Berkanlenck
24.08.2025 - 08:55 Uhr
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Top Rezension
9.5Duft 8Haltbarkeit 8Sillage 9Flakon

Gemälde aus Rauch und Zimt

Es war ein grauer Samstag, die Art von Tag, an dem der Himmel wie eine geschlossene Decke über der Stadt hängt und alles dumpf und still wirkt. Ich hatte beschlossen, alleine ins Museum zu gehen schon lange wollte ich mir die neue Ausstellung über klassische Malerei ansehen.

Noch bevor ich das Haus verließ, griff ich nach einer Flasche, die mich seit Monaten begleitete: Herod. Zwei Sprühstöße auf den Schal, einen auf das Handgelenk. Sofort breitete sich diese warme, würzige Wolke aus: Zimt und Tabak, getragen von einer sanften Vanille. Es war, als hätte ich mir einen unsichtbaren Mantel angelegt, schwer und schützend, perfekt gegen die Kälte des Tages.

Auf dem Weg durch die Stadt bemerkte ich, wie Herod sich mit der feuchten Luft verband. Der Duft wirkte fast so, als hätte er ein Eigenleben wie ein Gesprächspartner, der mir Geschichten zuflüsterte. Ich dachte an alte Bibliotheken, an Holz, das über Jahrzehnte seinen eigenen Geruch entwickelt hatte, an Räume voller Lederbände, in denen die Zeit langsamer vergeht.

Im Museum war es still. Der Geruch von poliertem Parkett und altem Stein vermischte sich mit meinem eigenen Duft. Während ich durch die Gänge ging, fiel mir auf, wie sehr Herod zu dieser Atmosphäre passte. Vor einem Gemälde von Caravaggio blieb ich lange stehen: dramatische Schatten, tiefe Farben, eine fast greifbare Dunkelheit. Ich atmete ein und plötzlich schien mein Parfum ein Teil des Bildes zu werden, wie eine unsichtbare Brücke zwischen mir und dem Künstler, der Jahrhunderte zuvor lebte.

Menschen gingen an mir vorbei, einige blieben neben mir stehen. Manchmal bemerkte ich einen kurzen Blick, ein kaum merkliches Innehalten. Ich wusste nicht, ob es am Bild lag oder am Duft, der wie ein Schleier um mich hing. Aber es spielte keine Rolle ich fühlte mich präsent, verankert, ganz bei mir.

Als ich nach einigen Stunden das Museum verließ, begann es leicht zu regnen. Die Tropfen löschten den Zimt nicht aus, sondern ließen ihn weicher wirken. Der Tabak trat nun stärker hervor, fast balsamisch, während die Vanille sanft im Hintergrund blieb. Es war, als hätte der Duft den Tag mit mir durchlebt vom ersten Schritt auf die Straße bis zu diesem nassen, stillen Heimweg.

Zuhause legte ich den Schal ab und spürte, wie er den Duft festgehalten hatte. Ich setzte mich mit einer Tasse Tee ans Fenster und ließ den Nachmittag noch einmal an mir vorbeiziehen. Herod war noch da, nicht mehr so laut, sondern wie eine Erinnerung, die langsam in der Stille ausklingt.

Da begriff ich: Manche Parfums sind wie Begleiter, die dir zeigen, dass ein Tag nicht groß oder spektakulär sein muss, um unvergesslich zu sein.
Berkan

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