Das ursprüngliche Quorum von 1982 steht, auch in seiner heutigen, ausgedünnten Formel, für die staubtrocken-grüne Krautigkeit eines soliden Männerdufts mit vielen Ingedienzen, aber mit einer Stimme sprechend, einen Akkord rufend.
Quorum Silver lässt nur ganz kurz einen Hauch dieser Urigkeit riechen und legt sich dann in ein Feld nieder mit Ingwer-Kardamom-Mandarine-Lavendel auf einer - aus den Duftnoten herauslesend - Zedernbasis. Aha. Zeder also.
Lecker, ohne zu süss zu sein. Etwas Kratziges ist auch drin, aber immer nur als Basis, nie in den Vordergrund tretend. Dies unterscheidet ihn von vielen leichten modernen Düften: Es hat eine solide Basis, auf deren sich die leckere Holz-Fruchtigkeit entfalten kann. Das Ganze luftig, leicht, und dann über mehrere Stunden fast unverändert bleibend. Die Farbe der Flüssigkeit passt hervorragend. A propos Flakon: Wirkt auf mich zerbrechlich. Vielleicht ein Symbol für die heutige Art der Männlichkeit, bzw. ihre Infragestellung. Das Quorum Silver hat etwas davon, passt aus meiner Sicht durchaus auch für eine androgyne Frau. Wie auch beim Mann weniger ein Duft für Body-Builder im Muscle-Shirt, sondern eher für einen Anzug-Träger. Eher Pierce Brosnan als Sean Connery.
Die Haltbarkeit ist ganz okay, ein paar Spritzer mehr brauchts schon für eine Tagesration. Die Sillage ist schon zu Beginn bedächtig, bleibt dann aber für lange Zeit gleich und wird nicht so rasch zum Skin-Scent.
Was ihn auszeichnet, ist seine Vielseitigkeit und die saisonale Unbestimmtheit: Macht sich gut in einem pollendurchströmten Frühlings-, einem sonnendurchfluteten Sommer-, einem regnerisch-windigen Herbst- und einem neblig-kalten Wintertag.
Ist das jetzt eine modernere Variante des Klassikers? Meiner Meinung nach: Nein. Es ist etwas Eigenständiges. Wenn ich nicht wüsste, dass es sich Quorum nennt, würde ich nicht darauf kommen.
Einen wirklichen Duftzwilling kann ich nicht benennen. Meine Zedern-Düfte (mindestens die mit dieser im Namen) sind nicht vergleichbar: Lagerfelds Bois de Cèdre ist viel herber, keinerlei Süße, eher pfeffrig-seifig; Ferraris Cedar Essence geht in Richtung einer leicht pudrig-crèmigen Waschmittel-Sauberkeit (?) und Armanis Eau de Cèdre hat zwar auch eine ähnliche Süße wie das Quorum Silver, aber eher wie gesüßter Schwarztee mit Salbeizusatz.
Kurz: Ein Duft, der nicht so leicht aus der Zeit fällt. Passte 2005, passt 2021.
Danke für die Rezension!