal nachgesprüht, aber auch da: 60 Minuten und die Show war scheinbar zu Ende. Enttäuschend, aber hey, 15€, das tut nicht großartig weh. Also ab ins Bett und am nächsten Tag ging es auf ein Festival. Black Metal, Bier, Schweiß, dazu mit dem Leather Oudh von Orientica so ziemlich das Gegenteil vom AAR. Nichts für Feingeister eben, klotzen statt kleckern. Der Knalleffekt trat dann aber bei der Rückkehr in besagtes Gästezimmer auf: Über 24 Stunden, nachdem ich drei (!) Sprüher auf meinem Arm verteilt hatte und die sich vermutlich an die Bettdecke geheftet hatten, öffnete ich die Tür und BAM! Die volle Breitseite BR540 schlug mir entgegen. Das, was ich am Tag zuvor noch mit der Nase gesucht hatte, hatte sich im gesamten Raum festgesetzt und ließ sich nur durch das aufgerissene Fenster bei geöffneter Zimmertür dazu bewegen, ihn wieder zu verlassen. Wer also Sorgen hat, dass man mit diesem Duft nicht wahrgenommen wird: Sprüht ihn auf Kleidung, hängt das Kleidungsstück mal in einen kleineren, nur leicht belüfteten Raum und kommt nach einem Tag wieder. Der performt, und zwar nicht zu knapp!

Bleibt noch die Präsentation: Sie ist Lattafa-typisch over-the-top, zumal in diesem Preisbereich. Das Glas des Flakons ist mit nichts anderem als "massiv" zu beschreiben, ich habe gerade nachgemessen, der Boden ist 3,2 cm dick! Mit seinem kantigen Design ist er im Notfall auch als Wurfgeschoss zur Home-Defense geeignet. Der Deckel, welcher wie die CdN-Düfte von Armaf diese kitschigen "Edelsteine" enthält, hält die Flasche dennoch sicher, keine Gefahr eines durch Fall zerbrochenen Flakons, sehr gut. Der Rest entspricht ebenfalls der (grausigen) Ursprungs-Version, die aber als Erba-Pura-Dupe mit dieser hier nur die Birne gemeinsam hat. Die Verpackung ist mit ihrem Schuber ebenso aufwändig, die Farbgebung ist an den Namen angepasst, den man besser anders gewählt hätte ("Ich bin weiß-rot" weckt dann doch eher Assoziationen mit Pommes-Schranke oder Regionalliga-Fußball als mit Parfüm), aber sei's drum. Man bekommt etwas für sein Geld, was an sich gar nicht notwendig gewesen wäre, da der Duft selbst schon überzeugt. Ob das nun Kundennähe oder eine Kampfansage an die Konkurrenz ist, sollte jeder für sich beurteilen.

Muss man den AAR also unbedingt haben? Meiner Meinung nach nicht, genauso wenig, wie man das Original haben "muss". Wer Gefallen an der DNA hat, sollte ihn sich aber zumindest mal angeschaut haben. Feine Nasen werden vermutlich qualitative Unterschiede zum Baccarat Rouge 540 Extrait de Parfum (350€ / 70ml) feststellen, aber ganz ehrlich: 60 ml vom AAR kosten mit 15€ gerade einmal 4% vom Original. Und 96% minderwertiger riecht er nicht mal im Ansatz. BR540-Ultras bleiben sowieso bei ihrem Duft, was absolut in Ordnung geht. Alle anderen Interessierten: Nicht von Berichten über schlechte Performance irritieren lassen und Ana Abiyedh Rouge testen!
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