Berkanlenck
21.08.2025 - 11:55 Uhr
27
Top Rezension
10Duft 9Haltbarkeit 8Sillage 9Flakon 4Preis

Unutamam: ich kann nicht vergessen

Als ich Unutamam zum ersten Mal aufsprühte. Ich hatte schon viel über diesen Duft gelesen. Worte wie herausfordernd, schroff, unvergesslich hatten sich in meinem Kopf festgesetzt. Doch was wirklich auf mich zukam, konnte ich mir nicht vorstellen.

Der erste Sprühstoß traf mich wie ein Schlag kalter Luft. Minze, Lavendel, Oregano so scharf, dass es fast schmerzte. Es fühlte sich an, als würde man an einem windigen Abend auf einer Klippe stehen, das Meer unter sich, die salzige Brise im Gesicht. Für einen kurzen Moment war ich unsicher, ob ich das aushalten wollte. Dieser Duft war laut, ruppig, fast aggressiv wie ein Fremder, der einem zu nahekommt.

Doch dann, nach einigen Minuten, begann sich etwas zu verändern. Die Schärfe legte sich, wie wenn die Augen sich nach der ersten Blendung an das Licht gewöhnen. Unter der kalten Kräuterfrische entfaltete sich eine Wärme Jasmin, Patchouli, Leder. Plötzlich war da nicht mehr nur dieser wilde Sturm, sondern auch ein Lagerfeuer, das in der Ferne glühte. Ich hatte das Gefühl, als würde mich der Duft langsam in eine Geschichte hineinziehen.

Ich musste an einen Abend vor vielen Jahren denken: eine Nacht in Istanbul, als ich mit Freunden durch enge Gassen streifte. Überall hingen Lichterketten, es roch nach Gewürzen, nach Tee, nach Tabak. Wir lachten, redeten laut, und irgendwann kam dieser Moment, den ich nie vergessen konnte der Blick in die Augen eines Menschen, den ich seitdem nie wieder traf. Ein Blick, der tief ging, ohne Worte. Und genau da verstand ich: Unutamam heißt „Ich kann nicht vergessen“. Dieser Duft war nicht nur ein Parfum, er war eine Erinnerung, eingefangen in Molekülen.

Je länger er auf meiner Haut blieb, desto intimer wurde er. Die lauten Kräuter zogen sich zurück, und übrig blieb eine dunkle, warme Aura, fast schon melancholisch. Ich ertappte mich dabei, wie ich ständig an meinem Handgelenk roch, als ob ich die Erinnerung nicht loslassen wollte. Und genau das macht Unutamam mit mir: Er zwingt mich, mich an Dinge zu erinnern, die ich längst verdrängt glaubte. Er bringt Gefühle zurück, die ich tief in mir vergraben hatte bittersüß, unvergänglich.

Als ich später in die Nacht hinaustrat, hatte ich das Gefühl, eine unsichtbare Rüstung zu tragen. Fremde drehten sich um, als würden sie spüren, dass etwas in der Luft lag, das nicht alltäglich war. Aber Unutamam ist kein Duft, den man einfach so „trägt“. Er trägt dich. Er bestimmt, wie der Abend verläuft, er macht dich zu einer Figur in einer Geschichte, die größer ist als du selbst.

Und genau deshalb kann ich ihn nicht vergessen. Nicht, weil er der „schönste“ Duft ist sondern, weil er mich berührt, herausfordert, und mir das Gefühl gibt, dass ein Parfum mehr sein kann als nur ein angenehmer Begleiter.

Unutamam ist keine leichte Liebe. Es ist eine Romanze voller Widersprüche, voller Leidenschaft und Wehmut. Aber vielleicht sind es gerade diese Geschichten, die man nie vergisst.
Mein Fazit:
Unutamam ist kein Duft, den man einfach „mag“ oder „nicht mag“. Er ist wie eine Begegnung, die sich ins Gedächtnis brennt kantig, eigenwillig, manchmal fast zu viel, aber immer unverwechselbar. Auf meiner Haut erzählt er Geschichten von Orten, Menschen und Momenten, die man nie wirklich loslässt. Genau das macht ihn für mich so besonders: Er ist Erinnerung in flüssiger Form.

Ich greife nicht jeden Tag zu ihm, weil er eine gewisse Stimmung verlangt. Aber wenn ich ihn trage, fühle ich mich stärker, präsenter, irgendwie lebendiger. Es ist, als ob er mir eine Seite meiner Persönlichkeit zeigt, die sonst im Alltag verborgen bleibt.

Unutamam ist für mich kein „gefälliger“ Duft, sondern ein Spiegel meiner eigenen Erinnerungen manchmal schön, manchmal schmerzhaft, aber immer ehrlich. Und genau deshalb werde ich ihn nicht vergessen.
Berkan

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