Black Prestigium von Mancera

Black Prestigium 2015

Terra
03.06.2016 - 10:02 Uhr
Top Rezension
9Duft 9Haltbarkeit 8Sillage

Was Roja kann, können wir schon lange....?

Mancera ist Roja andersrum. Während Roja bereits bekannte Konzepte leicht verändert für den Zehnfachen Preis mit Swarowskikristallen verkauft, bekommt man bei Mancera Anlehnungen an sonst eher hochpreisige Nische mit etwas weniger Glamourfaktor für durchschnittliche Mainstreampreise. Roja verfeinert die Konzepte vielleicht eher; bei Mancera wirkt oft alles knalliger, als hätte man mit dem Synthesizer ordentlich Bass und Höhen hochgeregelt. Bei Black Prestigium ist das anders.

In der Erwartung zumindest nicht viel falsch machen zu können, sprühte ich mir heute morgen Black Prestigium großzügig auf. Rückblickend war es, als würden alle groben Facetten des Duftes in Sekundenschnelle übereinanderstolpern, bevor sich alles entfaltet. Rose, Süße, Frische... dann, oh Gott.. eine Ahnung Haarspayoud?

Das wirkte kurz etwas holprig und dieser kurze Eindruck von Haarsprayoud hat mich schlimmes befürchten lassen. Aber sehr schnell ordnete sich alles und BP wurde wunderbar rund und harmonisch. Nur hier kann ich wie mein Vorredner winzige Parallelen zu Thirty Three erkennen. Stellt man das bildlich dar, ist Thirty Three für mich hier allerdings ein strahlendes Naturspektakel. Sonnenstrahlen die sich im Wasser spiegeln, voller satter Farben. Bei Black Prestigium wirkt es, als würde man sich dies alles durch eine dunkle Sonnenbrille anschauen. Saftig-Rosige, frische und süße Aspekte; viele der schönen Aspekte von Thirty Three sind zu Beginn vorhanden. Darüber legt sich hier ein matter, leicht pudriger Schleier, der die strahlendsten und prickelndsten Aspekte mindert. Unangenehm ist das jedoch nicht, sondern einfach tragbar und eine Spur unspektakulärer. Kurz darauf verabschieden sich jegliche Ähnlichkeiten und die Rose zeigt bei mir seifige Akzente, was ich häufig störend finde. Hier geht das jedoch nicht in eine altmodische oder feminine Richtung, sondern bringt eher eine gepflegte Sauberkeit in einen sonst recht komplexen Orientalen, was wunderbar passt. Bis sich Black Prestigium so entwickelt hat, dauert es bei mir nicht allzu lange und mit erstaunlichem Kuschelfaktor ebnet sich die Basis den Weg. Ein relativ zarter, vanilliger Amber mit leichten Nuancen von Honig umgarnt die wunderbare Roseninterpretation und macht BP so zu einem sehr angenehmen Begleiter. Jedoch könnte ich mir vorstellen das die pudrigen Akzente des Ambers, die gerade in der Basis relativ dominant zum Vorschein kommen, mich auf Dauer auch etwas stören könnten. Für Mancera-Verhältnisse ist BP erstaunlich hautnah und dezent, auch im Vergleich zu Thirty Three eher ein Leisetreter. BP ist immer noch ein Duft mit einer kräftigen Sillage, doch in Relation wirkt er auf mich recht sozialverträglich und punktet eher mit Haltbarkeit und vielfältiger Einsatztauglichkeit, ohne in Langeweile abzudriften.

Ich muss meinem Vorredner also im Grunde zustimmen. BP eint wirklich viele großartige Duftaspekte, dabei wirkt dies auch sehr harmonisch und gekonnt. Er könnte Thirty Three für mich niemals ersetzen; ist weniger hell, strahlend und zeigt sich auch als völlig anderer Duft mit nur kurzzeitig leicht ähnlichen Nuancen. Ich bin mir noch nicht sicher, ob mir die pudrig-harzigen Akzente der ambratischen Basis auch bei häufigem Benutzen Freude machen. Doch übersteht BP auch diese Hürde, wäre er ein verhältnismäßig vielseitiger Duft, der für mein Empfinden durchaus in der Klasse manch deutlich teurerer Nische mitspielen kann.
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