Berkanlenck
31.08.2025 - 10:57 Uhr
11
Sehr hilfreiche Rezension
9.5Duft 9Haltbarkeit 8Sillage 9Flakon

Zwischen Bosporus und Schatten

Es war ein warmer Frühlingstag in Istanbul, die Stadt vibrierte wie immer zwischen Tradition und Moderne. Ich stand am frühen Morgen auf der Galatabrücke, die Luft erfüllt von Salz, gegrilltem Fisch und dem Singsang der Möwen. Noch etwas schläfrig, griff ich nach meinem Flakon Hacivat und schon der erste Sprühstoß brachte eine andere Art von Erwachen: frische Ananas, spritzige Bergamotte, so klar wie der Blick auf den Bosporus.

Während ich durch die Straßen von Karaköy schlenderte, mischte sich der Duft mit den Aromen von frisch gebrühtem Mokka und Simit vom Straßenverkäufer. Hacivat blieb präsent, aber nicht aufdringlich fast so, als ob er sich der Stadt anpasste, mit ihrer Mischung aus lautem Treiben und stillen Gassen.

Am Nachmittag saß ich im Schatten des Topkapi-Palastes. Zwischen den alten Mauern, die Geschichten von Jahrhunderten erzählen, schien der Duft eine andere Seite zu zeigen: grüner, tiefgründiger, mit einer fast erdigen Würde. Ich dachte an die Figur Hacivat aus dem türkischen Schattenspiel clever, elegant, manchmal ironisch. Der Duft hatte denselben Charakter: er lachte nicht laut, sondern lächelte mit Intelligenz.

Als die Sonne unterging und der Muezzin zum Gebet rief, wurde die Luft kühler. Auf meiner Haut blieb die warme Basis aus Eichenmoos und Holz, wie ein Nachhall der Stadt, die niemals schläft. In diesem Moment verstand ich: Hacivat ist nicht nur ein Parfum, sondern eine Hommage an Istanbul selbst voller Gegensätze, voller Tiefe, ein Spiel aus Licht und Schatten.
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